AMD Radeon RX 6900 XT im Test: Enthusiasten-Duell mit Nvidias Geforce RTX 3090 [Update]
Jetzt aktualisiert: Die Radeon RX 6800 und RX 6800 XT waren der erste und zweite Streich, der dritte folgt sogleich: Mit der Radeon RX 6900 XT bläst AMD zum Angriff auf Nvidias Schlachtschiff Geforce RTX 3090. Im Gegensatz zu Nvidia bewirbt AMD sein neuestes Produkt in erster Linie zum Spielen, wenngleich auch Kreativschaffende damit glücklich werden können. Was leistet die 1.000-Euro-Radeon im Duell mit der 1.500-Euro-Geforce?
Aktualisierung vom 09.12.2020: Am Tag nach dem Launch einer neuen Grafikkarte lohnt sich ein kurzer Blick auf Verfügbarkeit und Preise. Hier gibt es leider wenig Erbauliches zu berichten. Nach unseren Eindrücken war die RX 6900 XT gestern ein klassischer Paper-Launch. Alternate war der einzige Shop mit Ware und mehr als eine Referenzkarte von XFX wurde nicht gesichtet - zum stattlichen Preis von 1.149 Euro. Und genau diese Karte, wen wundert es, lässt sich nun bei Ebay erwerben, natürlich mit sattem Aufpreis. Wie gehabt lassen sich auch Bilder der 6900 XT bei Ebay kaufen, Botkäufer lassen grüßen.
Derweil hat AMD wie erwartet gestern auch den Launch-Treiber für die Radeon RX 6900 XT als Download veröffentlicht. Er gilt auch als offizieller Treiber für Cyberpunk 2077 und bietet einige wichtige Bugfixes für Radeon RX 6800 (XT). Es bleiben aber einige Baustellen für AMD, speziell im Bereich Raytracing. So gibt es wohl immer noch Abstürze in Kombination mit Raytracing und den Spielen Metro Exodus, Shadow of the Tomb Raider, Battlefield 5 und Call of Duty: Modern Warfare.
Nun ist der Moment gekommen, auf den Enthusiasten lange gewartet haben. Nach Jahren der Abwesenheit tritt mit der Radeon RX 6900 XT endlich wieder eine Radeon-Grafikkarte in den Ring, um es mit dem einsamen Meister im Schwergewicht aufzunehmen. Letzteres darf wörtlich genommen werden, denn die Geforce RTX 3090 ist die schwerste und schnellste Single-GPU-Grafikkarte, die PCGH jemals getestet hat. Nvidia ruft dafür einen Listenpreis von 1.500 Euro auf, was im Angesichts früherer "Titan"-Modelle zwar wenig erscheint, aber dennoch das Verständnis und Portemonnaie der meisten Spieler übersteigt. Muss der noch junge Champ seinen Titel heute abgeben?
Die "9" im Produktnamen ist seit jeher den absoluten Spitzenmodellen vorbehalten. Eine zeitlang stand die Neun für Dual-GPU-Boliden, während eine Acht die schnellsten Single-GPU-Modelle kennzeichnete. Heutzutage treten ausschließlich stark gekühlte, hochtaktende und besonders große Single-Grafikkarten gegeneinander an, so auch beim heutigen Schlagabtausch. Mit der Radeon RX 6900 XT zieht AMD (fast) alle Register, um erstmals seit Jahren die Grafikkarten-Leistungskrone an sich zu reißen. Dass man sich seiner Sache sicher ist, verrät das selbstbewusste Preisschild: 999,99 Euro soll die Radeon RX 6900 XT offiziell kosten (wir finden bereits Listings ab 1.149 Euro) - 350,99 Euro oder 54 Prozent mehr als die Radeon RX 6800 XT. Ob es für den Titel reicht, prüft PCGH im großen Test der RX 6900 XT.
AMD Radeon RX 6900 XT: Die RDNA-2-Speerspitze basiert auf dem gleichen 2,5-Slot-Design wie die RX 6800 XT, äußerlich sind sie nur durch die Aufschrift am rückseitigen Sticker zu unterscheiden. Die RX 6800 trägt dagegen einen Dual-Slot-Kühler.
Quelle: PC Games Hardware
Radeon RX 6900 XT im Test: The biggest Navi yet
Egal ob Radeon RX 6900 XT, RX 6800 XT oder RX 6800: AMDs neue Grafikkarten stehen offiziell und primär für "Triple-A 4K Gaming", High-End-Grafikkarten für PC-Spieler. Kreative diverser Couleur, egal ob Streamer, Cutter oder Designer, ziehen natürlich ebenfalls Nutzen aus der hohen Rechenleistung und Speicherkapazität der neuen GPU-Generation. Alle RX-6000-Grafikkarten basieren auf der neuesten und fortschrittlichsten Radeon-Mikroarchitektur namens RDNA 2. Der erste RDNA-2-Prozessor ist Navi 21, aufgrund seiner Größe und Zielsetzung auch "Big Navi" genannt. Ihm werden Im Laufe des nächsten Jahres die Sprösslinge Navi 22 (RX 6700 [XT]) und Navi 23 folgen.
Den Anfang machten am 18. November 2020 die Radeon RX 6800 XT (ab 649 Euro) und die Radeon RX 6800 (ab 579 Euro). Nun gibt das Topmodell Radeon RX 6900 XT für 999,99 Euro sein Stelldichein und der geneigte Aufrüster stellt sich unweigerlich die Frage: Lohnt sich der stattliche Aufpreis oder tut's auch eine Radeon RX 6800 XT? Der Blick auf die Hardware-Daten gibt eine erste Auskunft über das zu erwartende Leistungsplus:
| Grafikkarte | RX 6900 XT | RX 6800 XT | RX 6800 | Radeon VII | RTX 3090 | RTX 3080 | RTX 3070 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Marktstart | 08.12.2020 | 18.11.2020 | 18.11.2020 | 07.02.2019 | 24.09.2020 | 17.09.2020 | 29.10.2020 |
| Architektur | RDNA 2 | RDNA 2 | RDNA 2 | GCN 1.4 | Ampere | Ampere | Ampere |
| Codename/Konfektion | Navi 21 XTX | Navi 21 XT | Navi 21 XL | Vega 20 XT | GA102-300 | GA102-200-Kx | GA104-300 |
| Chipgröße (reiner Die) | 520 mm² | 520 mm² | 520 mm² | 331 mm² | 628 mm² | 628 mm² | 392 mm² |
| Transistoren Grafikchip (Mio.) | 26.800 | 26.800 | 26.800 | 13.200 | 28.000 | 28.000 | 17.400 |
| Fertigungsverfahren (Foundry) | 7N (TSMC) | 7N (TSMC) | 7N (TSMC) | 7N (TSMC) | 8LPP (Samsung) | 8LPP (Samsung) | 8LPP (Samsung) |
| DirectX 12 Feature Level | 12_2 | 12_2 | 12_2 | 12_1 | 12_2 | 12_2 | 12_2 |
| Shader-Cluster (CUs/SMs) | 80 | 72 | 60 | 60 | 82 | 68 | 46 |
| FP32-ALUs/TMUs/ROPs | 5.120/320/128 | 4.608/288/128 | 3.840/240/96 | 3.840/240/64 | 10.496/328/112 | 8.704/272/96 | 5.888/184/64 |
| Parallel nutzbare INT32-ALUs | - | - | - | - | 5.248* | 4.352* | 2.944* |
| Raytracing-Einheiten | 80 | 72 | 60 | - | 82 | 68 | 46 |
| Tensor-Kerne | - | - | - | - | 328 | 272 | 184 |
| Infinity Cache on-die (MiB) | 128 | 128 | 128 | - | - | - | - |
| GPU-Boost-Takt in Spielen (MHz) | 2.015 | 2.015 | 1.815 | 1.750 | 1.695 | 1.710 | 1.725 |
| FP16-Leistung ALUs (TFLOPS) | 41,27 | 37,14 | 27,88 | 26,88 | 71,16 | 59,54 | 40,63 |
| FP32/FP64-Leistung ALUs (TFLOPS) | 20,63/1,29 | 18,57/1,16 | 13,94/0,87 | 13,44/3,36 | 35,58/1,11 | 29,77/0,93 | 20,31/0,63 |
| Füllrate (Mtex/Mpix pro Sek.) | 644,8/257,9 | 580,3/257,9 | 435,6/174,2 | 420,0/112,0 | 556,0/189,8 | 465,1/164,2 | 317,4/165,6 |
| Größe des Level-2-Cache (KiB) | 4.096 | 4.096 | 4.096 | 4.096 | 6.144 | 5.120 | 4.096 |
| Speicheranbindung (Bit) | 256 | 256 | 256 | 4.096 | 384 | 320 | 256 |
| Geschwindigkeit RAM (GTs/MHz) | 16,0/8.000 | 16,0/8.000 | 16,0/8.000 | 2,0/1.000 | 19,5/9.750 | 19,0/9.502 | 14,0/7.001 |
| Speichertyp | GDDR6 | GDDR6 | GDDR6 | HBM gen2 | GDDR6X | GDDR6X | GDDR6 |
| Transferrate Speicher (GB/s) | 512,0 | 512,0 | 512,0 | 1024,0 | 936,0 | 760,2 | 448,1 |
| Speicherkapazität (MiB) | 16.384 | 16.384 | 16.384 | 16.384 | 24.576 | 10.240 | 8.192 |
| PCI-Express-Standard | 4.0 | 4.0 | 4.0 | 3.0 | 4.0 | 4.0 | 4.0 |
| PCI-Express-Stromanschlüsse | 2× 8-Pol | 2× 8-Pol | 2× 8-Pol | 2× 8-Pol | 1× 12-Pol | 1× 12-Pol | 1× 12-Pol |
| Typische Leistungsaufnahme | 300 Watt | 300 Watt | 250 Watt | 300 Watt | 350 Watt | 320 Watt | 220 Watt |
| Launch-Preis (UVP) | 999,99 Euro | 649 Euro | 579 Euro | 729 Euro | 1.499 Euro | 699 Euro | 499 Euro |
Leistungsangaben bei typischem GPU-Boost laut AMD/Nvidia und bezogen auf die Referenzkarten respektive Founders Editions. In der Praxis schwankt die GPU-Frequenz und somit auch der Durchsatz. Die von den Herstellern angegebenen Boostfrequenzen liegen unter typischer Spielelast mindestens an, in der Regel boostet die GPU höher - Navi 21 sogar meist um ~200 MHz höher!
Fun fact: Der 2017 erschienene Volta GV100 verfügt als Titan V bereits über 5.120 FP32-ALUs.
Unterschiede und Gemeinsamkeiten
Die Spezifikation zeigt es ganz klar: Die RX 6900 XT und RX 6800 XT haben viel gemeinsam - mehr als RX 6800 XT und RX 6800. Die Radeon RX 6900 XT ist die einzige Grafikkarte des Trios, welche mit einem vollständig aktiven Navi-21-Chip mit 80 Compute Units und somit 5.120 FP32-Shader-Einheiten aufwarten kann. Die Radeon RX 6800 XT muss auf zehn Prozent der Rechenwerke verzichten, sie bringt 72 Compute Units (CUs) und somit 4.608 ALUs auf die Waage, während die RX 6800 einen Beschnitt auf 60 CUs über sich ergehen lassen muss. Alle drei RX-6000-Grafikkarten können dabei auf die volle Speicherleistung zurückgreifen. Dies beinhaltet ein auf den ersten Blick schwachbrüstiges 256-Bit-Interface, das 16 GT/s schnellen GDDR6-Speicher anbindet. Der Clou: Navi 21 arbeitet mit einer speziellen Cache-Hierarchie, welche die Geschwindigkeit des Grafikspeichers in den Hintergrund treten lässt. Zu diesem Zweck beinhalten alle drei RX-6000-Modelle 128 MiByte sogenannten "Infinity Cache", welcher zwischen L2-Cache und Grafikspeicher gelegen ist, einen Großteil der unmittelbar benötigten Daten fasst und somit großen Einfluss auf Leistung und Effizienz hat.
AMD betont, dass es sich bei den Grafikchips des Flaggschiffs um das Beste vom Besten handle. Nur GPUs, welche vollständig intakt sind und eine überdurchschnittlich hohe Güte aufweisen, schaffen es auf die Radeon RX 6900 XT. Trotz dieser Maßnahme muss eines klar gesagt werden: Die Spezifikation der stärksten Radeon-Grafikkarte wirkt auf uns etwas kurios, geradezu optimistisch. Jeder Transistor, der schaltet, benötigt elektrische Energie. Diese Energie wird in Wärme umgewandelt - das sind unüberwindbare physikalische Gesetze. Da AMD die RX 6800 XT und RX 6900 XT beide mit 255 Watt GPU-Power und 300 Watt Board-Power spezifiziert, ist der Limitfaktor eindeutig: Selbst bei bester Selektion wird es Fälle geben, bei denen die 6900 XT stärker durch das straffe Powerlimit ausgebremst wird als die 6800 XT.
Schaut man noch genauer hin, wird eines deutlich: Die Radeon RX 6900 XT kann sich unter keinen Umständen signifikant von der RX 6800 XT absetzen - das ist technisch mit diesen Spezifikationen unmöglich. Beide Grafikkarten arbeiten mit rund 2 TByte Cache-Transferrate und 512 GByte/s von und zum 16 GiByte großen GDDR6-Speicher. Der einzige Unterschied liegt bei den Compute Units, von denen die 6900 XT bei gleichem Takt über elf Prozent mehr verfügt. Nehmen wir optimistisch an, dass der GPU-Boost beider Karten gleich hoch ausfällt (je nach Last 2,1 bis 2,5 GHz), kann die Radeon RX 6900 XT ergo um bestenfalls elf Prozent schneller rechnen als die RX 6800 XT. In der Praxis bremst nicht nur die gleiche Speicherleistung die Entfaltung, sondern auch die berüchtigte "GPU-Lotterie", denn je nach Kartenkonstellation boostet mal das eine und mal das andere Modell etwas höher. Dazu später mehr.
Features und Ökoysteme
Die Radeon-RX-6000-Reihe bringt eine Reihe neuer Features mit, darunter DirectX 12 Ultimate Compliance. Diese beinhaltet die Fähigkeit zu Hardware-Raytracing über die DXR-Schnittstelle, Variable Rate Shading, Mesh Shader sowie Sampler Feedback. All das fehlt RDNA 1/Navi 10 noch, findet sich jedoch seit Mitte 2018 beim Mitbewerber - Turing und Ampere sind ebenfalls vollständig DX12U-kompatibel, AMD gleicht somit aus. Daneben bewirbt AMD weitere Features, darunter das hauseigene Open-Source-Toolkit für Entwickler, welches unter dem Namen FidelityFX eine Reihe von Effekten und Lösungen zur Implementierung anbietet. Das bekannteste ist wohl Contrast Adaptive Sharpening (CAS), doch nun gibt es weitere Helferlein, welche in Kombination mit DirectX 12 Ultimate funktionieren. Die Rede ist unter anderem von einem effizienten Denoising-Filter (elementar beim Raytracing), Variable Rate Shading und Super Resolution. Letzteres soll eine quelloffene Alternative zu Nvidias KI-Bildglättung DLSS an PC und Konsole werden, befindet sich jedoch nach wie vor in Entwicklung.
Ferner unterstützt die RX-6000-Reihe PCI-Express 4.0, welches mit einer entsprechenden (AMD-)Infrastruktur den Datendurchsatz am Slot verdoppelt. Der Display-Standard HDMI 2.1 (inklusive Freesync Variable Refresh Rate), welcher unter anderem die Ansteuerung von 8K-Bildschirmen und -Fernsehern mit nur einem Kabelstrang ermöglicht, wird hingegen erstmals auch von Radeon-Grafikkarten unterstützt. Interessant ist die zweite Neuerung an der Blende der Radeon RX 6800 (XT) und RX 6900 XT, der Virtual Link. Dieser Standard erleichtert die Kommunikation mit VR-Headsets, indem Strom und Daten über ein einzelnes USB-C-Kabel übertragen werden. Möglicherweise schütteln Sie gerade den Kopf, doch Sie haben richtig gelesen: AMD unterstützt nun, gut zwei Jahre nach Nvidia, jenen Standard, welcher sich bei der Turing-Serie (RTX 20) nicht durchsetzen konnte und daher bei Ampere (RTX 30) wieder entfernt wurde. Davon ab beherrscht Navi 21, wie Ampere, mit geeigneter Software-Umgebung die Dekodierung von AV1-Videomaterial.
Am Ende bedeutet die Wahl der Grafikkarte - Radeon oder Geforce - immer, sich für ein Lager und somit Ökosystem zu entscheiden. Diese Wahl können wir Ihnen nicht abnehmen, Sie sollten genau schauen, welche Features Ihnen wichtig sind.
AMD Radeon RX 6900 XT Briefing Presentation 25
Quelle: AMD
