Prozessoren 2016: Tops und Flops des Jahres
2016 machte in Sachen Prozessoren ziemlich genau dort weiter, wo 2015 aufgehört hatte. Neben eigentlich guten Produkten sowohl von Intel als auch von AMD gab es aus verschiedensten Gründen wieder einmal genügend Anlass, einfach nur mit dem Kopf zu schütteln und sich zu wundern. Beide Seiten - Tops und Flops - präsentieren wir in unserem launigen und hochgradig subjektiven Jahresrückblick auf die Prozessoren 2016.
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Wie gewohnt an dieser Stelle noch ein kurzer Rückblick für alle, die nicht, nicht mehr oder noch nicht im Thema sind. Die Langfassung gibt's in unserem CPU-Jahresrückblick 2015. Im vorigen Jahr gab es von Intel untypischerweise gleich zwei neue CPU-Architekturen: Broadwell und Skylake. Und die beiden waren nicht einmal besonders gut über das Jahr verteilt - wir reden hier von Juni und August ... Über die ersten Monate waren speziell die Skylake-Topmodelle zudem nicht besonders gut lieferbar, was in Preisen von teils über 400 Euro für den flottesten Quadcore und damit mehr als für den günstigen Hexacore resultierte. Sie schütteln schon mit dem Kopf, nicht wahr? Auch bei AMD war das Jahr 2015 von... ehrlich gesagt nicht viel geprägt. Die letzte Ausbaustufe der alten, veralteten und inzwischen offiziell für tot erklärten Bulldozer-Architektur wurde vorgestellt: Die eigentlich vielversprechende Carrizo-APU mit Excavator-CPU-Kernen hatte ihren kurzen Platz an der OEM-Sonne, krankte aber sowohl am schlechten Image der Bulldozers, unvorteilhaft konfigurierten Erstgeräten, die dann auch noch getestet wurden und.. ach. 2016 wird schon alles besser. Und außerdem naht Zen mit SMT und 40% mehr Pro-MHz-Leistung!
Das CPU-Jahr 2016 - eine Auswahl
Quelle: AMD
Das "CPU"-Highlight des ersten Quartals? Der Wraith-Cooler.
Anfangs verlief das Jahr aus Prozessorensicht eher schleppend. Die angesprochene Liefersituation der Skylake-CPUs hatte sich normalisiert und ergo begab sich auch die Preiskurve wieder auf Normalniveau. Das einstweilige Highlight war dementsprechend AMDs PR-seitig groß aufgezogener Re-Launch des Boxed-Kühlers (!!) für ausgewählte FX-Prozessoren. Der sogenannte Wraith-Cooler lag etwa dem FX-8370 bei und sollte laut AMD-PR weniger als ein Zehntel des Geräuschniveaus seines Vorgängers erzeugen. Tatsächlich gierten wohl speziell AMD-Fans nach Neuigkeiten aus der CPU-Sparte der Texaner, sodass ein entsprechender Artikel samt Video über den Wraith-Cooler auf pcgh.de unsere Erwartungen in Sachen Leserinteresse bei weitem übertraf.
Noch bevor der Launch der Broadwell-E-Modelle auf dem Plan stand, gab sich die 2015 vorgestellte und eingangs erwähnte Excavator-Architektur im PCGH-Testlabor ein Stelldichein. Allerdings nicht in Form der erhofften Carrizo-APU, sondern als grafik-amputierte CPU: Der Athlon X4 845 überzeugt mit einem niedrigen Preis und einer für Bulldozer-Verhältnisse vergleichsweise hohen Effizienz. Mit nur zwei Modulen bei 3,5 GHz Basistakt war die Performance in modernen und/oder anspruchsvollen Spielen jedoch "nur" akzeptabel zu nennen und bleibt merklich etwa hinter der des FX-6300 zurück, der für 90 Euro, also auch noch im zweistelligen Preisbereich zu haben ist und für aktuelle Spiele deutlich empfehlenswerter ist.
Broadwell-E übernimmt die Spitze
Als schließlich im Juni 2015 ganze zwei Broadwell-CPUs auf den (Desktop-)Markt kamen, ... Moment, falsches Jahr: Als schließlich im Juni 2015 Ende Mai 2016 ganze zwei vier Broadwell-CPUs auf den (Desktop-)Markt kamen, war das ein wenig wie ein Deja-Vu. Hatten doch ein Jahr zuvor ihre Vierkern-Vettern bereits den Sockel 1150 erobert. Im Gegensatz zu jenen allerdings scheint die Lebensdauer der Broadwell-E-Modelle für den Sockel 2011 v3 etwas länger zu sein. Die geplante Ablösung durch Sky- oder Kaby-Lake-X wird frühestens Mitte 2017 erfolgen und auch einen neuen Sockel bedingen. Bis dahin thronen die Broadwell-E(s?) wahrscheinlich an der Performance-Spitze, auch wenn zwischenzeitlich von AMD gestreute Benchmark-Resultate des Zen-Achtkerners zumindest aufhorchen lassen... doch zurück zum Juni 2016.
Quelle: PC Games Hardware
Broadwell-E: Mit 10 Kernen an die Preis- und Leistungsspitze - leider nicht an die Preis-Leistungsspitze.
Broadwell E überraschte in einer Hinsicht dann doch: Nämlich mit einem neuen Preis-Höhepunkt. Nachdem die 1.000-Euro-Marke bereits seit vielen Jahren für Intels Desktop-Topmodell fällig war und, das sei der Vollständigkeit halber erwähnt, auch von AMD mit den A64-basierten, frühen FX-Modellen bereits angekratzt worden war, kamen die x86-Erfinder auf die großartige Idee, zwei weitere Kerne nicht für 400 Euro Aufpreis wie beim Sprung von 6 auf 8 x86-Rechenwerke zu verkaufen, sondern schlugen gleich rund 700 Euro drauf. Bis heute gibt es den zehnkernigen Performance-König Core i7-6950X nicht unter rund 1.700 Euro.
Da Broadwell gegenüber Haswell einige Detailverbesserungen wie zum Beispiel schnellere FP-Multiplikationen mit 3 statt 5 Takten Latenz aufweist und Intel zudem dank 14-nm-Fertigung die Taktraten etwas erhöhen kann, setzen sich die neuen Prozessoren von ihren Sockel-2011-Vorgängern ab und sind - liefersituationsabhängig - zu grob vergleichbaren Preisen erhältlich. Den Rekord-Niedrigpreis des sechskernigen i7-5820K, der sicherlich nicht zuletzt darum auch zu einiger Verbreitung gelangt ist, holen die Broadwell-E-Modelle allerdings nicht mehr ein. Weniger als 400 Euro sind auch für den i7-6800K als günstigstem BDW-E kaum zu sehen - derzeit sind wir wieder bei rund 440 Euro angelangt. Die im Vergleich zu den Mittelklasse-Desktops niedrigen Taktraten will Intel mit einem kleinen Trick kaschieren: Turbo Max 3.0. Dahinter verbirgt sich ein Treiber samt Whitelist, welche der User selbst pflegen darf (manche würden sagen: muss) und der einen (einzigen) besonders guten Kern auf bis zu 4 GHz beschleunigt, sofern nur dieser Kern belastet wird. Was bei extrem niedrig taktenden Mobilprozessoren im einstelligen Watt- und niedrig-vierstelligem MHz-Bereich vielleicht sinnvoll ist, um das Ansprechverhalten zu verbessern, verpufft im Normalbetrieb zwischen 3,5 und 4 GHz meist, dient vielleicht aber noch dazu, dem einen oder anderen Uralt-Benchmark auf die Sprünge zu helfen.
Kritische Stimmen bemängeln überdies die im Vergleich zu Haswell-E schlechtere Übertaktbarkeit von Broadwell-E. Tatsächlich richtig ist, dass die durchschnittlich erreichbaren Frequenzen trotz stromsparenderer 14-nm-Fertigung geringer ausfallen - so kommen wir für das PCGH-Grafiktestsystem trotz Kompakt-Wakü lediglich auf (stabile!) 4,4 GHz. Allerdings schafft BDW-E pro MHz auch einiges mehr als Haswell.
Zwischenspiel: AMD ruft Zen in Erinnerung
Quelle: PC Games Hardware
Sockel AM4 HP OEM-Board "Willow"
Passend zu Intels Broadwell-E-Launch im Rahmen der Computex hat auch AMD eine Pressekonferenz abgehalten, in der es neben den gerade gelaunchten neuen Radeon-Karten auch um die künftigen Produkte der Texaner geht - namentlich Vega (GPU) und Zen (CPU), Die neuen Prozessoren mit Zen-Architektur seien für AMD ein ganz besonderes Projekt, so AMD-Chefin Lisa Su, das man vor drei Jahren begonnen habe. Das Ziel sei ein energieeffizienter Prozessor mit sehr hoher Leistung gewesen. Nun sei es soweit, Zen tatsächlich vorzustellen. Ein kurzes Video mit dem Spruch "I am Zen", das dann präsentiert wurde, sei auf einem Desktop-Zen entstanden und abgespielt worden. Anschließend hielt CEO Lisa Su einen "Summit Ridge"-Prozessor in die Kameras."Wir lieben Summit Ridge. Wir sind noch in einer frühen Phase, aber das Produkt sieht wirklich gut aus. Zen liefert 40 Prozent mehr IPC als unsere vorherige Generation." Der Prozessor sei eine Achtkern-CPU, die 16 Threads verarbeiten könne und im FinFET-Verfahren hergestellt werde. Die neue AMD-Core-Desktop-Plattform wird laut Su die Rückkehr von AMD im CPU-Bereich sein, die die Enthusiasten unter den Fans erwartet.
Quelle: PC Games Hardware
AMDs "one more thing" zur Computex: Zen kommt zuerst für den High-End-Desktop.
Anlässlich der Hot-Chips-Konferenz gibt AMD dann endlich auch Details zur Zen-Architektur selbst preis: Neben dem bereits erwähnten Hyperthreading bedient man sich auch eines Micro-Op-Caches, um die energetisch teure Dekoding-Stage häufiger Schlafenlegen und so Strom sparen zu können. Jeder Zen-Kern wird pro Takt sechs Instruktionen an Integer- und Floating-Pointeinheit verschicken können. Erstere verfügt über vier ALUs und zwei AGUs, die FPU über je zwei ADDierer und MULtiplizierer. Moderne Befehlssatzerweiterungen wie AVX werden über 128-Bit-FMACs bearbeitet. Mehr Details im oben verlinkten Artikel - die Quintessenz ist jedenfalls, dass Zen auf dem Papier so vielversprechend aussieht, wie keine AMD-CPU seit dem Athlon und Athlon64. Das weiß auch AMD und schürt die Erwartungen weiter an - mit einem vergleichenden Benchmark im 3D-Renderingprogramm "Blender" (das Programm, nicht die Szene kommt u.a. auch im PCGH-CPU-Parcours zum Einsatz), in dem eine Zen-CPU gegen einen i7-6900K antreten musste und sich auf Augenhöhe behaupten konnte.
Vom Salami- zum Kaby Lake
Nachdem Intel bereits bei Skylake zur Salamitaktik, also dem scheibchenweisen Veröffentlichen von Info-Häppchen, gegriffen hat, führt man diese Vorgehensweise bei Kaby Lake in ähnlicher Weise fort. Da es sich um keine neue Architektur handelt, gibt es leider jedoch nicht so wahnsinnig viele Infos, die man hätte stückeln können, also müssen die Produkte selbst ran. Die größten Neuerungen sind in der integrierten Grafik zu finden, bei der die Unterstützung der Video-Codecs aufgebohrt wurde, sodass nun auch Googles VP9 und HDR-Formate in Hardware beschleunigt wiedergegeben und encodiert werden können. Darüber hinaus unterstützt die Kaby-Lake-Grafik mit Microsofts Playready SL3000 das DRM-System, welches etwa Netflix für die Auslieferung von 4K-Streams auserkoren hat.
Den Anfang der Kabylami (nennt man das so oder eher Kamali? :)) machen Ende August zum IDF die Y- und U-Mobilvarianten und die Desktops werden zur CES Anfang Januar 2017 erwartet - mit großem Abstand an letzter Stelle also. Da mutet es schon ein wenig Seltsam an, dass Intel vorgibt, dem PC-Gaming einen so hohen Stellenwert einzuräumen wie selten zuvor.
Quelle: PC Games Hardware
Intel Core i7 7700K Retail
Doch Intel hatte die Rechnung ohne genervte Medien gemacht. Denn im Gegensatz zu früheren Produkt-Launches waren im Falle von Kaby-Lake bereits frühzeitig, also Monate vor dem von Intel festgesetzten Termin Anfang Januar, große Mengen finaler Prozessoren im Umlauf und auch der Handel wurde bereits im Dezember 2016 mit Prozessoren beliefert und startete den Verkauf. Einige Medien auch abseits der asiatischen Leak-Websites machten die inzwischen die Grenze zur Lächerlichkeit überschreitende NDA-Posse dieses Mal darum nicht mit und veröffentlichten bereits frühzeitig entsprechende Tests der Kaby-Lake-K-Modelle. Auch "geköpfte" Prozessoren gab es lange vor dem offiziellen Launch zu sehen - üblicherweise wird dies aufgrund der Beschädigungsgefahr bei knapper Sample-Verfügbarkeit nämlich auf nach dem eigentlichen Launch verschoben.
Übrigens: PCGH hat sich entschieden, unseren Kaby-Lake-Test erst in der kommenden Ausgabe 02/2017 zu veröffentlichen, die ab dem 4. Januar am Kiosk liegt. Hinweis: Abonnenten erhalten das Heft womöglich einige Tage früher.
Und AMD? Bleibt im Zustand innerer Ausgeglichenheit
Den Puls dergestalt auf 180 getrieben, konnte ein wenig Zen-Ausgleich nicht schaden, dachte wohl auch AMD und gewährte weitere Einblicke in die CPU-Pläne für 2017. So gab man den Marketing-Namen, unter dem die bis dahin als Summit Ridge SR3, SR5 und SR7 betitelten Ausbaustufen bekannt: "Ryzen" sollen die neuen AMD-Prozessoren gen Ende des ersten Quartals 2017 heißen und mit den Zusätzen SR3, SR5 und SR7 orientiert sich AMD eindeutig an Intels Core-i-Segmentierung. 3,4 GHz Basistakt soll das erste Zen-Modell aufweisen, dank flexibler Turbo-Technik aber sowohl höhere Maximalfrequenzen ("Precision Boost") erreichen als auch mehr Strom sparen (Pure Power) können, als es mit der alten Technik möglich gewesen wäre. Für alle, die an der Zen-Leistung noch gezweifelt haben, etwa aufgrund von Cherrypicking im Blender-Benchmark, legt AMD nach und zeigt weitere Leistungsdemonstrationen. Im Video-Konverter Handbrake schneidet der getestete Zen-Achtkerner im Vergleich zum i7-6900K mit ebenfalls acht Kernen, wiederum auf Augenhöhe ab, soll aber, wie bei Blender auch, leicht sparsamer gearbeitet haben. Kein Wunder eigentlich, denn AMD geht von einer Zen-TDP von 95 Watt aus, während Intel die Broadwell-E-Modelle einheitlich mit bis zu 140 Watt spezifiziert. Beides sind, wie TDP-Angaben bei Desktop-Prozessoren, allerdings eher grobe Kategorien und Gradmesser für die Leistungsfähigkeit der Kühlung, die meist nicht strikt eingehalten und stark unterboten oder überschritten werden können.
Eher unter dem Aspekt "Warum" abheften sollte man die grafiklimitierten Kurz-Demos von Star Wars Battlefront oder Battlefield 1, da speziell letzteres dank Ultra-HD-Auflösung und maximalen Grafiksettings kaum ein ernstzunehmender CPU-Leistungsbeweis ist. Dennoch viel Spaß mit dem Video der Sequenz!
One more thing ...
Quelle: PC Games Hardware
AMD A10 9700 4C 6G 3 5 3 8GHz 6CUs 1 029 GHz AM4
Mit Bristol Ridge startete AMD im letzten Quartal 2016 die ersten AM4-Prozessoren - derselben Plattform also, die auch für Zen zum Einsatz kommen soll. Leider gibt es die APUs nicht einzeln, sondern sie werden nur im Bundle etwa mit Mainboards angeboten oder über Komplett-PCs - und die tappen in dieselbe Konfigurationsfalle, wie die ersten Carrizo-Notebooks. Und Single-Channel-RAM bleibt für APUs auch 2016 tödlich... Ansonsten bot sich hier aber dennoch eine Überraschung, nein sogar zwei. Eine ist mit IGP-Support für Half-Rate-Double-Precision (wat??) ziemlich nerdig, die andere aber etwas praxisnäher: Doom läuft dank Vulkan-API auf dem A10-9700 selbst in 1080p gar nichtmal so unflüssig...

In Spielerechnern wird das Ding nur bei ein paar Bekloppten landen, da geb ich dir recht, aber darum gehts ja net.
Aber egal, ob nun eher für Firmen oder Privatkunden interessant. Das interessiert insbesondere hier doch keinen und ist auch keine Diskussion wert. Fakt ist, der Preis ist einfach ein Mondpreis. Die CPU bietet nicht so viel mehr Leistung, dass sie so einen Aufpreis wert ist und wird damit eher selten in Spiele-Systemen landen.
Es ist nun mal so, dass nicht nur Xeon Prozessoren zum Einsatz kommen in professionellen Workstations. Wie gesagt, mein Fujitsu Laptop hat auch nen i7 drin, aber auch diverse Arbeitsplatzrechner bei uns verwenden z.T. einen i7 statt nem Xeon.
Nochmal, für den normalen Nutzer/Gamer kann es doch völlig schnuppe sein was das für eben den normalen Nutzer/Gamer unnütze Topmodell kostet oder ob der Preis in seinen Augen gerechtfertigt ist. Er kauft das doch eh net, sondern eben das was er sich leisten kann / braucht / will. Wenn die jetzt noch nen 12 Kerner für 3k rausbringen würden, dann wäre das halt so, erst wenn in China noch zusätzlich ein Sack Reis umfällt, dann wirds langsam aufregend.
Intel bewirbt den i7 als ersten 10 Kerner für Desktop, mit massig Leistung damit du den Gamer in dir entfesseln kannst (oder so ähnlich), genug Leistung für VR, dann kommt erst Content Creation, ja stimmt, absolut kein Fokus auf Gaming.
Brief: Intel(R) Core™ i7 Extreme Edition for the X-series Platform
Xeon ist und bleibt die Produktlinie für Profis, da diese Plattform nochmal ganz andere Möglichkeiten bietet.