DDR5 aus China: Was CXMT-Speicher kostet und wo es ihn gibt
CXMT liefert DDR5 bis 8.000 MT/s, alle drei großen Mainboard-Hersteller haben freigegeben, und am Montag folgt der Börsengang. An den Preisen ändert das nichts: Im Handel liegt der Abschlag bei acht Prozent, bei Servermodulen bei null.
CXMT ("ChangXin Memory Technologies") hat binnen weniger Wochen den Sprung vom Außenseiter zum Pflichtthema geschafft: Mit Gigabyte hat auch der dritte große Mainboard-Hersteller sein gesamtes AM5-Portfolio für Speicherbausteine ("ICs") des chinesischen DRAM-Hersteller freigegeben, nachdem zuvor MSI DDR5-8200 auf AM5 validiert und Asus ein eigenes CXMT-BIOS verteilt hatte.
Am Montag folgt der Börsengang in Shanghai. Wer in der Speicherkrise auf günstigen Arbeitsspeicher aus China hofft, sollte allerdings zwei Dinge auseinanderhalten: die technischen Freigaben und Spezifikationen und die tatsächlichen Kaufoptionen.
CXMT-DDR5 im Überblick: Verfügbarkeit, Preise und Tempo
CXMT aus Hefei ist Chinas einziger vollintegrierter DRAM-Hersteller und mittlerweile die Nummer vier hinter Samsung, SK Hynix und Micron. Laut Börsenprospekt entfielen 2025 rund 7,7 Prozent des weltweiten DRAM-Marktes auf das Unternehmen.
Quelle: CXMT
CXMT ist aktuell hinter Samsung, SK Hynix und Micron der viertgrößte DRAM-Hersteller der Welt.
Vor zwei Jahren galt der Anbieter noch als Lieferant für DDR4-Restposten, inzwischen liefert er DDR5 bis 8.000 MT/s und LPDDR5X bis 10.667 MT/s. Die folgende Bestandsaufnahme sortiert, was davon beim Käufer ankommt.
Verfügbarkeit: CXMT-Speicher bleibt vorerst in China
DDR5-Speicherkits mit CXMT-Speicherbausteinen sind in Deutschland nach wie vor nicht regulär im Einzelhandel erhältlich, der Absatz konzentriert sich fast vollständig auf den chinesischen Binnenmarkt. Aktiv sind dort vor allem Kingbank, Asgard, Netac und Colorful, dazu Lexar, welches seit 2017 zum chinesischen Speicherspezialisten Longsys aus Shenzhen gehört und mit der Serie Thor RGB Z bis zu 7.600 MT/s ankündigt. Hierzulande werden die DDR5-Speicherkits nicht angeboten.
Westliche Marken tasten sich bislang nur vorsichtig heran: Von Corsair tauchte ein Vengeance-Modul mit CXMT-Bausteinen auf, dessen Teilenummer mit dem Kürzel "CN" ausdrücklich auf eine Fertigung für den chinesischen Markt hinweist.
Dass sich daran kurzfristig etwas ändert, ist unwahrscheinlich. Chinesische Behörden haben CXMT und den NAND-Spezialisten YMTC angewiesen, zunächst heimische Unternehmen und Konsumenten zu bedienen.
Nennenswerte Exportmengen erwarten Branchenkenner erst ab 2027, wenn die neuen Werke in Shanghai und Hefei anlaufen. Wer nicht warten will, findet die Module von Kingbank oder Asgard derzeit ausschließlich über die Grauimporte bei Amazon Marketplace, Ebay oder Aliexpress, also ohne deutsche Gewährleistung.
Preise: CXMT ist längst kein Preisbrecher mehr
Der Preisvorteil von DDR5-Speicherkits mit CXMT-Speicherbausteinen liegt bestenfalls im einstelligen Prozentbereich, im Servermarkt hat er sich bereits umgekehrt: Für ein vergleichbares DDR5-Speicherkit mit 64-GiB-DIMMs rief CXMT zuletzt mehr auf als Samsung, das laut Reuters rund 1.240 US-Dollar je Modul aufgerufen hat.
Im Endkundengeschäft fällt der Abstand kaum größer aus. Ein von Hardware Unboxed getestetes Kingbank-Kit mit 32 GiB DDR5-6000 CL36 kostete im australischen Handel etwa 599 statt 649 australische Dollar, ein Abschlag von rund acht Prozent. Corsair hat sein Vengeance-Module mit China-ICs ebenfalls nicht günstiger aufgelegt.
Warum der Speicher aus China nicht billiger wird
Der Grund liegt im KI-Boom, der aus einem Massenprodukt mit dünner Marge ein Verkäufermarkt-Gut gemacht hat. CXMT und YMTC entscheiden inzwischen selbst, wen sie zuerst beliefern und zu welchen Konditionen.
Im Juli schloss CXMT einen über fünf Jahre laufenden Vertrag mit ByteDance im Wert von mehr als sieben Milliarden US-Dollar, im Juni kam eine Vereinbarung mit Tencent über mehr als drei Milliarden hinzu.
Selbst mit Huawei soll es wegen mehrerer Preiserhöhungen zu Spannungen gekommen sein, und mehrere chinesische Unternehmen haben sich bei Behörden über die Aufschläge beschwert. CXMTs Vorteil liegt derzeit im Volumen, nicht im Preis, und das wird sich auch erst einmal nicht ändern.
Mainboards: MSI, Asus und Gigabyte haben freigegeben
Alle drei großen Platinen-Hersteller unterstützen Speicher mit CXMT-Bausteinen inzwischen offiziell, die höchste validierte Taktfrequenz nennt Gigabyte mit bis zu 8.200 MT/s auf Sockel AM5 ("LGA-1718").
Grundlage ist AMDs Microcode AGESA 1.3.0.1c samt hauseigener Speicheroptimierungen; Intel-Mainboards der 700- und 800-Serie unterstützen die Module bereits im ausgelieferten BIOS. Zuvor war auf AM5 bei 6.800 MT/s Schluss. Die Freigaben sind allerdings kein Selbstläufer. MSI nennt die hohen Taktfrequenzen nur für Mainboards mit zwei Speicherbänken, auf gewöhnlichen Modellen mit vier DIMM-Steckplätzen ist bereits bei 7.200 MT/s Schluss.
Asus wiederum hat seine Unterstützung nicht über eine neue AGESA-Version eingeführt, sondern über den eigenen Speicher-Referenzcode. Und weil CXMT seine Bausteine bislang nur bis 8.000 MT/s spezifiziert, sind die von Gigabyte genannten 8.200 MT/s ein Übertaktungsergebnis und keine Werksangabe.
Tempo: Rekorde bis DDR5-8800, aber wenig Reserve
Der bislang höchste dokumentierte Takt für CXMT-Bausteine liegt bei 8.800 MT/s und Latenzen von CL46, erreicht mit einem 48 GiB großen Kit von Asgard auf einem Z890-Mainboard von Asus. Die Bestmarken purzeln seit Wochen im Wochenrhythmus: Erst validierte MSI DDR5-8200 auf AM5, kurz darauf zeigte Asus DDR5-8400 auf einem kompakten B850-Mainboard, ehe Colorful mit DDR5-8600 nachlegte.
Für den Alltag sind diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen. Ein Profi-Overclocker von Asus hat den China-Speicher gegen Bausteine von SK Hynix antreten lassen und dabei zwei Schwächen dokumentiert: Die Chips skalieren weder mit höherer VDIMM, noch lassen sich die Sub-Timings nennenswert straffen.
Damit fallen beide Grundwerkzeuge für das manuelle Overclocking praktisch aus, und die Serienstreuung zwischen den Chargen fällt zusätzlich deutlich aus. Beim Spielen wiegt das indes wenig: Hardware Unboxed maß bei vergleichbaren Vorgaben für Transferrate und Timings keine relevanten Unterschiede zu einem Kit mit Speicherbausteinen von SK Hynix.
Technik: 24 Gbit ab Werk, HBM bleibt die Lücke
CXMT bietet seine DDR5-Bausteine mit Dichten von 16 Gbit und 24 Gbit an, woraus sich Module mit 16, 24, 32 und 48 GiB ergeben. Damit liegt der Hersteller bei den Kapazitäten auf Augenhöhe mit Samsung und Micron. Gefertigt wird allerdings ausschließlich mit DUV-Belichtern von ASML, während die etablierten Speicheranbieter auch EUV-Systeme einsetzen können.
Genau daraus resultiert die schwache Spannungsskalierung, die frühe DDR5-Bausteine von Micron und Samsung aus der Zeit vor der EUV-Fertigung ebenfalls zeigten. Deutlich größer ist der Rückstand bei HBM für KI-Beschleuniger:
Hier liegt CXMT Schätzungen zufolge zwei Generationen zurück. Eine Fertigung von HBM3 peilt das Unternehmen zum Jahresende 2026 an, mit konkurrenzfähigen Ausbeuten rechnen Analysten erst ab 2028.
Börsengang und politisches Risiko
CXMT startet am Montag, dem 27. Juli 2026, an der Shanghaier Star-Börse und hat dabei 57,9 Milliarden Yuan eingesammelt, umgerechnet rund 8,6 Milliarden US-Dollar. Das ist der größte Börsengang Asiens in diesem Jahr und die bislang größte Halbleiter-Notierung am Star Market.
Der Ausgabepreis von 8,66 Yuan je Anteil entspricht einer Bewertung von etwa 579 Milliarden Yuan oder rund 85 Milliarden US-Dollar. Im ersten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 7,5 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 719 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Corsair Vengeance mit 32 GiB DDR5-6000 CL30
Das Geld fließt in Kapazität: Die neuen Werke sollen die monatliche Fertigung auf mehr als 600.000 Wafer und damit auf mehr als das Doppelte heben. In Washington sorgt genau das für Unruhe. Das US-Verteidigungsministerium führt CXMT und YMTC als chinesische Militärunternehmen, YMTC steht seit 2022 auf der Entity List, und über weitere Beschränkungen gegen CXMT wird derzeit diskutiert.
Micron drängt auf strengere Regeln, während Apple im Juni eine Genehmigung beantragt hat, Speicher von CXMT verwenden zu dürfen.
Deutschland: Wann CXMT-Speicher hier ankommen könnte
Für Käufer in Deutschland bleibt CXMT vorerst eine Randnotiz, weil weder Kits im Handel liegen noch die Preise sinken.
Kingston Fury Beast mit 32 GiB DDR5-6000 CL30
Die populären Speicherkits mit 32 GiB DDR5-6000 CL30 kosten hierzulande aktuell zwischen 420 und 460 Euro, der Preisindex liegt rund 420 Prozent über dem Niveau vom Juli 2025. AMD stellt eine Normalisierung des Speichermarktes ohnehin erst für 2028 in Aussicht, und die zusätzlichen Mengen aus China dürften zuvor im eigenen Land bleiben. Realistisch ist CXMT damit ab 2027 ein Faktor für die Preise im europäischen, vorher nicht. Ein Ende der RAM-Krise ist nicht in Sicht.
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