Radeon RX 6700 im Test: Der Grafikkarten-Geheimtipp mit 10 GiByte Speicher
Alle Welt spricht von RTX 4090 und RX 7900 XTX, doch eines wird oft vergessen: die Mittelklasse. Heute geht es nicht um GPU-Boliden für vierstellige Euro-Summen, sondern um eine erschwingliche Gaming-Grafikkarte für etwas mehr als 400 Euro. Im Test der Radeon RX 6700 verraten wir, was die Karte zur optimalen Lösung für Full HD und WQHD macht.
In diesem Artikel
Nvidias Geforce RTX 4090 erreicht schwindelerregende Bildraten und die just angekündigte Radeon RX 7900 XTX stimmt in diesen Chor mit ein. So schön das High-End auch ist, die wenigsten PC-Spieler sind gewillt, vierstellige Summen für eine Grafikkarte auszugeben. Das weiß nicht nur Newcomer Intel, deren Arc A770 und A750 im Preisbereich zwischen 350 und 450 Euro wildern. Auch AMD und Nvidia bieten attraktive Gaming-Grafikkarten in diesem Preisbereich an, von denen eine bislang wenig Beachtung fand: die Radeon RX 6700. Wir haben uns bereits im Sommer um Testmuster bemüht, damals standen jedoch andere Modelle im Fokus der Hersteller. Das ist nun anders: Der AMD-Exklusivpartner Sapphire stellte uns just eine Radeon RX 6700 Pulse zur Verfügung, welche wir einem ausführlichen Test unterziehen. Ohne alles vorwegzunehmen: Unsere Verwunderung über das Nischendasein der Radeon RX 6700 ist nach dem Test noch größer als zuvor, denn im Grunde stimmt hier fast alles.
Radeon RX 6700 im Test: Navi 22 XL
Bei der Radeon RX 6700 handelt es sich um einen besonderen Fall. Im Gegensatz zur Radeon RX 6700 XT, RX 66x0 XT und Konsorten wurde die Radeon RX 6700 nicht für das PC-Gaming ins Leben gerufen, sondern als Mining-Lösung. Nach dem Kollaps diverser Kryptowährungen fand ein Umdenken statt, sodass die Radeon RX 6700 nun auch als vollwertige Grafikkarte (mit Display-Ausgängen) zu haben ist - allerdings nur von wenigen Board-Partnern. Die Verzögerung ist bedauerlich, denn AMDs Grafikkarten-Portfolio erfuhr erst im Mai dieses Jahres eine Revision, bei der auch die Radeon RX 6650 XT ins Leben gerufen wurde. Diese Grafikkarte ist keineswegs schlecht, erbt jedoch alle Stärken und Schwächen der älteren RX 6600 XT, ohne ansatzweise in die Nähe der RX 6700 XT zu gelangen. Diese Lücke füllt die Radeon RX 6700 - und macht die 6650 XT im Grunde überflüssig.
Quelle: PCGH
Radeon RX 6700: HWInfo Overview (nur die "192 Bit" sind inkorrekt - 160 Bit stimmt).
Die Radeon RX 6700 basiert nicht auf dem kleinen Navi-23-Chip der RX 66x0 (XT), sondern auf dem Motor der Radeon RX 6700 XT: Navi 22. Beim Non-XT-Modell wurde ein leichter Beschnitt vorgenommen, anstelle von 2.560 sind noch 2.304 FP32-ALUs aktiv, sodass die Leistung bei gleichem Takt um zehn Prozent sinkt. Etwas härter trifft es das Speicher-Subsystem: RAM-Interface, Level-3-Cache, Kapazität und Transferrate wurden um 16,7 Prozent gestutzt. Somit ist die Radeon RX 6700 die einzige Grafikkarte mit 160 Bit, 10 GiByte GDDR6-RAM sowie 80 MiB Level-3-Zwischenspeicher ("Infinity Cache"). Beschnitt hin oder her, Navi 22 in der XL-Konfektion ist deutlich potenter als Navi 23 KXT, welcher auf der Radeon RX 6650 XT zum Einsatz kommt. Dieses Modell ist auf 8 GiByte Speicherkapazität beschränkt, bietet nur 32 MiB Infinity Cache und außerdem nur acht PCI-Express-Lanes gemäß 4.0er-Standard. Mit anderen Worten: Alle Flaschenhälse einer RX 66x0 (XT) existieren bei der RX 6700 nicht, was die Karte attraktiver als diverse 8-GiByte-Modelle macht.
Zur Erinnerung: Mit der Radeon RX 6700 XT debütierte im März 2021 der RDNA-2-Grafikchip Navi 22, dessen Zielsetzung die WQHD-Auflösung ist. Das ist ein deutlich genügsamerer Einsatzzweck gegenüber Ultra HD, auf das die Radeon RX 6800 (XT) und RX 69x0 XT abzielen. Navi 22 beherbergt im Vollausbau 40 Compute Units (CUs), was zusammen mit 2.424 MHz "Game Clock" eine Rechenleistung von mehr als 12 Tera-FLOPS bei einfacher Genauigkeit ergibt. Navi 22 kommt auch auf der RX 6750 XT und besagter RX 6700 zum Einsatz und erweist sich als ausgewogene Lösung sowohl für Full HD als auch WQHD - nur beim Raytracing erreichen Nvidias Geforce RTX 3060 (Ti) sowie Intels Arc A770/750 bessere Ergebnisse - dazu gleich mehr. Eine Übersicht aktueller Mittelklasse-Grafikkarten liefert die folgende Tabelle:
| Grafikkarte | Radeon RX 6700 XT | Radeon RX 6700* | Radeon RX 6650 XT | Arc A770 16GB | Arc A750 | Geforce RTX 3060 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Marktstart | 18.03.2021 | Q2 2022 | 10.05.2022 | 12.10.2022 | 12.10.2022 | 25.02.2021 |
| Architektur | RDNA 2 | RDNA 2 | RDNA 2 | Xe HPG | Xe HPG | Ampere |
| GPU-Codename | Navi 22 XT | Navi 22 XL | Navi 23 KXT | ACM-G10 | ACM-G10 | GA106-300 |
| Schnittstelle | PCI-E 4.0 ×16 | PCI-E 4.0 ×16 | PCI-E 4.0 ×8 | PCI-E 4.0 ×16 | PCI-E 4.0 ×16 | PCI-E 4.0 ×16 |
| Fertigungstechnologie & Foundry | N7 TSMC | N7 TSMC | N7 TSMC | N6 TSMC | N6 TSMC | 8N Samsung |
| Transistoren Grafikchip (Mio.) | 17.200 | 17.200 | 11.060 | 21.700 | 21.700 | 12.000 |
| Die-Size (mm²) | 336 | 336 | 237 | 406 | 406 | 276 |
| Typischer Kerntakt (MHz) | 2.424 | 2.330 | 2.410 | 2.100 | 2.050 | 1.777 |
| Speichertakt (MHz/GTs) | 8.000/16,0 | 8.000/16,0 | 8.750/17,5 | 8.750/17,5 | 8.000/16,0 | 7.501/15,0 |
| SIMDs (Xe-Cores, CUs, SMs) | 40 | 36 | 32 | 32 | 28 | 28 |
| FP32-ALUs (SP) | 2.560 | 2.304 | 2.048 | 4.096 | 3.584 | 3.584 |
| Raytracing-Einheiten | 40 | 36 | 32 | 32 | 28 | 28 |
| Matrix-Einheiten (Tensor, XMX) | – | – | – | 512 | 448 | 112 |
| GFLOPS FP32 (SP) | 12.411 | 10.737 | 9.871 | 17.203 | 14.694 | 12.738 |
| Level-2-Cache (MiByte) | 3 | 2,75 | 2 | 16 | 16 | 2,25 |
| Level-3-Cache (MiByte) | 96 | 80 | 32 | – | – | – |
| Speicherinterface (Bit) | 192 | 160 | 128 | 256 | 256 | 192 |
| Speichertyp | GDDR6 | GDDR6 | GDDR6 | GDDR6 | GDDR6 | GDDR6 |
| Speichertransferrate (GByte/s) | 384 | 320 | 280 | 560 | 512 | 360 |
| Speicherbestückung (MiByte) | 12.288 | 10.240 | 8.192 | 16.384 | 8.192 | 12.288 |
| GPU-Power allein (Watt) | 186 | 158 | 143 | 190 | 190 | Unbekannt |
| Leistungsaufnahme (TBP in Watt) | 230 | 220 | 180 | 225 | 225 | 170 |
| Stromanschluss | Je 1× 8-/6-Pol | 1× 8-Pol | 1× 8-Pol | Je 1× 8-/6-Pol | Je 1× 8-/6-Pol | 1× 8-Pol |
Angaben der Leistung jeweils mit typischem GPU-Boost laut Hersteller. In der Praxis schwankt die Frequenz (in der Regel fällt sie höher aus) und daher auch der Durchsatz. *Offizielle Daten der Sapphire Radeon RX 6700 Pulse - die AMD-Baseline liegt bei kurios niedrigen 138 Watt GPU-Power und 2.174 MHz Game Clock.
Bevor wir zu den Benchmarks überleiten, möchten wir einige Worte zum Sternchen in der Spezifikationstabelle verlieren. Da es sich bei der Radeon RX 6700 um ein spezielles Modell handelt, das nur von drei AMD-Partnern angeboten wird, gelten hier andere Regeln als bei anderen Radeon-Varianten, welche auf breiter Fläche angeboten werden und für die auch ein Referenzdesign im Handel liegt. Normalerweise testen wir Referenzkarten, das heißt, ohne werkseitige Beschleunigung. Das hatten wir auch bei der Radeon RX 6700 vor. Nach Sichtung der verfügbaren Grafikkarten sahen wir jedoch davon ab: Es ergibt wenig Sinn, eine fiktive AMD-Referenzkarte zu testen, wenn diese nicht für Geld zu haben ist. Stattdessen testen wir die Sapphire Pulse Radeon RX 6700 so mit werkseitiger Spezifikation. Diese beinhaltet eine GPU-Power von 158 Watt, 2.330 MHz GPU-Boost sowie eine Boardpower von 220 Watt. Die im Folgenden abgebildete Leistung(saufnahme) entspricht folglich einer typischen Radeon RX 6700, wie man sie zumeist im Handel vorfindet.
Günstigste RX 6650 XT = 331,99€
Günstigste RX 6700 = 409€
Günstigste RX 6700 XT = 435€
Da braucht man nicht lange überlegen!
MfG
Raff
Die Radeon RX 6700 erlaubt uns ein eindeutiges Fazit: Diese Grafikkarte verdient etwas mehr Rampenlicht, denn es handelt sich um die bessere Radeon RX 6650 XT. Letztere wurde im Frühjahr zusammen mit der RX 6750 XT und RX 6950 XT veröffentlicht, konnte die große Lücke zwischen 6600 XT und 6700 XT jedoch nicht schließen. Stattdessen erbte die RX 6650 XT alle Eigenheiten der 6600 XT, darunter die auf acht PCI-Express-Lanes gestutzte Anbindung sowie die ausreichende, aber nicht sorgenfrei nutzbare Speicherkapazität von 8 GiByte. Die Radeon RX 6700 beseitigt die Probleme im Grenzbereich: Dank 10 GiByte Speicher und 80 MiByte Infinity Cache hat diese Radeon-Grafikkarte einen deutlich längeren Atem, welcher vor allem in der WQHD-Auflösung und beim Einsatz von Raytracing durchschlägt. Mit einem durchschnittlichen Leistungsplus von acht Prozent gegenüber der RX 6650 XT beim Rasterizing und 18 Prozent beim Raytracing setzt die RX 6700 zwar keine Maßstäbe, erweist sich jedoch als potenter Spielpartner mit einer gewissen Zukunftsfähigkeit. Auch die Leistungsaufnahme von höchstens 190 Watt ist lobenswert und in dieser Gewichtsklasse überdurchschnittlich effizient.
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Sch**sse! Wenn die Werte stimmen! Verscherbelt schon mal Eure NVs.
Raff dann hast Du was zu testen!
-> AMD Radeon RX 7900 XT(X): Alle bekannten Details zur Hardware und Performance-Prognose
MfG
Raff