The Last of Us Part 1 im PC-Test: Absturzfreudiger VRAM-Fresser mit fantastischer Atmosphäre

Mit The Last of Us Part I erschien gestern Abend eine weitere Playstation-Perle für den PC - selbstverständlich maximal aufgehübscht. PCGH hat sich die Nacht um die Ohren geschlagen, um Ihnen einen Ersteindruck zu TLoU zu liefern. Denn trotz fantastischer Grafik und einem vorbildlichen Optionsmenü knirscht es noch ordentlich im Gebälk.

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The Last of Us Part 1 im PC-Test: Absturzfreudiger VRAM-Fresser mit fantastischer Atmosphäre
Quelle: PC Games Hardware

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: The Last of Us Part I ist eine Augenweide. Zwar debütierte The Last of Us vor zehn Jahren für die Playstation 3 (und reizte die Sony-Konsole vollständig aus), mit dieser Version hat das aktuelle Remake mit dem Zusatz "Part I" aber nicht mehr viel gemein. Dieses erschien im Herbst 2022 auf der Playstation 5 und beehrt nun erstmals den PC. Für die Portierung ist das Studio Iron Galaxy zuständig, welches unter anderem für die Uncharted: Legacy of Thieves Collection am PC verantwortlich zeichnet. Wie wir in der ausführlichen Anspielsession gestern Abend feststellten, ist der Port auf dem Papier vorbildlich, läuft zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht ganz rund. In diesem Artikel liefern wir Ihnen Eindrücke zur Technik und den Systemanforderungen von TLoU Part I, werfen einen Blick in das mächtige Grafikmenü und geben Tipps gegen Ruckel- und Absturzprobleme.

Bildergalerie

The Last of Us Part I PC: Die "Gebäude-Shader"

Der Elefant im Raum sind die sogenannten "Gebäude-Shader", welche bereits in der Legacy of Thieves Collection anzutreffen sind. Falls Sie sich fragen, was es damit auf sich hat: Es handelt sich schlicht und ergreifend um einen (amüsanten) Übersetzungsfehler - doch der Reihe nach. Moderne Spiele mit Lower-Level-Schnittstelle (DirectX 12 & Vulkan) fahren eine Vielzahl von Shader-Programmen auf, welche vor der ersten Nutzung erst einmal "vorglühen" müssen. Im Gegensatz zu Konsolen, welche exakt eine Hardware-Kombination auffahren und ihre vorkompilierten Shader mitbringen, ist am PC eine Anpassung an die installierte Grafikkarte notwendig. Diese, Shader-Compiling oder PSO Caching genannt, erfolgt beim ersten Spielstart und sichert nach Abschluss eine stotterfreie Spielerfahrung. Verzichtet ein Entwickler auf eine Vorkompilierung, ist das Spiel ungenießbar - The Callisto Protocol, Sackboy: A Big Adventure und diverse andere Spiele lieferten den Beweis, laufen dank mehrerer Updates aber mittlerweile rund.

Starten Sie The Last of Us Part I das erste Mal, erwarten Sie zahlreiche Optionsmenüs, während das Spiel im Hintergrund anfängt, die für Ihre Grafikkarte passenden Shader vorzubereiten und abzuspeichern. Dieser Prozess ist äußerst zeitaufwendig, selbst moderne High-End-Prozessoren brauchen 15 bis 20 Minuten. Wie bereits die Uncharted LoT Collection, zeigt auch The Last of Us Part I im Hauptmenü rechts unten den Fortschritt an. Was im englischen Original "Building Shaders" (-> erstelle Shader-Cache) heißt, wird bei deutscher Spracheinstellung zu "Gebäude-Shader". Darüber können Sie schmunzelnd hinwegsehen - der Prozess dahinter ist jedoch zwingend erforderlich! Wer das Spiel startet, ohne das Shader-Compiling abzuschließen, wird keine Freude an The Last of Us haben, denn das Nachladeruckeln ist unerträglich. Machen Sie sich in der Zwischenzeit einen Kaffee (oder zwei), besuchen Sie das stille Örtchen und schauen Sie den Launch-Trailer.

An unserem Testsystem mit AMD Ryzen 9 5950X (16-Kerner) dauerte der Prozess gut 20 Minuten, wobei alle Kerne verwendet werden. PCs mit weniger Kernen benötigen entsprechend länger. Doch anschließend läuft The Last of Us Part I weitestgehend stotterfrei - und das ist viel wert. Das Steam-Forum ist voll von Beschwerden über lange Ladezeiten und schlechte Performance. Das liegt nicht unbedingt an den hohen Hardware-Anforderungen, sondern zeugt von Ungeduld respektive einem unvollständigen Shader-Aufbau.

The Last of Us Part I PC: Grafikmenü

Iron Galaxy, das für die Portierung verantwortliche Studio, weiß, was sich PC-Spieler wünschen. Dementsprechend ist das Grafikmenü von The Last of Us Part I PC vorbildlich: Die Anzahl der Optionen ist gigantisch und zu jeder einzelnen gibt es einen erläuternden Text sowie ein Bild, das die Auswirkungen demonstriert. Hier findet garantiert jeder Spieler einen Kompromiss aus Qualität und Bildrate. Wir lassen die Bilder einstweilen für sich selbst sprechen. Die Screenshots in unserer Galerie entstanden übrigens sowohl ohne die standardmäßig aktive Filmkörnung (Film Grain), mit deaktivierter Farbverschiebung (Chomatic Aberration) und ohne Bewegungsunschärfe (Motion Blur). Sie sehen, das Grafikmenü von TLoU Pt1 am PC bietet alles, was das Herz begehrt.

Zum Upscaling respektive Upsampling möchten wir ein paar erläuternde Worte verlieren. The Last of Us Part I bietet am PC drei Verfahren an: das spieleigene Upscaling, welches bereits an der Playstation 5 verwendet wird, AMDs FSR 2.2 sowie Nvidias DLSS. Bei Letzterem handelt es sich trotz der spielinternen DLL-Datei 3.1.2.0 nicht um DLSS 3 mit Frame Generation, sondern um DLSS 2.x. Egal, welches Verfahren Sie nutzen, Sie müssen mit Nebenwirkungen rechnen, die durch das Pixelsparen verursacht werden. FSR zeichnet dabei generell ein knackigeres, aber auch bröseligeres Bild als DLSS, unter anderem bei pixelfeinen Details wie Haarsträhnen zu erkennen. DLSS glättet stärker und neigt stattdessen zu leichten Schlieren bei hochkontrastigen Elementen (etwa einem Stromkabel vor hellem Himmel). Weitaus gravierender sind die Probleme, welche bei manchen Wasserflächen auftreten: FSR schmiert außerordentlich stark, während DLSS aufpixelt. Ohne Upscaling, mit reinem TAA, sind die Probleme deutlich geringer, aber nicht verschwunden. Die gute Nachricht: Diese Wasserflächen sind im Spiel selten, sodass der sehr negative Eindruck im Spielverlauf keine große Rolle spielt. Wir gehen davon aus, dass Iron Galaxy das Problem mit einem Update beheben wird.

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The Last of Us Part I PC: Prachtvolle Grafik

Die im Vorfeld veröffentlichten Systemanforderungen und empfohlenen PC-Konfigurationen ließen es bereits erahnen: The Last of Us Part I benötigt einen durchaus potenten PC. Dieser Eindruck bestätigt sich in unseren ersten Tests. Die meisten Probleme sind jedoch - wie erläutert - nicht auf zu schwache Hardware, sondern auf unvollständiges Shader-Compiling zurückzuführen. Blenden wir dies einmal aus, ist The Last of Us Part I ein prächtiges, phasenweise fast fotorealistisches Spiel, das man gesehen haben muss. Zwar fehlt Raytracing, die qualitativ hochwertig vorgebackene globale Beleuchtung (GI) erzeugt zusammen mit der glaubhaften Materialdarstellung (Physically-Based Shading) jedoch eine sehr hübsche Lichtstimmung. Die handgebaute Spielwelt strotzt nur so vor Details, wie überwucherten Häuserschluchten, verlassenen Restaurants und vielen detaillieren Assets. Die Texturen sind über fast jeden Zweifel erhaben und weitestgehend sehr hochauflösend. Besonders hervorheben möchten wir jedoch die Charakterdarstellung, welche in den zahlreichen Zwischensequenzen zelebriert wird. Die Darbietung ist annähernd fotorealistisch, mit glaubhafter Mimik und Gestik - und im Falle der englischen Sprachausgabe außerdem lippensynchron. Die deutsche Vertonung kann das hohe Niveau nicht halten, allerdings ist das Meckern auf hohem Niveau. Sie können im Spiel die Sprache der Texte und Tonspur frei kombinieren. Daneben punktet auch die übrige Vertonung: Das Spiel setzt Musik nur dramaturgisch ein, große Teile des Erlebnisses setzen auf großartige Umgebungssounds mit klarer Ortbarkeit - wir konnten sogar Vogelgezwitscher eindeutig als "auf dem Dach da drüben" orten.

The Last of Us Part I: Die Charakter-Darstellung (und englische Synchronisierung) ist herausragend. Quelle: PC Games Hardware The Last of Us Part I: Die Charakter-Darstellung (und englische Synchronisierung) ist herausragend. Sofort nach dem Release wurde klar: The Last of Us Part I ist ein weiterer Speicherfresser. Viele Spieler berichten davon, dass ihnen bereits zu Beginn des Abenteuers der RAM (Arbeitsspeicher) und VRAM (Grafikspeicher) ausgehen. Wir können den großen Appetit bestätigen, halten die Anforderungen angesichts der starken Grafik jedoch für vertretbar. Bei unserer mehrstündigen Anspielsession allozierte The Last of Us Part I bis zu 14 GiByte VRAM und 19 GiByte RAM. Getestet haben wir Ultra HD mit maximalen Details sowie "Quality"-Upsampling - ob DLSS oder FSR spielt für die VRAM-Nutzung kaum eine Rolle. 16 GiByte VRAM und 32 GiByte RAM wären somit unsere Empfehlung für nebenwirkungsfreies Spielen. Da der tatsächliche Bedarf und die Allokation gewöhnlich auseinanderdriften, genügen Grafikkarten mit 12 GiByte vermutlich, zumindest für niedrigere Auflösungen - wenn das folgende Problem nicht wäre.

Problematischer als die Anforderungen für maximale Details ist die Absturzneigung des Spiels. Zahlreiche Spieler berichten von Crashes und auch wir müssen The Last of Us in der Launch-Version 1.0.1.0 eine hohe Absturzfreudigkeit attestieren. Wir hatten während unserer rund drei Stunden mit dem Spiel drei Crashes an einem ansonsten felsenfesten PC. DLSS scheint an Geforce-RTX-Rechnern die Absturzneigung zu erhöhen, wir hatten mit FSR 2.2 weniger Probleme - hier muss Iron Galaxy zweifellos nacharbeiten. Das Problem verschärft sich bei Rechnern mit wenig (V)RAM erfahrungsgemäß, denn unzureichender Speicher führt zu Auslagerung, die mindestens Ruckeln und verlängerte Ladezeiten verursacht. Mehr zum Thema Grafikspeicher lesen Sie übrigens in der PCGH 03/2023 - online auch einzeln als Plus-Artikel, den Hauptspeicher beleuchten wir in der kommenden Ausgabe 05/2023.

The Last of Us Part I PC: Zwischenfazit

The Last of Us lässt sich endlich auch am PC erleben - und sieht erwartungsgemäß prächtig aus. Bedauerlicherweise läuft das Spiel zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht rund, das Steam-Forum ist voll von Problemberichten rund um schwache Performance, lange Ladezeiten und Abstürze. Einiges davon können wir bestätigen, anderes nicht. Essenziell ist, dass Sie das Shader-Compiling ("Gebäude-Shader") durchlaufen lassen und erst dann losspielen, um Ruckler und anschließende Wartezeiten zu minimieren. Speichermangel, etwa bei Grafikkarten mit 8 bis 10 GiByte VRAM, lässt sich effektiv durch das Herabsetzen der Grafikdetails umgehen. Upscaling hilft hingegen nur wenig, denn die reinen Bildpuffer benötigen weniger Speicher, als man annehmen könnte - Texturen und deren Material-Attribute sind die wahren Speicherfresser in modernen Spielen.

Wie lauten Ihre Erfahrungen mit The Last of Us Part I am PC? Diskutieren Sie mit! Falls Sie Fragen und Wünsche an die PCGH-Tester haben, zögern Sie nicht, diese zu stellen. Wir bereiten derzeit einen Technik-Test mit weiteren Eindrücken und ersten Benchmarks vor. Aufgrund der erläuterten Abstürze werden wir jedoch mindestens den ersten Patch für TLoU PC abwarten müssen.

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    • Kommentare (191)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von PCGH_Dave Lötkolbengott/-göttin
        Zitat von meckswell
        Mal in den Nachtest schauen.
        Joa, du sagst es doch selbst ^^
        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]
      • Von meckswell Freizeitschrauber(in)
        Wurden die Benchmarks rausgeschnitten, oder gab es gar keine zum Release?
        Mal in den Nachtest schauen.
        Ich spiels ja erst jetzt.
        Hat mittlerweile FSR3.1 +FG bekommen und FSR4 für entsprechende Karten.
        CPU-Last ist teilweise brutal.
      • Von Gast1719868203
        Zitat von AzRa-eL
        indem wir alle nicht preordern und verbuggte Games tunlichst meiden. Anders sehe ich nicht, wie ein Umdenken in der Branche stattfinden soll.
        Preordern is der letzte Schwachsinn. Als ob ein digitales Game ausverkauft würde. Und die paar doofen Skins oder Preoder Boni sind nur Bait und es ohnehin nicht wert. Wer preordered unterstützt aktiv die Publisher darin unfertige Spiele auf den Markt zu werfen. Kann man nicht anders sagen.
      • Von Kane83 Komplett-PC-Aufrüster(in)
        Hab das Spiel heut mit dem Patch 1.0.2.1 und neuen Treibern installiert...Kompilierung dauerte 20min und läuft seit 2h alle Regler rechts (bis auf drei VRam hungrige auf high) und DLSS Balance wie Butter...

        Besser als Hogwarts, da keine Ruckler und Nichts...geiles Game so far...

        Ach ja...3700X, 2070S, 32GB Ram @3200...
      • Von BloodReaver87 PC-Selbstbauer(in)
        Ernstgemeinte Frage aber kommt da nochmals ein finaler Benchmark seitens PCGH? Der Artikel endet mit einem Zwischenfazit also müsste ja nochwas kommen?
      Direkt zum Diskussionsende
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