Grafikkarten-Rückblick 2016: Niedrigstrom vs. Hochpreis
2016 neigt sich dem Ende zu, dieses Jahr werden keine Grafikkarten mehr erscheinen. Das ist ein guter Zeitpunkt, um die vergangenen zwölf Monate Revue passieren zu lassen - Vorhang auf für den PCGH-Grafikkarten-Rückblick 2016! Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Sie dürfen diskussionswürdige Punkte aber selbstverständlich beisteuern.
Neben der Leserwahl, bei der wir zusammen mit Ihnen - ja, Sie! - die Produkte und Firmen des Jahres küren, haben auch die Jahresrückblicke Tradition bei der PC Games Hardware. Wie Sie der Überschrift gewiss entnommen haben, dreht sich an dieser Stelle alles um Grafikkarten. Beachten Sie, dass dieser Artikel bewusst eine subjektive, durchaus zynische Note enthält, denn viele Geschehnisse des Jahres 2016 schmerzen mit einer Portion Ironie etwas weniger.
Das Jahr 2016 in Prosa
2016 hielt zahlreiche empfehlenswerte Grafikkarten-Neuheiten parat, wenngleich bei der Leistung die erhofften Quantensprünge ausblieben. So führte die seit diesem Jahr verfeinerte GPU-Fertigung mit 14 respektive 16 Nanometer Strukturbreite (Marketing-Bezeichnungen) der neuen GPU-Generation in erster Linie zu höherer Energieeffizienz. Effizienz, das ist der dieses Jahr erneut gepflegte Euphemismus für "Die Leistung stagniert, dafür sinkt die Leistungsaufnahme". Noch 2015 hoffte man auf den FinFET-Messias, welcher uns mit einem deftigen Roundhouse-Kick von den 28-Nanometer-Rentnern befreit, welche seit Anfang 2012 an der Macht sind.
Im ersten Quartal 2016, als sich die Gerüchte um die neuen AMD- und Nvidia-Chips verdichteten, wurde allmählich klar, dass diese Party nicht stattfindet. Den Anfang mit den harten Fakten machte der Marktführer der dedizierten PC-Grafikkarten, Nvidia: Deren Pascal-Debüt in Form der Geforce GTX 1080 (Test) darf als gelungen bezeichnet werden, doch so mancher alter Hase fühlt sich angesichts des proklamierten Fortschritts verschaukelt. Früher, als die Gummistiefel noch aus Holz waren, ging ein Fertigungssprung mit einer Leistungsexplosion einher. Heutzutage freuen wir uns darüber, dass die neue 800-Euro-Grafikkarte ein Viertel schneller rechnet als ihre Vorgängerin und dabei 70 Watt weniger verbraucht. Hurra, die Bilder auf dem sündteuren Ultra-HD-Display ruckeln um 25 Prozent schwächer! Die Argumentation, dass die Stromkosten nach dem Upgrade sinken, wirkt angesichts der unverbindlichen Preisempfehlung wie blanker Hohn: 789 Euro kostete die "Founder's Edition" der GTX 1080. Man muss wahrlich viel spielen, um bei 28 Cent pro Kilowattstunde die Differenz zu den 250-Watt-Vorgängern aufzuholen.Die wenige Tage später (Ende Mai) nachgeschobene Geforce GTX 1070 (Test) fährt dieselbe Schiene. Um einmal das zeitgenössische PCGH-Fazit zu bemühen: "Ein bisschen teuer mutet sie an, die 500-Euro-Grafikkarte Geforce GTX 1070 Founders Edition, sofern man sie als direkten Nachfolger der GTX 970 begreift, die für etwas mehr als 300 Euro debütierte und zurzeit für rund 260-270 Euro den Besitzer wechselt." Wohlwollend konnte und kann man sagen, dass die GTX 1070 FE die Leistung der ehemals doppelt so teuren Geforce GTX Titan X von 2015 erreicht und dabei 100 Watt weniger Energie konsumiert. Die Argumentation funktioniert bei Aufrüstwilligen, die bereits mit übertakteten und somit gleich schnellen GTX-980-Ti-Grafikkarten unterwegs sind, jedoch nur stark eingeschränkt.
Ein Sündenbock war schnell gefunden: AMD. Nvidias und Intels letzter ernsthafter Gegenspieler machte der Öffentlichkeit zwar schon Ende 2015 mit seiner sagenumwobenen Polaris-Architektur den Mund wässrig, wurde dann jedoch von der Realität eingeholt. Wer konnte ahnen, dass Pascal zuvor erscheint und sich bei derart geringem Verbrauch nahe 2 GHz takten lässt? Ende Juni erschien sie dann, die Radeon RX 480 (Test). Sieht man von der grenzwertigen, aber später per Treiber entschärften Belastung des PCIe-Slots ab, stellt diese 150-Watt-Grafikkarte eine gern gesehene Bereicherung des Markts dar - nicht nur, weil sie Nvidia einen würdigen Gegenspieler liefert, sondern auch, weil sie die stromdurstigen Fury- und R9-390-Karten effizient aufs Altenteil drängt. Da ist sie wieder, die Effizienz. Sie drängt immer dann in den Vordergrund, wenn die Öko-Kommission der Europäischen Union debattiert und wenn ein Hersteller für den Big Chip noch etwas braucht. Verstehen Sie uns nicht falsch, Effizienz ist großartig. Für Effizienz bei gleicher oder geringerer Bildrate in den neuesten PC-Blockbustern rüstet aber niemand ab - pardon, auf.
Big Chip, ein gutes Stichwort. Diesen entlässt Nvidia im August aus dem Silicon Valley, nachdem man einen Monat zuvor die Geforce GTX 1060 (Test) veröffentlichte, um die Radeon RX 480 sowie die kurz danach erschienene Radeon RX 470 (Test) mit der Effizienzkeule zu bearbeiten. Nvidias Speerspitze heißt erneut Titan X (Test), diesmal jedoch ohne die verspielten Anhängsel "Geforce GTX" und mit professionellem Fokus. 1.299 Euro kostet der beschnittene Pascal-GP102, welcher sich besonders gut für Deep-Learning-Anwendungen eignen soll, einen der Wachstums-Hoffnungsträger der Branche. Nvidias Marketingabteilung darf sich auf die Schulter klopfen, denn die Argumentation, die Titan X-Pascal richte sich an (semi-)professionelle Anwender, wird trotz der Tatsachen, dass sie sich weder auf die besonders stabilen Profi-Treiber noch auf eine adäquate Double-Precision-Rechenleistung versteht, angenommen. Böse Zungen behaupten, auch das läge an AMD, doch das ist nur die halbe Wahrheit. Richtig ist: Hätte AMD auch auf diese Grafikkarte die passende Radeon-Antwort, wäre Nvidia im Zugzwang. Ebenfalls richtig und viel fataler ist: Nvidia testet sich mit den Preisen schrittweise nach oben und wird solange weiter machen, wie die Kundschaft mitspielt. Unser Tipp für die noch fiktive "Titan X Black": 1.499 Euro.
Daneben erschienen 2016 noch die Radeon RX 460 (Test) und Geforce GTX 1050 (Ti). Beide punkten - Überraschung - mit hoher Energieeffizienz, wobei Nvidia auch hier die Kühlerhaube vorn hat. Die GTX 1050 Ti verdient hier tatsächlich Lob, denn wie wir in der Marktübersicht der PCGH 01/2017 feststellen, vollbringen die Boardpartner trotz werkseitiger und durchaus fühlbarer Übertaktung das Watt-Wunder - 55 bis 60 Watt unter Volllast und tiefe einstellige Werte im Leerlauf verdienen den PCGH-Energiespar-Award.
Bei den Spielen ist hingegen ein Aufwärtstrend erkennbar, die Blockbuster des Jahres 2016 erfordern schnellere Grafikkarten und Prozessoren als noch 2015 und erst recht 2014. Umso bedauerlicher ist, dass Grafikkarten, welche etwas mehr Leistung als jene im Vorjahr liefern, immer noch relativ teuer sind. Seit 2016 ist auch klar, dass Grafikkarten mit 4 GiByte Speicher ihre Blütezeit hinter sich haben, viele moderne Spiele erfordern für volle (Textur-)Pracht schon in Full-HD-Auflösung 6 oder besser 8 GiByte Speicher.
Nvidias Idee, die Geforce GTX 1060 nicht nur mit 6, sondern auch mit 3 GiByte Speicher anzubieten, wirkt in diesem Kontext unfreiwillig komisch. Auch hier finden wir klare Worte: Lassen Sie besser die Finger von diesem Produkt und greifen Sie stattdessen zu den nächstgrößeren Modellen. Die Radeon RX 470 und RX 480 mit je 4 GiByte weisen ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis auf und kommen dank des größeren Speichers wesentlich besser mit modernen Spielen klar. Noch besser sieht es bei der Geforce GTX 1060/6G und erst recht bei der Radeon RX 480/8G aus, welche als einzige 250-Euro-Grafikkarte das Prädikat "zukunftstauglich" verdient. Neugierig? Dann schmökern Sie am besten gleich im Speicherspecial der PCGH 12/2016!
In der Bildergalerie lassen wir das Jahr nochmal chronologisch kommentiert Revue passieren. Welche Grafikkarte fanden Sie im Jahr 2016 am spannendsten, welche am kuriosesten? Diskutieren Sie im Kommentarbereich mit!

Die Summary finde ich gelungen, besonders die Kritik am aktuellen Angebot.
Da fand ich den Wechsel auf 28nm deutlich interessanter, besonders da die GPUs damals einen ordentlichen Leistungssprung machten.
Der CPU-Bereich ist sowieso zum Einschlafen seit Jahren.
AMDs Zen wird bestimmt interessant werden, aber mit meinem 4770k bin ich gut gerüstet, und werde erst einmal nicht wechseln.
Richtig - bis DX12 wirklich brauchbar ist dirkutieren wir bereits ob wir Volta oder AMDs Karte nehmen
Genau aus dem Grund DX 12 bin ich zu AMD gegangen.
Heute auf hätte hätte Fahrradkette zu setzen ist meiner Meinung nach nicht sinnvoll. Mir ist allerdings bewusst, dass manch einer seine Wahl aus anderen Gründen trifft, unabhängig von Fakten. Dann muss das neue Auto zwingend ein Opel sein
Meine R9 380 läuft wie ein Uhrwerk, ein Serienproblem kann ich nicht nachvollziehen.
Mir ist das eigentlich ziemlich Wumbe ob AMD oder Nvidia.. .. mit AMD hat ich die letzte generation nur Treiberprobleme und abstürze wegen ihren Energiesparbiosen.. erst als via Bios Mod bei meiner 380 die Powerstats umgeschrieben hatte lief sie zuverlässig ohne ständig mim blackscreen abzukacken ... sie war nämlich immer der Meinung den Takt dann zu reduzieren um strom zu Sparen wenn sie es gerade nicht soll..
hab sogar die Karte einmal gegen ne Andere eines anderen Herstellers getauscht.. MSI vs Asus.. gleicher Mist.
Nun hab ich ne GTX 1070.. Warum... war die Probleme mit der R380 leid.. AMD konnt mir in der Leistungsklasse nix liefern und zu warten auf irgentwelche Vega achitekturen hab ich keine Lust gehabt
Als Neutraler.. halbwegs informierter Mensch sehe ich eigentlich nur das AMD im moment 1 Jahr hinterher hinkt von der Technik.. sobald Vega rauskommt setzt Nvidia nach.. haben ja n Jahr zeit gehabt