Zenimax verklagt Oculus VR: Der Streit um Carmack und seine Entwicklungen eskaliert
Es hatte sich bereits angedeutet, dass Oculus VR und Zenimax nach der Facebook-Übernahme keine Freunde mehr werden. Nun ist die Klage von Zenimax eingegangen, die einen Einblick in die Entwicklung der letzten Jahre gibt und die auch auflöst, wie Carmack plötzlich zu Oculus VR geraten ist. Zwar sind die Darstellungen natürlich einseitig, aber sie geben einen Hinweis darauf, dass sich Marc Zuckerberg einen handfesten Streit eingekauft hat, dessen Prozesskosten sich sehen lassen werden.
Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Anwälte von der Leine gelassen werden. Was sich in den vergangenen Wochen bereits abzeichnete, ist nun gewiss: Zenimax verklagt Oculus VR und dessen Gründer Palmer Luckey. Wissen muss man: Zenimax ist die Mutter von Publisher Bethesda, der wiederum im Besitz des Studios id Software ist. Von id Software wechselte Urgestein John Carmack als CTO zu Oculus VR und schon beim Wechsel gab es reichlich Verwirrung um das Programmiergenie. Im Rahmen dieses Wechsels wirft Zenimax Oculus VR jedenfalls nun die Veruntreuung von Geschäftsgeheimnissen vor. Stein des Anstoßes ist dabei, dass Carmack bereits zu Zeiten als Bethesda-Angestellter an Oculus VR gearbeitet hat. An den in dieser Zeit entwickelten Ideen meldet Zenimax nun Ansprüche an. Zu klären gilt es nun, was Carmack tatsächlich wann und wie entwickelt hat.
Zenimax verklagt Oculus VR: Ungemach bahnt sich an
In der Klageschrift führt Zenimax an, dass man ein NDA mit Oculus VR habe, das im Detail klärt, welche Informationen wann und wie weitergegeben und verwendet werden dürfen. Daran habe sich Oculus VR nicht gehalten: Bei der Entwicklung der Oculus Rift soll geistiges Eigentum von Zenimax verwendet und damit Milliarden verdient worden sein. Damit spielt Zenimax auf die Übernahme durch Facebook an. Oculus VR will von alldem ebenso wenig wissen wie John Carmack. Beide beteuern, dass man keine Informationen habe "mitgehen" lassen. Vielmehr sei Zenimax nur daran interessiert, einen guten Schnitt zu machen. Die Facebook-Übernahme würde Begehren auslösen, zumal auch in Zukunft gute Einkünfte erzielt werden könnten (sonst wäre Facebook kaum eingestiegen).
Doch zurück zur Klageschrift: Zwischen 2011 und 2012 habe John Carmack ebenfalls an VR-Technologie geforscht. Zum Rift-Prototypen habe er die Software und die Kopfbefestigung beigetragen sowie die Sensoren und andere wesentliche Features. Nicht nur Carmack habe an der VR-Brille gearbeitet, sondern viele Zenimax-Angestellte. Zweistellige Millionenbeträge sollen in die Forschung geflossen sein. Doom 3, in einer Demo zu BFG-Edition auf Oculus Rift optimiert, habe den Erfolg erst möglich gemacht. All diese Entwicklungen habe man mit Oculus VR geteilt, allerdings unter oben besagtem NDA. Zudem habe man das kleine Unternehmen an die Hand genommen, auf der E3 am Zenimax-Stand auftreten lassen und Promotion gemacht.
Zenimax verklagt Oculus VR: Der Streit wird ernst
Zenimax ist sich absolut sicher, dass es ohne diese Unterstützung niemals ein fertiges Produkt in der Form gegeben hätte, wie man es heute kennt. Im Vorfeld war es sogar deutlich polemischer: Zenimax bellte, dass Luckey noch in seiner Garage sitzen würde, wenn Carmack nicht gewesen wäre. Luckey keifte zurück, dass Zenimax nun die Hand aufhalte, wo es doch jetzt etwas zu holen gäbe. Schon da war klar: Die beiden Streithähne werden keine friedliche Lösung finden. Nach der E3 2012 sollen Gespräche begonnen haben, wie man sich auf einen Ausgleich für die von Zenimax eingebrachte Leistung einigen könnte, doch mit dem Erfolg sei Oculus VR immer mehr auf Abstand gegangen und eine Einigung sei nie erreicht worden. In einem Coup habe man dann Carmack von Id Software weggeholt und letztlich alles an Facebook verkauft. Der Milliarden-Deal würde zeigen, welchen Wert das geistige Eigentum von Zenimax habe. Daher bestehe man auf einen angemessenen Schadensersatz. Schließlich habe man über Jahre an VR geforscht, bei Bethesda und auch beim Zukauf id Software. Die erlangten Durchbrüche bei der Oculus Rift fußen laut Zenimax auf jahrelanger Forschung. Aus dem NDA geht sogar hervor, dass Luckey freien Zugang zu den Informationen bekommen hat und Zenimax sogar Kabel und Sensoren schickte, um die VR-Brille lauffähig zu machen. Selbst bei der Kickstarter-Kampagne sei auf die Expertise von Zenimax zurückgegriffen worden. So ist unter anderem abermals Promotion gemacht worden, um den Erfolg der Kampagne sicherzustellen. Etwa auf der Quakecon durch Carmack. Beweise hierfür liegen offenbar vor.
Zenimax verklagt Oculus VR: Bedenken in den Wind geschlagen
Weiterhin wird angeführt, dass Carmack Luckey explizit darauf hingewiesen hat, dass er besser keine Inhalte verwende, die von ihm gekommen sind. So trat Carmack nicht im Promotion-Video auf, die Demo von Doom 3 BFG verwendete Luckey aber dennoch entgegen der Empfehlung. Den Unterstützern versprach man, dass das Spiel kommen werde – obwohl es nie eine Absprache mit Zenimax gegeben habe. Das könnte erklären, warum die Unterstützung im Spiel nie kam. Weiterhin wurde mit den niedrigen Latenzen geworben, die allerdings nur durch Zenimax möglich gewesen sein sollen. Und weiterhin verwendete man Techdemos von id Software, darunter Doom 3 BFG und Rage. Alles angeblich entgegen der Empfehlungen von Carmack. Das würde zumindest erklären, warum Zenimax nur gegen Palmer Luckey und nicht auch gegen John Carmack vorgeht.
Auf der Quakecon 2012, wo Carmack für die Oculus VR werben sollte, wäre die Technik ohne Zenimax angeblich erst gar nicht gelaufen. Damals habe Luckey in der Rede betont, dass er keine Ahnung von der Software habe. Zenimax bot nach dem Event eine engere Zusammenarbeit an, eine Entschädigung in Form von Firmenanteilen wurde ins Auge gefasst, um die Unterstützung zu honorieren. Zwar habe sich Oculus VR nach langen Hin und Her auf formelle Gespräche eingelassen, aber die Forderungen sollen unangemessen gewesen sein. Luckey habe etwa Exklusivrechte an Softwarecode gefordert sowie Marketingmaßnahmen und 10.000 kostenlose Doom 3 BFG für die Kickstarter-Kunden. Geben wollte man dafür 2 Prozent Firmenanteil und eine Option auf weitere 3 Prozent zu 1,2 Millionen US-Dollar Fixpreis.
Zenimax verklagt Oculus VR: Carmacks mysteriöser Wechsel
Zur Einigung kam es nicht. Stattdessen wurden Werbeprospekte an Investoren verteilt, die mit Jon Carmack und id Software warben, obwohl es darüber keine Abmachung gab. Auch Doom 3 soll wieder beworben worden sein, erneut gegen die Empfehlung, mit Zenimax-Eigentum zu werben. Derweil soll man laut Klageschrift trotz einer gescheiterten Einigung weiter Hilfe von Zenimax eingefordert haben. Man bekommt den Eindruck, dass die Situation schon jetzt komplett verfahren war, auch wenn natürlich in Zenimax' Klageschrift die Seite von Oculus VR fehlt. Zenimax zog Anfang 2013 jedenfalls nach eigenen Angaben den Stecker und wies Carmack und sein Team an, keine Hilfe mehr zu leisten. Daraufhin sei der (erfolgreiche) Versuch entstanden, Carmack und einige Teammitglieder abzuwerben. Im Fall von Carmack soll die Situation so gewesen sein, dass der Vertrag im Juni 2013 ausgelaufen sei und er seinen Arbeitgeber darüber informiert habe, dass er diesen nicht verlängern wird. Er werde drei Monate übergangsweise als technischer Berater bereitstehen. Das würde den damals nach außen sehr merkwürdig wirkenden Wechsel erklären.
Anfang 2014 seien dann weitere fünf Kollegen aus dem alten Carmack-Team zu Oculus VR gewechselt, nachdem sie gekündigt hatten. Auch sie sollen Informationen mitgenommen haben. Einer davon habe sogar verweigert zu bestätigen, dass er alles geistige Eigentum von Zenimax zurückgelassen hat. Daraufhin habe Zenimax Carmack aktiv darauf hingewiesen, dass er immer noch an seine alten Verträge gebunden sei. Darunter auch, dass er innerhalb von zwei Jahren kein Personal von Zenimax abwerben darf. Weiterhin, dass seine Ideen bei id Software Zenimax gehören und nicht weiterverwendet werden dürfen. Endgültig eskaliert ist es offenbar dann, als Facebook die Milliarden-Übernahme bekannt gegeben hat und in der Pressemitteilung davon die Rede war, dass Zenimax keine Anteile am Erfolg der Oculus VR hat. Man darf nun gespannt sein, wie Luckey Palmer reagiert. Eines steht jedenfalls fest: Für 2 Milliarden US-Dollar hat Facebook nun einen Rechtsstreit eingekauft, der sich gewaschen haben dürfte.
Die Argumentation in der Klageschrift klingt zunächst mal sehr schlüssig - muss sie ja - und die erbrachten Nachweise sind erdrückend. Aber da das ja nur die Sicht der Klageseite ist, bin ich gespannt, ob Oculus die Darstellung als nur die halbe Wahrheit darzustellen vermag. Irgendwie hoffe ich das ja.
Eins ist mal klar, insbesondere jedem, der schon mal einen geschlossenen Beta-Test mitgemacht hat: Eine Verpflichtung zur Geheimhaltung ist ein absolut notwendiges Schutzinstrument für Entwicklungen. Wenn zum Beispiel der Source Code von einem noch in Entwicklung befindlichen Spiel leaked, kann das die unterschiedlichsten Schäden anrichten. Neben möglicherweise gespoileten Stories und damit zerstörter Spielererfahrung, besteht natürlich die Möglichkeit, dass ein Wettbewerber Teile klaut und ein eigenes Produkt verkauft. Sehr schwer nachzuweisen später und mit evtl schlimmen finanziellen Einbußen für den Originalentwickler verbunden. Daran hängen Arbeitsplätze und nicht zu letzt auch das Herzblut vieler hart arbeitender Entwickler. Als Spielefan ärgert es mich maßlos, wenn irgendwelche Pseudohelden glauben, sich mit solchen Leaks profilieren zu müssen. Nicht jeder Entwickler kann sich von soetwas so gut erholen, wie Valve mit HalfLife2 damals. Das nur am Rande.
Was Oculus betrifft, so würde es mich schon sehr bedenklich stimmen, wenn es sich herausstellte, dass Luckey und Co tatsächlich wiederholt die Hinweise auf die Proprietät der Zenimax-Entwicklungen übergangen haben und in keine ernstzunehmenden Verhandlungen bezüglich Ausgleich eingestiegen sind. Das wäre nicht nur ärgerlich, sondern auch schlicht dämlich.
Andererseits besteht auch die Möglichkeit, dass Zenimax auf diese Situation gepokert hat und nun auf diesem Weg Kohle für irgendwie eingeflossene, bis dato unvollständige Entwicklungen einfahren will, die ohne Oculus vielleicht nie oder erst in fünf Jahren hätten produktifiziert werden können. Wieviele Firmen wohl noch rund um den Globus an VR forschen und die Prototypen bereits vor dem Bekanntwerden wieder vor Verzweiflung und Motion-Sickness wieder ungesehen in Schubladen verschwinden lassen haben. Insofern sollten Zenimax und Sony Palmer Luckey vielleicht ein Denkmal setzen, denn durch ihn wird das schon lange für den Massenmarkt totgeglaubte Thema VR wieder bekannt, hip und... greifbar. Die Dinger werden sich verkaufen. Ganz klar. Und Oculus hat auf dem Weg dahin endlich mal Dampf gemacht.
Besonders unverzeihlich für beide Parteien wäre es jedoch, wenn sie es nicht hinbekommen, diesen Konflikt in einer Weise zu bereinigen, der nicht der weiteren Entwicklung des Rift schadet. Ja, das Ding ist möglicherweise "Big Business". Aber gut funktionierende VR hat auch das potential für ein Kulturphänomen. Die letzten 40 Jahre wurde daran geforscht und immer wieder sind Ansätze zur Verbreitung an den technischen Grenzen, der richtigen Kombination von Ideen und einer breiten Softwareunterstützung gescheitert. Mit dem Rift scheint die Welt endlich ganz nah am nächsten Schritt zu sein. Wenn Zenimax, Oculus und evtl noch Facebook den Rift jetzt noch kurz vor dem Erfolg in einem Prozesshagel zerreiben... wo am Ende das Produkt nicht produziert und verkauft werden darf, weil mehere zerstrittene Parteien Teil-Patente an dem Gerät halten und sich nicht einigen können. Wie jämmerlich wäre das denn... Oder es wird mal eben 200$ teuer, weil die verheizten Prozesskosten wieder reingeholt werden müssen...
Die Welt ist mal Reif für den Rift und die eh schon ziemlich dumm aus der Wäsche guckenden Kickstarter-Unterstützer haben eine gute Lösung verdient. Und ich.. ich will mit soner Brille irgendwann mal durch Chris Roberts All-Vision düsen. Bitte Oculus und Zenimalx, versenkt das Ding nicht in Eurer Schlammschlacht...
Natürlich unter der Aussage, dass die Anklage stimmt - wenn sie nicht stimmt, ist es halt erledigt und Zenimax hat Geld verbraten.
who cares
Leider hat Zenimax ihn vertrieben, er wäre durchaus nützlich für die Zukunft von ID gewesen. Aber schon nach dem Kauf von ID hab ich gesagt "ja, jetzt wird sich Carmack bald vertschüssen, denn ein großer Publisher nimmt ID die Freiheit eines unabhängigen Entwicklers die sie immer waren und genau das braucht Carmack: stets sein Ding machen, sich nicht von oben vorgeben lassen, was sache ist". Und so kam es dann auch. Schade, dass sie ihn auf diese Art und Weise rausgeekelt haben, und schade auch, dass sie ihn als Ressource nicht besser genutzt haben. Da macht er das erste große VR Spiel, entwickelt es quasi im Alleingang fertig und sie nutzen die Ressource nicht zum Ankurbeln der Verkäufe, stattdessen wollen sie jetzt Millionen für das was er woanders nochmal programmieren hat müssen.
Natürlich unter der Aussage, dass die Anklage stimmt - wenn sie nicht stimmt, ist es halt erledigt und Zenimax hat Geld verbraten.
who cares
Beschäftige mich seit meiner Jugend mit Carmacks Arbeit, bis heute. Und sein Statement ist ungefähr genauso qualifiziert, als würde er sagen "Intel ist *******, haben seit 5 Jahren nichts mehr rausgebracht, schnee von Gestern", und man ignoriert dabei die zig innovationen die man in den letzten Jahren gemacht hat - weil man KEINE AHNUNG hat, aber unbedingt seine Meinung verzapfen muss.
Ich rede ja jetzt nicht krampfhaft von seinen Erfolgen (hat mal eben das Egoshooter-Genre gegründet und den besten Shooter aller Zeiten entwickelt, oder hat E-Sports mitbegründet und aus den Kinderschuhen gehievt, oder hat halt Engines entwickelt die revolutionär für unser Hobby waren, oder hat Engines geschrieben die bis heute zum Teil verwendet werden in den bestverkauftesten Shootern (COD), oder hat den Multiplayershooter erfunden, oder gibt seine Engines ständig Frei, also Open Source, damit jeder was davon hat, oder sonstige Dinge. Alles Mist was dieser Carmack so gemacht hat. All das gibt ihm offensichtlich noch keine Berechtigung für den Status den er hat. Und wenn man sich die letzten paar Jahre so ansieht: Mal eben eine VR Technologie mitentwickelt. Eine Rakete. Eine Engine die, anders als die Cryengine zwar nicht so gut aussieht, aber offensichtlich schon beim ersten Lizenzspiel zu höheren Wertungen führt (und ergo irgendwas richtig macht), als bei allen Cryenginespielen zusammen. Da war außerdem ja noch Enemy Territory Quake Wars dabei, das erste Spiel mit Megatexture. Dann das letzte Wolfenstein, wurde auch noch von ihm mitentwickelt. Dann die vielen Technologien wo er als Programmierer oder Berater mal so nebenbei mitentwickelt hat.
Schon mal seine Quakecon Keynotes durchgelesen? Seine .plan Updates? Seine Slashdot Interviews? Seine Twittermeldungen und links? Also der hat in den letzten 5-10 Jahren mehr rausgebracht, als viele dieser hochgelobten Entwickler hier.
Aber das wissen halt viele nicht, hindert die aber auch nicht, dieses unwissen preiszugeben
aber nur für die es interessiert:
(ein kleiner Auszug)
http://gizmodo.com/506955...
http://blogs.dallasobserv...
http://armadilloaerospace...
http://floodyberry.com/ca...
http://floodyberry.com/ca...
http://beta.slashdot.org/... (und viele weitere slashdot artikel über ihn, viel Spaß beim stöbern)
Natürlich sein Twitter Account:
https://twitter.com/id_aa...
usw usf.