Beta-Erfahrungen zum Xbox Game Streaming: Mobil Konsolenspiele zocken oder doch mehr?
Seit Mai 2020 läuft in Deutschland die geschlossene Beta zum Cloud Gaming Dienst Project xCloud. Was kann der Konkurrent zu Googles Stadia?
Im November 2019 erblickte mit Google Stadia ein neuer Dienst das Licht der Monitore, der mit vielen Vorschusslorbeeren ins Rennen geschickt wurde. Es geht ums Thema Streaming von Videospielen, wobei man selbst die Spiele steuern kann. In diesem Jahr hat mit Microsoft ein vergleichsweise alteingesessenes Unternehmen den Ring betreten und das Project xCloud als Beta an den Start gebracht. Hier erfahren Sie die Erfahrungen aus dem Closed-Beta-Test von Microsoft Game Streaming Dienst.
Auf dieser Seite
- 1 Xbox Game Streaming: Grundvoraussetzungen zum Start
- 2 Xbox Game Streaming: Bildqualität nur für kleine Bildschirme
- 3 Xbox Game Streaming: Konkurrenzvergleich mit Google Stadia
- 4 Xbox Game Streaming: Bestandteil vom Xbox Game Pass Ultimate
- 5 Xbox Game Streaming: Die Controllerfrage
- 6 Xbox Game Streaming und Razer Kishi
- 7 Xbox Game Streaming: Eindrücke aus der Closed Beta
Xbox Game Streaming: Grundvoraussetzungen zum Start
Seit Mai 2020 sind ein paar Redakteure der PCGH als Beta-Tester für xCloud aktiv. Mein Kollege Alexandros Bikoulis konnte bereits in London zum ersten Mal xCloud antesten, ehe es dann seit Mai 2020 in Deutschland für ausgewählte Teilnehmer zum Testen bereitsteht. Bis zum 11. September läuft noch diese Closed Beta mit der Vorschau-App Xbox Game Streaming. Nun hat der Konzern bekanntgegeben, dass am 15. September der Startschuss für den Cloud Gaming Dienst erfolgt. Um Zugriff darauf zu erhalten, braucht man ein gültiges Abonnement des Game Pass Ultimate. In diesem Spiele-Abo ist der Zugang zu Xbox-Spielen für PC-Spieler, Xbox-Konsolenspieler und für Spieler des Streaming-Dienstes xCloud enthalten.
Grundvoraussetzung ist ein Smartphone oder Tablet mit Android ab Version 6.0 oder höher. Zudem muss ein Controller mit dem mobilen Endgerät verbunden sein. Man kann dabei den Controller wahlweise via Bluetooth oder kabelgebunden anschließen. Während der Beta ist die App Xbox Game Streaming (Preview) notwendig, um dann auf Xbox-Spiele zugreifen zu können. Die Einrichtung gestaltet sich einfach: Nach der Auswahl eines Spieletitels wird direkt im Ladebildschirm darauf hingewiesen, dass man nicht vergessen soll, seinen Controller mit diesem Gerät zu verbinden. Xbox Game Streaming lässt sich sowohl im WLAN als auch mittels LTE- oder 5G-Mobilfunkverbindung benutzen.
Xbox Game Streaming: Bildqualität nur für kleine Bildschirme
Wenn das Spiel fertig geladen ist, kann's losgehen und man hält nun ein Xbox-Spiel auf seinem Smartphone in den Händen. Während der Testphase kam es in den ersten Monaten noch häufiger mal zu starken Rucklern, die das Spielen beeinträchtigt haben. Allerdings hat Microsoft im Hintergrund immer wieder an der Performance geschraubt, sodass nun im August die Ruckler quasi nicht mehr zu vernehmen sind und sich schlimmstenfalls auf dem Niveau einer stationären Konsolenversion befinden. Gestreamt werden Xbox-Spiele grundsätzlich in 720p mit 60 Fps. Im Xbox Developer Kit gibt es die Entwicklerschnittstelle isStreaming-API, die eine automatische Anpassung etwa der Schriftgrößen und der dargestellten Auflösung sowie Grafikdetails vornimmt, wenn ein Xbox-Spiel gestreamt wird.
Klar ist aber auch, dass die Bildqualität nicht mit einer stationär auf einer Xbox-Konsole laufenden Version des Spiels mithalten kann. Man sollte lieber nicht zu genau hinsehen, denn es gibt immer wieder Artefakte und eine verwaschene Darstellung, vor allem von Objekten, die weiter entfernt sind. Auch Pop-Ups sind immer mal wieder vernehmbar. Im Test war die Anzahl der vernehmbaren Artefakte abhängig von der Signalstärke der Internetverbindung. Wer Microsoft xCloud über die Mobilfunkverbindung via 4G-LTE nutzt, sieht - in der Regel - häufiger kleinere Artefakte, als beim Game Streaming im WLAN-Netz. Hier wird verständlich, wieso Microsoft Project xCloud für mobile Endgeräte mit relativ kleinem Bildschirm entwickelt. Auf einem Bildschirm mit weniger als sieben Zoll ist es akzeptabel, wenn weiter entfernte Gegenstände schwächer texturiert sind und es gelegentlich am Rand des Spielbildschirms zu Artefakten kommt. Auf einem größeren Monitor hingegen würden derartig niedrige Details deutlicher wahrnehmbar.
Insgesamt läuft das Xbox Game Streaming aber schon erstaunlich gut und es macht Spaß, mal schnell ein Rennen in der Karriere bei Forza zu fahren oder Ähnliches und sich so die Wartezeit beim Arzt, auf die Bahn etc. vertreiben zu können. Für den mobilen Einsatz stören die im Vergleich zur Konsolenversion geringere Auflösung sowie die verwaschene Darstellung nicht so sehr, da man in aller Regel nur eine verhältnismäßig kurze Zeit ein Spiel am Smartphone spielt und das Display sowieso kleiner ausfällt. Natürlich ist dies ein rein subjektiver Eindruck. Microsoft selbst hat etwa aufstrebende Regionen wie Indien im Hinterkopf, da dort mehrere Faktoren zusammenkommen, die dazu führen, dass dies ein "Mobile First Market" ist, auf dem Smartphones und Tablets eine sehr viel höhere Relevanz besitzen als etwa im europäischen oder nordamerikanischen Raum. Wer Microsoft Xbox Game Streaming via LTE-Mobilfunk verwendet, verbraucht beispielsweise für eine Sitzung über rund 10 Minuten gut 350 MB an Daten. Im Gegensatz zu Google Stadia soll man xCloud auch gar nicht auf einem TV nutzen und davon abgesehen, geht es aktuell auch gar nicht.
Xbox Game Streaming: Konkurrenzvergleich mit Google Stadia
Im Vergleich zu Google Stadia, das wir ebenfalls testen konnten, fällt auf, dass Project xCloud schon in der Phase der Closed Beta gut läuft und vor allem gelingt die Ersteinrichtung wesentlich einfacher. Bei Google Stadia muss beachtet werden, dass dieser Cloud Gaming Service auch am TV funktioniert, jedoch nur mit einem Google Chromecast Ultra. Alternativ kann der Google-Dienst via Chrome am PC verwendet werden oder über die Stadia-App auf einem mobilen Android-Gerät.
Einigkeit herrscht hingegen beim Support von Apple-Geräten. Weder auf einem iPhone 11 noch auf einem iPad oder Apple TV können Cloud Gaming Services genutzt werden, da die notwendigen Apps die Apple App Store Bestimmungen verletzen. Apple sieht nämlich in Apps für Google Stada, Microsoft xCloud, Nvidia Geforce Now, Steam Link und Co. sogenannte Remote Desktop Clients, die ausschließlich im WLAN und nicht im Mobilfunknetz genutzt werden dürfen und die zudem keine In-App-Käufe enthalten dürfen. Ergänzend sagt Apple, dass man jedes einzelne Spiel extra überprüfen müsste. Bei allen In-App-Käufen oder kostenpflichtigen Apps muss jeder Entwickler eine Provision in Höhe von 30 Prozent an Apple bezahlen, jeglicher Versuch, dies zu umgehen wird von Apple geahndet.
Google Stadia kommt ebenfalls mit einer verwaschenen Darstellung daher, die jedoch besonders auffällt, je größer der genutzte Bildschirm ist. Stadia ermöglicht bis zu UHD, braucht dann jedoch mehrere Gigabyte an Daten pro Stunde. Zudem trickst Google bei dieser Angabe, da die meisten Spiele nur hochgerechnet werden vom Chromecast Ultra oder dem PC auf UHD und gar nicht mit dieser Auflösung auf den Servern laufen. Mit einer stationären Konsole wie einer Xbox One X oder Playstation 4 Pro kann die Bildqualität von Google Stadia nicht mithalten. Im mobilen Einsatz hingegen funktioniert auch Stadia ordentlich, allerdings auch mit eingeschränkter Auflösung und nicht in UHD. Auffällig ist, dass manches Spiel bei Stadia zu starken Rucklern neigt, während es bei Microsofts Xbox Game Streaming vergleichsweise flüssig läuft.
Xbox Game Streaming: Bestandteil vom Xbox Game Pass Ultimate
Wenn am 15. September der Startschuss in 22 Ländern für Microsofts xCloud fällt, dann benötigt man nur ein kostenpflichtiges Abonnement des Game Pass Ultimate: Alle enthaltenen 100 Xbox-Spiele lassen sich dann auf das Android-Gerät streamen. Die Nutzung von xCloud erfolgt ohne weitere Kosten für aktive Mitglieder des Xbox Game Pass Ultimate und erfordert die kostenfreie App Xbox Game Pass. Zudem ist es möglich mittels Cross-Progression genau mit dem Spielstand mobil auf dem Smartphone weiterzuspielen, mit dem man ein Xbox-Spiel etwa am PC begonnen hat.
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Bei Google Stadia gibt es auch ein kostenpflichtiges Abonnement namens Stadia Pro für rund 10 Euro monatlich. Hierbei erhält man aber immer nur auf eine Handvoll von Google ausgewählter Spiele Zugriff, ähnlich wie es etwa bei Xbox Live Gold oder PS Plus der Fall ist. Alle anderen Spiele muss man kostenpflichtig im Stadia Store kaufen. Das ist ein etabliertes Geschäftsmodell in der Spiele-Branche, allerdings in Verbindung mit einem Streaming-Dienst nicht unumstritten. Schließlich erhält man bei Google Stadia immer nur ein Nutzungsrecht, wenn Google Stadia beendet oder die Publisher das Spiel nicht mehr im Stadia Store anbietet, kann man den betreffenden Titel nicht mehr spielen und erhält kein Geld zurück. Hier erscheint das kostenpflichtige Spiele-Abo-Modell - wie es Microsoft bei Project xCloud mit dem Game Pass praktiziert - eine faire Alternative zu sein, da von Anfang an klar ist, dass man kein Spiel besitzt.
Xbox Game Streaming: Die Controllerfrage
Ein Problem, welches sowohl Xbox xCloud, als auch Google Stadia umtreibt, ist die Notwendigkeit eines physischen Controllers. Zuhause ist das Ganze kein Hinderungsgrund, denn da hat man mal schnell einen Controller griffbereit. Sobald man jedoch mit seinem Smartphone unterwegs ist, sieht das Sache anders aus. Man muss immer einen Controller bei sich haben, sonst kann man weder mit xCloud, noch mit Google Stadia Spiele spielen. Ein normales Gamepad passt da nicht so recht in die Hosentaschen, also braucht es andere Lösungen. Theoretisch könnten auch Buttons virtuell auf dem Bildschirm eingeblendet werden, doch so etwas gibt es bisher nur bei wenigen Titeln für xCloud - etwa Hellblade. Bei Google Stadia sucht man Touchbuttons gar vergeblich.
Quelle: Razer
Quelle: Microsoft
Einige Zubehörhersteller haben daher Clips für Controller entwickelt, sodass man einen vorhandenen Controller benutzen kann und darauf sein Smartphone anbringt. Ein paar Hersteller gehen einen anderen Weg und bieten auch klappbare Controller an. Ein Beispiel hierfür ist das Razer Kishi. Hierbei erhält der Nutzer einen zusammenklappbaren Controller, der etwas an eine Nintendo Switch erinnert. Zwischen die beiden Hälften wird das Smartphone eingespannt. Im Test sitzt das Samsung Galaxy S10e fest. Die beiden Controllerhälften lassen sich maximal bis zu 163,7 Millimetern auseinanderziehen. Die Tiefe eines Smartphones sollte zwischen 68,8 und 78,1 Millimetern betragen, um in den Razer Kishi zu passen. Die Höhe eines Smartphones muss zwischen 7 und 8,8 Millimetern betragen. Das genügt für die meisten aktuellen Smartphone-Modelle, wie etwa für das Samsung Galaxy S20 oder S10 Plus. Nur manche Phablets, wie das Samsung Galaxy A70 mit 6,7 Zoll Display sind mit 164,3 Millimetern zu groß für den Razer Kishi. Es empfiehlt sich ein Telefon nur dann ein zu klipsen, wenn man entweder nur eine dünne Schutzhülle verwendet oder ganz darauf verzichtet. Wer hingegen eine Art Bookcover oder ein Rugged-Cover benutzt, kann sein Telefon eventuell nicht einhängen, da es zu dick sein könnte.
Xbox Game Streaming und Razer Kishi
Im Gegensatz zu einem Controllerclip findet beim Razer Kishi die Verbindung zwischen Smartphone und Controller über den USB-C-Anschluss statt. Eine LED direkt am Kishi leuchtet blau auf, wenn die Verbindung steht. Wer möchte, kann sogar sein Smartphone während dem Betrieb mit dem Razer Kishi aufladen, da der Controller den USB-C-Port durchschleift und es so ermöglicht, etwa eine Powerbank oder ein Netzteil anzuschließen, während das Smartphone eingebaut ist.
Interessant sind auch die eingebauten Öffnungen für Lautsprecher im Controller. Die Konstruktion zum Aufklappen über zwei Hebel an der Rückseite wirkt fragil, funktioniert aber seit Monaten einwandfrei.
Quelle: PCGH
Quelle: PCGH
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Quelle: PCGH
Quelle: PCGH
Quelle: PCGH
Quelle: Razer
Quelle: Razer
Die Buttons und die Analogsticks lassen sich präzise drücken und liefern eine gute Rückmeldung. Auch die Trigger besitzen einen großen Aktionsradius und können so weit eingedrückt werden, etwa um das Beschleunigungspedal bei Rennspielen simulieren zu können. Auf Force Feedback wird jedoch leider verzichtet. Zusammengeklappt passt der Razer Kishi in die Hosentasche und kann so einfach transportiert werden. Der Razer Kishi kostet knapp 110 Euro.
Xbox Game Streaming: Eindrücke aus der Closed Beta
Von Mai bis in den August 2020 hat sich bei Microsofts xCloud eine Menge getan. Gerade anfangs waren immer mal wieder heftige Ruckler zu beklagen, die es nun fast gar nicht mehr gibt. Erhalten bleiben dagegen gelegentliche Artefakte und eine verwaschene Darstellung im Vergleich zum gleichen Spiel auf einer Xbox One X. Microsoft legt sowieso den Fokus beim Game Streaming auf Smartphones und Tablets. Vor allem bei Nutzung des Xbox Game Streamings über LTE-Mobilfunk fallen Artefakte und eine unscharfe Darstellung häufig auf, dies ist aber abhängig von der Signalqualität. Im WLAN dagegen gibt's selten mal Bildfehler zu sehen. Auf einem verhältnismäßig kleinen Bildschirm wie einem Smartphone mit um die 6 Zoll, fallen derartige Bildfehler weit weniger störend auf, als auf einem großen TV mit 50 Zoll.
Xbox Game Streaming wird ab dem 15. September als Teil des Xbox Game Pass Ultimate starten und kann dann von Nutzern eines Android-Smartphones oder -Tablets über die App Game Pass benutzt werden. Für die meisten Spiele zwingend notwendig ist aber ein Controller, der mit dem mobilen Endgerät verbunden ist. Hier bieten sich vor allem klappbare Controller an, da diese leichter zu transportieren sind, wie ein Xbox-Controller samt Befestigungsclip. Empfehlenswert ist etwa der Razer Kishi. So oder so ist das Cloud Gaming nur eine Ergänzung bei Microsoft und soll eben nicht die Xbox-Konsole oder gar den PC ersetzten.

Zudem finde ich fürs Warten auf den Zug oder beim Doc die Beschäftigung ne Zeitung oder nen Blog zu lesen oder in einem Forum zu kommentieren weitaus sinniger