Geforce RTX 2080 Super im Test: Die schnellste 8-GiByte-Grafikkarte mit Super-GDDR6 [Update]
Vor zwei Wochen angekündigt und nun im Handel: Mit der Geforce RTX 2080 Super erhält auch das High-End-Segment einen Neuzugang - die "alte" RTX 2080 geht dafür in Frührente. Ob die 739 Euro teure Geforce RTX 2080 Super ein würdiger Nachfolger ist und welche Leistungswerte sie erzielt, erfahren Sie im PCGH-Test.
Aktualisierung vom 24.07.2019: Am Tag nach dem Test bzw. dem Marktstart lohnt sich wie immer ein Blick auf die Verfügbarkeit und den Preis. Der Startpreis von 739 Euro kann auf jeden Fall nach einem Blick in den PCGH-Preisvergleich bestätigt werden. In der entsprechenden "Geforce RTX 2080 S"-Kategorie gibt es ein Angebot mit 731 Euro, ansonsten geht es ab 739 Euro los. Insgesamt gibt es aktuell 31 gelistete Grafikkarten. Neben den nicht so aufwendigen Custom-Designs gibt es aber auch höherwertige Produkte, die von 780 bis 950 Euro reichen. Der GPU-Boost geht dann über die Standardwerte von 1.815 MHz hinaus und nähert sich den 1.900 MHz. Das würde bei linearer Skalierung bis zu 5 Prozent mehr Rohleistung entsprechen. Die allgemeine Verfügbarkeit der neuen Karten mit RTX 2080S ist aktuell noch bescheiden.
Bei den Standard-2080-Karten ohne S, welche langsam auslaufen, gehen die Angebote bei rund 600 Euro los. Angesichts der berechenbaren Mehrleistung durch die Super-Versionen ist die Ersparnis von über 100 Euro durchaus eine Überlegung wert.
Bei der Geforce RTX 2080 Super handelt es sich um die vorerst letzte Auffrischung des Turing-Grafikkarten-Lineups. Das Modell tritt das Erbe der erst im September 2018 gestarteten RTX 2080 an, Letztere wird nicht mehr produziert und verschwindet daher allmählich vom Markt. Bereits am 9. Juli schickte Nvidia die beiden aufgemotzten Turing-Grafikkarten RTX 2060 Super und RTX 2070 Super (PCGH-Test) in den Verkauf, um Antworten auf die Radeon RX 5700 und RX 5700 XT (PCGH-Test) zu haben.
Die RTX 2080 Super bedient als High-End-Grafikkarte eine andere Klientel. Schneller als das alte Pascal-Topmodell Titan Xp soll sie sein, zum Startpreis von 739 Euro (699 US-Dollar). Es handelt sich folglich um eine weitere Grafikkarte, mit der Nvidia ausschließlich gegen sich selbst antritt. AMDs Radeon VII rangiert preislich zwar nur etwas darunter, duelliert sich in Spielen jedoch meist mit der RTX 2070 (Super). Der Druck im High-End-Bereich hält sich folglich in Grenzen. Was die Geforce RTX 2080 Super unter diesen Voraussetzungen zu bieten hat, klären wir im Benchmark-Test der neuen Nvidia-Grafikkarte.
Eine ausführliche Auseinandersetzung zu Turings Technik-Errungenschaften finden Sie in unserem ausführlichen Technik-Dossier. Wir empfehlen Ihnen die Lektüre dieses Artikels, um die Ergebnisse des vorliegenden Artikels richtig zu erfassen.
In diesem Artikel
Geforce RTX 2080 Super im Test: Spezifikationen
Wie alle Geforce-RTX-Grafikkarten ist auch die RTX 2080 Super als "Founders Edition"-Referenzdesign (FE) erhältlich. Nvidias Entscheidung, die ersten Turing-FE-Karten ab Werk mit einer 90-MHz-Übertaktung auszustatten, wurde kontrovers diskutiert - offenbar so Keine Super Founders Edition ist werkseitig übertaktet.
kontrovers, dass die Kalifornier mittlerweile konsequent zurückrudern: Keine Super Founders Edition ist werkseitig übertaktet. Was ihnen bleibt, ist die hochwertige, leistungsfähige Platinen- und Kühlerbestückung. Somit zeichnen die Founders-Editionen der RTX-Super-Karten nicht die absolute Mindestleistung ein, aber Werte, die die Nvidia-Boardpartner mit werkseitig übertakteten Modellen relativ einfach übertreffen können. Der Startpreis beträgt hüben wie drüben offiziell 739 Euro, wobei wir davon ausgehen, dass Einsteigervarianten der RTX 2080 Super in Kürze unter diese Marke fallen und nur die üppig ausgestatteten Modelle um/über 800 Euro rangieren.
Bei der Geforce RTX 2080 Super handelt es sich um die erste Gaming-Grafikkarte, welche mit einem vollständig aktiven TU104-Prozessor ausgestattet wird. Dieser hört auf die GPU-Konfektion TU104-450 (nach wie vor in A1-Revision), bietet je 3.072 FP32- sowie INT32-ALUs sowie eine 256-Bit-Schnittstelle zum Speicher. Die vor 10 Monaten gestartete RTX 2080 muss noch mit einem beschnittenen Chip auskommen, ihr fehlen zwei Shader-Multiprozessoren (2.944 ALUs) - im Gegensatz zu Quadro RTX 5000, der Profi-Beschleuniger wird seit Anbeginn der Turing-Herstellung mit vollaktiven TU104-Chips bestückt. Die zwischenzeitlich gereifte Fertigung mit weniger teildefekten Chips erlaubt Nvidia diesen Schritt. GPUs, die an dieser Hürde scheitern, kommen neuerdings auf der RTX 2070 Super zum Einsatz.
Mit 3.072 der für Spiele maßgeblichen FP32-ALUs stellt die neue Geforce RTX 2080 Super keine Gefahr für die RTX 2080 Ti dar. Letztere verfügt über 4.352 dieser Rechenwerke, aus energetischen Gründen jedoch über einen geringeren Takt. Letzterer fällt bei der RTX 2080 Super höher aus als bei allen anderen RTX-Grafikkarten: 1.650 MHz liegen mindestens an (Basistakt), während der typische GPU-Boost offiziell 1.815 MHz beträgt. Mit der letztgenannten Frequenz stemmt die Grafikkarte bei einfacher Genauigkeit (FP32/SP) mehr als 11 Tera-FLOPS an Rechenleistung und überbietet die (werkseitig übertaktete) RTX 2080 Founders Edition somit um 5,2 Prozent (+4,3 Prozent allein durch die Rechenwerke). Wie bei den vorherigen Super-Refreshes gibt es die Verbesserung nicht umsonst, auch die Leistungsaufnahme steigt, und zwar von 225 auf 250 Watt (+11 Prozent). All das ist im Grunde nichts Neues, hochgezüchtete Varianten der alten RTX 2080 erreichen die Rohleistung und Leistungsaufnahme der RTX 2080 Super.
GDDR6: Over 9000!
Neben dem primär psychologisch wertvollen Punkt des vollen Chips fällt die zweite Änderung gegenüber der RTX 2080 gewichtiger aus. Nvidia bricht bei der RTX 2080 Super erstmals das zuvor eisern durchgezogene Speichertaktschema: Anstelle von GDDR6-Modulen mit 14 Gigatransfers pro Sekunde (~7.000 MHz) kommen hier Chips mit 15,5 GT/s (~7.750 MHz) effektiver Datenrate zum Einsatz. Trotz dieser Änderung knackt die RTX 2080S nicht die Marke von 500 GByte/s (für 512 GByte/s wären 16 GT/s notwendig). Auf die naheliegende Frage, warum man den installierten 16-GT/s-Speicher - in unserem Fall aus dem Hause Samsung - nicht mit voller Geschwindigkeit ansteuere, entgegnet Nvidia, dass dies Stabilitätsgründe habe. Man nutze das originale Platinendesign der RTX 2080 und dieses stemme bis inklusive 7.750 MHz Speichertakt ohne Probleme in Serie. Übertakter können die Datenrate auf eigene Gefahr über 16 GT/s ziehen.
Die uns vorliegende RTX 2080 Super Founders Edition wollte beim Speicher-Overclocking einfach nicht abstürzen.
Da wir Übertakter sind, taten wir dies - und trauten unseren Augen nicht. Die uns vorliegende RTX 2080 Super Founders Edition wollte beim Speicher-Overclocking einfach nicht abstürzen. Als wir die 9-GHz-Marke (18 GT/s) geknackt hatten, zogen wir den Speicher-Kopiertest von AIDA64 zu Rate. Tatsächlich skaliert der Durchsatz munter weiter. Mit 9.400 MHz (19 GT/s) knacken wir die Barriere von 500 GByte/s effektiver Transferrate. Mit 9.900 MHz (19,8 GT/s) wird die Transferrate der Titan RTX (~524 GByte/s) geknackt - gefolgt vom finalen, alles beendenden Absturz. Wir scheitern somit haarscharf an der 10-GHz-Marke (20 GT/s respektive 2.500 MHz intern) und werden in den kommenden Tagen anhand der anwesenden Herstellerdesigns prüfen, inwiefern wir ein "Platinum Sample" (Gold ist hier nicht genug) erhalten haben, oder ob dieses Taktpotenzial die Regel ist.
Doch zurück zum Werkszustand: Das Plus der Speichertransferrate der RTX 2080S gegenüber der RTX 2080 fällt doppelt so groß aus wie das Plus aufseiten der Rechenleistung. Unverändert ist hingegen die Kapazität der Speicherbausteine: 8 × 1 GiByte und somit genauso viel wie bei der RTX 2060S, RTX 2070(S) und RTX 2080 stehen zur Verfügung. Das ist angesichts der bereits erwähnten Quadro RTX 5000 mit 16 GiByte mau, allerdings bedient dieses Modell eine andere Kundschaft. Neben der mit 11 GiByte bestückten Geforce RTX 2080 Ti könnte eine mit 16 GiByte bewehrte RTX 2080 Super außerdem zu falschen Schlüssen führen. Wir gehen davon aus, dass Nvidia erst im Jahr 2020 das grundsätzliche Speicherniveau anheben wird. Inwiefern 8 GiByte im High-End-Bereich einen Hemmschuh darstellen, klären wir sogleich in den Benchmarks. Die komplette Turing-RTX-Aufstellung in einer Tabelle:
| Modell | Titan RTX | Geforce RTX 2080 Ti FE | Geforce RTX 2080 Super | Geforce RTX 2080 FE | Geforce RTX 2070 Super | Geforce RTX 2070 FE | Geforce RTX 2060 Super | Geforce RTX 2060 FE |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Codename/Konfektion | TU102-400 | TU102-300A-Kx | TU104-450 | TU104-400A | TU104-410 | TU106-400A | TU106-410 | TU106-400(A) |
| Chipgröße (reiner Die) | 754 mm² | 754 mm² | 545 mm² | 545 mm² | 545 mm² | 445 mm² | 445 mm² | 445 mm² |
| Transistoren Grafikchip (Mio.) | 18.600 | 18.600 | 13.600 | 13.600 | 13.600 | 10.800 | 10.800 | 10.800 |
| Fertigungsverfahren | 12 nm FFN | 12 nm FFN | 12 nm FFN | 12 nm FFN | 12 nm FFN | 12 nm FFN | 12 nm FFN | 12 nm FFN |
| Graphics Processing Clusters (GPCs) | 6 | 6 | 6 | 6 | 6 oder 5 | 3 | 3 | 3 |
| ALUs/SMs/TMUs/ROPs | 4.608/72/288/96 | 4.352/68/272/88 | 3.072/48/192/64 | 2.944/46/184/64 | 2.560/40/160/64 | 2.304/36/144/64 | 2.176/34/136/64 | 1.920/30/120/48 |
| Dedizierte INT32-ALUs | 4.608 | 4.352 | 3.072 | 2.944 | 2.560 | 2.304 | 2.176 | 1.920 |
| Raytracing-Kerne | 72 | 68 | 48 | 46 | 40 | 36 | 34 | 30 |
| Tensor-Kerne | 576 | 544 | 384 | 368 | 320 | 288 | 272 | 240 |
| Leistung RT-Kerne (GigaRays/s) | ~11 | ~10 | ~8,5 | ~8 | ~7 | ~6,5 | ~6 | ~5 |
| Leistung Tensor-Kerne (TFLOPS) | ~130 | ~114 | ~89 | ~85 | ~72 | ~60 | ~57 | ~52 |
| GPU-Basistakt (MHz) | 1.350 | 1.350 | 1.650 | 1.515 | 1.605 | 1.410 | 1.470 | 1.365 |
| GPU-Boost-Takt in Spielen (MHz) | 1.770 | 1.635 | 1.815 | 1.800 | 1.770 | 1.710 | 1.650 | 1.680 |
| FP32/FP64-Leistung (TFLOPS) | 16,31/0,51 | 14,23/0,45 | 11,15/0,35 | 10,60/0,33 | 9,06/0,28 | 7,88/0,25 | 7,18/0,22 | 6,45/0,20 |
| Größe des Level-2-Cache (KiB) | 6.144 | 5.632 | 4.096 | 4.096 | 4.096 | 4.096 | 4.096 | 3.072 |
| Speicheranbindung (Bit) | 384 | 352 | 256 | 256 | 256 | 256 | 256 | 192 |
| Geschwindigkeit RAM (GT/s) | 14,0 | 14,0 | 15,5 | 14,0 | 14,0 | 14,0 | 14,0 | 14,0 |
| Speichertyp | GDDR6 | GDDR6 | GDDR6 | GDDR6 | GDDR6 | GDDR6 | GDDR6 | GDDR6 |
| Speicherübertragung (GB/s) | 672,0 | 616,0 | 496,1 | 448,0 | 448,0 | 448,0 | 448,0 | 336,0 |
| Speicherkapazität (MiB) | 24.576 | 11.264 | 8.192 | 8.192 | 8.192 | 8.192 | 8.192 | 6.144 |
| PCI-Express-Stromanschlüsse | 2 × 8-polig | 2 × 8-polig | Je 1 × 8-/6-polig | Je 1 × 8-/6-polig | Je 1 × 8-/6-polig | 1 × 8-polig | 1 × 8-polig | 1 × 8-polig |
| Typische Leistungsaufnahme | 280 Watt | 260 Watt | 250 Watt | 225 Watt | 215 Watt | 185 Watt | 175 Watt | 160 Watt |
| Unverbindliche Preisempfehlung | 2.699 Euro | 1.259 Euro | 739 Euro | 849 Euro | 529 Euro | 629 Euro | 419 Euro | 369 Euro |
Leistungsangaben bei typischem GPU-Boost laut AMD/Nvidia und bezogen auf die Referenzkarten respektive Founders Editions. In der Praxis schwankt die GPU-Frequenz und somit auch der Durchsatz.


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