Radeon RX 6900 XT vs. Geforce RTX 3090: 10 neue Spiele in WQHD, Ultra HD und 5K getestet
Mit der Radeon RX 6900 XT erschien just das RDNA-2-Flaggschiff. AMDs High-End-Grafikkarte verfehlt im regulären PCGH-Leistungsindex trotz einiger Achtungssiege das Ziel, sich mit der Geforce RTX 3090 anzulegen. In diesem Artikel schauen wir über den Tellerrand und prüfen, was die Radeon RX 6900 XT in den neuesten Spielen des Jahres 2020 leistet.
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AMD stellte mit den RDNA-2-Grafikkarten Radeon RX 6800, 6800 XT und zuletzt der RX 6900 XT eindrucksvoll unter Beweis, dass Totgesagte länger leben. Zwar gelingt es der Radeon RX 6900 XT (PCGH-Test) im absichtlich facettenreichen PCGH-Leistungsindex nicht, die Geforce RTX 3080 und RTX 3090 auf die Plätze zu verweisen, einige Siege lassen jedoch aufhorchen. AMD bewirbt insbesondere die Leistung in brandneuen PC-Spielen, darunter Assassin's Creed Valhalla, Dirt 5 und World of Warcraft Shadowlands. Wir nehmen dies zum Anlass, die unter realen Bedingungen erreichte Leistung abzuklopfen - mithilfe von PCGH-Benchmarkszenen anstelle selbstablaufender Benchmarks.
Selbstverständlich ergibt eine Leistungsbewertung nur anhand von herstellerseitig beworbenen Spielen keinen Sinn - wir gehören weder zur Marketing-Maschinerie AMDs noch zu der Nvidias. Daher belassen wir es nicht bei einem "Bestcase-Test", sondern ziehen diesen Artikel weiter auf: Wie sehen die Machtverhältnisse bei den 10 neuesten PC-Spielen des Jahres aus? Da PCGH sowieso jedes neue, optisch ansprechende Spiel einem Techniktest unterzieht, stehen die erprobten Benchmarkszenen schon bereit. Dieser Artikel beinhaltet darüber hinaus erste Messwerte aus The Riftbreaker, einem interessanten Genremix, welcher sich derzeit im Alpha-Stadium befindet. Das Early Access-Spiel wird ebenfalls von AMD beworben und protzt unter anderem mit wahrlich sehenswerten Raytracing-Schatten, die dank Nutzung der DXR-API auch mit Geforce-Grafikkarten funktionieren.
Testsystem-Upgrade
Ein Prozessorlimit gilt es in Grafikkartentests auszuschließen. Seit dem vergangenen Juli testet PCGH auf Basis eines aufwendig optimierten AMD Ryzen 9 3900X. Dank PCI-Express 4.0, 12 Kernen @ 4,5 GHz und einer händisch um circa 20 Prozent erhöhten Speicherleistung stemmte das Zen-2-System jede Last mit Bravour. Doch dann passierte etwas, das wir trotz aller Voraussicht nicht auf dem Radar hatten: Mit dem Release von Radeon RX 6000 und Ryzen 5000 führte AMD eine Spezialfunktion ein, welche nur bei dieser Hardware-Kombination funktioniert: Smart Access Memory, kurz SAM. Das Feature hilft dabei, den Grafikspeicher schnell und effizient zu adressieren und führt daher zu Leistungssteigerungen. Diese fallen gerade in geringen Auflösungen wie Full HD teils fühlbar aus und stellen somit einen ansehnlichen Mehrwert für alle Aufrüster dar, welche sich für ein neues System auf Basis von AMD-Hardware entscheiden. Der größte Haken von Smart Access Memory sind die Mindestvoraussetzungen: Um die Funktion zu nutzen, ist ein Ryzen-5000-Prozessor mit X570- oder B550-Hub notwendig. Alle anderen Plattformen sind (derzeit) nicht kompatibel.
Für diesen Test kommt unser leicht überarbeitetes Grafikkarten-Testsystem zum Einsatz. Neu ist nur der Prozessor: Anstelle des Ryzen 9 3900 "XTX" (12C/24T) prüfen wir die Grafikkartenleistung nun mit einem Ryzen 9 5950X (16C/32T) im Rücken. Dieser läuft für den Moment nur leicht beschleunigt, wir konfigurieren einen Offset von 500 MHz via Precision Boost Overdrive (PBO) zwecks höherer Teillast-Boosts. Damit der 32-Threader und SAM optimal funktionieren, aktualisieren wir die Firmware des Mainboards auf die zum Testzeitpunkt ofenfrische Version 2702. Smart Access Memory ist in den folgenden Benchmarks aktiv. Das übrige System bleibt Hardware-seitig unangetastet; nach wie vor kommen ein Asus X570 Crosshair VIII Hero sowie händisch optimierter, messerscharf eingestellter DDR4-3800-Speicher zum Einsatz. Das System wird in den kommenden Wochen final optimiert und steht fortan als fester Testrechner für 2021 bereit - mehr dazu, wenn wir fertig sind.
| Prozessor | AMD Ryzen 9 5950X (16C/32T) @ 500 MHz PBO Offset |
|---|---|
| Mainboard | Asus X570 ROG Crosshair VIII Hero (PCI-E 4.0 & SAM) |
| Arbeitsspeicher | 32 GiB DDR4 (Corsair Dominator Platinum RGB, 2× 16 GiB, B-Dies) |
| RAM-Takt & -timings | DDR4-3800 (14-15-14-26-1T), Infinity Fabric @ 1,9 GHz |
| Datenträger (primär) | Gigabyte Aorus NVMe ×4 Gen4 SSD 2TB |
| Netzteil | Thermaltake Toughpower iRGB Plus 1250W |
| Kühlsystem | Alphacool Eisblock + Nexxos ST30 + Eisstation |
10 neue Spiele in 3 Auflösungen
Assassin's Creed Valhalla, Call of Duty Black Ops Cold War, Crysis Remastered, Dirt 5, Doom Eternal Ancient Gods (Addon), Horizon Zero Dawn, The Riftbreaker (Alpha), Serious Sam 4, Watch Dogs Legion, WoW Shadowlands: So lautet die vollständige Liste der getesteten Spiele. Sie alle erschienen im zweiten Halbjahr 2020 und ziehen weitestgehend Nutzen aus den Lower-Level-Schnittstellen DirectX 12 und Vulkan. Einige von ihnen bieten außerdem optionales Raytracing mittels DXR-API unter DX12. Wir testen einige Spiele mit und einige ohne Raytracing, um die Last etwas zu streuen.
Watch Dogs Legion und Call of Duty Black Ops Cold War sind im aktuellen Zustand auf einer Radeon RX 6000 sehr absturzfreudig, sobald Raytracing aktiviert wird, daher mussten wir notgedrungen auf die DXR-Benchmarks verzichten und testen mit maximalen Raster-Details. Watch Dogs Legion und CoD Black Ops Cold War sind im aktuellen Zustand auf einer Radeon RX 6000 sehr absturzfreudig.
Kurios ist, dass AMD diese Probleme nicht in den Release Notes der neuen Radeon Software 20.12.1 nennt, dafür aber Instabilität in CoD Modern Warfare, Battlefield 5, Shadow of the Tomb Raider und Metro Exodus. Somit stellt eine Geforce RTX 30 derzeit die einzige Wahl für Spieler dar, welche überall mit maximalen Raytracing-Details zocken möchten. Der AMD-Treiber respektive die Kommunikation mit bestehenden DXR-Spielen benötigt offenbar noch ein paar Patches, um rund zu laufen.
Konsequent hoch sind die Testauflösungen: Full HD, das auf Boliden wie der Geforce RTX 3090 und Radeon RX 6900 XT stets mehr oder minder CPU-limitiert ist, bleibt außen vor. Stattdessen steigen wir bei WQHD ein und steigern die Last durch die Auflösungsstufen Ultra HD sowie 5K. Letzteres findet sich nativ nur bei wenigen Bildschirmen, ist für anspruchsvolle PC-Spieler aber dennoch spannend, gerade für Nutzer eines WQHD-Displays. 5K, also 5.120 × 2.880 Pixel, entspricht genau vierfachem Supersampling, was zu einem knackigen, flimmerarmen Bild führt. Doch auch Besitzer eines Ultra-HD-Displays können mit den getesteten Grafikkarten Ausflüge in 5K-Gefilde wagen, die Qualität nimmt in jedem Fall zu. Ob Sie für die 5K-Auflösung auf spieleigene Auflösungsregler zurückgreifen oder die Treiberfunktionen DSR (Geforce) respektive VSR (Radeon) nutzen, spielt für die Qualität und Leistung eine untergeordnete Rolle.
Bildergalerie
Auch bei den Details und Testszenen folgen wir dem bewährten PCGH-Motto: Erreichen die Grafikkarten in den von uns ausgesuchten Szenen gute Bildraten, sind Sie auf der sicheren Seite. Nach wie vor wählen wir für unsere Benchmarks überdurchschnittlich anspruchsvolle Sequenzen aus, welche wir durch stundenlange Tests der Spiele ermitteln. In der Bildergalerie finden Sie einige Impressionen der brandneuen Benchmarks. Savegames, Videos und Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum Nachmachen liefern wir nach, sobald einige der Tests in den Standard-Parcours wandern. Derzeit ist dieser Wechsel für Ende Januar geplant - selbstverständlich inklusive Cyberpunk 2077, das wir derzeit auf Herz und Nieren testen.
Benchmark-Ergebnisse
Das spannende Duell Geforce RTX 3090 gegen Radeon RX 6900 XT geht in eine neue Runde. Wie entwickeln sich die Machtverhältnisse in den neuesten Spielen des Jahres bei durchweg bildhübschen Auflösungen? Davon handelt der folgende Benchmark.
Zwar handelt es sich nicht um den PCGH-Standardparcours, die Diversität der Ergebnisse kann sich aber dennoch sehen lassen, sodass sich genaue Blicke lohnen. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Radeon RX 6900 XT in WQHD die beste Figur macht, hier führt sie in immerhin zwei von zehn Benchmarks. Mit der Auflösung steigt jedoch die Miss-Rate im Infinity Cache der Radeon-GPU, was dem Geforce-Flaggschiff in die Karten spielt. Nvidias Ampere-Architektur profitiert grundsätzlich von hoher Auflösung, da die zahlreichen FP32-ALUs nur dann optimal ausgelastet werden können (siehe auch Extremtests bis 8K-Auflösung - was bringen 24 GiByte Speicher?). Der Grafikspeicher limitiert indes bei keinem der Modelle, mit 16 respektive 24 GiByte sind Radeon RX 6900 XT und Geforce RTX 3090 sehr gut bestückt, um auch 5K ohne Mangelerscheinungen zu stemmen.
Interessant ist auch der gigantische Abstand der Radeon RX 6900 XT gegenüber der Geforce RTX 3090 in Assassin's Creed Valhalla - und wie dieser mit jedem Auflösungsschritt schmilzt. In "2,5K" führt die AMD-Grafikkarte noch um 38 Prozent, in UHD noch um 17 Prozent und in 5K dann nur noch um 3 Prozent. An der grundsätzlichen RDNA-2-Dominanz hat sich seit unserem Launchtest von AC Valhalla nichts verändert, während Dirt 5 nach einigen Patches deutlich anders läuft. Hier performen die RX-6000-Grafikkarten nach wie vor stark, allerdings hat die gesamte Geforce-Garde nach den jüngsten Patches deutlich an schlammigem Boden gutgemacht. Serious Sam 4, das angesichts des Namens besonders von Smart Access Memory (SAM) profitieren sollte, schwimmt unterdessen bei der Aufllösungsskalierung gegen den Strom: Hier legt die RX 6900 XT prozentual (nicht absolut) zu, während die RTX 3090 verliert.
Ferner ist die Leistung bei den zwei Raytracing-Tests interessant. Beide Spiele, The Riftbreaker und World of Warcraft Shadowlands, werden von AMD beworben, funktionieren jedoch auch bestens mit Geforce-Grafikkarten. Interessant ist zum einen die wesentlich höhere Grundleistung der Radeon RX 6900 XT in WoW, welche wir bereits im Techniktest von Shadowlands erläuterten: Raytracing führt auf Nvidia-GPUs zu einem großen Overhead, sprich, die CPU-Leistung limitiert das Geschehen. Dafür brechen RTX-30-GPUs deutlich geringer mit steigender Auflösung ein - ganz anders die AMD-GPUs, welche in niedrigen Auflösungen sehr schnell arbeiten, wo aber jedes zusätzliche Pixel einen Leistungsverlust zur Folge hat. So kommt es, dass die RTX 3090 ab Ultra HD führt und in 5K ihren Abstand ausbauen kann. In The Riftbreaker (Alpha), das die wohl hübschesten Raytracing-Echtzeitschatten aller Spiele aufweist, dominiert die RTX 3090 das Geschehen hingegen schon in WQHD und baut ihre Führung mit steigender Auflösung eindrucksvoll aus.
Fazit: RTX 3090 gegen RX 6900 XT
Wie man es dreht und wendet, es kommt stets das Gleiche heraus: Egal ob Geforce RTX 3090 oder Radeon RX 6900 XT, beide Grafikkarten sind bärenstark und bereiten selbst bei hohen Auflösungen Spaß. Lediglich 5K ist mitunter zu viel des Guten, doch Ultra HD ist stets flüssig nutzbar. Während die RTX 3090 durchweg stark ist, fällt die Leistung der RX 6900 XT durchwachsen aus (man könnte auch "abwechslungsreich" sagen). In einigen Spielen, allen voran Assassin's Creed Valhalla und Battlefield 5, ist sie unschlagbar. Kommt jedoch Raytracing zum Einsatz, führt die Nvidia-Grafikkarte in den allermeisten Fällen. Besonders ärgerlich ist, dass das Radeon-Flaggschiff noch einige Probleme mit Raytracing-Spielen hat, welche sich durch schwache Performance und - besonders lästig - Abstürze äußern. Die lange Vorarbeit seitens Nvidia scheint sich momentan auszuzahlen, während den Treiber- und Developer-Relations-Teams von AMD noch einige arbeitsreiche Wochen bevorstehen.

Da freut sich doch jeder R VII Besitzer
Der Satiere Onkel
Hier mal von Igor`sLab wie effizient die Karten sind.
Die Haut retten ihr nur die niedrigeren Auflösungen, in 4k sieht es so aus (da ja leider keine Übersicht da ist, ist es eben zusammengerechnet):
Frames Insgesamt:
3090: 801,90
6900 XT: 695,00
Frames Durchschnitt:
3090: 80,19
6900 XT: 69,5
Demensprechend ist die 3090 über die 10 neusten Spiele in UHD im Schnitt 15,38% schneller.
Lustigerweise schifft die 6900 XT auch noch in AMD Titeln extrem ab.
Sprich es bleibt dabei, die 6900 XT ist auf 3080 Level.
Die 6900 XT gewinnt nur 1 Duell und zwar das in Valhalla.
Aber der Preisaufschlag zwischen RX 6800 XT und RX 6900 XT lohnt einfach nicht finde ich. Außer man will zwingend eine AMD-Karte UND die bestmögliche Leistung in Ray Tracing. Ansonsten ist die kleinere Karte die deutlich bessere Wahl. 1000€ ist die 6900 XT - MEINER MEINUNG - einfach nicht Wert.