AMD Radeon Crimson im Test: Erste Benchmarks, neue Features

Catalyst-Nachfolger Crimson im Test: Vor etwa 10 Monaten erschien der Catalyst Omega und brachte AMD-Nutzern eine ganze Reihe Verbesserungen, darunter Virtual Super Resolution, das endlich komfortables Downsampling per Treiber ermöglichte. Mit der Radeon Software Crimson beginnt nun eine ganz neue Ära. PC Games Hardware verrät, warum der Catalyst-Nachfolger absolut installierenswert ist.

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AMD Radeon Crimson im Test: Erste Benchmarks, neue Features

Am heutigen 24. November 2015 endet offiziell eine Ära: Das Catalyst Control Center ist Geschichte, es wird restlos durch eine von Grund auf neue grafische Nutzerschnittstelle ersetzt. Die aufälligste Änderung an der Radeon Software Crimson 15.11, so der vollständige Name des neuen AMD-Treiberpakets (unsere Testversion trug die Zusatzbezeichnung Beta 7), ist die Nutzeroberfläche namens "Radeon Settings": Von nun an bekommen Radeon-Besitzer eine schicke, antrazit-rote und angenehm übersichtliche grafische Oberfläche zu Gesicht - zumindest zu allergrößten Teilen, für eine Handvoll Features wie die erweiterten Display-Eigenschaften startet noch ein Fenster des altbekannten Catalyst Control Centers. Achten Sie auch auf unseren AMD Radeon Crimson Treiber-Download.

Das Starten der Radeon Settings ist der beste Punkt, um diesen Artikel zu beginnen: Dauerte es in der Vergangenheit oft mehrere Sekunden, bis das CCC auf dem Bildschirm erschien und sich komplett aufgebaut hatte, erscheint die neue Radeon Software auf unseren Testrechnern praktisch sofort. Nachdem dieser kleine Aha-Effekt vorbei ist, folgt der nächste: Das Hauptfenster der Radeon Settings wirkt modern, aufgeräumt und weist eine Transparenz auf, die den Windows-Desktop nebst Icons durchscheinen lässt. Nvidias Treiber-Panel, dessen Antlitz sich seit Jahren nicht verändert hat, wirkt dagegen antiquiert. Übrigens hat auch Nvidia seit diesem Jahr Performance-Probleme im Panel, die 3D-Einstellungen reagieren seit dem Geforce-350-Branch sehr träge, weshalb Rufe laut werden, dass auch die Geforce-Macher eine Renovierung starten sollten.

Nachdem AMD im Jahr 2004 für das Catalyst Control Center auf Microsofts Dotnet-Framework setzte, folgt nun der Umschwung. Das Radeon-Software-GUI wurde von Grund auf mit der Programmbibliothek Qt (sprich: cute) neu entwickelt. Diese dient zur plattformübergreifenden Erstellung grafischer Oberflächen, AMD veröffentlicht das neue Treiberpaket aber zunächst für Windows 7, Windows 8.1 und natürlich Windows 10. Im Fokus der Entwicklung stand nicht nur eine "from scratch" neue, strukturierte Oberfläche, sondern auch eine schnelle Reaktionszeit. Letztere war einer der Hauptkritikpunkte am Catalyst Control Center, auch wenn die Geschwindigkeit im Laufe der Jahre sowie dank des Zuspiels flinker SSDs verbessert wurde.

Stand jetzt ist klar: Die Radeon-Settings sind nicht nur übersichtlich und modern designt, sondern auch ausgesprochen schnell und für eine effiziente Bedienung ausgelegt - und zwar fühlbar. Selbst die Redakteuere, die privat eine Radeon nutzen und nicht nur jeden Tag auf der Arbeit damit zu tun haben, verirrten sich schon mal in der verschachtelten und teils unlogisch angeordneten Oberfläche des alten Catalyst Control Centers. Die neue Oberfläche lässt sich zudem schön und geschmeidig per Maus auf die gewünschte Größe skalieren, die animierten Elemente passen sich in Anordnung und Ausmaßen bis zu einem gewissen Grad an das Fenster an.

Sie können zudem mit der Maus jederzeit zwischen den fünf einzelnen Untermenüs wechseln, diese sind zusammen mit einem Home-Button im unteren Rand der Radeon Software untergebracht. In diesen Submenüs können Sie alle wichtigen Informationen beispielsweise über Grafikkarte, Treiber- und Software-Versionen oder angeschlossenes Display bequem ablesen.

Radeon Software Crimson: Neue Funktionen

Bislang kratzten wir im wahrsten Sinne des Wortes nur an der Oberfläche. AMD verspricht für die Radeon Software Crimson Edition 15.11 aber auch Änderungen unter der glänzenden, neuen Haube. Dazu zählt unter anderem die Reduktion der vorab berechneten Bilder, original als pre-rendered frames bzw. flip queue bezeichnet. Der Geforce-Treiber bietet seit langer Zeit eine vergleichbare Option, hier hat der Nutzer die Wahl, wie viele Frames vom Prozessor in Auftrag gegeben werden können. Beim neuen Radeon-Treiber fehlt diese Option, AMD hat diesen Parameter zugunsten einer möglichst direkten Eingabe global auf ein Frame reduziert. In den meisten Fällen führt dies zu einer weniger schwammigen Steuerung vor allem bei niedrigen Bildraten, kann unter Umständen jedoch ein paar Fps kosten und die Frametimes verschlechtern. Unser Appell an AMD: Schöne Neuerung, eine Wahlmöglichkeit von beispielsweise 1 bis 3 Frames wäre jedoch wünschenswert.Des Weiteren unterstützt die Radeon Software Crimson nun benutzerdefinierte Auflösungen. Diese Funktion steckt schon seit Ewigkeiten im Catalyst-Pro-Treiber, erhielt aber nie Einzug in den Endnutzer-Catalyst. PC Games Hardware regte AMD immer wieder dazu an, diese von Geforce-Nutzern im entsprechenden Treiber geschätzte Funktion auch Radeon-Besitzern zur Verfügung zu stellen. Nun ist es soweit, auch AMD-Nutzer können nun benutzerdefinierte Aufösungen (Custom Resolutions) erstellen und nutzen. Wir haben's ausprobiert: Bis 4.096 × 2.160 hinauf nimmt der Treiber Auflösungen an, nutzbar sind beispielsweise auch die 21:9-Auflösungen 3.440 × 1.440 und 2.560 × 1.080 auf handelsüblichen 16:9-Monitoren. Im Test stießen wir jedoch auf Hürden: Teilweise funktioniert die Skalierung noch nicht, das Bild wird gestreckt; möglicherweise funkt hier die monitoreigene Skalierung dazwischen. Auch werden die Custom-Auflösungen nicht in allen Spielen angeboten - das ist eine klare Treibersache, der sich AMD noch annehmen sollte.

Eine weitere sehr deutliche Verbesserung betrifft zudem Freesync: Mit der Radeon Software hält Framedoubling einen Einzug. Freesync schaltet sich nun beim Unterschreiten der minimalen, vom jeweiligen Monitor unterstützten Grenze also nicht mehr aus, sondern bleibt aktiv. Der Treiber fügt nun entsprechend schon berechnete Bilder ein, um die Mindestfrequenz halten zu können. Dazu muss lediglich die obere unterstützte Frequenz mindestens doppelt, besser 2,5 Mal so hoch liegen wie die untere. Fiehlen bislang die Fps unter diese Grenze, wurde das Bild plötzlich sehr unruhig, nun entfällt dieser sehr holprige Übergang komplett. Bei unseren Tests blieb Freesync selbst mit 20 Fps oder weniger aktiv. Das sind zwar auch mit Freesync viel zu wenig Fps zum genüsslichen Spielen, doch wenn nun die Framerate kurz einbricht und die minimale Grenze unterschreitet, bleibt das Bild geschmeidig und sauber. Es entstehen also keine Bildrisse oder Stocker, wie es bis dato der Fall war. Das gleiche Prinzip nutzt übrigens auch Nvidia bei G-Sync, um die niedrigeren Grenzen zu ermöglichen.

Zu guter Letzt führt AMD mit der Radeon Software einen Shader-Cache ein. Zur Laufzeit kompilierte Shader werden auf dem Datenträger abgelegt, um beim nächsten Mal darauf schnelleren Zugriff haben. Diese Option, welche sich in den Radeon Settings (wie bei Nvidia im Treiber) abschalten lässt, dient ergo prinzipiell der Leistungssteigerung und kann ab der zweiten Nutzung Frametimes sowie Ladezeiten verbessern, da benötigte Daten schneller bereit sind.

Radeon Software Crimson vs. Catalyst: Leistungstest

Neue Funktionen und ein neues UI sind schön, aber kann die Radeon Software Crimson 15.11 auch bei der Spieleleistung auftrumpfen? Wir waren im Vorfeld gespannt, wie sich unter anderem das Pre-Render-Limit auf die Bildrate auswirkt. Derzeit testen wir mehrere Radeon-Grafikkarten durch den kompletten PCGH-Leistungsindex, mit der beliebten Radeon R9 390 sind wir schon fertig. Nachfolgend sehen Sie ofenfrische Werte sowohl mit dem Catalyst 15.11.1 Beta als auch mit der Radeon Software Crimson, jeweils entstanden auf einer Powercolor Radeon R9 390 PCS+, welche wir auf den Referenztakt von 1.000/3.000 MHz (GPU/RAM) getaktet haben. Alle Angaben sind Mittelwerte aus je drei Benchmark-Durchläufen, die Differenz ist allein auf den Treiber zurückzuführen.

Die Radeon Software 15.11 entlockt der Radeon R9 390 fast durch die Bank etwas höhere Bildraten, obwohl der zugrunde liegende Hawaii-Grafikchip schon zwei Jahre auf dem Buckel hat. Noch haben wir es nicht getestet, doch prinzipiell können alle Besitzer einer Radeon R9 290/290X/390/390X mit vergleichbaren Leistungszuwächsen rechnen, bei der neuen Fiji-GPU der Fury-/Nano-Grafikkarten vielleicht noch etwas mehr. Doch es gibt eine Ausnahme von dieser Regel: Skyrim, das augenscheinlich sehr flüssig läuft, zuckt mit der Radeon Software Crimson öfter als mit dem Catalyst, was sich auch in schlechteren Min-Fps widerspiegelt. Hier wirken sich entweder der Shader-Cache oder die reduzierte Flip-Queue kontraproduktiv aus. Wir werden weitere Messungen durchführen, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Radeon Software Crimson: Fazit

Der Catalyst ist tot, lang lebe die Radeon Software! Ein treffenderes Fazit lässt sich anhand der vorliegenden Fakten nicht formulieren. AMDs neues Treiberpaket Radeon Software in der ersten Version (Crimson Edition) macht einen großen Schritt auf dem Weg zur Glückseligkeit. Vorbei sind die Zeiten, in denen man sich durch die unzähligen Control-Center-Menüs hangeln musste, um eine Option zu finden: Die neue Nutzerschnittstelle Radeon Settings ist wieselflink und nach wenigen Minuten intuitiv bedienbar. Im Zuge der Umstellung liefert AMD einige sinnvolle Funktionen ein, die sich viele Spieler und auch PC Games Hardware seit Jahren gewünscht haben. Neben den benutzerdefinierten Auflösungen und dem gestrafften Pre-Render-Limit wissen auch die Freesync-Tweaks sowie die überarbeitete Profilfunktion inklusive Pro-Spiel-Overclocking zu gefallen. Und ganz nebenbei presst der Crimson fast durch die Bank ein paar Prozent höhere Bildraten aus verbreiteten AMD-Grafikkarten. Fazit: unbedingt ausprobieren.

Kommende Iterationen der Radeon Software könnten sich der verbleibenden Wünsche und Probleme annehmen, Feintuning wird in jedem Fall betrieben. Wie schon beim Catalyst Omega bittet AMD explizit um Nutzerrückmeldungen. Das können Sie entweder über den Link www.amd.com/report oder Sie klicken im Hauptfenster der Radeon Software auf "Einstellungen" - "Problem melden". Das Feedback muss in englischer Sprache formuliert sein, wird laut AMD aber, sofern es konstruktiv ist, bei kommenden Treiberversionen eingearbeitet. Folgende Treiber werden übrigens nach wie vor der "Crimson Edition" angehören, denn hierbei handelt es sich um die Hauptversion (major release). Zunächst kommt es auf die minor releases an, die dem bekannten Namensschema Jahr.Monat folgen - Radeon-Besitzer können sich folglich auf die Radeon Software 15.12 freuen. Apropos: AMD verspricht im Zuge des Crimson-Launches bis zu sechs WHQL-Treiber im Laufe von 2016 plus Beta-Releases, wenn sich diese anbieten. Damit möchte man Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen, welche sich über mangelnde WHQL-Versionen echauffieren.

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    • Kommentare (308)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Flexsist Software-Overclocker(in)
        Ich habe eben hier gelesen, dass Einige wohl noch Probleme haben. Da ich vor kurzem wieder zu AMD Radeon Software Crimson gewechselt habe, klick ich so auf das Icon mit dem Gedanken:
        Was denn für Probleme, läuft doch.....

        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]


        PS.: Ich brauche keine Ratschläge und Tipps um diesen Bug zu beheben.
      • Von Flexsist Software-Overclocker(in)
        Ich habe eben hier gelesen, dass Einige wohl noch Probleme haben. Da ich vor kurzem wieder zu AMD Radeon Software Crimson gewechselt habe, klick ich so auf das Icon mit dem Gedanken:
        Was denn für Probleme, läuft doch.....

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        PS.: Ich brauche keine Ratschläge und Tipps um diesen Bug zu beheben.
      • Von Cleriker Kokü-Junkie (m/w)
        Was denn für Probleme?
      • Von sethdiabolos Lötkolbengott/-göttin
        Nur Probleme mit dem Crimson Treiber. Wird wieder deinstalliert und der klassische Treiber kommt drauf.
      • Von Kyuss89 Software-Overclocker(in)
        Eine Fury X auf einem 3440x1440 Freesync Monitor

        Getestete Spiele die mit Vsync Probleme machen:

        Star Citizen - Alpha 2.0 die heute erschienen ist
        Mittelerde - Schatten von Morder
        Warhammer End Times - Vermintide
        Star Wars Battlefront - wenn auch hier nicht so häufig wie sonst.

        Generell würde ich sagen betrifft es alle Spiele bei denen die Karte nicht an ihre Grenzen gehen muss um bei der Auflösung auf 75 FPS zu kommen, dann kommt es zum runtertakten und das führt dann wahrscheinlich zu den oben genannten Problemen.

        Witcher 3 betrifft es beispielsweise nicht da hier maximal 50 - 55 FPS erreicht werden.
      • Von Cleriker Kokü-Junkie (m/w)
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