AOC Agon AG276QSG2 im Test: Pulsar in der Praxis
Auf dieser Seite prüfen wir Pulsar im Praxiseinsatz und unterziehen den Monitor dem regulären Test. Die Testtabelle samt Endergebnis finden Sie am Seitenende.
Inhaltsverzeichnis
Eins vorweg: G-Sync Pulsar bekämpft den Display Motion Blur, der durch das Sample-and-Hold-Verfahren moderner LED-Bildschirme verursacht wird. Es kann gegenüber klassischen LCD-Artefakten wenig ausrichten. Obendrein sind Sie mit Pulsar nicht gegen "typische" Schwachstellen der verwendeten Panel-Technik gefeit. Im Falle des AOC Agon Pro AG276QSG2 sowie der drei Pulsar-Monitore von Acer, Asus und MSI die Schwäche der IPS-Technik. Pulsar kann nichts gegen schwache IPS‑Kontraste, insbesondere an den Monitorrändern, die Blickwinkelstabilität und nur wenig gegen jene Artefakte ausrichten, die durch das Umschalten der Flüssigkristalle entstehen.
Quelle: PCGH
Die Kontraste sind IPS-typisch eher mäßig, insbesondere an den Monitorrändern. Die Helligkeitsverteilung ist obendrein wie bei vielen Edge-Lit-Panels nicht sonderlich gleichmäßig.
Allerdings kommt dem Monitor die hohe Refreshrate von 360 Hertz zugute, die Sie für optimale Funktionalität und ein möglichst sauberes, klares und schlierenarmes Bild allerdings auch bestmöglich ausschöpfen sollten. Da G-Sync die Monitor-Refreshrate an die Framerate anpasst - eine Verdoppelung oder Verdreifachung, die Low Framerate Compensation (LFC) kommt nur bei niedrigen Fps/Frequenzen zum Einsatz - ist für ein optimales Bild durch G-Sync Pulsar eine sehr hohe Framerate nötig. Eine minimale Framerate ist ebenfalls notwendig, da Sie ansonsten - und je nach persönlicher Sensibilität - das durch das Backlight Strobing entstehende Flackern bemerken würden. Eine hohe Framerate - bestenfalls volle 360 Fps - kommt G-Sync Pulsar demnach zugute. Nvidia geht obendrein so weit, dass beim Zuschalten von Pulsar eine minimale Framerate/Refreshrate vorausgesetzt wird. Ansonsten deaktiviert sich G-Sync Pulsar und es kommt reguläres G-Sync zum Einsatz.
Quelle: PCGH
Auch flotte Rennspiele können von der starken Bildklarheit des AOC Agon Pro AG276QSG2 bei Nutzung von G-Sync Pulsar profitieren. Allerdings sollten zugleich hohe Bildraten anliegen, ansonsten mindert sich der Effekt und es steigt das Potenzial für Bildflimmern. Vor allem für kompetitive Spiele bringt die hohe Klarheit, verbunden mit der geringen Latenz durch hohe Bild- und Refreshraten, allerdings deutlich spür- und sichtbare Vorteile.
Diese untere Grenze können Sie beim AOC Agon Pro AG276QSG2 im OSD festlegen - zum Beginn lag diese bei minimal 75 Fps. Nvidia arbeitet indes mit den Monitorherstellern zusammen, um diese nach ersten Anfragen von Testern und Community weiter abzusenken. Anfangs auf 60 Fps, daraufhin prüfen die beteiligten Firmen, ob die minimale Bildrate sich noch weiter - auf 48 Fps - reduzieren lässt, ohne dass das Flackern des Backlight Strobings zu offensichtlich wird. Standardmäßig steht die Option "Pulsar Low Fps" bei dem AOC Agon Pro AG276QSG2 auf 90 Fps - einem Wert, auf dem wir den Monitor für unsere Tests belassen haben.
Empfindliche Augen können in gewissen Situationen bei 90 Fps/Hertz noch leichtes Flickern ausmachen, zudem ist die Effektivität des Anti-Display-Motion-Blurs bei niedrigen Bildraten eingeschränkt, eine optimal hohe Bildklarheit erfordert deutlich höhere Fps und damit Refreshraten. Es ist demnach vorteilhaft, die 360 Hertz, zumindest jedoch deutlich dreistellige Aktualisierungszyklen/Fps, möglichst auszuschöpfen. Damit ist auch die primäre Zielgruppe erörtert: Der AOC Agon Pro AG276QSG2 richtet sich primär an anspruchsvolle E-Sports-Gamer, die sehr viel Wert auf Bildklarheit, weniger auf Farben, leuchtstarke HDR-Präsentation sowie starke Kontraste setzen.
Im Falle, dass volle 360 Hertz genutzt und erzielt werden, funktioniert G-Sync Pulsar ausgesprochen gut. Dies lässt sich gar mit Messdaten belegen: Ohne Pulsar, ohne Backlight Strobing und mit moderatem Pixel-Overdrive sind die Reaktionszeiten trotz 360 Hz LCD-typisch etwas träge. Mit Pulsar Backlight Strobing, mit automatischen sowie dynamischen Pixel-Overdrive und mit vollen 360 Hertz sind die Reaktionszeiten dagegen rekordverdächtig niedrig. Der Effekt ist auch beim Spielen sehr deutlich, vorausgesetzt, dass Sie zumindest 90, besser allerdings noch höhere Bildraten erzielen.
Dass die gemessenen Pixelreaktionszeiten mit Pulsar deutlich niedriger ausfallen, ergibt technisch Sinn: Im Regelfall wird bei gleichbleibender, statischer Hintergrundbeleuchtung gemessen. Dabei wird erfasst, wie lange ein Pixel benötigt, umzuschalten. Dabei werden auch die bei LCD-Panels davorliegenden Flüssigkeitskristalle (in diesem Falle IPS, also mit In-Plane-Ausrichtung) erfasst. Ist nun Pulsar aktiv, wird genau während diesem Vorgang die Hintergrundbeleuchtung "ausgepulst", herabgedimmt; die Umschaltzeit wird durch die kurz deaktivierte Hintergrundbeleuchtung "verdeckt", kaschiert. Der Vorgang bleibt vor den Augen des Betrachters versteckt, und auch vor dem optischen Sensor unseres Messinstruments.
Beim Test-UFO ist Pulsar ein weiteres Mal klarer Gewinner - auch bei diesem Test liegt der AOC Agon auf rekordverdächtig klarem Niveau, nicht einmal sehr hochtaktende OLED-Monitore (aktuell in WQHD mit bis zu 480 Hz) können eine solch hohe Bildklarheit erzielen. Allerdings könnten in näherer Zukunft mit 1.000 Hertz taktende OLEDs samt Black Frame Insertion (was die effektive Bildrate auf 500 Fps begrenzen würde) eine nochmals höhere Bildklarheit und Schärfe bieten; es müsste jedoch wie bei Pulsar eine Kompensation für die Bildhelligkeit genutzt werden, um nicht auch die Strahlkraft durch die eingeschobenen schwarzen Frames zu halbieren.
Bei dieser Strahlkraft liegt der AOC Agon Pro AG276 mit gemessenen maximalen 490,3 cd/m² bereits in SDR auf hohem Niveau. Und tatsächlich funktioniert die Helligkeitskompensation von G-Sync Pulsar so gut, dass beim Nutzen des Backlight Strobings nicht die Bildschirmhelligkeit in Mitleidenschaft gezogen wird. Abermals hinterlässt G-Sync Pulsar (bei 360 Hz) diesbezüglich einen fabelhaften Eindruck. Abseits dessen hat der Monitor allerdings einige Schwächen.
Zu diesen zählt unter anderem die HDR-Präsentation, die gegenüber SDR nur minimal besser ausfällt. Wir messen maximal und mit der Einstellung "HDR Peak 500" eine maximale Helligkeit von 491,6 cd/m². Eine Option für gleichmäßigere HDR 400 steht ebenfalls zur Verfügung. Die HDR-Präsentation ist somit eher schwach und kann auch nicht mit OLEDs samt Zertifizierung für DisplayHDR 400 True Black konkurrieren. Die minimale Helligkeit ist mit gemessenen 51,2 cd/m² ebenfalls nicht berauschend und der Schwarzwert liegt selbst nach Kalibrierung bei mäßigen 0,171 cd/m². Der Kontrast ist mit gemessenen 2.867:1 auf IPS-typisch schwachem Niveau.
Ebenfalls eher schwach ist die Helligkeitsverteilung. Mit einer maximalen Abweichung von 12 Prozent insbesondere an den Bildschirmrändern liefert der AOC Agon Pro AG276QSG2 ein mit anderen Edge-Lit-LCDs vergleichbares Bild, allerdings liegen die Preise dieserart Geräte - etwa des Gigabyte MO27Q2 QD (maximale Helligkeitsabweichung: 10 Prozent) oder des Titan Army P2712V (maximal 9 Prozent), beides Edge-Lit-IPS-LCDs, auf deutlich niedrigerem Niveau.
Quelle: PCGH
AOC Agon Pro AG27QSG2 - Helligkeitsverteilung
Die Farbwiedergabe enttäuscht ebenfalls ein wenig. Mit 8-Bit-Farbausgabe - trotz hoher Refreshrate kommt nicht einmal 8 Bit + FRC zum Einsatz - und gemessenen 1.154.957 Farbeinheiten liefert der Agon Pro AG276QSG2 im Vergleich zur aktuellen IPS-Konkurrenz ebenfalls vergleichsweise mäßige Ergebnisse. Doch erzielt der Monitor eine Ausfüllung des sRGB-Farbraums von noch 128 % und kann diesen zudem voll abdecken. Der deutlich anspruchsvollere AdobeRGB-Farbraum wird lediglich zu 88 Prozent abgedeckt und zeigt obendrein die Schwachstellen bei der Farbausgabe: Bei den Farben zwischen Grün und Türkis, weniger deutlich bei Rot, Blau und Pink, kann der AG276QSG2 den AdobeRGB-Farbraum nicht abdecken, insbesondere die Ansprüche ersterer sprengen die Farbausgabe, zu welcher der AG276QSG2 fähig ist.
Die wählbaren Profile - inklusive "Calibrated" sind obendrein out of the box nicht besonders farbgenau. Bei hoher Helligkeit leiden obendrein abermals die Schwarzwerte und somit Kontraste. Immerhin: Nach manueller Kalibrierung, welche neben Helligkeits- und Kontrastanpassungen außerdem leichte, händische Farbkorrekturen erforderte, erzielen wir im User-Modus samt sRGB-Farbraum eine sehr gute Farbgenauigkeit. Der Delta E 2000 liegt so optimiert bei lediglich 0,8 - allerdings war dieser Wert erst mit manuellen Einstellungen zu erzielen.
Der Input Lag liegt mit via LDAT gemessenen, durchschnittlichen 2,98 ms (avg; 1,25 ms min.; 5,16 ms max.) dagegen auf sehr gutem Niveau - auch wenn es einige Monitore gibt, die nochmals flinker reagieren. Dieser Wert ist ohne Pulsar erhoben; mit dem neuen G-Sync Backlight Strobing liegt der Wert dagegen bei gemessenen 4,95 ms (avg., 2,82 ms min., 7,48 ms max.) etwas höher. Erstere Messung - die ohne Pulsar - ist daher in unsere Latenzwertung eingeflossen.
Summa summarum
G-Sync Pulsar hinterlässt - zumindest bei hohen bis sehr hohen Bildraten - einen ausgesprochen guten Eindruck. So sauber wie bei vollen 360 Hertz und zugeschaltetem Pulsar ist das Bild selbst auf OLEDs mit 360 bis 500 Hertz nicht. Allerdings nimmt die Bildschärfe mit sinkender Refreshrate respektive geringeren Fps ab, obendrein kann es bei niedrigen Bildraten zu sichtbarem Flackern kommen - sehr sensible Naturen können ein solches bei bestimmten Bildinhalten auch bei 90 Hz/Fps, also der standardmäßig eingestellten Minimalgrenze, noch erkennen. Hohe Bildraten im dreistelligen Bereich, bestenfalls zwischen 240 und 360 Fps sind demnach trotzdem empfehlenswert. Dank G-Sync Pulsar und dynamischer Anpassung sowie VRR müssen diese allerdings nicht wie bisher stabil gehalten werden. Dank G-Sync Pulsar müssen Sie Ihre Einstellungen also nicht penibel tunen, um eine (sehr) hohe Bildrate felsenfest zu halten.
Bildergalerie: AOC Agon AG27QSG2
Allerdings richtet sich der AOC Agon Pro AG276QSG2 sowie das restliche, bisherige Pulsar-Angebot klar an E-Sportler. Nvidia wurde zwar nicht müde, zu betonen, dass Sie mit diesen Pulsar-Gerätschaften auch Spiele wie Anno in höherer Bildklarheit genießen können, was zumindest bei dreistelligen Bildraten zutreffend ist. Doch muss klar betont werden, dass die Farbwiedergabe des Monitors, die mäßige HDR-Präsentation sowie die schwachen Kontraste und die ebenfalls mäßige Helligkeitsverteilung den Spielgenuss auf andere Weise trüben.
Der Monitor ist dank Pulsar bei der Klarheit aktuell nahezu unübertroffen, doch bei der restlichen Bildpräsentation ist der Monitor vielen wesentlich preisgünstigeren Gerätschaften mit Edge-Lit Backlight nicht überlegen, und gegenüber farbenfrohen, extrem kontraststarken und strahlfreudigen OLEDs sieht der IPS-Monitor auch mit Pulsar abseits der Bildschärfe kein Land. OLEDs dierserart gibt es mit 240 oder 360 Hertz in WQHD und 27 Zoll bereits zu deutlich geringeren Preisen. Letzterer ist angesichts der Bildqualität abseits der Bildschärfe dann auch der wohl größte Kritikpunkt; offenkundig lässt sich Nvidia G-Sync Pulsar reichlich entlohnen, ungeachtet des Umstandes, dass explizit keine dedizierte Hardware verbaut, sondern bereits bestehende genutzt wird. E-Sportler oder Spieler, die Display Motion Blur partout nicht ausstehen können, können jedoch zuschlagen. Denn bezüglich Bildklarheit liefert der AOC Agon Pro AG276QSG2 dank G-Sync tatsächlich sensationelle Ergebnisse. Für die phänomenale Bildschärfe auch bei schneller Bewegung zücken wir den PCGH-Technik-Award.
| Produktname | Agon AG276QSG2 |
|---|---|
| Hersteller | AOC |
| Preis/Preis-Leistungs-Verhältnis | Ca. € 600,-/befriedigend |
| PCGH-Preisvergleich | www.pcgh.de/preis/3690905 |
| Ausstattung (20 %) | 2,30 |
| Anschlüsse | 2 × HDMI 2.1, 1 × DP 1.4, 1× USB-B 3.0 (Upstream, 5 Gbit/s), 1× USB-A 3.0 (Downstream, 5 Gbit/s, BC), 2× USB-A 3.0 (Downstream, 5 Gbit/s), 1× 3,5 mm Klinke Line-out, 1× DC-In Hohlbuchse (Netzanschluss) |
| Max. Auflösung/Pixeldichte | 2.560 × 1.440/0 ppi |
| Panel-Typ/Diagonale | IPS/68,6 cm |
| Netzteil/VESA-Halterung | Intern/100 × 100 |
| Gewicht/Maße (inkl. Standfuß) | 5,6 kg/61,4 × 42,2 × 24 cm |
| Pivot 90 Grad/neigbar/höhenverst. | Ja/-3,5°/+18,5°/13 |
| Garantie | 3 Jahre |
| Zubehör | HDMI-Kabel, Stromkabel, DP-Kabel |
| Eigenschaften (20 %) | 1,90 |
| Bildwiederholrate/VRR | 1–360 Hz/G-Sync (nativ; Freesync-fähig) |
| Farbtiefe/Farben | 8 Bit/16,7 Mio. Farben |
| Kontrastverhältnis/Schwarzwert | 2.867:1/0,2 cd/m² |
| Max. Leistungsaufnahme/Stand-by | 70,8 Watt/0,1 Watt |
| Farbraumvolumen (sRGB, AdobeRGB) | 128 %/88 % |
| Besonderheiten | Lautsprecher, Lichtsensor, Pixel-Overdrive, Fadenkreuz, Hz-Einblendung, LMB-Technik, Schwarzaufhellung |
| Leistung (60 %) | 1,39 |
| Input Lag (Leo Bodnar/Nvidia LDAT) | 1,4 ms/2,98 ms |
| Farbtreue (ø Delta E 2000) | 0,8 |
| ø Reaktionszeit (Min.-Max.) | 0,4 ms (0–2,7 ms) |
| Min.-max. SDR-Helligkeit, Abweichungen | 51,2–490,3 cd/m², bis 12 % |
| VRR-Funktionalität | Voller Bereich |
| Schlieren-/Korona-Bildung | Kaum sichtbar |
| Endnote | 1,68 |
| + | Sehr klares, stabiles Bild |
| + | Flinke Reaktion mit Pulsar |
| - | Nur 8 Bit, Helligkeitsverteilung |

Willst du möglichst wenig Bewegtbildunschärfe, dann ist der genau das richtige.
Monitor A für 600€ = zu teuer
Monitor B für 1000€ = viel zu teuer
Klar, wenn man das feature unbedingt haben möchte, kann es einem den Preis wert sein.
Ich finde nur 600€ für einen Monitor mit so eklatanten Bildqualitätsschwächen abseits von Pulsar schlicht viel zu viel.
Andere IPS Geräte können das ja auch besser.
Ich setze den Monitorpreis in Kontext zu mir bekannten Alternativen die mit ULMB2/Dyac2 aufwarten, und stelle fest das 600 EUR nicht teuer sind, zumal Pulsar anscheindend deutlich besser funktioniert als ULMB2/Dyac2. Übersehe ich etwas?
Schon bei meinem, im Vergleich, lahmen LG C5 merkt man, wie abhängig der z. B. von fps ist.
Ab 75+ geht die Bewegtschärfe sichtbar nach oben.
Es gibt sicher auch Nutzer, die mal gerne schnelle shooter spielen und anschließend dann ruhige Spiele.
Dafür bräuchte man dann idealerweise zwei Monitore für den optimalen Genuß, was allerdings mit mehreren Nachteilen daherkommt.