Linux 7.2: So profitieren CPUs vom neuen Cache-Scheduler
Mit dem Merge-Fenster für Linux 7.2 hat das Cache Aware Scheduling den Sprung in den Kernel geschafft. Den größten Nutzen ziehen Server- und HEDT-Prozessoren mit mehreren Cache-Domains, Desktop-Ryzen profitieren spürbar geringer.
Mehr als ein Jahr Entwicklung steckt in der neuen Funktion, welche mit dem heutigen Merge-Fenster in Linux 7.2 einzieht: dem Cache Aware Scheduling. Anwender, die eine moderne CPU mit gleich mehreren Cache-Domains und Last-Level-Caches (LLC) unter Linux betreiben, bekommen damit eine Optimierung, welche zuvor einzig über einen separaten Betriebssystemkernel zu haben war. Bereits Linux 7.0 brachte im April zahlreiche Verbesserungen mit, die Erwartungen an Linux 7.2 sind deshalb dementsprechend hoch. Fest steht: Es gibt spannende Neuerungen.
Cache Aware Scheduling: Was kann der neue Linux-Scheduler?
Intels Ingenieure haben das Verfahren über ein Jahr vorangetrieben und jetzt zum Abschluss gebracht. Im Kernel als Konfigurationsoption CONFIG_SCHED_CACHE hinterlegt, wanderte der Code am 15. Juni 2026 in den Entwicklungszweig von Linux 7.2, wie die Website Phoronix berichtet. An den CPU-Scheduler hatten die Kernel-Entwickler zuletzt häufiger Hand angelegt, etwa beim flexiblen Scheduler von Linux 6.12.
Cache Aware Scheduling: So verteilt Linux 7.2 die Rechenlast
Cache Aware Scheduling sorgt dafür, dass Prozesse, welche sich gemeinsame Daten teilen, möglichst auf demselben Last Level Cache (LLC) einer CPU ausgeführt werden. Der Scheduler hält zusammengehörige Aufgaben so im selben Cache-Bereich, statt sie über mehrere Cache-Domains zu streuen.
Das senkt die Zahl der Cache-Misses und das teure Kopieren von Daten zwischen den Caches, im Fachjargon Cache-Bouncing. Profitieren können vor allem Prozessoren mit sehr hohen Kernzahlen und mehreren LLCs, wie sie aktuelle CPUs von AMD und Intel mitbringen. Gesteuert wird die Funktion über die Kernel-Option CONFIG_SCHED_CACHE.
Hier zahlt sich Cache Aware Scheduling aus
Der Leistungsgewinn durch Cache Aware Scheduling fällt auf Prozessoren mit vielen Kernen und mehreren L3-Caches am größten aus, gemessen unter anderem auf den AMD Epyc 9005 ("Turin"), dem Ryzen Threadripper 9980X ("Shimada Peak") sowie aktuellen Intel Xeon 6 ("Granite Rapids"). HEDT- und Enterprise-CPUs zeigen demzufolge die größten Leistungszuwächse durch das Scheduling.
Auf diesen Plattformen verbesserten sich in Tests von Phoronix die Datenbank PostgreSQL, der In-Memory-Store Valkey sowie die Netzwerk-Performance. Je mehr CCDs und damit getrennte L3-Caches ein Prozessor besitzt, umso stärker wirkt die bessere Cache-Lokalität. Genau hier liegt die Stärke von AMDs Chiplet-Designs, welche jedes CCD ("Core Complex Die") mit eigenem L3-Cache ausstatten.
Ryzen und Cache Aware Scheduling: Was bei Spielern ankommt
Auf einem Desktop-Prozessor wie dem Ryzen 9 9950X3D fällt der Gewinn durch Cache Aware Scheduling deutlich kleiner aus als auf den großen Server-CPUs. In den Benchmarks von Phoronix profitierte dort vor allem PostgreSQL und professionelle Workloads, während der Großteil der übrigen Tests kaum Unterschiede zeigte.
Für Spiele ist bislang kein nennenswerter Effekt belegt, denn die meisten Titel lasten ohnehin nur wenige Prozessorkerne aus und verteilen ihre Threads nicht über mehrere Cache-Domains. Wer unter Linux spielt, sollte durch das Cache Aware Scheduling also keinen Fps-Sprung erwarten. Im Vorteil sind Ryzen-Prozessoren mit zwei CCDs wie der Ryzen 9 9950X3D2, deren Threads sich zukünftig gezielter platzieren lassen.
Linux 7.2: Noch mehr Scheduler-Optimierungen
Linux 7.2 erhält mit dem Scheduler-Merge weitere Änderungen, darunter eine SMT-bewusste (optimierte) Lastverteilung für asymmetrische CPU-Kerne über SD_ASYM_CPUCAPACITY. Hinzu kommen eine speicherfreundlichere Anordnung der internen Strukturen Scfs_rq und sched_entity sowie eine optimierte Donor-Migration für die Proxy Execution.
Sämtliche Einzeländerungen listet der offizielle Pull Request auf. Wann Linux 7.2 als stabiles Release erscheint, hängt am üblichen Rhythmus: Nach dem laufenden Merge-Fenster folgen gleich mehrere Release Candidates (RCs), eine finale Veröffentlichung durch Linus Torvalds wird im August 2026 erwartet.
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Quelle: Kernel.org via Phoronix
