Ryzen 4000G: Kein Retail-Release, aber Support auf Gaming-Mainboards? [Update]
Jetzt aktualisiert: Die Vorstellung von Ryzen 4000G Renoir ist auch mit Widersprüchen verbunden. Während AMD offiziell davon spricht, dass Renoir für AM4 nur als OEM- und Systembuilder-Produkt verfügbar ist, feiern Mainboard-Hersteller die Unterstützung auf High-End-Gaming-Mainboards. Wie passt das zusammen?
Aktualisierung vom 23.07.2020
Einen Tag nach unserem Artikel gibt es weitere Hinweise darauf, dass Ryzen 4000G doch im Endkundenmarkt aufschlägt. Über Twitter wird aktuell eine Liste mit Preisempfehlungen verteilt, der 4750G/GE soll bei 309 US-D liegen, der 4650G/GE bei 209 US-D und der 4350G/GE bei 149 US-D. Es handelt sich hierbei jeweils um Pro-Modelle.
Mittlerweile ist ein Ryzen 5 Pro 4650G auch mit "echten" Händlern im PCGH-Preisvergleich aufgetaucht, die Preise liegen stabil bei um die 240 Euro.
Originalartikel vom 22.07.2020
AMD hat gestern insgesamt zwölf Ryzen-4000-Renoir-Prozessoren vorgestellt. Während die technischen Daten von Ryzen 7 4700G und Co. durchaus überzeugten, blieb für PC-Selbstbauer doch ein ziemlich großes Aber übrig: Laut AMD ist "Renoir für AM4 OEM und SI only". Sprich: Endkunden können die schnellen Kombiprozessoren nicht einzeln kaufen, sondern nur in fertigen PCs. Gleichzeitig kündigen Mainbord-Hersteller wie Biostar den Support auf X570-Boards an.
Ryzen 4000G: Wann für Endkunden?
Man könnte sagen, das passt einfach nicht zusammen. Auf der einen Seite haben wir die offizielle AMD-Sprachregelung, dass Ryzen 4000 G im dritten Quartal in OEM-Systemen von Lenovo oder HP verfügbar sein wird. Ryzen Pro 4000 G wird von Systemintegratoren seit dem 21. Juli angeboten und sollen später im Herbst auch von OEM-Partnern ins Angebot aufgenommen werden. Auf der anderen Seite wurde die Presse mit einem Video-Briefing über Ryzen 4000 G informiert und darin ging es zu Beginn allein darum, dass die im Folgenden vorgestellten CPUs "zu Beginn nur in fertigen PCs" verfügbar sein werden. Leider ist das Video-Briefing nicht öffentlich und auch nicht für die Öffentlichkeit gedacht, aber AMD gibt darin zu, dass es ein großes Interesse auf Seiten der Selbstbau-Community gibt, Renoir-CPUs auch in eigenen PCs zu verbauen. AMD verstehe das Interesse, man könne zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht die komplette Roadmap veröffentlichen. Es gebe Next-Gen-GPUs, die für die 400er- und 500er-Chipsätze erscheinen werden. Nur nicht heute.
Diese Aussagen zu Beginn des Briefings passen zwar überhaupt nicht zu den offiziellen Aussagen, wohl aber zu denen von Mainboard-Herstellern. Exemplarisch seit der Hersteller Biostar erwähnt, der auf Twitter die "enorme Leistung der Ryzen Pro 4000-CPUs" feiert, mit denen man "beeindruckende Leistungen auf den BIOSTAR 500-Motherboards" bekommt. Dazu muss man nur auf die Produktseite des Mainboards gehen (unter anderem beim Biostar X570 GT8) und sich die neueste BIOS-Version mit entsprechendem Support herunterladen. Mit Version X57AG710 werden hier die Ryzen Pro 4000-CPus unterstützt, allerdings (noch) nicht die Pro-losen 4000er-APUs. Diese tauchen aber zumindest schon mal als OEM-Produkt (Tray) im PCGH-Preisvergleich auf - ohne Preis und Anbieter.
Bei Semiaccurate will man wissen, dass das alles nur ein vorübergehender Zustand ist. "Im Laufe des Augusts" soll es auch einen offiziellen Endkunden-Release geben. Spätestens dann dürften auch die Preise bekannt werden. Sollte das alles wirklich im August passieren, muss man sich rückblickend dann aber schon die Frage stellen, warum man diese Info nicht schon im Juli veröffentlichen wollte. Einen großen Sinn ergibt das Ganze nämlich nicht.

Displayport ist bei den günstigen bzw generell nicht so häufig vertreten bei B550 Boards
Renoir wird grundsätzlich ab Combo1 1006 supportet werden, üblicherweise supportet AMD immer nach Generation. Das bedeutet, wenn ein Board RR unterstützt (wie z.B. alle X570-Boards von GB, Asus und MSI), werden gleichzeitig alle Zen1-CPUs inoffiziell mit supportet. Biostar unterstützt den Athlon 3000, welcher ein RR ist, deshalb laufen aber auch alle Zen1-CPUs. Asrock ist der einzige Hersteller, der Zen1 konsequent aus dem X570-Lineup verbannt hat. Bei den B550 ist das wohl so (unverifiziert), dass ab der Version Combo2 1002 keine Zen1/+-CPUs mehr anspringen (was zu beweisen war), das wäre dann ne künstliche Limitierung. Aber das Ganze ist eben auch der ultimative Beweis, dass die Behauptung, die BIOS-Größe würde ne Rolle spielen, einfach nur BS ist. Die GB X570-Boards haben oft nur ein 16MB BIOS, unterstützen aber alles von Zen1 bis Zen3. Solange es nur eine Firmware für alle Zen-Prozessoren gibt, gibts eben auch kein Platz-Problem.