Früher war alles besser: Oder warum kauft 36 Jahre später noch jeder diese Digitaluhr?
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Lange vor der Erfindung der Smartwatch erschien die Digitaluhr Casio F-91W. Sie verkauft sich noch immer tausendfach bei Händlern wie Amazon und wirkt wie ein Gegenentwurf zum Smartphone.
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Ende vergangenen Jahres habe ich mir einen Plattenspieler zugelegt. Es ging mir hauptsächlich darum, wieder bewusster Musik zu hören: ohne Display und die zugehörige Verlockung des Überspringens. Dazu kommt ein Sammlerwert, den Plastikbomber in Form von CD-Hüllen so nicht bieten.
Das Bewusste scheint seit der Erfindung des Smartphones vielen abhandengekommen zu sein. Ich war just ganz erstaunt, als mir ein Freund eine kurze Videobotschaft von einem Konzert via WhatsApp schickte. Wirklich jeder hielt dort das verdammte Ding in den Händen.
Digitaler Stress durch Smartphone und Smartwatch
Am Smartphone führt heute kein Weg vorbei, gewiss, aber ich würde mir nie eine Smartwatch zulegen. Müsste ich aus gesundheitlichen Gründen meine Werte überwachen, wäre die Anschaffung eine Überlegung wert. Das ist glücklicherweise nicht der Fall. Da ich vier- bis fünfmal die Woche trainiere, benötige ich am Handgelenk auch keinen Schrittzähler, der anfängt zu plärren, sollte ich nicht genug Kalorien verbrennen.
Das Smartphone halte ich oft genug in den Händen. Auch am Handgelenk permanent in Versuchung zu geraten, würde auf zusätzlichen digitalen Stress hinauslaufen. Vielleicht bringen Sie die nötige Selbstdisziplin mit, viele tun es nicht. Mögliche Folgen sind Müdigkeit und sinkende Leistungsfähigkeit.
Eine bewusstere Smartphone- und Mediennutzung ist kein unerreichbares Ziel. So berichtete der Bayerische Rundfunk im vergangenen Jahr, dass ausgerechnet bei jüngeren Nutzern das sogenannte Dumphone im Trend liegt. Diese "dummen" Telefone als Gegenentwurf zum "cleveren" Smartphone bieten nur einige grundlegende Funktionen und damit möglichst wenig Ablenkung.
Auch ich finde, dass es seine Vorzüge hat, nicht immer und überall auf multimediale Weise erreichbar zu sein oder mit Informationen geflutet zu werden.
Eine Uhr mit Geschichte trotzt dem Trend zur Smartwatch
Quelle: Casio
Das Design der Uhr hat sich seit 1989 nicht geändert.
Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass sich bei Amazon eine Uhr aus dem Jahre 1989 noch immer tausendfach verkauft. Es handelt sich um die Digitaluhr Casio F-91W.
Ich hatte sie Mitte der 90er als Neunjähriger von meiner Tante als Weihnachtsgeschenk erhalten. Damals waren solche Zeitmesser schwer angesagt. Man war jemand, wenn man in digitaler Form eine Sekunden- und Datumsanzeige, einen Alarm und eine Stoppuhr ins Feld führte. Wasserdicht sollte und soll die Casio sein, wobei sich das "3m" auf dem Gehäuse nicht etwa auf die Tiefe von 3 Metern bezieht, sondern 3 Bar meint. Für Tauchgänge empfiehlt sich der Klassiker also nicht.
Seit 1989, dem Jahr des Game-Boys, ist viel passiert, Präsidenten und Kanzler kamen und gingen. Spannenderweise wurde der spätere und längst ehemalige US-Präsident Barack Obama in den 90ern mit einer dieser Uhren am Arm auf Zelluloid gebannt.
Unrühmliche Bekanntheit erlange die F-91W leider auch, als bekannt wurde, dass Al-Qaida-Mitglieder Bombenzünder auf Basis der Uhr bauen. Der Zeitmesser kostet im Nahen Osten tatsächlich nur wenige Euro. Er gilt zugleich als langlebig wie robust.
Bei jährlich angeblich noch immer Millionen abgesetzten Exemplaren wäre es jedoch abwegig, alle Träger als Bombenleger hinzustellen. Es hätte so wenig Substanz wie die Killerspielerkeule nach einem Amoklauf.
Bei Amazon steht die Casio F-91W in den Charts vorn
Die Casio F-91W ist über die Jahre in etlichen Varianten erschienen, wie auch ein Blick in den Casio'schen Amazon Store zeigt. Als zeitloser Klassiker gilt die schwarze Variante. Noch immer sieht der Zeitmesser aus wie Ende der 80er-Jahre, sprich: 34 x 38 mm großes Gehäuse, 8 Millimeter dick, dazu das 20,5 cm lange und 21 mm breite Kunststoffarmband in schwarzer Farbe.
Ein Quarzuhrwerk hat Casio ebenfalls verbaut, wobei der Hersteller eine Genauigkeit von ±30 Sekunden pro Monat angibt. Nachstellen muss man sie demnach nur selten. Geändert hat sich eigentlich nur das Licht, das einst weiß war und inzwischen grün leuchtet.
Bei Amazon steht die Uhr aktuell auf Platz 1 der Charts in "Armbanduhren für Herren" mit 2.000 Verkäufen allein im letzten Monat. Sie schlägt dort mit 17,91 Euro nach einem 15 prozentigen Rabatt auf die hinterlegte UVP in Höhe von 21 Euro zu Buche.
Die Uhr zählt demnach auch im Sommer zu den gefragtesten Herrenarmbanduhren, wenngleich wir die Kategorie für nicht ganz zutreffend halten: Letztlich können auch Frauen die Casio tragen.
Interessant: Auch auf den Rängen 2, 3, 4, 5 und 6 folgen zum Zeitpunkt der Artikelerstellung schlicht gehaltene Uhren des japanischen Herstellers. So geht Platz 2 an einen Zeitmesser mit Zeigern und silberfarbenem Armband, danach folgen noch zwei Verwandte der Casio F-91W - einer davon in Goldoptik.
Schon der Designer der Uhr, Ryusuke Moriai, beschrieb sie als klein, flach und einfach. Sie sollte schlicht funktionieren, tun, wofür sie gedacht ist, frei auch nach dem Motto: Never change a running system. Das kommt auch im Sommer 2025 an, obwohl wir bezweifeln, dass die F-91W ausschließlich fürs Outdoor-Abenteuer in den schwedischen Wäldern gekauft wird. Viele möchten wohl einfach nur eine einfache und zeitlose Uhr besitzen.


Nur unseren Pelz an Brust und Rücken tragen wir freiwillig
Damals sind wir voll drauf abgefahren.
Aber ich trage jetzt schon seit Ewigkeiten keine Uhren mehr und habe mich dran gewöhnt.
Ich hatte kürzlich noch eine Smartwatch von Samsung. Die hatte ich wieder verkauft weil sie mich gestört hat.
Schmuck trage ich auch keinen... nicht mal einen Ring.
Und meine Brille habe ich auch nicht immer auf.
Keine Ahnung ob das irgendwie alles zusammenhängt.
Von wegen Hochsensibilität oder so.
Auf diese Uhr bin ich ja heftig abgefahren, mit Solar, das war damals Inovation pur.
casio lcd Uhr AL190W
Ich trage seit meinen Teenagerjahren ausschließlich G-Shock. Die kann ich überall tragen, ob beim Sport, im Büro, bei der Gartenarbeit oder beim Renovieren. Egal, was ich ihr antue, sie bekommt nicht einen Kratzer und läuft jahrelang ohne Batteriewechsel. Und Updates braucht sie auch nicht, geschweige denn dass ich befürchten müsste, sie mangels Support des Herstellers auf den Müll werfen zu müssen, obwohl sie eigentlich noch funktioniert.
Natürlich hat eine Smartwatch andere Features, aber was ich von einer Uhr erwarte, kann meine Uhr. Dass ich darauf keine E-Mails lesen kann, ist mir vergleichsweise egal, wenn ich sie dafür nicht ständig aufladen muss.
Smartwatches sind für mich unnütze "Satelliten" meines Smartphones mit einer entsprechend kurzen Lebenszeit. Von einer Armbanduhr erwarte ich, dass ich sie mindestens zehn Jahre tragen kann.