Radeon RX 6900 XT Liquid Cooling im Test: Der langersehnte Geforce-RTX-3090-Killer?
Mit der Radeon RX 6900 XT scheitert AMD bekanntlich knapp am Leistungsniveau der Geforce RTX 3090. Nun folgt der nächste Streich: Kann mit der werkseitig wassergekühlten RX 6900 XT LC endlich wieder eine Radeon den Grafikkarten-Thron besteigen? Und wenn ja, gibt es einen Haken? Das und mehr erfahren Sie im exklusiven PCGH-Test der Radeon RX 6900 XT Liquid Cooling.
In diesem Artikel
- Seite 1 RX 6900 XT Liquid Cooling im Test: Spezifikationen
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Seite 2
RX 6900 XT Liquid Cooling im Test: Spiele-Benchmarks
- 2.1 GPU-Testsystem 2021 v1.1
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2.2
Radeon RX 6900 XT LC: Spiele-Benchmarks
- 2.2.1 Anno 1800
- 2.2.2 Assassin's Creed Valhalla
- 2.2.3 Battlefield 5
- 2.2.4 Borderlands 3
- 2.2.5 Call of Duty BO Cold War
- 2.2.6 Control
- 2.2.7 Crysis Remastered
- 2.2.8 Cyberpunk 2077
- 2.2.9 Days Gone
- 2.2.10 Desperados 3
- 2.2.11 Doom Eternal Ancient Gods
- 2.2.12 F1 2020
- 2.2.13 Forza Horizon 4
- 2.2.14 Hitman 3
- 2.2.15 Horizon Zero Dawn
- 2.2.16 Metro Exodus
- 2.2.17 Red Dead Redemption 2
- 2.2.18 Resident Evil 8 Village
- 2.2.19 Serious Sam 4
- 2.2.20 The Witcher 3
- 2.3 RX 6900 XT LC im Leistungsindex
- 2.4 RX 6900 XT LC: Raytracing-Leistung
- Seite 3 RX 6900 XT Liquid Cooling im Test: Lautheit, Verbrauch, Effizienz
- Seite 4 RX 6900 XT Liquid Cooling im Test: Zusammenfassung mit Fazit
- Seite 5 Bildergalerie
Es ist viele Jahre her, als zuletzt eine Radeon-Grafikkarte die Charts anführte. Doch diese Zeiten gab es - beispielsweise 2013, als die Radeon R9 290X (zumindest im Orkanmodus alias "Uber Mode") an Nvidias erstem Titanen vorbeizog und sich später auch gegen die Geforce GTX 780 Ti behaupten konnte. Oder 2012 mit der Radeon HD 7970 GHz Edition, 2009 mit der Radeon HD 5870 und so weiter.
AMDs Dasein als "Ewiger Zweiter" beschränkt sich auf die letzten sieben Jahre, begann jedoch Mitte 2019 zu bröckeln: Mit Navi alias RDNA (1) stampften die Radeon-Macher eine Architektur aus dem Boden, die enorme Fortschritte bei der Pro-Takt-Leistung machte. Ein Angriff auf Nvidias High-End-Angebote blieb jedoch aus - bis Ende 2020, dem Launch von RDNA 2. Wir alle wissen, wie die Geschichte ausging und bis heute ausgeht: Zwar handelt es sich um die besten Radeon-Grafikkarten bis dato, doch Nvidias Schlachtschiff Geforce RTX 3090 bleibt in der Gesamtwertung vorn. Nvidia opfert bei Ampere die Energie-Effizienz, um als Benchmark-Sieger aus den meisten Duellen hervorzugehen.
Wenn das Ziel so nah ist, lohnt sich ein weiterer Anlauf. Hier kommt unser neuester Proband ins Spiel, die Radeon RX 6900 XT Liquid Cooling, kurz LC. Dank deutlich erhöhter Taktraten und werkseitiger All-in-One-Wasserkühlung hat sie das Potenzial, den Thron zu besteigen. AMD schöpft damit die bestehenden Reserven des Navi-21-Chips aus. Ob das Unterfangen von Erfolg gekrönt ist und welche Nebenwirkungen dabei auftreten, erfahren Sie im ausführlichen Test der Radeon RX 6900 XT LC.
Radeon RX 6900 XT Liquid Cooling, das OEM-Flaggschiff
Es gibt Dinge und Entscheidungen, die man als Außenstehender nur schwerlich nachvollziehen kann. Bedauerlicherweise ist auch die Radeon RX 6900 XT LC von einer solchen Entscheidung betroffen: Obwohl diese Grafikkarte das Zeug zum Gaming-Champion hat, erscheint sie nicht im regulären Handel. AMD hat sich dazu entschieden, die RX 6900 XT LC nur an OEMs respektive Systemintegratoren herauszugeben und schweigt sich auf Nachfrage über die Gründe aus. Wer in den Genuss eines derart vermarkteten Produkts kommen möchte, muss sich folglich bei Anbietern von Komplettrechnern umsehen. Genau das haben wir getan, denn bei der Radeon RX 6900 XT Liquid Cooling handelt es sich um ein reinrassiges "Made by AMD"-Referenzdesign und somit einen Kandidaten für den PCGH-Leistungsindex.
Freundliche Unterstützung bei diesem Unterfangen erhielten wir vom PC-Händler Dubaro, welcher seit Kurzem die Bestückung mit dem flüssiggekühlten Radeon-Flaggschiff anbietet. Die von uns georderte Konfiguration beinhaltet unter anderem einen Ryzen 9 5900X, eine 1-TByte-NVME-SSD sowie ein 1.000-Watt-Netzteil und ist im Shop von Dubaro für 3.199 Euro erhältlich. Interessenten können den Rechner auch mit einer luftgekühlten Radeon RX 6900 XT im Custom-Design bestücken lassen. Der Aufpreis für die LC-Edition beträgt etwas mehr als 200 Euro. Für diesen Test haben wir die Radeon RX 6900 XT Liquid Cooling auf das reguläre PCGH-Grafikkarten-Testsystem geschnallt, um gleiche Bedingungen zu schaffen, und sie durch mehr als 30 Gaming-Benchmarks gescheucht.
Quelle: PC Games Hardware
Radeon RX 6900 XT Liquid Cooling im Test: Der langersehnte Geforce-RTX-3090-Killer?
6900 XT LC vs. 6900 XT: Die GPU
Blenden wir die OEM-Herkunft der Radeon RX 6900 XT LC einmal aus, wird klar, warum wir diese Radeon-Grafikkarte unbedingt auf die Probe stellen wollten: Sie verschiebt die Grenzen des Möglichen deutlich und lässt damit die Augen eines jeden Enthusiasten feucht werden. Das fluid- denn luftbetriebene Kühldesign ist dabei nur Mittel zum Zweck, die wahren Schmankerl schlummern unter der Vollverschalung. Das Herz der Radeon RX 6900 XT LC ist die "XTXH"-Konfektion des Navi-21-Chips. Dabei handelt es sich um eine Selektion der taktfreudigsten, vollständig intakten Prozessoren aus der laufenden Produktion. Der XTXH findet sich bereits seit einiger Zeit auf den stärksten Custom-Designs der AMD-Boardpartner, darunter Modelle von Powercolor und Sapphire - nur eben nicht auf einer AMD-Referenzkarte. Die Radeon RX 6900 XT Liquid Cooling räumt mit diesem Missstand zumindest grundsätzlich auf.
Eine starke Kühlung und ein erhöhtes Powerlimit weisen bereits die Topmodelle der Boardpartner auf. Was die RX 6900 XT LC so spannend macht, sind die garantierten Taktraten, welche im Falle unseres Exemplars sogar über jenen liegen, die seit einiger Zeit durch das Internet geistern: 2.050 MHz Basistakt, 2.250 MHz Game-Clock und ein Boost auf 2.435 MHz sind in der Firmware hinterlegt:
Quelle: PC Games Hardware
AMD Radeon RX 6900 XT Liquid Cooling: GPU-Z Overview
An den Rechenwerken ändert sich ansonsten nichts, wie bereits die 6900 XT kann auch die LC-Edition auf einen vollständig aktiven Navi-21-Chip zurückgreifen. Dies beinhaltet auch die Geheimzutat, die RDNA 2 so schnell und effizient macht: 128 MiByte "Infinity" Level-3-Cache. Eine Radeon RX 6900 XT (LC) mit ihren 80 Compute Units verfügt somit Chip-weit über ~143 MiByte Zwischenspeicher direkt neben den Ausführungseinheiten. Zum Vergleich: Eine Geforce RTX 3090 oder RTX 3080 Ti bringt es auf gerade einmal ~20 MiByte. Die große Datenablage direkt neben den Rechenwerken resultiert in kurzen Signalwegen und somit geringer Latenz. Die Kommunikation erfolgt über das aus dem CPU-Bereich adaptierte Infinity Fabric. Cache und Datenbahn arbeiten mit einer eigenen, vom Rest des Kerns entkoppelten Taktdomäne (SoC Clock). 16 jeweils 64 Bit breite Interfaces, ergo 1.024 Bit insgesamt, takten in bandbreitenlastigen Szenarien mit maximal 1,94 GHz. Dies resultiert in einer Chip-internen Maximaltransferrate von beinahe 2 TByte/s - rund viermal so viel wie der am Ende angebundene GDDR6-DRAM. Da Spiele zur Laufzeit sehr unterschiedliche Anforderungen an die Bandbreite stellen, erfolgt die Taktung des Infinity Fabric kontextabhängig. Ist auf dem Datenpfad wenig los, taktet das Gebilde aus energetischen Gründen mit rund 1,4 GHz (-> 1,44 TByte/s), bei vielen Anfragen hingegen mit besagten 1,94 GHz (-> 1,99 TByte/s). Diese spezielle Taktdomäne lässt sich nicht durch GPU-Overclocking anheben.
6900 XT LC vs. 6900 XT: Der Speicher
Damit nicht genug, auch der "normale" Speicher bricht alle Rekorde, die je eine GDDR6-basierte Grafikkarte gesehen hat. Die Radeon RX 6900 XT LC bringt wie ihre Geschwister 6900 XT, 6800 XT und 6800 attraktive 16 GiByte Kapazität mit, aufgeteilt in 8 × 2 GiByte, taktet den Speicher jedoch mit effektiv 9.200 anstatt 8.000 MHz. Das entspricht 18,4 Gigatransfers pro Sekunde und kommt somit sehr nah an GDDR6X heran, welcher mit mindestens 19 Gigatransfers/s installiert wird (Geforce RTX 3070 Ti aufwärts). Das übrige Speichersubsystem rund um eine 256-Bit-Datenbahn, 128 ROPs sowie 4 MiByte Level-2-Cache bleibt unangetastet. Die Radeon RX 6900 XT LC kann ihre Daten somit um 15 Prozent schneller kopieren als die 6900 XT "Air" und 6800 XT.
Während die Taktraten und der Hersteller Samsung eindeutig identifizierbar sind, können wir nicht mit Bestimmtheit sagen, welche GDDR6-Chips auf der RX 6900 XT LC zum Einsatz kommen. Ursächlich dafür ist, dass wir unser ausgeliehenes Sample nicht zerlegen möchten. Der 16 GT/s schnelle HC16-Speicher ist längst Massenware und findet sich auf allen anderen RX-6000-Grafikkarten, doch von der bereits 2018 angekündigten 18-GT/s-Variante fehlt in öffentlichen Samsung-Dokumenten jede Spur - für die auf der LC-Edition verwendeten 18,4 GT/s wäre dieser jedoch mindestens nötig. Ein Indiz für eine Selektion nebst gezielter Übertaktung liefert HW Info: Der Speicher auf der Radeon RX 6900 XT LC arbeitet unter Volllast laut dem Tool mit der hohen Spannung von 1,4 Volt. Die 18er-Module wurden unterdessen - wie die 16er-Chips - mit 1,35 Volt angekündigt. Offizielle Spezifikation hin oder her, mit 1,4 Volt und 2.300 MHz benötigen die Speichermodule mehr Energie als jene auf den anderen RX-6000-Modellen (2.000 MHz, 1,35 Volt). Kommen wir nun zur Übersicht aller leistungsrelevanten Daten:
| Grafikkarte | RX 6900 XT LC | RX 6900 XT | RX 6800 XT | RTX 3090 | RTX 3080 Ti | RTX 3080 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Marktstart | Q2 2021 (OEM) | 08.12.2020 | 18.11.2020 | 24.09.2020 | 03.06.2021 | 17.09.2020 |
| Architektur | RDNA 2 | RDNA 2 | RDNA 2 | Ampere | Ampere | Ampere |
| Codename/Konfektion | Navi 21 XTXH | Navi 21 XTX | Navi 21 XT | GA102-300 | GA102-225 | GA102-200-Kx |
| Chipgröße (reiner Die) | 520 mm² | 520 mm² | 520 mm² | 628 mm² | 628 mm² | 628 mm² |
| Transistoren Grafikchip (Mio.) | 26.800 | 26.800 | 26.800 | 28.000 | 28.000 | 28.000 |
| Fertigungsverfahren (Foundry) | 7N (TSMC) | 7N (TSMC) | 7N (TSMC) | 8LPP (Samsung) | 8LPP (Samsung) | 8LPP (Samsung) |
| DirectX 12 Feature Level | 12_2 | 12_2 | 12_2 | 12_2 | 12_2 | 12_2 |
| Shader-Cluster (CUs/SMs) | 80 | 80 | 72 | 82 | 80 | 68 |
| FP32-ALUs/TMUs/ROPs | 5.120/320/128 | 5.120/320/128 | 4.608/288/128 | 10.496/328/112 | 10.240/320/112 | 8.704/272/96 |
| Raytracing-Einheiten | 80 | 80 | 72 | 82 | 80 | 68 |
| Tensor-Kerne | - | - | - | 328 | 320 | 272 |
| Infinity Cache on-die (MiB) | 128 | 128 | 128 | - | - | - |
| GPU-Boost-Takt in Spielen (MHz) | 2.250 | 2.015 | 2.015 | 1.695 | 1.665 | 1.710 |
| FP16-Leistung ALUs (TFLOPS) | 46,1 | 41,3 | 37,1 | 35,6 | 34,1 | 29,8 |
| FP32/FP64-Leistung ALUs (TFLOPS) | 23,0/1,44 | 20,6/1,29 | 18,6/1,16 | 35,6/0,56 | 34,1/0,53 | 29,8/0,47 |
| Füllrate (Mtex/Mpix pro Sek.) | 720,0/288,0 | 644,8/257,9 | 580,3/257,9 | 556,0/189,8 | 532,8/186,5 | 465,1/164,2 |
| Größe des Level-2-Cache (KiB) | 4.096 | 4.096 | 4.096 | 6.144 | 6.144 | 5.120 |
| Speicheranbindung (Bit) | 256 | 256 | 256 | 384 | 384 | 320 |
| Geschwindigkeit RAM (GTs/MHz) | 18,4/9.200 | 16,0/8.000 | 16,0/8.000 | 19,5/9.750 | 19,0/9.502 | 19,0/9.502 |
| Speichertyp | GDDR6 | GDDR6 | GDDR6 | GDDR6X | GDDR6X | GDDR6X |
| Transferrate Speicher (GB/s) | 589 | 512 | 512 | 936 | 912 | 760 |
| Speicherkapazität (MiB) | 16.384 | 16.384 | 16.384 | 24.576 | 12.288 | 10.240 |
| PCI-Express-Standard | 4.0 | 4.0 | 4.0 | 4.0 | 4.0 | 4.0 |
| PCI-Express-Stromanschlüsse | 2× 8-Pol | 2× 8-Pol | 2× 8-Pol | 1× 12-Pol | 1× 12-Pol | 1× 12-Pol |
| Typische Leistungsaufnahme | 350 Watt | 300 Watt | 300 Watt | 350 Watt | 350 Watt | 320 Watt |
| Unverbindlicher Preis (UVP) | Keiner (nur OEM) | 999,99 Euro | 649 Euro | 1.549 Euro | 1.199 Euro | 719 Euro |
Angaben der Leistung jeweils mit typischem GPU-Boost laut Hersteller. In der Praxis schwankt die Frequenz (in der Regel fällt sie höher aus) und somit auch der Durchsatz.
Einer der wichtigsten Punkte betrifft die Leistungsaufnahme. Die Radeon RX 6900 XT Liquid hantiert mit 350 Watt - 50 Watt oder 16,7 Prozent mehr als bei der luftgekühlten Variante. Der Wert resultiert aus dem von 255 auf 284 Watt angehobenen GPU-Powerlimit (+11,4 Prozent "GPU-TDP"), dem stromdurstigeren Speicher, der Pumpe und gegenüber der langsameren Luft-Variante größeren Verlusten auf der Platine. Zum realen (gemessenen) Verbrauch und der Leistungsaufnahme gleich mehr. Zunächst widmen wir uns der Gaming-Leistung. Eine erste Einschätzung der wichtigsten Leistungsparameter liefert der General-Purpose-Benchmark des Tools AIDA64:

Die Asus hingegen ist customdesigned.