Psychonauts 2: Techniktest des famosen Action-Hüpfers mit Unreal Engine 4 inklusive Grafik-Tuning
Psychonauts 2 übertrifft alle Erwartungen: Blickt man auf die Metacritic-Score, so hat man eines der bestbewerteten Spiele dieses Sommers vor sich. PCGH hat sich Psychonauts 2 ausführlich angesehen - sogar ausführlicher als geplant, denn das Spiel entpuppt sich schnell als audiovisuelles Meisterwerk. Zeit für einen genauen Blick.
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Jedes Jahr erscheinen neue Spiele auf PC und Konsolen. Viele davon sind gut, einige sehr gut. Alle paar Jahre passiert es dann: Ein echter Knaller erblickt das Licht der Welt. Am lautesten scheppert es, wenn man das nicht unbedingt erwartet hatte. So geschehen bei Psychonauts 2, der Fortsetzung des Erstlings aus dem Jahr 2005. Das Spiel hat eine recht turbulente Entwicklungsgeschichte hinter sich (Teil 1 verkaufte sich mäßig, sodass zunächst eine Crowdfunding-Kampagne gestartet werden musste, später wurde Entwickler Double Fine von Microsoft übernommen), die man beim Blick auf das Ergebnis jedoch nicht erwarten würde. Tatsächlich ist Psychonauts 2 wohl eines der besten Action-Hüpfspiele bis dato geworden - und damit auch im Fokus der PCGH gelandet. Zeit für einen Techniktest mit Benchmarks.
Quelle: PC Games Hardware
Psychonauts 2 (PC): Die Technik des famosen Action-Hüpfers mit Unreal Engine 4 auf dem Prüfstand (Bilder: 4K DCI, Lanczos-downsampled @ 1440p) (6)
Psychonauts 2: Inhalt & Gameplay
Psychonauts 2 spielt direkt nach den Geschehnissen im Vorgänger (respektive dem VR-Spin-off) und klärt Sie in einem kurzen Video darüber auf - Vorkenntnisse sind nützlich, aber nicht notwendig. Sie spielen Rasputin "Raz" Aquato, einen übersinnlich begabten Jungen, der zu den Psychonauts stößt. Die Mitglieder dieser Geheimorganisation sind in der Lage, in Köpfe einzudringen und deren Gedankenwelten zu betreten - mit dem Ansinnen, Gutes zu tun, macht Raz selbstverständlich gerne mit, wenn auch zunächst als Praktikant. Wer sich nun schräge Dinge ausmalt, um was es gehen könnte: Vergessen Sie's, Entwickler Double Fine toppt das locker.
Psychonauts 2 präsentiert eine derart irre Welt voller schräger Charaktere und Ideen, dass es eine wahre Freude ist und niemals langweilig wird. Doch Psychonauts 2 punktet nicht nur mit den abwechslungsreichen Welten, sondern auch mit seiner für ein "Hüpfspiel" überraschend tiefgründigen, großartig inszenierten Geschichte. Diese ist durchzogen mit mehr oder minder schwarzem Humor, kleinen Gags und liebevollen Details, thematisiert und visualisiert aber auch ernste psychische Probleme. Das abstrakte Art-Design, welches an Animationsfilme à la Ich - Einfach Unverbesserlich erinnert, leistet dabei einen sehr guten Job. Tatsächlich machen die zahlreichen Zwischensequenzen (Puristen würden sagen: zu viele) einen großen Reiz aus, da man nie weiß, welch abgefahrene Idee die Entwickler als Nächstes präsentieren. Die schrägen, mit detaillierter Mimik und Gestik ausgestatteten Charaktere werden außerdem hochklassig synchronisiert - leider nur auf Englisch, optional mit deutschen Untertiteln, während Psychonauts (1) auf Deutsch nachvertont wurde. Auch die Musik und Soundeffekte sind über jeden Zweifel erhaben, transportieren sie doch die Stimmung in den Levels und die skurrilen Aktionen darin vorzüglich.
Neben der Inszenierung punktet Psychonauts 2 auch bei der Kerndisziplin: dem Gameplay. Die von uns bereits verwendete Beschreibung "Hüpfspiel" wird dem Titel trotz des hohen Jump'n'Run-Anteils nicht gerecht, das Gameplay beinhaltet auch reichlich Erkundung, Kämpfe und kleinere Rätsel in den surrealen Welten. Während Raz' Telekinese-Fähigkeit den Kämpfen einen Hauch von Remedys Mystery-Titel Control verleiht, fehlen echte Shooter-Elemente wie im Playstation-5-Hit Ratchet & Clank: Rift Apart. Die meiste Zeit hüpfen, rollen und schwingen Sie jedoch durch die farbenfrohen Gedankenwelten - ungefähr so, als mischte man American McGee's Alice mit A Hat in Time und gebe eine Prise Conker's Bad Fur Day dazu. Ein Gamepad ist dabei ausdrücklich zu empfehlen, denn mit Maus und Tastatur kommt es mitunter zum Fingerknoten. Doch genug vom Inhalt, schließlich sind Sie für die Technik hier. Mehr zum Spiel lesen Sie im Test unserer Kollegen von der PC Games.
Psychonauts 2: Technik
Entwickler Double Fine setzt für Psychonauts 2 auf die omnipräsente Unreal Engine 4 (UE4) und dabei voll auf die Kraft von DirectX 12 - Psychonauts 2 startet solange im DX12-Modus, bis Sie dem Spiel via Startparameter andere Anweisungen geben. Dazu gleich mehr. Während der Technikmotor prinzipiell sehr mächtig ist, machen die Entwickler nur von den Basics Gebrauch. So sorgt beispielsweise Physically-Based Shading für eine glaubhafte Materialdarstellung: Metall sieht aus wie Metall und spiegelt die Umgebung, während Holz ein angemessen mattes Dasein fristet. Der Comic-Look mit seinen abstrakten Welten und Figuren funktioniert trotz der relativ geringen Polygonzahlen und moderaten Texturdetails bestens, satte Farben und knallige Effekte erfreuen das Auge. Außerdem bietet das Spiel eine ordentliche Unterstützung aller gängigen (und exotischeren) Bildformate. Zwischensequenzen werden jedoch stets in 16:9 wiedergegeben und gegebenenfalls mit schwarzen Rändern aufgefüllt.
Wichtig ist im Grunde nur, dass Sie den Auflösungsregler im Grafikmenü auf 100 Prozent setzen, ansonsten betreibt das Spiel Upscaling - das wird mit Ansage matschiger, als es angesichts des kleinen Hardware-Hungers sein muss. Zur Kantenglättung steht im Grunde nur eine valide Option zur Wahl: das gute Temporal-AA der Unreal Engine 4. Zusammen mit dem gnädigen Inhalt erzielt es eine flimmerfreie Darstellung bereits in Full HD, wobei nur kleinere Ghosting-Artefakte stören. Die zweite Option, FXAA, ist aufgrund der flimmrigen Darstellung - ohne dass die Leistung nennenswert ansteigt - keine gute Idee. DLSS fehlt in Psychonauts 2 ebenso wie Raytracing, obwohl die Unreal Engine 4 eine relativ einfache Einbindung dieser Aufwertungen erlaubt - die stetig wachsende Menge entsprechender Spiele beweist es.
So kommt es, dass die zahlreichen Spiegelungen in Psychonauts 2 aus "klassischen" Screen-Space-Reflections bestehen (dieser Effekt findet sich seit weniger als zehn Jahren in Spielen). Egal ob gewienerter Boden, Metall, Keramik oder Wasser, in jedem Fall kommt eine Bildbereichsreflexion zum Einsatz. Diese funktioniert so lange gut, bis man genauer hinguckt. Ist der vertikale Kamerawinkel zu steil oder die Spiegelung zu nah am Bildschirmrand, verschwindet sie. Bei Wasser bleibt dann immerhin ein aus einer Cube-Map bestehender Fallback. Angesichts der Möglichkeiten mithilfe von selektivem Raytracing ist das schade, allerdings leistet sich Psychonauts 2 keine weitere Schnitzer. Die Grafik hält ihr kreativ hohes Niveau durchgängig und ist handwerklich sauber; Flimmern, Grafikfehler oder ein aggressives LOD-System gibt es mit maximalen Details am PC nicht zu beklagen. Wer das Spiel auf einer Konsole spielt, muss sich mindestens auf sichtbar einblendende Schatten einstellen.
Psychonauts 2: Grafikkarten-Benchmarks
Erst der Spaß, dann das Vergnügen: Wie bei jedem PCGH-Techniktest haben wir das zu prüfende Spiel vor den Benchmarks ausführlich gespielt und dabei die Technik abgeklopft. Das haben wir selbstverständlich auch bei Psychonauts 2 getan. Bei allen Benchmarks kommen die zum Testzeitpunkt aktuellen Grafiktreiber von AMD und Nvidia zum Einsatz, in diesem Fall der Geforce GRD 471.68 WHQL und die Radeon Software 21.8.2. Resizable BAR (rBAR) respektive Smart Access Memory (SAM) sind bei den PCGH-Benchmarks sei April standardmäßig aktiv.
Als Testszene haben wir einen weitläufigen Freiluft-Abschnitt auserkoren, welchen man nach rund fünf Spielstunden erreicht. Das Kapitel heißt "Der Steinbruch". Unsere Wahl fiel auf diese Szene, da man hier eindeutig sieht, für was die Rechenzeit aufgewendet wird: Hohe Sichtweite, viele verschiedene Objekte und Freiraum zur Erkundung. Außerdem skaliert die Bildrate hier vorbildlich mit der Grafikleistung und Auflösung, wie Sie gleich sehen werden. Um einen Worstcase handelt es sich jedoch nicht, uns begegneten im Spielverlauf mehrfach kurze Szenen mit weitaus geringeren Bildraten. Ursächlich sind dabei nach Augenmaß stets volumetrische Effekte wie Licht und Nebel, allerdings verzichten wir aufgrund der meist geringen Bewegungsfreiheit auf eine derartige Szene als Test. Die GPU-Sequenz "Waterside" sehen Sie im eingebetteten Video. Daneben haben wir ein paar Spezialtests im Hauptquartier der Psychonauten namens "Motherlobe" vorgenommen. Dabei handelt es sich um den Ort mit den meisten Nichtspieler-Charakteren und somit mutmaßlich um den Prozessor-lastigsten Abschnitt des Spiels. Auch dazu gleich mehr.
PCGH Benchmarks & Analysis ist ein neuer Youtube-Seitenkanal, in dem wir künftig alle Benchmark-Szenen und so manche Randbetrachtung platzieren werden - klicken Sie doch mal rein! Wie immer bieten wir Ihnen die Ergebnisse in den vier verbreiteten Auflösungen Full HD, WQHD, UWQHD und Ultra HD, welche Sie im folgenden Benchmark auswählen können.
Aufgrund der grundsätzlich hohen Bildraten spielen diesmal auch einige ältere und schwächere Grafikkarten mit. Somit haben wir gute Nachrichten für alle: Obwohl wir eine anspruchsvolle Sequenz testen, sind beinahe alle teilnehmenden Grafkkarten in der Lage, Full HD flüssig darzustellen. Für präzises Hüpfen sind konstante 60 Fps mindestens anzuraten, leidensfähige PC-Spieler können jedoch auch mit Bildraten im 40er-Bereich leben. Wem das Spiel zu schwammig vorkommt, sollte Vsync abschalten, welches offenbar Triple-Buffering anwendet und damit die Eingabeverzögerung erhöht. Das Grafikmenü erlaubt es, davon losgelöst ein Frame-Limit festzulegen.
Höhere Auflösungen sind - UE4-typisch - wesentlich anspruchsvoller als Full HD. Bereits WQHD erfordert eine Grafikkarte vom Schlage Geforce RTX 2060 oder Radeon RX 5600 XT, um im 60-Fps-Milieu zu bleiben. In Ultrawide-QHD sollte es dafür bereits eine Geforce RTX 2070 oder Radeon RX 5700 XT sein, während Ultra HD mindestens nach einer Geforce RTX 3070 oder Radeon RX 6800 verlangt. Sie sehen, insgesamt halten sich die Anforderungen in Grenzen, was die Zielgruppe für Psychonauts 2 breit aufstellt.
Psychonauts 2: DX12 oder DX11?
Wie eingangs erwähnt, startet Psychonauts 2 standardmäßig im DirectX-12-Modus. Das hat den Vorteil, dass die Ressourcen dank Lower-Level-Zugriff auf die Hardware effizienter genutzt werden, sprich: Die Bildrate ist gewöhnlich höher als mit DirectX 11. Die Unreal Engine 4 schleppt allerdings eine Marotte mit sich herum, die unlängst The Ascent zu schaffen machte und auch Psychonauts 2 plagt: Nachladeruckler. Diese treten immer beim Betreten neuer Areale auf, da hiermit neue Daten anfallen und die dazugehörigen Shader kompiliert werden müssen. Betritt man dieses Areal erneut, ruckelt's nicht mehr. Warum die zu erwartenden Shader nicht beim Ladevorgang des Spiels vorkompiliert werden, sondern zur Laufzeit, ist uns ein Rätsel. Auf High-End-Rechnern hält sich das Stottern in Grenzen, doch je langsamer die Infrastruktur, desto heftiger und fühlbarer sind die Hänger.
Wen das stört, der wechselt mithilfe eines Startparameters auf den DX11-Modus. Setzen Sie einfach ein -dx11 an die Verknüpfung (unter "Ziel", wo der Pfad steht), falls Sie der GOG-Spielversion besitzen. Im Falle von Steam rechtsklicken Sie auf "Eigenschaften" - "Allgemein" und hinterlegen Sie unter "Startoptionen" den Befehl -dx11. Wer die Microsoft-Store-Version verwendet, schaut hingegen in die Röhre. Wir testen anhand dieser Spielvariante und scheiterten daran, Psychonauts 2 auf DirectX 11 umzustelen. Ursächlich dafür ist, dass die UWP-Apps keinen konventionellen Zugriff auf die Spieldateien erlauben. Falls Sie Ihr Glück versuchen möchten, wir haben es immerhin geschafft, das Spiel über die Commandline (Ausführen/Run) zu starten. Der String dafür lautet: explorer.exe shell:appsFolder\Microsoft.Psychonauts2_8wekyb3d8bbwe!AppPsychonauts2Shipping
Den eigentlich geplanten Direktvergleich der beiden Schnittstellen bleiben wir Ihnen daher schuldig. Dafür haben wir etwas anderes vorbereitet: einen Vergleich der beiden bereits erwähnten Testszenen bei CPU-lastigen Einstellungen:
Deutlich zu erkennen ist der höhere Prozessoranspruch im Motherlobe, hier liegen die Bildraten circa ein Viertel tiefer als bei Waterside - die vielen herumwuselnden NPCs in der Haupthalle der Psychonauts fordern ihren Tribut. In der weitläufigen GPU-Benchmarlszene "Waterside" führt die wassergekühlte Radeon RX 6900 XT, im dicht bevölkerten "Motherlobe" hingegen die Geforce RTX 3080 Ti. Letzteres deutet auf eine etwas effizientere Prozessornutzung hin, dramatisch sind die Unterschiede jedoch nicht.
Psychonauts 2: Grafiktuning
Wer möchte, kann die Grafik verbessern - Leistungsreserven dafür hat beinahe jede aktuelle Grafikkarte. Die günstigste Möglichkeit, um subjektiv eine höhere Detailfülle zu erhalten, ist Nachschärfung. Bedauerlicherweise bietet Psychonauts 2 dafür keine eigene Option, daher müssen es die Treiber-Funktionen richten. Radeon-Nutzer greifen auf Radeon Image Sharpening (RIS), Geforce-Nutzer auf Nvidia Image Sharpening (NIS) zurück. Übertreiben Sie es nicht, denn das Nachschärfen führt zu Flimmern, vor allem die Schatten werden bröselig, und Ringing-Artefakten (weiße Umrandungen). Niedrige Dosierungen bieten sich für den Anfang und die native Bildschirmauflösung an, um der Unschärfe des TAA entgegenzuwirken. Davon profitieren alle Texturen mehr oder minder, zu den größten Profiteuren zählen Texturen mit Schrift. Wer das Sharpening mit einer ordentlichen Ladung Downsampling kombiniert, kann höhere Sharpen-Stufen einstellen und damit effektiv eine "Texturmod" simulieren. Sehen Sie sich die folgenden Screenshots unbedingt im Vollbild-Vergleich an.
Psychonauts 2: Fazit
Psychonauts 2 ist nicht nur ein Fest für Freunde des gepflegten Hüpfens - es ist ein rundum gelungenes Spiel, das auch Genre-Fremden gefallen könnte. Wer ausschließlich Grafikbomben gemäß der Definition "Je länger und zahlreicher die Shader, desto besser" spielt, wird angesichts der Cartoon-Grafik abwiegeln. Stilistisch und auch akustisch ist Psychonauts 2 hingegen ein echtes Schwergewicht, die Atmosphäre der Spielwelt könnte kaum besser sein. Der wenigen Kritikpunkte beschränken sich auf eine Handvoll Bugs, die fehlende deutsche Sprachausgabe und den hohen Preis von 60 Euro, egal ob bei GOG, Steam oder dem Microsoft Store. Wer auf der Suche nach einem hochklassigen Action-Hüpfer ist, welche am PC nach wie vor selten sind, kommt jedoch kaum um Psychonauts 2 herum. Wer noch zögert, erfährt alle Details zum Spiel im Test unserer Kollegen von der PC Games oder im folgenden Test-Video.


MfG
Raff
Dann werde ich die wohl beide nach The Outer Worlds angehen und danach brauche ich dann mal wieder einen Titel der die Hardware fordert, ich glaube die 3090 ist schon ganz verwirrt was ich ihr da in letzter Zeit so vorwerfe
MfG
Raff
Ich zocke aktuell noch The Outer Worlds und danach hätte ich Lust auf was Kurzweiliges.