Corsair Virtuoso Pro im Test - Open-Back-Headset mit hohen Qualitäten, aber saftigem Preis

Corsair hat jüngst ein neues Headset herausgebracht: Das Virtuoso Pro ist ein Oberklasse-Klinken-Headset, das merklich für hohen Langzeitkomfort beim Spielen und Streamen ausgelegt wurde. Dem kommt außerdem die bei Gaming-Headset außergewöhnlich seltene, offene Bauweise zugute. Wir prüfen Corsairs Virtuoso Pro im Kurztest.

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Corsair Virtuoso Pro im Test - Open-Back-Headset mit hohen Qualitäten, aber saftigem Preis
Quelle: PC Games Hardware

Das neue Headset aus der Virtuoso-Reihe des Herstellers Corsair ist einen genaueren Blick wert. Denn das jüngst erschienene Oberklasse-Klinkengerät - Kostenpunkt 200 Euro - ist für ein Gaming-Headset recht ungewöhnlich. Anders als die meisten Gaming-Headsets und mobile Hörer für unterwegs ist das Virtuoso Pro ein Open-Back-Headset. Diese Bauform ist generell rar gesät, die große Mehrheit der Headsets sind nach dem geschlossenen oder Closed-Back-Design gefertigt. Das offene Design ist weitaus häufiger bei HiFi-Kopfhörern aufzutreffen, Vorteile des Open-Back-Designs sind die tendenziell größere Räumlichkeit beziehungsweise "Bühne", eine Bezeichnung, die im HiFi-Jargon oft genutzt wird.

Corsair Virtuoso Pro - Die Besonderheiten eines Open-Back-Designs

Das Klangbild bei offenen Hörern ist gegenüber geschlossenen Designs oft "luftiger", die Trennung einzelner Klänge differenzierter. Es bildet sich eine größere räumliche Staffelung zwischen einzelnen Klängen und den Kanälen, in der oft sehr lautmalerischen Audio-Fachsprache auch hin und wieder als "Orchestergraben" bezeichnet. Im Gegenzug bieten geschlossene Headsets nahezu immer eine bessere Isolierung, da ein Teil des Klangs bei offenen Hörern nicht nur nach außen, sondern Geräusche von Außen auch nach Innen gelangen. Der Bass ist bei geschlossenen Hörern zudem oft knackiger, punchiger, da die Kammern für die Treiber im Inneren der Hörer im Grunde ähnlich einem Bassreflex-System funktionieren, während der Tiefton bei offenen Hörern relativ frei nach außen dringen kann.

Letzterer Umstand verhilft dem Tiefton tendenziell zu etwas flinkerem Ansprechverhalten, bei sehr kräftigem oder tiefen Bass neigen offene Hörer hingegen zu etwas weniger knackigem Bass. Dies ist allerdings nur eine grobe Faustformel, viel hängt von der Gestaltung der Hörer, deren Abstimmung und der Qualität der Treiber ab. Der vielleicht größte Vorteil eines offenen Designs ist jedoch der hohe Komfort, da kühlende Luft an die Ohren gelangen kann und unangenehm schwitzige Lauscher verhindert. Das "Taucherglockengefühl", das bei einigen geschlossenen, oft schweren Headsets mit hohem Anpressdruck entstehen kann, wird bei offenen Designs obendrein minimiert.

Corsair Virtuoso Pro - Mehr Gaming-Kopfhörer mit Ansteckmikro als Headset?

Bei genauerer Untersuchung und auch beim Anschließen und Tragen des Headsets erinnert das Corsair Virtuoso Pro dann auch beinahe mehr an einen klassischen Kopfhörer samt Ansteckmikrofon, denn an ein "typisches" Gaming-Headset. Das Virtuoso Pro bietet einen Klinkenanschluss pro Hörerseite, im Lieferumfang befinden sich zwei rund zwei Meter lange Klinkenkabel mit stabil wirkender Nylon-Ummantelung. An einem ist das Schwanenhals-Mikrofon angebracht, die andere Klinkenverbindung kann für den mobilen Einsatz genutzt werden oder für den Heimgebrauch an der Stereo-Anlage. Die Modularität bei den Anschlüssen erlaubt obendrein, ein Elgato-Streaming-Setup respektive ein Tischmikrofon in das Setup einzubinden. Neben den Kabeln spendiert Corsair dem Virtuoso Pro eine hochwertige, feste und gepolsterte Tasche, in der Sie das Headset samt Kabeln aufbewahren oder es sicher und geschützt transportieren können.

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Das Äußere des Virtuoso Pro ähnelt in gewissem Rahmen den Wireless-Geschwistern Virtuoso SE und dem Dual-Wireless-Headset Virtuoso XT, unterscheidet sich allerdings auch in sehr vielen Punkten. Gemein sind die grundsätzlichen Ausmaße der Hörer, wie die Wireless-Geschwister setzt das Virtuoso außerdem auf den großzügigen Einsatz von Aluminium samt schickem Diamantzierschliff. Das bei den Wireless-Modellen trotz RGB dezente, erleuchtete Corsair-Logo an den Hörern ist auch beim Virtuoso aufzutreffen. Hier sitzt es allerdings hinter den offenen Hörerabdeckungen und ist aus glänzendem Metall gefertigt, allein technisch bedingt verzichtet das Klinken-Virtuoso-Pro auf eine RGB-Beleuchtung. Die Hörerabdeckungen im auffälligen, trigonal perforierten Design können abgenommen werden, für den Fall, dass Dreck oder Staub in die Hörer gelangen. Diese Seitendeckel sind beim Virtuoso Pro aus Plastik gefertigt, im Gegenzug ist die Aluminum-Aufhängung des Pro etwas üppiger als bei den Wireless-Geschwistern.

Unter den Deckeln sitzen Corsairs 50-mm-Graphene-Diaphragm-Treiber, ein Material, das aufgrund der aufgetragenen, feinen Graphen-Matrix zugleich sehr leicht und verwindungssteif ist. Das niedrige Gewicht des Treibermaterials und die damit verbundene, geringe Massenträgheit begünstigt schnelles Anspringen, die Steifigkeit verhindert Verzerren insbesondere bei hohen Pegeln. Die Treiber unterscheiden sich von den ebenfalls 50 mm messenden Treiber im Virtuoso XT und SE nicht nur in technischer Hinsicht, sondern auch was den Klang betrifft. Das Virtuoso Pro bietet einen fülligen, warmen und detaillierten Klang, der nicht nur etwas räumlicher und luftiger wirkt als bei den Wireless-Geschwistern, sondern auch etwas präziser und differenzierter aufspielt. Ein feines Timbre einer Stimme wird mit dem Klinken-Virtuoso etwa wesentlich deutlicher und akkurater abgebildet. Ähnliches gilt für Streichinstrumente, die mit viel Verve auftrumpfen. Der Sound ist generell sehr ausgewogen und erfreulich reaktionsschnell und akkurat, die leichte Bassbetonung und etwas hervorgehobene untere Mitten verleihen dem Sound ein angenehm warmes Klangbild. Trotz der Betonung neigt das Virtuoso Pro nicht zu brummigen oder trägen Bässen, klanglich spielt das Headset bemerkenswert flott und sauber auf.

Die Räumlichkeit des Headsets ist - verglichen mit Open-Back-Kopfhörern - trotz offenem Design nicht außergewöhnlich hoch, allerdings merklich größer als bei der geschlossenen Virtuoso-Verwandtschaft und luftiger als bei vielen anderen Gaming-Headsets. Besonders gut gelingt indes die Klang- und Kanaltrennung. Es ist mit dem Virtuoso Pro ein Leichtes, Geräusche zu orten und Gegner anhand verräterischer Laute zu lokalisieren. Durch die hohe Auflösung, das detaillierte Klangbild und die saubere Staffelung der einzelnen Klänge können sie obendrein die Entfernung besser einschätzen als bei vielen anderen Headsets. Allerdings kommt das Klinken-Headset technisch bedingt ohne Software und ohne Features wie Surround-Sound oder einen Equalizer daher. Fans von virtuellem Surround müssen sich also auf entsprechenden Support im Spiel verlassen oder die Fähigkeiten von Onboard-Audio respektive Soundkarte verlassen. Alternativ können Sie Software-Lösungen nutzen, darunter etwa das kostenlose Windows Sonic oder eine Lizenz für Dolby Atmos for Headphones. Im Regelfall bieten allerdings die meisten Spiele bereits ein Profil für Kopfhörer an, das virtuellen Surround-Sound auf jedwedem Headset und Kopfhörer ermöglicht.

Das optionale Ansteckmikrofon macht ebenfalls eine sehr gute Figur. Allerdings müssen wir darauf hinweisen, dass hier die Qualität des Onboard-Sounds oder der Soundkarte eine gehobene Rolle spielen kann, da diese etwa Features wie Rausch- und Echounterdrückung, Sprachverbesserungen oder mitunter gar einen Mikrofon-Equalizer bieten. Je nachdem, wie und wo Sie das Klinken-Headset anschließen und ob und wie Sie das Mikrofon abstimmen, kann sich die Erfahrung also in durchaus größerem Rahmen ändern. Angeschlossen an einem ALC4080-Onboard-Codec ohne zusätzliches Tuning oder Filter klingt das Mikrofon des Virtuso Pro sauber und klar, lässt allerdings ein wenig Tiefton vermissen. Der merkliche Low-Cut lässt die Stimme ein wenig dünner wirken, als sie in der Realität klingt. Auf der Habenseite zeichnet das Mikrofon selbst ohne zusätzliche Filterung durch Hard- und Software ohne merkliche Störgeräusche auf. Die Aufnahme ist zudem etwas detaillierter und klarer als bei den Wireless-Modellen, deren Mikrofone wohl aufgrund der in der Bandbreite eingeschränkten Funkübertragung stärker komprimiert werden. Generell ist die Mikrofon-Qualität einwandfrei, an ein gutes Tischmikrofon kommt das Ansteckmikro des Virtuoso Pro aber natürlich nicht heran.

Corsair Virtuoso Pro - Fokus auf Bequemlichkeit

Der sehr gute Klang des Corsair Virtuoso Pro ist definitiv eines Lobes wert, das Klinken-Headset trumpft selbst bei hochqualitativer, komplexer Musik auf und kann auch abseits dem Spielen überzeugen. Es kann ohne Weiteres auch als Kopfhörer-Ersatz dienen, selbst an mobilen Zuspielern mit relativ begrenzter Verstärkung klingt das Headset voll und satt. Eine potente Verstärkung ist trotz des offenen Designs also nicht zwangsweise nötig, wir würden Ihnen allerdings einen qualitativ zumindest guten Zuspieler respektive einen Onboard-Sound gehobener Güte, DAC oder eine Soundkarte empfehlen. Das Virtuoso Pro löst fein genug auf, um von qualitativ hochwertigen Audioquellen merklich zu profitieren. Generell ist das Virtuoso Pro allerdings unkompliziert, was die Frage nach Anschluss, Audio-Quelle und Verstärkung betrifft.

Angenehm unaufdringlich ist das Virtuoso Pro allerdings auch beim Tragen und dies ist vielleicht eine der Stärken des Headsets, die besondere Erwähnung verdienen. Das Virtuoso Pro sitzt ausgesprochen bequem auf dem Kopf, dank der weichen, luftigen Kunstfaserpolster schmiegt sich das Headset beinahe schon sanft an die Kopfform an. Gegenüber den Wireless-Geschwistern, beide um 400 Gramm schwer, ist das Virtuoso Pro außerdem deutlich leichter, ein Umstand, der sich insbesondere bei langen Spiele- oder Streaming-Sitzungen positiv bemerkbar macht. Das offene, luftige Design tut sein Übriges. Gegenüber den bereits sehr komfortablen Kabellos-Modellen mit Kunstleder-Polsterung ist das Virtuoso Pro nochmals deutlich angenehmer zu tragen.

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Dabei steht allerdings zu beachten, dass der angenehm luftige, offene Komfort auch mit einigen Nachteilen kommt. Die Isolation ist gegenüber den Kunstleder-bewehrten, geschlossenen Wireless-Virtuoso-Modellen deutlich schlechter, in lauten Umgebungen dringen Geräusche ins Innere und können Spielspaß und Atmosphäre beeinflussen. Wenn Sie Ihren PC ausfahren, kann es etwa sein, dass Lüftergeräusche vernehmlich sind oder weltlicher Straßenlärm die Immersion im Spiel stört. Und natürlich kann der Gaming-Sound oder die Musik aus dem Headset bei hohen Pegeln auch nach Außen dringen, sollten Sie Ihre Behausung also mit geräuschempfindlichen Mitmenschen teilen, ist unter Umständen starke Zurückhaltung bei der Lautstärke ratsam. Bei Letzterer gilt vornehmlich bei kräftigen Zuspielern allerdings generell etwa Mäßigung, denn anders als USB- und Wireless-Headsets kommt das Klinkengerät ohne (freiwillige) Lautstärke-Begrenzung. Die potenziellen Pegel sind sehr hoch; bis die Treiber ihre Contenance verlieren und mit Verzerrungen und Kompression auf das Ende der Fahnenstange hinweisen, sind längst die Gesundheit beeinträchtigende Pegel erreicht, Reserven sind reichlich vorhanden.

Corsair Virtuoso Pro - Fazit des Kurztests

Wir freuen uns sehr, dass Corsair mit dem Virtuoso Pro ein wenig die abgesteckten Pfade "typischer" Gaming-Headsets verlässt und ein Klinken-Headset mit offenem Design anbietet. Das Virtuoso Pro ist merklich für gehobene Ansprüche ausgelegt. Ja, der klare, detaillierte und nahezu neutrale Klang, der hohe Komfort und die Möglichkeit, das Klinken-Headset simpel und einfach in ein Streaming-Setup einzubinden, lassen das Virtuoso Pro beinahe wie einen semi-professionellen Kopfhörer wirken, der auch in einem Tonstudio nicht völlig deplatziert wäre. Doch ist das neue Oberklasse-Headset von Corsair nicht nur für Streamer interessant. Wenn Sie häufiger viel Zeit in langen Spiele-Sessions verbringen oder ein gutes Klinken-Headset suchen, das neben dem Spielen auch für gehobenen Musikgenuss herhalten kann, können wir Ihnen das Virtuoso Pro ans Herz legen.

Für eine der kommenden PCGH-Ausgaben planen wir mit einem neuen Headset-Vergleichstest, dort wird sich das Virtuoso Pro der jüngst herangewachsenen Konkurrenz stellen. Wir können Ihnen an dieser Stelle allerdings bereits verkünden, dass sich im Testfeld mit hoher Wahrscheinlichkeit kein weiteres Klinken-Headset mit ähnlich hohen Qualitäten, dem angenehm luftig-offenen Design und dem damit verbundenen Komfort befinden wird. Mit dem Virtuoso Pro hat Corsair eine gewisse Rarität geschaffen, die in ähnlicher Form nur extrem selten im Gaming-Bereich anzutreffen ist. Der Preis um 200 Euro ist nicht günstig, wirkt den hohen Qualitäten aber angemessen.

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    • Kommentare (5)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von JackA Lötkolbengott/-göttin
        200€, neutraler Klang, offene Bauweise und wenn alle wichtigen Elemente aus Metall (Aluminium) gefertigt sind, dann sehe ich hier ein klasse Produkt, das dem MMX300 das fürchten lehren kann (der ja bekanntlich einen Mondpreis trägt).
        Wobei man aber Ähnliches auch aus deinem Fidelio X2HR mit OneOdio BoomMic bauen kann und dann liegt man preislich bei 100-150€ (je nachdem, ob der X2HR gerade im Angebot ist).
        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]
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      • Von JackA Lötkolbengott/-göttin
        200€, neutraler Klang, offene Bauweise und wenn alle wichtigen Elemente aus Metall (Aluminium) gefertigt sind, dann sehe ich hier ein klasse Produkt, das dem MMX300 das fürchten lehren kann (der ja bekanntlich einen Mondpreis trägt).
        Wobei man aber Ähnliches auch aus deinem Fidelio X2HR mit OneOdio BoomMic bauen kann und dann liegt man preislich bei 100-150€ (je nachdem, ob der X2HR gerade im Angebot ist).
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      • Von Alpha_Nerd
        Ich wäre auch für einen Vergleich dankbar. Ich hatte ein Virtuoso Headset und es war das schlechteste Headset was ich jemals hatte. Wir haben jetzt nur noch Kabel gebundene Beyerdynamic Headsets. Die sind klanglich top und günstiger als das was Corsair bietet
      • Von RaptorTP PC-Selbstbauer(in)
        Ich begrüße diese Entwicklung.

        Wer weiß, vielleicht gibt es ja bald mal ein gutes Headset.

        Wenn es in allen Kategorien überzeugt dann sind 200€ wirklich noch im Rahmen.
        Aber auch nur dann
      • Von PCGH_Phil BIOS-Overclocker(in)
        Ja, richtig. Die (bzw. Epos, die die Gaming-Sparte übernommen haben) haben leider dicht gemacht.
        Vielleicht kommt da noch mal in anderer Form was aus der Richtung, aber unter dem Namen war's das erst mal.

        https://www.pcgameshardwa...

        Es gibt noch ein paar andere, zum Beispiel das Audio Technica GDL3 (das ist superleicht, noch offener, aber ist auch ein bisschen Gamey abgestimmt) oder das Beyerdynamic Tygr 300 R (basically ein Open-Back-MMX-300 ohne Mikro bzw. im Bundle mit Tischmikro), aber viel gibt es ansonsten nicht.

        Gruß,
        Phil
      • Von joel3214 Software-Overclocker(in)
        Sennheiser hat auch offene mit Klinke in Angebot. Ein Vergleich zu diesen wäre wunderbar.
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