Speicherkrise auf Rädern: GM warnt vor Milliardenkosten, BYD erhöht die Preise
Der KI-Boom verteuert jetzt auch Autos: General Motors kalkuliert mit bis zu 2 Milliarden US-Dollar Mehrkosten, BYD verlangt für Fahrerassistenz 20 Prozent mehr. Schuld sind dieselben DRAM-Preise, die PC-Spielern seit Monaten zusetzen.
Wer derzeit einen Gaming-PC oder gleich einen Neuwagen plant, kämpft inzwischen mit demselben Engpass.
Die historische Speicherkrise hat die DDR5-Preise in Deutschland um mehr als 300 Prozent nach oben getrieben, eine spürbare Entspannung erwarten die Analysten wie Jefferies frühestens 2028. Ein Bericht von Nikkei Asia zeigt nun, dass die Rechnung für den KI-Boom künftig auch beim Autohändler auf dem Tisch liegt.
Warum die DRAM-Preise jetzt auch Neuwagen verteuern
Wie Nikkei Asia berichtet, setzen die vom KI-Boom getriebenen Speicherpreise Autohersteller weltweit unter Druck.
Moderne Fahrzeuge sind längst rollende Computer, in denen digitale Cockpits, Infotainment und Fahrerassistenz immer größere Mengen an DRAM und NAND-Flash belegen. Erste Konzerne sichern sich ab: GM und Ford haben jüngst langfristige Lieferverträge mit dem US-Speicherhersteller Micron geschlossen.
GM kalkuliert mit bis zu 2 Milliarden US-Dollar Mehrkosten
General Motors erwartet für das laufende Jahr 1,5 bis 2 Milliarden US-Dollar an zusätzlichen Kosten, welche maßgeblich auf teurere Fahrzeugkomponenten und hier insbesondere auf DRAM zurückgehen. Das erklärte Finanzchef Paul Jacobson im Rahmen der jüngsten Quartalszahlen des Konzerns aus Detroit.
Zugleich rechnet GM inzwischen damit, dass die Neuwagenpreise 2026 um 0,3 Prozent steigen werden. Bislang war der Hersteller davon ausgegangen, dass die Preise stabil bleiben oder sogar leicht nachgeben.
BYD verteuert die Fahrerassistenz, Hyundai alarmiert die Zulieferer
Beim chinesischen Hersteller BYD kostet das separat verkaufte Fahrerassistenzpaket "God's Eye B" inzwischen 12.000 statt 9.900 Yuan, umgerechnet rund 1.450 statt 1.200 Euro und damit 250 Euro mehr.
Den Aufschlag von gut 20 Prozent begründet der Konzern aus Shenzhen offiziell mit weltweit deutlich gestiegenen Speicherpreisen. Das Paket umfasst unter anderem Lidar-Sensorik sowie das Assistenzsystem DiPilot 300.
In Südkorea hat die Hyundai-Zuliefertochter Hyundai Mobis indes 23 heimische Unternehmen und Institutionen, darunter Samsung, aufgerufen, die lokale Lieferkette für Automotive-Chips zu stärken.
Von 90 GiB auf 2 TiB: So viel Speicher steckt in modernen Autos
Ein durchschnittliches Fahrzeug benötigt laut Micron im Jahr 2026 bereits 278 GiB an DRAM und NAND-Flash, High-End-Modelle kommen auf bis zu 2 TiB. Noch 2023 lag der Schnitt bei 90 GiB.
Eine Aufschlüsselung eines britischen Herstellers zeigt, wohin der Speicher wandert: Das Infotainment belegt 4 bis 16 GiB, Assistenz- und Sicherheitssysteme beanspruchen 8 bis 32 GiB und zentrale Fahrzeugrechner benötigen mindestens 16, teils auch 64 GiB oder mehr.
Halten KI-Assistenten Einzug ins Cockpit, sollen mindestens 256 GiB fällig werden. Fahrzeuge mit Autonomie-Level 4 beziffert Micron gar auf mindestens 300 GiB, der Hersteller spricht von "Supercomputern auf Rädern".
Erschwerend kommt hinzu, dass Automotive-Speicher nicht einfach von regulären Fertigungslinien abgezweigt werden kann. Die Chips müssen Vibrationen, Hitze und Kälte über Jahre zuverlässig überstehen und durchlaufen deshalb Qualifizierungsprozesse, die sich über Monate bis Jahre ziehen.
Kurzfristige Ausweichmanöver sind für die Autohersteller kaum möglich, die Mehrkosten dürften daher bei der Kundschaft ankommen. Für PC-Spieler ist das ein schwacher Trost: Mit der Autoindustrie tritt ein weiterer zahlungskräftiger Konkurrent im Wettbewerb um den knappen DRAM an.
AMD erwartet eine Normalisierung der DDR5-Preise ohnehin erst im Jahr 2028.
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Quelle: Tom's Hardware

" zu wenig Arbeitsspeicher"