Modding oder warum wir Spiele verändern wollen - Ein Kommentar von Philipp Reuther
In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne textet ein PCGH-Redakteur über Hardware- oder Software-Themen, die ihn in der vergangenen Woche bewegt haben. Diesmal schwadroniert Philipp Reuther über den Sinn und Zweck von Mods und warum wir Look und Feeling eines Spiels so häufig verändern wollen.
In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne berichtet ein Redakteur über ein IT-Thema, das ihn in der vergangenen Woche bewegt hat: Heute äußert sich Philipp Reuther darüber, warum man per Moddung Spiele verändern möchte.
Monate- oder gar jahrelang sitzen teilweise Dutzende erfahrene Designer vor ihren Bildschirmen und arbeiten schwer, um ein Spiel zu realisieren - und was machen wir? Wir lassen keine Möglichkeit aus, den hart erarbeiteten Look des Spiels mit Mods und Post-Processing-Effekten zu verändern. Warum ist das so - sollten wir das Erscheinungsbild nicht so belassen, wie von den Entwicklern vorgesehen? Modding-Fan Philipp Reuther konfrontiert sich selbst mit dieser Frage.
"Modding auf dem PC erfreut sich großer Beliebtheit. Auf Seiten wie Nexusmods.com liegen unzählige Gigabyte Daten für Dutzende PC-Spiele, beinahe 8 Millionen Nutzer sind dort registriert. Die Mod-Datenbank moddb.com ist ebenfalls gigantisch - warum ist Modding so beliebt? Warum verbringe ich selbst so viel Zeit damit, Spiele durch Mods zu verändern - nicht selten sitzte ich länger daran, Mods auszusuchen und aufeinander abzustimmen als ich tatsächlich spiele -, ist das nicht irgendwie seltsam?
Spiele-Modding ist dabei ein weitgefasster Begriff, diesen einzukreisen und festzunageln, ist gar nicht mal so einfach: Ist sogenanntes Tweaking, also das Editieren von Konfigurationsdateinen, beispielsweise, um bei einem Spiel mit Unreal-Engine die Schattenauflösung zu erhöhen, schon Modding oder nicht? Weshalb wird der gleiche Begriff genutzt, um das eigenhändige Erstellen von neuen Inhalten aber auch das einfache Heruterladen und Installieren dieser zu Beschreiben? Verwirrung pur. Der Einfachheit halber sehen wir uns einfach mal ein paar Beispiele genauer an. Beginnen wollen wir mit einem verhältnismäßig einfachen Projekt: Die Mass-Effect-Reihe gehört trotz einiger Ärgernisse und Design-Entscheidungen, die ich nicht ganz nachvollziehen kann, zu meinen Lieblingsspielen. Vor einiger Zeit bekam ich wieder Lust, die Reihe ein weiteres Mal anzugehen, auch weil ich das überarbeitete Ende des dritten Teils noch nie zu Gesicht bekommen und dessen DLCs bislang nicht gespielt habe. Also habe ich den ersten Teil nach einigen Jahren Abstinenz wieder angeworfen. Rekonstruieren wir doch einfach mal meine Eindrücke:
Kaum fünf Minutem im Spiel nerven mich die flimmernden Kanten, die niedrig aufgelösten Schatten und ganz besonders die teils extrem matschigen Texturen, die speziell die Charaktermodelle verunschandeln. Ständig ist mindestens einer dieser Faktoren sichtbar, stört die Atmosphäre und reißt mich aus dem Spiel - sicher kann man sich damit arrangieren, dank der PC-Community muss ich das aber gar nicht.
Quelle: PC Games Hardware
PCGH-Kolumne Modding - Mass Effect Vanilla
Ich beende das Spiel also wieder und schaue mich auf den eingangs erwähnten Seiten um. Und siehe da, sowohl auf dem Nexus als auch der Mod-Data-Base finde ich die Texture-Mod MEUITM (Mass Effect 1 Updated/Improved Texture Mod). Ein guter Anfang, die rund vier Gigabyte schwere Mod ersetzt einen Großteil der schwachen Charakter- sowie Modell-Texturen und verbessert außerdem Shadow- und Lightmaps der Level. Dazu muss Mass Effect zudem mit Large Address Awareness die Verwendung von mehr Speicher eingeräumt und zusätzlich in der Konfigurationsdatei eine größere maximale Texturauflösung eingestellt werden.
Den unscharfen, pixeligen Echtzeitschatten werden ich ebenfalls Herr, indem ich in der Konfigurationsdatei die Schattenauflösung von 512 auf 4096 und den Radius des Filters auf 6 Pixel anstatt der normalen 2 setze. Dieser Eingriff in die Konfiguration funktioniert bei den meisten Spielen auf Basis der Unreal-Engine und wird von mir normalerweise schon nach dem ersten Anspielen des betreffenden Titels getätigt. Das Ergebnis kann sich schon sehen lassen, allerdings stört die fehlende Kantenglättung noch extrem, zudem kommen die neuen High-Res-Features in schnödem Full-HD nicht richtig zur Geltung:
Quelle: PC Games Hardware
PCGH-Kolumne Modding - Mass Effect HD Textures
Multi- oder Supersampling per Treiber wäre eine Option, allerdings greift die Treiber-forcierte Hardware-Kantenglättung nicht überall, zudem bleiben die (Vollbild-)Shader wie Bloom oder das Depth-of-Field sogar von SGSSAA unbeeindruckt. Erhöhen wir dagegen die Auflösung, werden alle Pixel auf dem Bildschirm davon beeinträchtigt und auch die Shader meist in höherer Qualität gerendert, da viele dieser Effekte für die Berechnung die Bildschirmauflösung miteinbeziehen. Um alle dieser Vorzüge unter ein Dach zu bringen, nutze ich Downsampling. Am einfachsten und effektivsten geht das mit dem Tool GeDoSaTo. Die Sapphire R9 290X Tri-X OC, die ich privat nutze, hat genug Power für Downsampling von 3.840 x 2.400 auf 1.920 x 1.200 Pixel und schafft es gleichzeitig, praktisch durchgehend über 60 Bilder pro Sekunde auszuspucken. Nun sieht Mass Effect doch tatsächlich ganz anständig aus.
Doch ganz zufrieden bin ich noch nicht, mir fehlt etwas Kontrast, zudem wirkt das Bild noch ein wenig zu steril. Daher editiere ich zusätzlich noch das Post-Processing, dessen Anwendung mir GeDoSaTo erlaubt und füge einen leichten Film-Grain-Effekt hinzu. Und spätestens mit diesen Änderungen füge ich dann auch eine persönliche Note in "mein" Mass Effect ein. Und genau darum geht es auch beim Modding: Die Auswahl der Mods, das aufeinander Abstimmen der einzelnen Bausteine und kleinere individuelle Veränderungen am Look ergeben im Endeffekt ein personalisiertes Ganzes. Auch wenn ich weder Spiel noch Mods selbst entwickelt habe, habe ich mit meinen Entscheidungen selbst etwas geschaffen - Vorausgesetzt, man ist mit dem Ergebnis zufrieden ist das ein sehr angenehmes Gefühl.
Quelle: PC Games Hardware
PCGH-Kolumne Modding - Mass Effect Vanilla
Genau das ist der Grund, warum ich mich immer wieder dabei ertappe, die einschlägigen Modding-Seiten zu durchforsten, obwohl ich eigentlich Fallout 3 oder Skyrim endlich einmal durchspielen wollte. Doch weil mir gerade diese Titel so viel Raum dazu geben, mich selbst als Designer zu versuchen, lasse ich mich schnell vom eigentlichen Spielen ablenken. Hier ist ein gerade begonnenes Fallout-3-Projekt:
Quelle: PC Games Hardware
PCGH-Kolumne Modding - Fallout 3 Modded
Noch sind erst eine Handvoll Mods installiert, doch schon fühlt sich das Spiel ganz anders an als noch die Original-Version. Die HD-Texturen sind dabei der kleinste Faktor, viel mehr wird das Spiel durch neue audiovisuelle Veränderungen beeinflusst. Dazu habe ich drei immersive Sound-Modifikationen installiert: Ambient Wasteland 2, Realistic Gunshot Sounds und das absolut erstklassige Fallout 3 HD Audio Overhaul. Mehr Details für die karge Landschaft bringt zudem das Flora Overhaul in der Dead Edition. Schon die Auswahl dieser wenigen Mods lassen mich Fallout 3 auf eine ganz eigene Art und Weise erleben, eine angepasste ENB-Konfiguration lässt es zudem genau so aussehen, wie ich es im Moment mag. Und falls ich später die Lust an dem Look und dem Feeling verliere, beginne ich eben wieder von Vorn.
Es gibt wohl mehrere Gründe, warum sich Modding solch großer Beliebtheit erfreut: Eine ist sicherlich, dass sich viele Titel technisch aufwerten lassen und so auch viele Jahre nach dem Erscheinen noch einen guten grafischen Eindruck machen können - oder vielleicht erst durch das Modding auf modernen Systemen laufen. Ein anderer und eventuell wichtigerer Grund ist meiner Meinung aber die Personalisierung. Gerade die für die große Masse angepassten Spiele lassen den einen oder anderen vielleicht etwas Kreativität seitens der Entwickler vermissen. Schön, dass uns der PC die Möglichkeit gibt, stellenweise vielleicht etwas langweilige Spiele nach eigenen Wünschen aufzupeppen - und, wer es mit der Individualisierung zur Perfektion treiben will, kann all diese Inhalte sogar selbst erstellen. Und wie stehen Sie Modding gegenüber?
Redaktions-Kolumne
In der allwöchentlichen Redaktions-Kolumne textet ein PCGH-Redakteur über Hardware- oder Software-Themen, die ihn in der vergangenen Woche bewegt haben. Hierbei handelt es sich nicht zwingend um die Meinung der Redaktion, sondern um die Meinung des jeweiligen Redakteurs.

Warum es Mods gibt? Weil man damit auch alte und nicht bis zu Ende programmierte Spiele noch oft und regelmäßig spielt. In meinem Fall Silent Hunter III von Ubi. In der Stockversion nicht wirklich ein Genuß. Mit LSH5.1 oder Ccom dagegen sowohl von der Spieltiefe/Taktik als auch optisch ein Genuß. Ich sage nur WideScreen Fix und OLC-Gui. Diese beiden Mods haben dazu geführt, daß ich 2012 noch zwei Versionen von SH3 gekauft habe, damit sowohl meine Ma als auch ein guter Freund das auch mal spielen können und man zusammen ne Onlinefahrt machen kann.
Der zweite Fall ist GTA IV mit ProReal Mod. Sieht besser aus und man wird schon bei "normalen" Verstößen von der Polizei gesucht/verfolgt. Macht das Spiel nochmal interessanter.
Der dritte Fall ist der ETS2. Mit TruckSimKarte bis nach Spanien oder Nordafrika fahren ist was ganz anderes als "nur" bis Mitte Frankreich. Von den Skins für die Trucks mal abgesehen. Oder aber Trailerpacks. Richtige Firmennahmen und bei 30 Fahrten nie den gleichen Auflieger. Da lohnt sich ein Download.
Ich selber kann nur zustimmen. Mein Beispiel: Shift 2 Unleashed. Wer mal gefahren ist, weiß, wie sich die Autos dort lenken. Hätte man ein Lenkrad aus Schwamm, würden sich die Autos ja besser lenken.. Also mal ne Mod gesucht, Handling-Mod installiert und gefahren. So lässt sich nun vernünftig fahren. Und mit allen Wagen kann man nun sogar vernünftig fahren. Dabei sind meine 6:08 auf der Nordschleife dann doch auch sehr erfreulich.
Der Zeitaufwand ist auch bei mir immer deutlich höher als die eig. Spielzeit. In Skyrim sind schon knapp 470 Mods drin, in TF2 80 usw. Was mich aber deutlich wurmt ist, dass sobald ich eine Mod installiert habe, gleich nach der nächsten suche. Etwa Skyrim, Frostfall installiert und dann? Och ein paar schicke Outfits noch rein, da ein paar schönere Texturtweaks, etwas am Kompass und der Karte verändert, und dann bleibt das erst einmal so. Aber nur für 2 Tage, dann geht das wieder von vorne los...
Mods haben bei mir die Spielzeit mancher Spiele mindestens verdoppelt. Call of Duty 2,4,5 mit Mod Maps und Zombiemodus hat mich damals mindestens so lange bei Laune gehalten wie das Hauptspiel selbst. Habe an die hundert verschiedne Karten spielen können, die Modder erstellt haben, schade das es seit MW2 unterdrückt wird. Und von den ganzen TES Spielen brauche ich gar nicht anzufangen, es ist einfach großartig Mods zu haben.