Radeon Software Adrenalin 2020 Edition im Test: Höhere Leistung, neue Funktionen, neuer Look, alter Name
Alle Jahre wieder ... beschenkt AMD seine Grafikkartenkäufer mit einem großen Treiber-Update. Mit der Radeon Software Adrenalin 2020 Edition geht die Mission "Software makes the difference" ins nunmehr sechste Jahr. Was der Weihnachtstreiber RSA 2020 Edition im Detail beinhaltet, haben wir anhand der Version 19.12.2 für Sie geprüft. Dieser Treiber steht ab dem 10. Dezember jedem Radeon-Nutzer zur Verfügung.
Auf dieser Seite
Wenn die Tage am kürzesten und kühlsten sind, verbringen wir die meiste Zeit drinnen. Zocker sind dann gewöhnlich vor einem Bildschirm zu finden, wo sie ihrem liebsten Hobby nachgehen. Das weiß auch AMDs Grafiksparte, mit einer passenden Geste: Wie in den Vorjahren beglücken die Radeon-Macher ihre Nutzer auch 2019 mit einem sowohl hübschen als auch praktischen Geschenk. Die Radeon Software Adrenalin 2020 Edition bringt allen Radeon-Besitzern neue Funktionen, steigert die Bildraten und punktet darüber hinaus mit Bedienkomfort. Wie immer hält dabei Nutzer-Feedback Einzug, das AMD übers Jahr mithilfe von Umfragen sammelt. Was es bei der RSA 2020 alles Neues gibt, erfahren Sie in diesem Artikel. Den Anfang macht eine Übersicht des aktuellen Treibers 19.12.2:
Adrenalin: Der neue, alte Rot-Ton
Treue Leser erinnern sich: Ursprünglich wollte AMD jedem großen Treiber-Update einen neuen Anstrich verpassen - im wörtlichen Sinn. Getreu der originalen Radeon-Markenfarbe kommt Rot niemals aus der Mode. Folgerichtig, so der ursprüngliche, einst von Raja Koduri ersonnene Plan, sollte jede Jahreskollektion nach einem neuen Rot-Ton benannt werden. Alles begann mit dem wilden Crimson, welcher aufgrund seiner Beliebtheit im Jahr 2016 in die Verlängerung ging (Crimson Relive). 2017 folgte schließlich Adrenalin (ohne e!) benannt nach einer Rose. Diese Rose kam, um zu bleiben. AMD führt das zahlreiche Kunden-Feedback an, wonach "Adrenalin" ein markanter Name sei, der bereits eine gewisse Reputation und sich daher für eine längerfristige Rolle qualifiziert habe. So kommt es, dass auch die Radeon Software 2020 über diesen Namen verfügt. Unter der Haube hat sich ungleich mehr getan.
Quelle: AMD
AMDRadeon Software Adrenalin 2020 Edition in der Übersicht
Radeon Software App beerbt Radeon Settings
Erst 2015 präsentierte AMD sein runderneutes Treiber-Panel und Nachfolger des Catalyst Control Centers: die Radeon Settings. Von Grund auf neu mittels der Programmbibliothek Qt ("cute") entwickelt, ressourcenschonend und optisch ansprechend sollte die neue Oberfläche sein - und das hat funktioniert. Mit der Radeon Software Adrenalin 2020 Edition schickt AMD die noch recht junge Aufmachung überraschend in Frührente und präsentiert stolz die ebenfalls Qt-basierte Radeon Software App. "App", kurz für Applikation, so werden seit Apples Vorstoß und Microsofts Nachziehen unzählige Programme bezeichnet. Dennoch handelt es sich nicht um eine Microsoft-Store-Anwendung, sondern um ein klassisches Programm, das während des normalen Treiber-Setups installiert wird.
Der Zugang zur Radeon Software App erfolgt wie gehabt mittels Rechtsklick auf den Windows-Desktop. Anschließend erblickt der Nutzer die grundlegend überarbeitete Oberfläche, welche zahlreiche mehr oder minder subtile Neuerungen bietet. Sie alle aufzuzählen, würde das Textfeld sprengen, sodass wir an die Bilder verweisen. Besonders erwähnenswert ist, dass - und darauf ist AMD besonders stolz - sich die dargestellten Inhalte dem Nutzungsverhalten anpassen. Befinden Sie sich beispielsweise auf dem Windows-Desktop, erhalten Sie unter anderem Informationen über Ihre zuletzt gespielten Titel, die Spielzeit und außerdem die durchschnittlich dabei erzielte Bildrate. Außerdem können Sie alle bei der Treiberinstallation erkannten Spiele direkt aus der Radeon App starten. AMD liefert somit einen zentralen Hub für alle Spiele, egal welchen Launchers. Nur GoG-Spiele mussten während des PCGH-Zeitraums manuell hinzugefügt werden.
Das gesamte UI kann, ebenso wie die Performance Metrics zur Darstellung von Bildrate, Auslastung & Co. in Spielen angezeigt werden. Die Tastenkombination dafür lautet Alt+R. Tun Sie dies während des Spielens, werden standardmäßig andere Dinge angezeigt als auf dem Windows-Desktop, beispielsweise Bildraten und Temperaturen. Ob sich das ständige Protokollieren im Hintergrund auf die Leistung auswirkt, verriet AMD nicht, da man aber nach wie vor Benchmarks gewinnen will, ist dies jedoch unwahrscheinlich. Zwei Dinge sind dabei wichtig: Erstens lassen sich alle Overlays auf Wunsch abschalten, zweitens findet keine automatische Übertragung der Daten an AMD statt (der Nutzer muss hier explizit "joinen").
Neues Setup, neue Optionen
Die Neuerungen beginnen bereits weit früher, nach dem Doppelklick auf das heruntergeladene Treiberpaket. Nutzer erblicken ein runderneuertes Setup, das um sinnvolle Optionen erweitert wurde. Sie möchten, dass vor der Installation alle alten "Treiberleichen" (etwa Registrierungsschlüssel und Cache-Daten) entfernt werden? Sie möchten das, aber trotzdem Ihre abgespeicherten Einstellungen weiternutzen? Beides ist möglich.
Kurz nach der nun etwas flotter vonstattengehenden Installation (inklusive wankelmütiger Restzeitangabe) poppt eine weitere Neuerung auf, die User Profiles. Dahinter verbirgt sich die Idee, die Treiber-Voreinstellungen nicht mehr nur generisch vorzunehmen, sondern dem Nutzerverhalten entsprechend. Den Anfang machen die Profile "Gamer", "eSports" und "Standard". Letzteres entspricht dem früheren Auslieferungszustand, welcher weitgehend neutral gesonnen ist. Wählen Sie stattdessen eines der anderen Profile, hat das Auswirkungen auf die standardmäßig/global aktiven Funktionen des Treibers. Da wäre Anti-Lag, die Waffe gegen Eingabelatenz, welches wie auch das Radeon Image Sharpening bei beiden Profilen aktiviert wird, während Enhanced Sync gegen Bildrisse nur bei "Gaming" Verwendung findet.
Quelle: AMD
User Profiles: Übersicht der aktivierten Funktionen
Doch keine Sorge, die Wahl des Profils ist nicht endgültig, nach wie vor können alle Optionen entweder global oder pro Spiel eingestellt werden. Wer sich nicht entscheiden kann oder schlicht alle Optionen auf Neutralstellung haben möchte, wählt im Profilmenü einfach "Skip This" (Überspringen). Während unserer Tests zeigte sich, dass dieser Schritt wichtig ist, um zuverlässig Einfluss auf die Optionen zu nehmen. Änderungen bei aktivem "Standard"-Profil führten nicht selten dazu, dass beispielsweise aktiviertes AF nicht gespeichert/angewendet wurde! Nur "Skip This" funktionierte perfekt.
Neue Funktionen
Vor einigen Jahren akquirierte AMD die Firma HiAlgo, mit dem Ziel, deren vielversprechende Algorithmen in den Radeon-Treiber zu implementieren. Den Anfang machte Radeon Chill, eine Art intelligenter Framelimiter. Anstelle die Bildrate starr auf einen Wert zu begrenzen, erkennt Chill die Eingaben des Spielers und passt die Bildrate entsprechend an. Ein Beispiel: Szenen, die keine (schnelle) Interaktion erfordern, beispielsweise der Aufenthalt im Inventar oder sonstigen Menü, werden auf 60 Fps begrenzt. Navigiert der Spieler wieder durch die Spielwelt und nimmt Gegner aufs Korn, darf die Bildrate wieder bis auf 120 Fps hochschnellen. Somit wird das Beste beider Welten erzielt: Hohe Bildraten, wenn es darauf ankommt, und sparsamer Betrieb in Ruhephasen. Seit der Implementierung von Chill ist das Verfahren sichtlich gereift und ist gerade bei Notebooks Gold wert, um die Laufzeit zu verlängern.
Radeon Boost
Mit der Radeon Software Adrenalin 2020 hält nun der "böse Zwilling", wie AMDs Software-Chef Terry Makedon die Funktion augenzwinkernd nennt, Einzug in den Treiber. Radeon Boost, so der Name des Zwillings, basiert ebenfalls auf HiAlgo-Technologie und beherzigt bei seiner Arbeit den Input des Spielers, hat jedoch ein anderes Ziel: höhere Bildraten. Diese wünscht sich jeder, doch der Weg dorthin ist steinig. Selbstverständlich kann auch Radeon Boost die Grafikkarte nicht von Zauberhand schneller machen, wohl aber intelligente Sparmaßnahmen aktivieren: Radeon Boost nimmt keinerlei Overclocking vor, sondern reduziert dynamisch die Auflösung. Wie das im Detail funktioniert, haben wir uns in einem dedizierten Artikel nebst Video angesehen: Radeon Software 2020: Radeon Boost bringt bis zu 130 Prozent mehr Fps.
Quelle: AMD
Radeon Software Adrenalin 2020 Edition im Test: Neue Funktionen, neuer Look, alter Name (25)
Image Sharpening, Integer Scaling und mehr
Damit nicht genug, die Radeon Software 19.12.2 (und neuer) bringt weitere Verbesserungen. Da wäre das im Sommer mit Navi eingeführte Radeon Image Sharpening (RIS), welches zwischendurch für Polaris- und Vega-basierte Grafikkarten freigeschaltet wurde. RIS hatte noch zwei Haken: Es funktionierte weder bei der weitverbreiteten DirectX-11-API, noch ließ sich die Schärfe abseits von "an" und "aus" beeinflussen. Die Radeon Software Adrenalin 2020 räumt mit diesen Missständen auf, nun können auch DX11-Spiele wie The Witcher 3, Dirt Rally 2.0, Trine 4, Supraland, Star Wars Jedi: Fallen und Tausende mehr aufgehübscht werden. Außerdem lässt sich mittels Schieberegler die Intensität der Bearbeitung anpassen; Standard sind 80 Prozent. Das funktioniert nun auch on-the-fly während des Spielens. Randnotiz: Was die Nachschärfung angeht, haben sich AMD und Nvidia in den vergangenen Wochen ein interessantes Wettrüsten geliefert, seitdem AMD die Funktion implementierte.
Quelle: AMD
Radeon Software Adrenalin 2020 Edition im Test: Neue Funktionen, neuer Look, alter Name (19)
Integer Scaling wurde hingegen zuerst von Nvidia für seine Turing-GPUs implementiert. Dabei handelt es sich um eine Funktion für ältere 2D-Spiele mit geringer Auflösung. Wird ein solcher Titel konventionell auf moderne Pixelmengen hochskaliert (Upscaling), entsteht durch die gleichzeitig vollzogene Interpolation der Farbwerte der Eindruck eines weichen Gemäldes. Integer Scaling hat sich hingegen der unverfälschten, knackigen Wiedergabe von 2D-Klassikern verschrieben. Aus einzelnen Pixeln werden vier Pixel (2×2er-Blöcke) ohne Farbvermischung, sodass die Schärfe erhalten bleibt. AMD gibt auf Nachfrage zu Protokoll, dass man überrascht gewesen sei, dass diese Funktion die meistgewünschte bei der neuesten Umfrage gewesen sei. Doch Kunde ist König und so fand diese recht simple, aber effektive Funktion den Weg in den Treiber.
Damit nicht genug, es gibt weitere Neuerungen. Anti-Lag funktioniert nun unter DirectX 9 auf Polaris- und Vega-GPUs und kann global eingeschaltet werden. Die Untermenüs für Streaming und Tuning (ehemals Wattman) wurden erweitert. Außerdem beinhaltet die Radeon Software App neuerdings einen Chromium-basierten Web-Browser, welcher sich auch als Overlay in Spielen aufrufen lässt - etwa zur Recherche/Spielhilfe, so AMD.
Höhere Leistung
Noch vor einigen Jahren wurde der Grafiktreiber vor allem als "Enabler" im Sinne der Grafikleistung verstanden. In Zeiten der Lower-Level-Schnittstellen, bei denen die Kontrolle mehr und mehr den Applikationen obliegt, schrumpft der Einfluss des Treibers. Dennoch lassen sich hier und da Fps-Gewinne erzielen, vor allem in Zusammenarbeit mit dem Spiele-Entwickler. Für die Radeon Software 19.12.2 spricht AMD von einem durchschnittlich 12-prozentigen Leistungsgewinn gegenüber dem Vorjahr. Besonders spannend und gerade einmal fünf Monate am Markt ist die RDNA-Architektur in Form der Radeon RX 5700 (XT). PCGH-Messungen im Rahmen von Nachtests haben ergeben, dass der neue Adrenalin-Treiber hier teils fühlbare Zugewinne gegenüber dem Navi-Launch-Treiber 19.7.1 erzielt. Das ist angesichts der umgebauten, anfangs noch nicht vollständig erschlossenen Mikroarchitektur naheliegend.
Die folgenden Benchmarks zeigen beispielhaft, was sich seit dem Sommer auf Navi getan hat. Beachten Sie bitte, dass die Werte der Radeon Software 19.7.1 aus dem Juli dieses Jahres stammen, während wir die Daten der Radeon Software 19.12.2 frisch ermittelt haben. Neben Full HD haben wir auch WQHD gemessen.
Radeon Software Adrenalin 2020: Fazit
Mit der RSA 2020 liefert AMD erneut ein großartiges Treiber-Upgrade, das keine Wünsche offen lässt. Die renovierte Oberfläche funktioniert nach kurzer Eingewöhnungszeit prächtig, wenngleich Neulinge - etwa beim Wechsel von Geforce auf Radeon - zunächst viel klicken müssen, um sich zurechtzufinden. Doch das lohnt sich, der Radeon-Treiber bietet alles, was das Herz begehrt. Egal ob grundlegende Optionen, Aufnahmen von Bildern oder Videos, Tuning et cetera: Im Grunde wird keine Zusatz-Software mehr benötigt. Hinzu kommen Optionen, die es sonst nirgends gibt: Chill senkt intelligent die Leistungsaufnahme, Boost hebt die Bildrate. Beide Features sind mindestens einen Test wert.
Das PCGH-Fazit mit der Radeon Software Adrenalin 2020 in Version 19.12.2 fällt genauso aus wie in den Jahren zuvor: Worauf warten Sie noch? Installieren Sie das Update! Geforce-Nutzer schielen zu Recht auf den Funktionsumfang, der einfach Freude bereitet. Doch auch bei den Kaliforniern ist Bewegung zu erkennen, die Geforce-Macher reagierten zuletzt immer häufiger mit eigenen Funktions-Updates. Wir sind schon gespannt, was das neue Jahr aufseiten der Software bringen wird.
Bildergalerie
[PLUS] Grafikkarten-Treiber als Kauf-Features? Anti-Lag, Radeon Image Sharpening und Nvidia Freestyle geprüft
PCGH Plus: Es gibt derzeit nicht nur viel Bewegung auf dem Hardware-Markt; neue und spannende Treiberfunktionen von AMD und Nvidia erhalten Einzug in den Grafiktreiber. Wir verschaffen uns den Überblick. Der Artikel stammt aus PC Games Hardware 11/2019.
mehr ...

Die neuen Treiber Version 19.12.2 Adrenalin 2020 machen mit aktivierter Kernisolierung unter Windows 10 Probleme und lassen sich nicht zum Betrieb überreden. Nur mit deaktivierter Kernisolierung laufen sie (dafür bisher ohne Fehler).
Registry-Pfad zur Deaktivierung (Befehl regedit):
"HKEY_LOCAL_MACHINE \ SYSTEM \ CurrentControlSet \ Control \ DeviceGuard \ Scenarios \ HypervisorEnforcedCodeIntegrity", dort dann "Enabled" auf 0 setzen.
Ich verstehe nicht wie AMD solch gute Software raus bringen kann...
Normalerweise müsste es doch umgekehrt sein, wenn man sich mal die Kräfteverhältnisse (Kohle) zwischen AMD vs Nvidia anschaut.
Seitdem ich weg bin von AMD lassen sich die fehlenden Software-Features in kaum missen.
Gut - Intel hat das Extreme Tuning Utility (XTU), super Software eigentlich, reich an Funktionen, auch im schicken Design, besonders das neue Graphics Control Center (IGCC) gefällt optisch und lässt an Funktionen kaum etwas vermissen, vielleicht etwas mehr Spiele-Kompatibilität.
NVIDIA versteckt die erweiterten Features fernab des Control Panels und dieses ist von der Optik her längst nicht mehr zeitgemäß und beansprucht zu viele Ressourcen zur Ausführung, wenngleich die wesentlichen Features vorhanden sind, mehr noch wie AMD sie bietet, aber auch viel nutzloser Schnickschnack darunter.
Jo die Shortcuts hab ich gelöscht. Mag den Treiber trotzdem nicht. Der Gothic Remake Teaser läuft damit nicht
Dabei hab ich ihn nur für dieses Ding installiert weil die Bildqualität merkwürdig war.