Nvidia Vera: Whitepaper legt Olympus-Architektur und erste SPEC-Werte offen

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Nvidia Vera: Whitepaper legt Olympus-Architektur und erste SPEC-Werte offen
Quelle: Nvidia

Nvidia hat ein Whitepaper zu seiner Server-CPU Vera veröffentlicht und legt damit erstmals die Olympus-Mikroarchitektur sowie eigene SPEC-CPU-2026-Benchmarks gegen AMDs Epyc 9755 offen. Die 88-Kern-CPU startet noch im 2. Halbjahr 2026.

Nvidia hat nach kuratierten Vorab-Tests und vollmundigen Marktprognosen die vollständigen technischen Spezifikationen zu seiner ersten eigenen Server-CPU mit selbstdesignten Prozessorkernen nachgereicht. Der Zeitpunkt dürfte kein Zufall sein, denn AMDs neue Server-Prozessoren der Serie Epyc 9006 ("Venice") auf Basis von Zen 6 ("Morpheus") steht unmittelbar vor der Markteinführung.

Olympus-Architektur: Das steckt in Nvidias Vera-CPU

Vera ist der erste Prozessor des US-Unternehmens, dessen Kerne nicht von ARM zugekauft, sondern intern selbstentwickelt wurden. Während die Vorgängergeneration Nvidia Grace noch auf dem leicht angepassten Standard-Design Neoverse V2 basiert, kommen für Nvidia Vera jetzt 88 Olympus-Kerne mit 176 Threads auf Basis von ARMv9.2-A auf einem ausladenden monolithischen Die zum Einsatz.

Nvidia Vera mit 88 Olympus-Prozessorkernen und 176 Threads auf Basis von ARMv9.2 im Detail. Quelle: Nvidia Nvidia Vera mit 88 Olympus-Prozessorkernen und 176 Threads auf Basis von ARMv9.2 im Detail. Den IPC-Zuwachs gegenüber Grace beziffert Nvidia auf den Faktor 1,5 und positioniert den Chip gezielt für agentische KI-Workloads, bei denen viele Sandboxes parallel laufen, jeder einzelne Agenten-Schritt aber latenzkritisch bleibt.

Nvidia Vera soll Grace um den Faktor 1,5 übertreffen und agentische KI-Workloads adressieren. Quelle: Nvidia Nvidia Vera soll Grace um den Faktor 1,5 übertreffen und agentische KI-Workloads adressieren. Die allgemeine Verfügbarkeit ist für das 2. Halbjahr 2026 vorgesehen, erste Racks gingen bereits an KI-Großkunden. Das Whitepaper samt Architektur-Übersicht stellt Nvidia auf seinem Entwicklerportal bereit und liefert damit erstmalig tiefe Einblicke in die neue Kernarchitektur seines neuesten ARM64-Prozessors.

Nvidia Olympus Core Architektur: Die neuen Prozessorkerne sind auf hohe Effizienz optimiert. Quelle: Nvidia Nvidia Olympus Core Architektur: Die neuen Prozessorkerne sind auf hohe Effizienz optimiert.

SPEC CPU 2026: 925 Punkte mit Fußnoten

Ein System mit zwei Vera-CPUs erreicht im Integer-Paket von SPEC CPU 2026 ("SPECrate") laut Whitepaper 925 Punkte und liegt damit rund 3 Prozent vor einem doppelt bestückten Epyc 9755 ("Turin") mit 898 Punkten.

Bemerkenswert ist der knappe Vorsprung vor allem deshalb, weil Vera mit 352 Threads gegen 512 Threads auf AMD-Seite antritt. Offiziell einreichen darf Nvidia die Resultate bislang nicht: Getestet wurde auf einem Referenzsystem, entsprechend sind die Werte als "estimated" gekennzeichnet. Kompiliert wurde auf beiden Plattformen mit der GCC ("GNU Compiler Collection") in der Version 15.2.

Nvidia Vera vs. AMD Epyc 9005 ('Turin') in den Benchmarks von CPU SPEC 2026. Quelle: Nvidia Nvidia Vera vs. AMD Epyc 9005 ("Turin") in den Benchmarks von CPU SPEC 2026. Die Einzeldiagramme im Whitepaper normalisiert Nvidia derweil auf die Leistung pro Prozessorkern, was die Abstände deutlich größer erscheinen lässt, als sie letztlich im Gesamtergebnis ausfallen. Die Rohwerte des Epyc 9755 nennt der US-Hersteller nicht und auch die Gleitkomma-Resultate fehlen komplett.

Aus einer begleitenden Code-Analyse leitet Nvidia zudem einen IPC-Vorteil von bis zu Faktor 1,9 gegenüber Turin ab. Messen lassen müssen wird sich die Vera-CPU aber dann wohl ohnehin eher an Venice auf Basis der Zen-6-Architektur.

10-fach-Decoder und neuronale Sprungvorhersage

Jeder Olympus-Kern dekodiert bis zu 10 Instruktionen pro Takt und übertrifft damit das 8-fach ausgelegte Frontend von AMDs Zen 5. Gefüttert wird der Decoder von einer laut Nvidia "neuartigen" neuronalen Sprungvorhersage, welche zwei Branches pro Takt ohne Strafzyklen auflösen soll.

Im Backend arbeiten acht einfache und zwei komplexe ALUs, vier Branch-Einheiten sowie ein Vektor-Cluster aus sechs 128-Bit-SVE-Einheiten mit FP8-Unterstützung und zwei Krypto-Einheiten. Statt klassischem SMT nutzt Nvidia "Spatial Multithreading": Beide Threads eines Kerns erhalten fest partitionierte Ressourcen und können so als zwei unabhängige Ausführungsumgebungen agieren.

Ein Graph-Prefetcher beschleunigt überdies zeigerlastige Datenstrukturen; im PageRank-Algorithmus hält Vera seine Pro-Kern-Leistung bis 32 Kerne weitgehend stabil, während Turin laut Nvidia ab rund 20 Kernen einbricht.

SOCAMM2-Speicher, Mesh-Fabric und Eckdaten

Bis zu 1,5 TiB LPDDR5X auf acht SOCAMM2-Modulen liefern der Vera-CPU eine aggregierte Speicherbandbreite von 1,2 TB/s bei maximal 9.600 MT/s. Pro Kern bleiben davon 14 GiB/s übrig, doppelt so viel wie bei Grace.

Nvidia Vera in der Dual-Sockel-Konfiguration kommuniziert über C2C mit 1,8 TB/s. Quelle: Nvidia Nvidia Vera in der Dual-Sockel-Konfiguration kommuniziert über C2C mit 1,8 TB/s. Das voll bestückte Speichersubsystem soll sich dabei mit 30 bis 40 Watt begnügen. Den Verzicht auf Chiplets kompensiert die zweite Generation der Scalable Coherency Fabric: Ein Mesh mit 3,4 TB/s verteilt die 164 MiB L3-Cache über den gesamten Die, hinzu kommen 2 MiB L2 pro Kern und damit in Summe sogar mehr L2 als L3.

Nvidia Vera: Das Nvdiai Fabric and Memory Subsystem im Detail. Quelle: Nvidia Nvidia Vera: Das Nvdiai Fabric and Memory Subsystem im Detail. Die Kern-zu-Kern-Latenzen bleiben so über den kompletten Chip konstant, wo die Chiplet-Designs beim CCD-Wechsel spürbar Federn lassen. Abgerundet werden die Eckdaten von 88 PCIe-6.4-Lanes samt CXL 3.1, einer konfigurierbaren cTDP von 250 bis 450 Watt und Confidential Computing Architecture für Multi-Tenant-Umgebungen.

Einordnung: Duell mit Venice steht unmittelbar bevor

Unabhängige Messungen der Vera-CPU stehen weiterhin aus, bislang existieren ausschließlich von Nvidia kuratierte Resultate. Der Hersteller zielt ohnehin deutlich weniger auf bestehende Cloud-Workloads als auf den weiterhin stark wachsenden Markt für agentische KI: Nvidias Ian Buck räumte zuletzt ein, das Design gehe "zulasten der Legacy-Workloads".

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AMD hält mit Hochrechnungen dagegen, wonach ein Venice-Rack die 3,3-fache Leistung eines Vera-Racks erreichen soll, gemessen wurde dabei allerdings ebenfalls nichts. Wie Nvidia die CPU im Rack skaliert, hatte der Hersteller bereits zur GTC 2026 demonstriert. AMD wird Epyc 9006 ("Venice") ebenfalls zeitnah im Detail vorstellen.

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