Radeon Software Crimson ReLive Edition 16.12.1 im Test: AMDs Feature-Wunderwaffe [Update: 3DMark-Drawcall-Test legt um 18 % zu]

Mit der Radeon Software Crimson ReLive Edition steht die nächste Evolutionsstufe der Radeon-Treiber pünktlich vor den spielelastigen Feiertagen auf der Matte. AMD hat die vor einem Jahr etablierte Basis - die Radeon Software Crimson - hüben wie drüben weiterentwickelt und präsentiert mit Version 16.12.1 den bis dato mächtigsten Radeon-Treiber. PCGH prüft im ReLive-Test, was Radeon-Nutzer erwartet und Geforce-Besitzern verwehrt bleibt.

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Radeon Software Crimson ReLive Edition 16.12.1 im Test: AMDs Feature-Wunderwaffe
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Die IT-Weisheit "Software sells Hardware", welche sich mit "Gute Software kurbelt die Hardware-Verkäufe an" übersetzen lässt, verliert nicht an Bedeutung. Schon immer führten neue Spiele-Blockbuster zu einer Aufrüstwelle und schon immer konnten Hersteller den PC-Nutzern mithilfe von vielseitigen Programmen das eigene Produkt schmackhaft machen. Das wissen auch die Mannen der Radeon Technologies Group, AMDs Grafiksparte, welche seit Jahren Feature- und Image-Pflege der hauseigenen Grafiktreiber ausüben.

Nach dem Catalyst Omega (Ende 2014), welcher zahlreiche Wünsche der Radeon-Nutzer implementierte, folgte Ende 2015 der nächste, weit größere Schritt: Die Radeon Software Crimson Edition beförderte den Catalyst nebst Control Center aufs Abstellgleis und ersetzte ihn durch eine runderneuerte, rasant bedienbare Oberfläche. Ein Jahr ist seit dem vergangen - Zeit, während derer AMD das Crimson-Feedback sondierte, priorisierte, implementierte und um eigene Ideen ergänzte. Herausgekommen ist die Radeon Software Crimson ReLive Edition, von der AMD stolz behauptet, es sei der größte Software-Release in der Geschichte des Unternehmens.

PC Games Hardware bot sich die Gelegenheit, die neue Radeon Software 16.12.1 vorab unter die Lupe zu nehmen. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Neuerungen Crimson ReLive PC-Spielern bietet und wie Sie die neuen Funktionen nutzen. Randnotiz: Ursprünglich kündigte AMD an, jede neue Hauptversion des Treibers mit einem neuen Rot-Ton zu benennen. Auf Nachfrage seitens PCGH, warum man beim Karminrot/Purpurrot (Crimson) bleibe, entgegneten die Treiber-Verantwortlichen sinngemäß: "Crimson hat sich bewährt, also gewähren wir ihm eine zweite Amtszeit". Ob das Volk bei Merkel im nächsten Jahr genauso entscheiden wird? Doch wir driften ab, Vorhang auf für Crimson ReLive - das bedeutet übrigens "wieder erleben".

Crimson ReLive im Test: ReLive beerbt Raptr

Im Herbst 2013 hat AMD zusammen mit Raptr die Gaming Evolved App ins Leben gerufen, einen Raptr-Client mit rotem Skin, der von AMD mitbetreut wurde. Gedacht war die App als Konkurrenz zu Nvidias Geforce Experience, vorwiegend um die optimalen Spieleinstellungen automatisch vornehmen zu lassen und den integrierten Streaming-Dienst in Anspruch nehmen zu können. Bei Nvidia ist es vor allem die Integration der Video-Capturing-Funktion Shadowplay, welche die Nutzerzahlen des Clients hochtreibt. Zuletzt bekamen die Kalifornier wegen der neu eingeführten Registrierungspflicht starken Gegenwind aus der Geforce-Gemeinschaft. Unter anderem hier möchte AMD seinen Rivalen schmerzhaft treffen.

Am 12. September 2016 haben AMD und Raptr ihre Partnerschaft beendet, die Gaming Evolved App wird nicht mehr unterstützt. Bereits vor Wochen munkelte man, dass AMD die Funktionalität des Extra-Clients fortan im eigenen Treiber implementieren wird. Genau das ist nun geschehen: ReLive ist der Namensgeber des neuen Radeon-Treibers und das wichtigste Feature zugleich. Hinter dem Namen steckt eine mächtige Capturing-Lösung für Videos und Screenshots. Um ReLive zu aktivieren und zu konfigurieren genügt ein Klick auf den entsprechenden Button in den Radeon Settings, ReLive wurde mittig zwischen "Video" und Anzeige" platziert.

ReLive 16.12: Encoding Support Quelle: AMD ReLive 16.12: Encoding Support Installieren Sie die RS Crimson ReLive Edition, begegnet Ihnen erstmals das neue Setup, in dessen Verlauf Sie entscheiden können, ob Sie ReLive installieren oder die Installation überspringen möchten - praktisch. Mit einem frisch aufgespielten oder mittels Neuinstallation zurückgesetzten Treiber ist ReLive deaktiviert. Ein Klick auf den einzigen verfügbaren Knopf aktiviert die Funktion und gibt die Konfigurationsmöglichkeiten frei. Diese sind durchaus umfangreich; Sie dürfen unter anderem die Tasten für die Aufzeichnung oder Einblendung der Ingame-Toolbar (siehe Bild unten) sowie den Speicherort der aufgenommenen Shots und Videos festlegen. Selbstverständlich lässt sich auch die Qualität der Bewegtbilder inklusive Ton, Bit- und Bildwiederholrate festlegen. Die Kodierung erfolgt entweder mittels AVC (H.264) oder, RX-400-exklusiv, HEVC (H.265).

Die Standard-Tastenkombination, um die Toolbar in Spielen einzublenden, ist Alt+Z. Da sich bei einem Capturing-Tool ein Video mehr als anbietet, verweisen wir auf das unsrige, wo wir ReLive ausführlich demonstrieren.
ReLive-Toolbar/OSD in Steep Quelle: PC Games Hardware ReLive-Toolbar/OSD in Steep Obsolet, aber interessant: In älteren, internen Treiberversionen betitelte AMD das ReLive-Feature - durchaus passend, aber an Nvidia erinnernd - "Shareplay".

Crimson ReLive im Test: Radeon Chill, das clevere Framelimit

Bei Radeon Chill, oder einfach nur Chill, handelt es sich um das zweite große Feature der Crimson ReLive Edition. Den Grundstein dafür bildet die Akquisition der Softwarefirma HiAlgo, welche AMD Mitte des Jahres vollzog. Damals war völlig unklar, welche Art der Expertise das Unternehmen einbringt, AMD versprach lediglich Verbesserungen der Radeon Software. Mit der Vorstellung von Chill, das sowohl im Wattman-Menü als auch bei den Spielprofilen auftaucht, kann die Frucht der Übernahme geerntet werden. Bei Chill handelt es sich um ein adaptives Frame-Limit, das die Bildrate nicht starr, sondern intelligent anpasst. Der Sinn dahinter ist, die Leistungsaufnahme und Lautstärke der Grafikkarte in Spielphasen zu reduzieren, wo es nicht oder nur unwesentlich auffällt.

Um das zu erreichen, wurde der Chill-Algorithmus mit zwei Fps-Schwellenwerten und einer Eingabe-Erkennung ausgestattet. Nehmen wir das Beispiel Skyrim, welches wir im Video vorführen: Bleiben Sie nach dem Laden des Spielstands einfach stehen, wird die Bildrate auf den im Spielprofil festgelegten Minimalwert gesetzt. Der Standard sind 40 Fps. Sobald Sie eine Taste drücken oder die Maus bewegen, schnellt die Bildrate nach oben - nicht auf das Niveau, welches Ihr Rechner maximal ausgeben kann, sondern auf den oberen der beiden Chill-Schwellenwerte. Hier liegt der Standard bei 62,5 Fps. Selbstverständlich funktioniert das nur, wenn Ihr Rechner konstant 62,5 Fps bereitstellen kann, ansonsten fällt die maximale Bildrate geringer aus. Die Idee dahinter ist schlüssig: Die Bildrate wird in Ruhephasen reduziert - beispielsweise in einer Zwischensequenz, der Charakterauswahl bei Overwatch oder schlicht, weil die Natur ruft und Sie das Spiel nicht beenden möchten. In diesen Ruhephasen, bei denen keine Nutzereingaben stattfinden und somit auch keine hohen Bildraten notwendig sind, spart der PC (allen voran die Grafikkarte) Strom und die Lautheit sinkt. Geht es hingegen wieder zur Sache, wird im Idealfall eine hohe Bildrate knapp unterhalb derer geliefert, die der PC maximal stemmen kann. Auch das spart gegenüber ungedrosselter Wiedergabe Energie und schont die Ohren.

Die Min- und Max-Werte lassen sich in den Profilen der bislang 18 unterstützten Spiele individuell einstellen. Bei unseren Tests mit Skyrim (Original, nicht Special Edition) und Overwatch auf einer MSI Radeon RX 480 Gaming X 8G hat Chill enorme Auswirkungen auf den Verbrauch. Wir haben bewusst dieses Modell erwählt, da es ein hohes Powerlimit und somit einen konstanten Takt erreicht. In Skyrim (WQHD, max. Details) führt ein offenes Frame-Limit zu einem GPU-Powerdraw (nur die GPU, nicht die komplette Karte!) von rund 160 Watt. Schalten wir Chill ein und aktivieren somit das 62,5-Fps-Limit, sinkt der Verbrauch auf rund 130 Watt; mit dem 40-Fps-Cap bei Stillstand sogar auf unter 100 Watt. Interessant ist, dass Chill auch dann 40 Fps setzt, wenn wir mittels C-Taste das automatische Laufen aktivieren. Der Algorithmus erkennt folglich nicht die Bewegung im Screenspace, sondern die Nutzereingaben.

Unschön beim uns vorliegenden Testtreiber ist, dass der Fps-Maximalwert falsch interpretiert wird. In den Profilen sind 144 Fps hinterlegt, ausgegeben werden jedoch 62,5 Fps. Änderungen im Profil führen zu entsprechenden Fps, beispielsweise ergibt eine 60 im Profil eine 40 im Spiel. Ebenfalls nicht ganz rund läuft die Bildrate bei aktivem Chill, wir haben in mehreren Titeln, darunter Skyrim, Ruckeln festgestellt, das ohne Chill nicht auftritt. Weitere Impressionen von Radeon Chill, auch zur Konfigurierbarkeit und dem erwähnten Ruckeln, liefern unser Video und die Bildergalerie.
Radeon Software Crimson ReLive: Globale Einstellungen - Radeon Chill Quelle: PC Games Hardware Radeon Software Crimson ReLive: Globale Einstellungen - Radeon Chill Radeon Chill funktioniert mit allen GCN-Grafikkarten (HD 7000 aufwärts) unter Windows 7/8.x/10 - Multi-GPU ausgenommen. Derzeit werden jedoch nur 18 populäre Spiele über die entsprechenden Treiberprofile unterstützt, es handelt sich folglich um gezieltes Whitelisting durch AMD. Weitere Spiele und Schnittstellen abseits von DX11 und DX9 werden voraussichtlich in der Zukunft unterstützt. Der Hersteller betont, dass es sich bei Chill nicht um einen Ersatz für Frame Rate Target Control, das im Treiber einstellbare Framelimit, sondern um eine Ergänzung handelt.

Crimson ReLive im Test: Wattman für (fast) alle

Radeon Software Crimson ReLive: Wattman mit Radeon R9 Nano (ganz unten: Chill) Quelle: PC Games Hardware Radeon Software Crimson ReLive: Wattman mit Radeon R9 Nano (ganz unten: Chill) Mit der Radeon RX 480 führte AMD im Juni 2016 eine Neuerung in den Radeon Settings ein: Das an Hobby-Übertakter gerichtete Overdrive-Menü heißt auf Polaris-Grafikkarten Wattman und bietet dort umfangreichere Takt- und sogar Spannungsoptionen einzelner Powerstates. Das weckte Begehrlichkeiten bei Besitzern älterer Radeon-Grafikkarten, denen AMD mit dem Versprechen begegnete, die Wattman-Features in Zukunft auszuweiten. Die Radeon Software Crimson ReLive Edition löst das Versprechen ein, der Treiber bietet den gleichen oder nur leicht abgespeckten Funktionsumfang auf allen Radeon-Grafikkarten der GCN-Generation 1.1 und neuer. Das beinhaltet die Radeon R7 260(X)/360, R9 285/380(X)/290(X)/390(X) und Nano/Fury (X). Die GCN-1.0-Chips Tahiti und Pitcairn sowie ihre Rebrands (HD 79x0, HD 78x0, R9 280[X]/270[X], R7 370) müssen sich aufgrund der eingeschränkten Konfigurierbarkeit mit dem alten Overdrive-Menü begnügen. Die HD 7790 ist ein Sonderfall: Sie trägt zwar die GCN-1.1-GPU Bonaire, gehört aber der HD-7000-Reihe an und könnte daher vom Treiber ausgeschlossen werden. Wir werden einen entsprechenden Test schnellstmöglich nachliefern. Eine Radeon HD 7970 mit dem Ende 2011 präsentierten Tahiti-Chip haben wir bereits ausprobiert und uns davon überzeugt, dass sowohl Chill als auch Overdrive (statt Wattman) angeboten werden.

[COLOR=textColor3]Crimson ReLive im Test: Weitere Neuerungen - und Stillstand

Neben den großen Neuerungen bringt die RSC ReLive einige subtilere Änderungen mit. AMD betont, dass man die Qualitätssicherung gegenüber der RS Crimson um 25 Prozent aufgestockt und dabei auch neue Testprozeduren implementiert habe. Eine bunte Mischung aus manuellen und automatisierten Tests stellt sicher, dass ein neuer Treiber möglichst fehlerarm veröffentlicht wird. Dass Stabilität und grundlegende Funktion großgeschrieben werden, zeigt sich auch bei der neuen "HDMI-Sicherstellung", welche sich in den Radeon Settings unter "Anzeige" findet, sobald ein Display mittels HDMI Kontakt aufnimmt. Das Feature soll in der Lage sein, dem Monitor selbst mit minderwertigen oder teildefekten Kabeln ein Bild zu entlocken. Hierfür probiert der Treiber schrittweise geringere Auflösungs-Bildwiederholraten-Kombinationen (Fallback) aus, bis sich etwas regt, und meldet die Diagnose dem Nutzer. Treten keine Probleme auf, ist die Option unauffällig.

Weitere Neuerungen betreffen die Anti-Bildriss-Technik Freesync, Videobeschleunigung sowie die Unterstützung neuer Displaystandards. Ersteres sorgte bei der Präsentation für Jubel, denn Freesync funktioniert mit Crimson ReLive nun auch im rahmenlosen Fenstermodus (borderless window). Davon profitieren nicht nur notorische Fensterspieler, sondern vor allem Applikationen aus dem Windows-Store, welche nach wie vor keinen echten Vollbilmodus unterstützen und deswegen bisher ohne Freesync-Errungenschaften gespielt werden mussten. Außerdem beherrscht die Radeon Software erstmals Freesync unter Linux sowie den Umgang mit allen GCN-Chips.

Darüber hinaus können Nutzer des Google-Browsers Chrome auf einer beliebigen GCN-Grafikkarte und APU mit GCN-Technik fortan auf VP9-Beschleunigung zurückgreifen. Zu guter Letzt hat AMD die Unterstützung kommender Monitore sichergestellt: Crimson ReLive beherrscht das Displayport-1.3-Protokoll HBR3 (High Bit Rate 3), welches unter anderem Ultra HD mit 120 Hz, 5K mit 60 Hz oder gar 8K mit 30 Hz an einem einzigen Kabel ermöglicht.
Radeon Software Crimson ReLive: Der neue Installer inklusive 'Neuinstallation'-Option gegen Treiberreste (im Bild: Installation auf einer APU, daher auch PCH-Treiber) Quelle: PC Games Hardware Radeon Software Crimson ReLive: Der neue Installer inklusive "Neuinstallation"-Option gegen Treiberreste (im Bild: Installation auf einer APU, daher auch PCH-Treiber) Beim High-End-Feature Virtual Super Resolution (VSR) herrscht hingegen Stillstand, Crimson ReLive führt keine Verbesserungen ein. Wie wir in der neuen PCGH 01/2017 darlegen und benchen, beherrscht der AMD-Treiber jedoch schon seit einiger Zeit 5K-VSR auf Polaris-Grafikkarten (Radeon RX 400), sofern ein Ultra-HD-Display angeschlossen ist. AMD hält folglich an der Vorgehensweise fest, neue VSR-Optionen an die Fähigkeiten der Display-Engines zu koppeln, sodass VSR-Updates frühestens mit dem High-End-Chip Vega zu erwarten sind. Immerhin verrät der Hersteller auf Nachfrage seitens PCGH, dass die neue Radeon Software eine Abstimmungsfunktion bieten wird, mithilfe derer sich Wunsch-Features "hochwählen" lassen. Finden Sie VSR oder weitere Gimmicks in der Liste, dann wählen Sie diese regelmäßig an, sodass sie in der Agenda des Treiberteams an Priorität gewinnen. Das Voting war im uns vorliegenden Review-Treiber noch nicht implementiert. Mittlerweile ist die Website aber live: Hier dürfen Sie gewünschte Funktionen wählen. Dabei gilt: Steter Tropfen höhlt den Stein.

Das Thema Overhead ist bei der RS Crimson ReLive Edition ebenfalls kein Thema. Viele Nutzer spekulierten darauf, dass AMD die suboptimale Prozessornutzung bei der High-Level-Schnittstelle Direct X 11 nachträglich verbessern würde, doch AMDs Fokus liegt eindeutig auf dem Voranbringen der Low-Level-Zukunft in Form von Vulkan und Direct X 12.

Update vom 09.12.2016: Ein Mitglied bei Reddit hat den Overhead-Test des aktuellen 3DMark mit der Radeon Software Crimson ReLive 16.12.1 getestet und stellt ein großes Plus bei den DX11-Drawcalls fest. Wir haben daher den Overhead Feature Test auf unserem Grafikkarten-Testsystem ebenfalls durchlaufen lassen und können die Steigerung der RSC ReLive 16.12.1 gegenüber der RS Crimson 16.11.5 bestätigen. Auf unserem PC mit Core i7-6800K @ 4,4 GHz (Broadwell-E) nebst Radeon RX 480/4G (1.266 MHz fixiert) steigt die DX11-Single-Thread-Leistung von 1.494.362 auf 1.757.680 Drawcalls. Das entspricht einem Plus von rund 18 Prozent. Interessant ist weiterhin, dass beide Treiber eine höhere Single- als Multi-Thread-Leistung erreichen. Dennoch sind die Werte der Low-Level-APIs Mantle und DirectX 12 wesentlich höher. Weitere Tests mit "echten" Anwendungen werden zeigen, ob der höhere Drawcall-Durchsatz auch in der DX11-Spielewelt positive Auswirkungen hat.

Crimson ReLive im Test: Benchmarks

Was die Leistungssteigerung des ReLive-Treibers angeht, gibt sich AMD bescheiden: Zwischen dem Crimson ReLive (16.12) und dem RX-480-Launchtreiber Crimson 16.6.2 sollen vier bis acht Prozent Differenz zugunsten des aktuellen Treibers liegen. Diese auf neue und populäre Spiele bezogene Aussage können wir bestätigen. Benchmarks des Crimson ReLive 16.12 auf unseren Testrechnern zeigen ein minimales Performance-Plus seit der Umstellung des PCGH-Leistungsindex für Grafikkarten in der Ausgabe 11/2016. Dort scheuchten wir die RX 480/8G mit der Radeon Software Crimson 16.9.1 durch den auf 20 Applikationen (19 Spiele) angewachsenen Parcours. Im Test des Crimson ReLive 16.12 steigt die Leistung gegenüber dem September-Treiber um Nuancen, wir messen Gewinne von bis zu zwei Prozent. Einige Stichproben sehen Sie im folgenden Benchmark:

Crimson ReLive im Test: Mini-Sensation am Rande - OCAT

OCAT v0.9.6.28962 Quelle: PC Games Hardware OCAT v0.9.6.28962 Ebenfalls Teil von AMDs ReLive-Präsentation - obwohl kein Teil des Treibers - war die Ankündigung des Open Capture and Analytics Tool, kurz OCAT. Dabei handelt es sich trotz der Namensverwandschaft mit Nvidias FCAT nicht um ein weiteres Frametime-Spezialprogramm, sondern um "Fraps für Low-Level-APIs": OCAT stellt eine grafische, auf dem Dotnet-Framework basierende Oberfläche sowie ein Frame-Overlay für DX12- sowie Vulkan-Anwendungen bereit und erlaubt es, die Fps und Frametimes über einen bestimmten Zeitraum zu protokollieren. Wie beim großen, aber seit Jahren nicht überarbeiteten Vorbild Fraps lässt sich der Benchmark-Hotkey nach Gusto wählen, außerdem lassen sich die Ergebnisse als CSV-Dateien speichern. Die Sahnehaube: UWP-Apps (Windows Store) lassen sich ebenfalls messen, allerdings ohne Overlay-Support. OCAT ist Open-Source und wurde im Rahmen von AMDs GPU-Open-Initative vorangetrieben. Die Basis der Software bilden, neben Presentmon, einige bei Github erhältliche Programme.

Crimson ReLive im Test: Fazit

Mit der Radeon Software Crimson ReLive setzt AMD erneut Akzente. Der Treiber ergänzt die vor einem Jahr etablierte, flüssig zu bedienende Oberfläche um sinnvolle Funktionen, die mehr als nur einen Test wert sind. Neben ReLive, dem Capturing-Plugin des Treibers, verdient auch Chill Lob: Auf den ersten Blick handelt es sich um eine experimentelle Funktion mit fragwürdigem Nutzen, doch der Gedanke dahinter - Energieverbrauch und Lautstärke intelligent reduzieren - passt perfekt in unsere Zeit. Wenn AMD die Kinderkrankheiten beseitigt und Chill in weiteren Spielen lauffähig macht, sind einstellungsfreudige PC-Spieler um eine Option reicher. Die weiteren Verbesserungen um Wattman, die benutzerdefinierten Auflösungen, Freesync und das Treiber-Setup sind ebenfalls gern gesehen.

Auf der anderen Seite stehen die Funktionen und Maßnahmen, die AMD nach wie vor nicht anbietet. Da wäre VSR, das von vielen Enthusiasten gern verwendet wird - oder verwendet werden würde, wenn es flexibler und somit mit allen Grafikkarte-Monitor-Kombinationen funktionieren würde. In dieser Disziplin liefert die RSC ReLive Edition nichts Neues, womit Nvidias DSR nach wie vor die zuverlässigere Lösung darstellt. Auch in Sachen API-Overhead mit besonderem Fokus auf den kritischen DX11-Anwendungen herrscht Stillstand, die Prozessor-Auslastung bleibt unter den von Nvidia aufgezeigten Möglichkeiten zurück. AMDs Fokus liegt nicht auf der Vergangenheit oder Gegenwart, sondern klar auf der Zukunft in Form von Direct X 12 und Vulkan. Das Problem dabei ist: Was tun, wenn diese nur langsam näher rückt? Neben diesen Kritikpunkten wirken die immer noch präsenten Altlasten des Catalyst Control Centers ("Zusätzliche Radeon-Einstellungen") und beinahe nicht vorhandenen Leistungsverbesserungen des Treibers nichtig.

Unter dem Strich ist AMDs Produktpflege vorbildlich, da auch bis zu fünf Jahre alte Grafikkarten mit den neuen Funktionen bedacht werden, sofern technisch machbar. Die Radeon Software Crimson ReLive Edition ist ein gelungenes Feature-Upgrade, das jeder Radeon-Nutzer ausprobieren sollte. Hilfreich ist dabei die Tatsache, dass AMD seine Radeon Software im Gegensatz zu Nvidia ohne Registrierungspflicht anbietet (Geforce Experience). Machen Sie außerdem von Ihrer Macht Gebrauch und melden Sie Probleme unter www.amd.com/report respektive direkt in den Radeon Settings, auf dass sie an Relevanz gewinnen und schneller beseitigt werden.

In der Bildergalerie finden Sie unzählige Impressionen der Radeon Settings sowie die AMD-Präsentation - inklusive der Informationen zur Radeon Pro Software. P. S: Unser Tipp für Ende 2017 wäre, passend zum langjährigen AMD-/Ati-Maskottchen, eine Radeon Software Ruby Edition - und Ihrer?

Bildergalerie

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    • Kommentare (326)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Rolk Kokü-Junkie (m/w)
        Wenn du mit alten Nvidias die GTX480 in der Signatur meinst bist du damit aber auch nur knapp an einer Serie vorbei geschrammt die für blackscreen berüchtigt war.
      • Von Rolk Kokü-Junkie (m/w)
        Wenn du mit alten Nvidias die GTX480 in der Signatur meinst bist du damit aber auch nur knapp an einer Serie vorbei geschrammt die für blackscreen berüchtigt war.
      • Von OOYL Freizeitschrauber(in)
        Hehe, die guten alten Blackscreens... Meine Lösung war, die Schrottkarte auszubauen und die alten Nvidias wieder einzubauen. Diese Ausschussware kann nichtmal vernünftig abstürzen ...
      • Von Xaphyr BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von Jimiblu
        Mit meiner R9 390 funktioniert ja leider keinerlei (manuelle) Spannungsänderung. Deshalb stürzt der Treiber immer sofort zu nem Blackscreen ab wenn ich MSI AB starte.

        Eigene Lüfterkurve im Treiber nicht einstellbar, genau so wenig Temperaturtarget. Ich bleib erst mal beim Vorgänger Crimson, damit geht AB wenigstens.
        Hat jemand dafür mittlerweile eine Lösung parat?
      • Von Preylord Freizeitschrauber(in)
        Schön das AMD nun eine eigene Aufnahmefunktion integriert hat....konnte bei den (kleinen) Tests mit BF1 auch nur einen Drop von so um die 5 FPS herum feststellen.
        Aber 1GB a´5min und das "nur" in 720p.... das könnte Dxtory besser...wenn es mit BF1 laufen würde

        Ähnliche Erfahrungen?

        Mfg
      • Von CSOger BIOS-Overclocker(in)
        Sry Doppelpost
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