AMD Radeon RX 7900 GRE im Test: Die bislang ausgefeilteste RDNA-3-Grafikkarte
Die neue Radeon RX 7900 "Golden Rabbit Edition" ist hierzulande nur über Umwege verfügbar - das ist bedauerlich, denn im ausführlichen PCGH-Test hoppelt die RX 7900 GRE elegant durch alle Disziplinen. Im Folgenden erfahren Sie, was die neueste AMD-Grafikkarte auszeichnet und weshalb sie eine gute Vorschau auf die Radeon RX 7800 XT darstellt.
In diesem Artikel
- Seite 1 Übersicht und technische Daten
- Seite 2 Spiele-Benchmarks & Leistungsindex
- Seite 3 Raytracing-Benchmarks & Leistungsindex
- Seite 4 Lautheit, Leistungsaufnahme & Effizienz
- Seite 5 Preis-Leistung (Rasterizing & Raytracing) & PCGH-Fazit
- Seite 6 Bildergalerie zu "AMD Radeon RX 7900 GRE im Test: Die bislang ausgefeilteste RDNA-3-Grafikkarte"
Genügend Leistung für flüssiges WQHD-Gaming, pralle 16 GiByte Speicher und eine ordentliche Energie-Effizienz: All das bietet die Radeon RX 7900 GRE. Das ungewöhnliche Kürzel steht für "Golden Rabbit Edition", denn die neueste Radeon-Grafikkarte sollte ursprünglich nur in China erscheinen. Dort steht das Jahr 2023 im (Tierkreis-)Zeichen des Hasen, was AMD mit dieser speziellen Grafikkarte feiert. Zwar verfügt die Golden Rabbit Edition weder über einen Goldüberzug noch lange Löffel - Biss hat sie dennoch. Willkommen zum Test der AMD Radeon RX 7900 GRE!
Auf dieser Seite
Radeon RX 7900 GRE im Test: Übersicht
Eine Grafikkarte für den chinesischen Markt im Test bei der PCGH: Was soll der Quatsch? Glücklicherweise ist die Radeon RX 7900 GRE trotz ihrer Konzeption nicht nur im Reich der Mitte erhältlich, sondern lässt sich über einen Umweg auch hierzulande kaufen. Das Referenzdesign wird derzeit exklusiv beim Systemintegrator Memory PC angeboten, welcher sowohl Komplett-PCs als auch Aufrüst-Kits mit der Radeon RX 7900 GRE anbietet. So lässt sich derzeit etwa ein Gaming-PC mit Ryzen 5 5600, 16 GiByte RAM sowie besagter Grafikkarte für 999 Euro erwerben, alternativ stehen Kits mit Prozessor, Mainboard und Grafikkarte für etwas weniger Geld bereit. Einzeln lässt sich die Radeon RX 7900 GRE nicht erstehen - noch, denn wie wir aus Kreisen der AMD-Partner erfuhren, wird es wohl so manches Design auch in den regulären Retail-Markt schaffen. Bis dahin bleiben die Angebote von Memory PC der einzige Weg, um an die rare Radeon-Grafikkarte zu gelangen. Doch warum sollte man das überhaupt tun? Dafür gibt es durchaus Gründe, wie wir im ausführlichen Test der Radeon RX 7900 GRE darlegen. Wir bedanken uns herzlich bei Memory PC für die Bereitstellung des Rechners! Die Tests der RX 7900 GRE finden zwecks optimaler Vergleichbarkeit jedoch auf unserem regulären Grafikkarten-Testsystem statt.
Bei der Radeon RX 7900 GRE handelt es sich im Kern um eine Radeon RX 7900 XTX - mit dem Unterschied, dass große Teile der Hardware stillgelegt werden. Egal, ob Radeon RX 7900 XTX, XT oder GRE, alle drei basieren auf Navi 31. Dabei handelt es sich um den bislang größten und stärksten RDNA-3-Grafikprozessor aus dem Hause AMD. Zu dessen Hauptneuerungen gehört das Chiplet-Konzept: Anstatt wie jahrzehntelang üblich alle Elemente in einen einzigen Silizium-Chip zu pressen, basiert Navi 31 auf einem Rechenkern (GCD) und abgekoppelte Speicher-Chiplets (MCD). Dahinter steckt die Idee, die Ausbeute gegenüber einem einzelnen, großen Chip zu erhöhen und die Kosten zu reduzieren, da jede Komponente im passenden Verfahren gefertigt wird. Falls Sie es genau wissen möchten, legen wir Ihnen unsere große Technik-Abhandlung zu RDNA 3 ans Herz.
Interessant ist, dass die GRE als Wegbereiter für die Radeon RX 7800 XT gilt, welche auf der Gamescom vorgestellt werden soll. Diese wird auf den kleineren Navi-32-Chip setzen, welcher ein kompakteres Package aufweist. Die Navi-31-Modelle Radeon RX 7900 XTX und XT platzieren GCD und MCDs auf einem rechteckigen, relativ breiten Träger, während die GRE eine Art "Probelauf" für das Navi-32-Package darstellen soll. Zwar kommen hier nach wie vor sechs Memory-Chiplets zum Einsatz (zwei davon funktionslos), das neue Package ist jedoch annähernd quadratisch. Dieses Format wird auch für Navi 32 erwartet, hier jedoch mit nur vier physisch installierten MCDs.
Während die Radeon RX 7900 XTX alle Register der Technologie zieht, basiert die RX 7900 XT auf leicht abgespeckter Hardware. Die RX 7900 GRE muss hingegen einen starken Beschnitt über sich ergehen lassen, um den niedrigeren Preispunkt von offiziell 649 US-Dollar zu treffen. Während der Rechenkern zu weiten Teilen aktiv bleibt, werden zwei der sechs möglichen Memory Cache Dies schlafen gelegt. Da jeder MCD sowohl einen Speicher-Controller als auch 16 MiByte Level-3-Cache beinhaltet, bringt die Radeon RX 7900 GRE nur noch 256 Bit sowie 64 MiByte L3-Zwischenspeicher auf die Waage. Das Ergebnis ähnelt der im Mai 2022 veröffentlichten Radeon RX 6950 XT. Beide Grafikkarten verfügen über 16 GiByte Speicher mit effektiv 576 GByte/s Transferrate sowie 5.120 FP32-ALUs. Die Unterschiede betreffen vornehmlich das Techlevel: Während die Radeon RX 7900 GRE auf RDNA 3 basiert, entspricht die Radeon RX 6950 XT dem Besten, was RDNA 2 zu bieten hat. Beide Modelle haben spezifische Stärken und Schwächen, welche wir in den Benchmarks erläutern. Vorweg die komplette technische Spezifikation der AMD Radeon RX 7900 GRE im Vergleich mit anderen Grafikkarten; weitere Vergleichsmodelle finden Sie in unserer gepflegten GPU-Datenbank vor:
| Grafikkarte | RX 7900 XTX | RX 7900 XT | RX 7900 GRE | RX 6950 XT | RTX 4070 Ti |
|---|---|---|---|---|---|
| Marktstart | 13.12.2022 | 13.12.2022 | 28.07.2023 | 10.05.2022 | 03.01.2023 |
| Architektur | RDNA 3 | RDNA 3 | RDNA 3 | RDNA 2 | Ada Lovelace |
| Codename/Konfektion | Navi 31 XTX | Navi 31 XT | Navi 31 XL | Navi 21 KXTX | AD104-400 |
| Chipgröße (Die/GCD) | 300 mm² | 300 mm² | 300 mm² | 520 mm² | 294,5 mm² |
| Größe Memory Cache Dies (MCD) | 6× 36,6 = 220 mm² | 6× 36,6 = 220 mm² | 4× 36,6 = 146 mm² | - | - |
| Transistoren Grafikchip (Mrd.) | 57,7 (inkl. MCDs) | 57,7 (inkl. MCDs) | <57,7 (inkl. MCDs) | 26,8 | 35,8 |
| Fertigungsverfahren | N5 (GCD) + N6 (MCD) | N5 (GCD) + N6 (MCD) | N5 (GCD) + N6 (MCD) | N7P | 4N |
| Shader-Cluster (CUs/SMs) | 96 | 84 | 80 | 80 | 60 |
| FP32-ALUs/TMUs/ROPs | 6.144*/384/192 | 5.376*/336/192 | 5.120*/320/160 | 5.120/320/128 | 7.680/240/80 |
| Raytracing-Einheiten | 96 (2. Gen.) | 84 (2. Gen.) | 80 (2. Gen.) | 80 (1. Gen.) | 60 (3. Gen.) |
| Matrix-/AI-Einheiten | 192 (1. Gen.) | 168 (1. Gen.) | 160 (1. Gen.) | - | 240 (4. Gen.) |
| Level-2-Cache (MiB) | 6 | 6 | 6 | 4 | 48 |
| Level-3-Cache (MiB) | 96 (2. Gen.) | 80 (2. Gen.) | 64 (2. Gen.) | 128 (1. Gen.) | - |
| Typ. GPU-Takt in Spielen (MHz) | 2.700 | 2.580 | 2.230 | 2.490 | 2.740 |
| FP16-Leistung ALUs (TFLOPS) | 66,3* | 55,5* | 45,7* | 50,1 | 42,1 |
| FP32-Leistung ALUs (TFLOPS) | 66,3* | 55,5* | 45,7* | 25,5 | 42,1 |
| Füllrate (Mtex/Mpix pro Sek.) | 1.036,8/518,4 | 866,9/495,4 | 713,6/356,8 | 796,8/318,7 | 657,6/219,2 |
| OFA für Frame Generation | Nein | Nein | Nein | Nein | Ja |
| Speicheranbindung (Bit) | 384 | 320 | 256 | 256 | 192 |
| Geschwindigkeit RAM (GTs/MHz) | 20,0/10.000 | 20,0/10.000 | 18,0/9.000 | 18,0/9.000 | 21,0/10.500 |
| Speichertyp | GDDR6 | GDDR6 | GDDR6 | GDDR6 | GDDR6X |
| Transferrate Speicher (GB/s) | 960 | 800 | 576 | 576 | 504 |
| Speicherkapazität (MiB) | 24.576 | 20.480 | 16.384 | 16.384 | 12.288 |
| PCI-Express-Standard | 4.0 ×16 | 4.0 ×16 | 4.0 ×16 | 4.0 ×16 | 4.0 ×16 |
| PCI-Express-Stromanschlüsse | 2× 8-Pol | 2× 8-Pol | 2× 8-Pol | 2× 8-Pol | 1× 16-/2× 8-Pol |
| Leistungsaufnahme (Board Power) | 355 Watt | 315 Watt | 260 Watt | 335 Watt | 285 Watt |
| (Display-)Konnektivität | DP 2.1, HDMI 2.1a, USB-C | DP 2.1, HDMI 2.1a, USB-C | DP 2.1, HDMI 2.1a, USB-C | DP 1.4a, HDMI 2.1a | DP 1.4a, HDMI 2.1a |
| Unverbindlicher Preis (USD) | 999 | 899 | 649 | 1.099 | 799 |
| Unverbindlicher Preis (Euro) | 1.149 | 1.049,99 | OEM-Produkt | 1.239 | 899 |
| Euro-Preis derzeit | 950 | 800 | OEM-Produkt | 620 | 800 |
Angaben der Leistung auf Basis der von uns ausführlich durchgetesteten Grafikkarten (durchschnittlicher GPU-Boost über alle Benchmarks) - die Herstellerangaben liegen teils deutlich und somit praxisfern darunter. Je nach Modell sind Abweichungen um bis zu 200 MHz möglich. *ALUs mit "Dual-Issue"-Fertigkeit, welche sich bestenfalls verhalten wie die doppelte Anzahl. Angegeben ist der Best-Case.
Halten wir fest: Die Radeon RX 7900 GRE entspricht Hardware-seitig einer Radeon RX 7900 "LE" (alte Hasen denken womöglich an "GTO"), deren bewusst zusammengestauchte Leistung sich am ehemaligen High-End orientiert. Ob das genügt, um Nvidias Geforce RTX 4070 (Ti) das Wasser zu reichen, erfahren Sie auf den folgenden Seiten.


Und gern!