Grafikkarten-Dauertest Teil 3: Asus RX 470 Strix versus GTX 960

Im Grafikkarten-Dauertest, der in PCGH 11/2016 lief, haben sich vier Redakteure vier Grafikkarten aus der neuen Generation von AMD und Nvidia ausgesucht und diese über mehrere Wochen hinweg Dienst in ihren Privatsystemen verrichten lassen. Hier finden Sie Teil 3, in dem Raffael Vötter eine Geforce GTX 960 gegen eine Asus Radeon RX 470 Strix OC tauscht.

41
Special Raffael Vötter Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Grafikkarten-Dauertest Teil 3: Asus RX 470 Strix versus GTX 960
Quelle: PC Games Hardware

Benchmark-Parcours können zwar die Leistung von Produkten sehr genau abbilden, jedoch beziehen sich diese Angaben nur auf eine standardisierte Hardware-Umgebung. In der Praxis - und das ist ja auch ein Vorteil der PC-Plattform - unterscheiden sich die eingesetzten Konfigurationen erheblich. Ein Grund mehr für das Dauertest-Format, das wir nun auch auf der Webseite ausspielen. Dabei handelt es sich nicht um einen klassischen Test mit normierten Benchmarks, sondern um persönliche Erfahrungsberichte der Teilnehmer.

Raffael Vötter, der dritte unserer Dauertester, besitzt bereits einen flinken Pixelschubser und spendiert daher für diesen Artikel dem PC seiner Verlobten ein GPU-Upgrade: Die installierte Geforce GTX 960 muss einer Asus Radeon RX 470 Strix OC weichen. Hier kommen seine Erfahrungen.

Was macht man, wenn am eigenen PC nichts zu tun ist? Man baut sich entweder einen Zweitrechner oder man übt sich in Nächstenliebe. Da ich, neben meinem Hauptrechner, bereits stolzer Vater eines Radeon-R9-Nano-PCs bin, entschied ich mich dazu, dem Computer meiner Verlobten ein lohnenswertes Upgrade zu spendieren. Während meine drei Kollegen davon berichten, wie sie ihre ohnehin schnellen Rechner noch schneller machen, lesen Sie an dieser Stelle, ob eine Radeon RX 470 in der Lage ist, einen mehrere Jahre alten PC wieder spieletauglich zu machen. Vorweg: ja - mit Einschränkungen.

Schritt für Schritt

Das Testsystem beherbergt einen AMD A8-5500 (3,5 GHz, 2 Module, 4 Threads). Das Grafikkarten-Upgrade macht den ehemaligen Discount-PC fit für moderne Spiele. Quelle: PC Games Hardware Das Testsystem beherbergt einen AMD A8-5500 (3,5 GHz, 2 Module, 4 Threads). Das Grafikkarten-Upgrade macht den ehemaligen Discount-PC fit für moderne Spiele. Als echter Geek kann ich ruckeliges Flimmer-Elend selbst dann nicht ertragen, wenn es am PC nebenan stattfindet. Daher habe ich dem Rechner meiner Holden bereits einige Upgrades spendiert. Im ersten Schritt ersetzte ich die 4 GiByte Arbeitsspeicher gegen 8 GiByte DDR3-1600 und legte die integrierte GPU zugunsten einer passiv gekühlten Radeon HD 7750 still. Das führte zu einer wahren Leistungsexplosion, welche World of Warcraft, Trine und Plants vs. Zombies: Garden Warfare erstmals anständig spielbar machte. Für maximale Details auf dem angeschlossenen Full-HD-Display reichte es jedoch nicht. Das fuchste übrigens nur mich, die Dame des Hauses war zufrieden. Immerhin stieg die Leistungsaufnahme durch das Upgrade nicht nennenswert an und der Rechner war genauso leise wie zuvor. Nachdem die Versuche, den Prozessor zu übertakten, kläglich scheiterten, ließ ich den Rechner ein paar Monate einfach funktionieren. Doch nach dem Aufrüsten eines anderen PCs hatte ich eine fesche Geforce GTX 960 über, welche prompt im PC meiner Verlobten landete.

Radeon RX 470 startet durch

Das ist die Ausgangskonfigura­tion, an der es nur wenig zu mäkeln gibt - würde Madame nicht zwischenzeitlich in die Haut von Lara Croft schlüpfen. Das Tomb-Raider-Reboot von 2013 und erst recht Rise of the Tomb Raider benötigen reichlich Leistung. Außerdem habe ich in WoW die Auflösungsskalierung (Downsampling) eingeschaltet, was Flimmern gegen Ruckeln tauscht. Merken Sie sich eines: Grafikleistung kann man nie genug haben, denn die Bildqualität lässt sich immer weiter steigern. Daher installierte ich die derzeit ab rund 200 Euro erhältliche Asus Radeon RX 470 Strix OC. Auf dem Papier bietet die Karte alles, woran es mangelt: 4 GiByte Speicher für moderne Spiele und Texturauflösungen sowie Unterstützung der Low-Level-APIs Direct X 12, Vulkan und - das sollte man nicht vergessen - Mantle.

Fangen wir vorne an, bei der Einrichtung. Die RX 470 Strix ist 24,2 Zentimeter lang und passt daher problemlos in das Gehäuse. Auch die einfache 6-Pol-Stromversorgung stellt kein Problem dar - ältere Netzteile lassen sich zur Not mithilfe von Molex-Adaptern tauglich machen. All das wirkt sparsam, denn mit dieser Versorgung ist die maximale Leistungsaufnahme bei 150 Watt gedeckelt. In der Tat, eine zuvor durchgeführte Leistungsaufnahmemessung bescheinigt der Asus-Grafikkarte einen Maximalverbrauch von 146 Watt - zehn Watt mehr als bei der Gainward GTX 960 GLH. Die Installation der Radeon-Software 16.9.1 erfolgt derweil problemlos. Der Treiber erkennt, dass wir das 120-Hertz-Display in Ermangelung eines Dual-DVI-Kabels via HDMI angeschlossen haben, und bietet die entsprechenden Optionen hinsichtlich des Pixelformats und Scan-Verhaltens - sauber. Auch VSR, das Downsampling des AMD-Treibers, funktioniert vollumfänglich, bis hinauf zu 3.840 × 2.160 wird alles angeboten, was das Herz begehrt. Würde das Panel mit 120 Hz laufen, wäre das übrigens nicht der Fall, hier ist die Auflösungsvielfalt stark eingeschränkt - hoffen wir, dass der Crimson-Nachfolger im Winter Abhilfe schafft.

Spiele-Leistung: Vorher/nachher-Test

Zeit für die Spieletests! Als Benchmarks verwende ich eine Mischung aus Titeln, mit denen sich meine schönere Hälfte tatsächlich befasst, und Spielen, die beim Hinüberblicken auf mein Display zumindest Interesse hervorriefen. Grundsätzlich ist das eingetreten, was geplant war: Die Radeon RX 470 bietet eine wesentlich höhere Rechenleistung als die Geforce GTX 960 und erlaubt es daher, die Grafikdetails und/oder Auflösung anzuheben.

Bei alledem entgeht dem geschulten Auge jedoch nicht die relative Unausgewogenheit zwischen Prozessor- und Grafikleistung. In Full HD ohne Schmankerl wie Supersampling steigt die Bildrate gegenüber der GTX 960 zwar mess-, aber nicht immer fühlbar. Interessant wird es bei besonders CPU-lastigen Szenarien, beispielsweise in den Städten von World of Warcraft: Die Geforce geht effizienter mit den Prozessorressourcen um als die Radeon und quetscht dort höhere Bildraten aus der APU (siehe Benchmarks). Die brachliegende Leistung der RX 470 lässt sich in WoW jedoch in diverse Aufwertungen investieren.

Rise of the Tomb Raider zeigt, was man in solchen Fällen am besten macht: Man spricht die Hardware gezielter an, um Rechenzeit freizuschaufeln. Nach sieben Patches demonstriert Lara Croft das Potenzial der DX12-API: Prozessoren, die unter DX11 heillos mit den weitläufigen Welten überfordert waren, blühen auf und ermöglichen gute bis wirklich flüssige Bildraten. Auch das niedliche Ballerspiel Plants vs. Zombies: Garden Warfare profitiert von einer Low-Level-API: Mantle lässt sich auch auf der Radeon RX 470 verwenden und steigert die Bildrate weiter.

World of Warcraft: Der Geforce-Treiber erzeugt eine geringere CPU-Last, daher läuft WoW auf der RX 470 erst in hoher Auflösung besser als auf der GTX 960.
Mirror's Edge Catalyst: Das "Hyper"-Preset benötigt 4 GiByte Grafikspeicher, um halbwegs spielbar zu sein. "Ultra" läuft wesentlich besser, sogar mit 2 GiByte. Die GTX 960 schlägt sich wacker.
PvZ Garden Warfare: Das putzige Ballerspiel läuft immer flüssig - auf der RX 470 mehr als auf der GTX 960. Überschüssige Grafikleistung investiert man am besten in eine höhere Auflösung.
Rise of the Tomb Raider: Lara Croft giert nach Grafikspeicher und Prozessorleistung. Direct X 12 erhöht Letztere signifikant - nur mit der RX 470 unter DX12 ist ROTTR einwandfrei spielbar.

Gegen den Durst: Undervolting

Das Grafikkarten-Upgrade führt zu einer höheren Leistungsaufnahme unter Last, da sowohl die GPU etwas durstiger ist als auch die CPU stärker gefordert wird. Die deutlich höhere Leistungsaufnahme im Leerlauf kann ich mir jedoch nicht erklären, da die RX 470 hier laut unseren Messungen kaum mehr Strom benötigt als die GTX 960. Immerhin: Zero Core Power, ein Radeon-exklusiver Schlafmodus nach Abschaltung des Bildschirms, funktioniert tadellos. Den Verbrauch unter Last habe ich erfolgreich mittels Undervolting gesenkt. Das geht entweder mithilfe des Asus-Tools GPU Tweak II, mittels Radeon Wattman oder mithilfe des ebenso schnörkellosen wie mächtigen Third-Party-Tools Watttool. Die Leistungsaufnahme des kompletten PCs (ohne Bildschirm und Boxen) ohne Eingriffe:

Leistungsaufnahme-Übersicht Verbrauch (ganzer PC)
Verbrauch Desktop (Energiesparmodus) - GTX 960 73 Watt
Verbrauch Desktop (Energiesparmodus) -– RX 470 89 Watt
Verbrauch Monitor aus (Zero Core Power)– - RX 470 59 Watt
Verbrauch Tomb Raider –- GTX 960 227 Watt
Verbrauch Tomb Raider -– RX 470 260 Watt
Verbrauch Tomb Raider -– GTX 960 max. OC 248 Watt
Verbrauch Tomb Raider -– RX 470 max. OC 295 Watt
Verbrauch ROTTR DX12 -– GTX 960 235 Watt
Verbrauch ROTTR DX12 –- RX 470 280 Watt
Verbrauch WoW mit 2160p-DSR -– GTX 960 242 Watt
Verbrauch WoW mit 2160p-VSR -– RX 470 280 Watt

Persönliches Fazit: Tolles Upgrade für betagte Rechner

Die Radeon RX 470 holt das Letzte aus dem PC meiner Verlobten heraus. Mein Aufrüstbericht liefert somit wertvolle Informationen dazu, wie sich die preislich attraktive Mittelklasse-Grafikkarte auf einem betagten Unterbau schlägt. Wunder kann die Polaris-GPU selbstverständlich keine vollbringen, im Mittel hilft die Asus Strix RX 470 OC dem ehemaligen Discount-PC aber dabei, moderne Spiele sowohl flüssiger als auch hübscher darzustellen. Die Leistungsaufnahme erhöht sich dabei messbar. Dank umfangreicher Konfigurationsmöglichkeiten mittels Wattman & Co. lässt sich hier jedoch viel sparen, auch bei der Lautstärke. Ich würde es wieder tun!

Die Dauertest-Roadmap:
Teil 1: Asus GTX 1070 Strix OC versus GTX 980
Teil 2: Asus GTX 1060 Strix OC versus R9 290X
Teil 3: Asus RX 470 Strix OC versus GTX 960 (dieser Artikel)
Teil 4: Asus RX 480 Strix OC versus GTX 980

Bildergalerie

41
    • Kommentare (41)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Cleriker Kokü-Junkie (m/w)
        Ja... die Ausgangslage ist oft entscheidend.
      • Von Cleriker Kokü-Junkie (m/w)
        Ja... die Ausgangslage ist oft entscheidend.
      • Von Giesbert_PK Freizeitschrauber(in)
        Mein Bruder hat heute seine alte 580GTX Lightning raus geschmissen und hat sich eine XFX RX470 4GB für 188 € zu seinem I7 950 @4,0 Ghz verbaut.
        Er wusste gar nicht das die AMD so kühl ist und so wenig Strom braucht . er kann endlich wieder das Gehäuse zu machen beim Zocken und hat den Wirbelsturm nicht mehr in der Wohnung .
      • Von Unrockstar85 Software-Overclocker(in)
        @Raff:
        Naja WoW ist nunmal kein Grafikbenchmark... Das Ding lief gefühlt auf meiner 7900GT besser als auf einer 4850.. Wo ist da die Logik?
        Sonst finde ich es schön dass deine Verlobte einen neuen leisen Pixelshubser hat ^^
        Schöner Artikel übrigens
      • Von facehugger Trockeneisprofi (m/w)
        Gut gemacht Herr Vötter, dein Fazit kann jeder raffen Auch ohne Religions-, ähem Glaubenskriege...

        Gruß
      • Von restX3 BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von JanJake
        Was hängen sich alle an WoW auf?! Das Spiel ist von 2004 oder 2005? Das Game läuft sogar auf einem Taschenrechner flüssig! Toll es kamen ein paar Effekte im laufe der Jahre dazu, aber minimal brauch das Spiel noch genau das gleiche wie zu Anfang.
        Der Code wurde stark erweitert. Das ist überhaupt nicht mehr der selbe wie noch im Jahr 2005. Zudem wurden SSE CPUs ausgeschlossen vor paar Jahren. Man braucht mindestens eine CPU mit SSE2. Man kann es z.b. nicht mehr mit einer AMD XP CPU spielen. Was vor einigen Jahren noch ohne Problem ging.
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PCGH Magazin 07/2026 PC Games 06/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games Hardware PC Games Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk