Meddl Leude! Schallplatte im Kommen - ein statistischer Rückblick auf das Musikjahr
Platte und Radio sind stark gegen das omnipräsente Streaming. Der BVMI hat seinen statistischen Jahresrückblick veröffentlicht und der hat die eine oder andere Überraschung parat.
Musik konsumieren Menschen heutzutage primär über Streaming-Dienste wie Spotify, wo man gerade erst eine Preiserhöhung verdauen durfte. Die war zwar noch nicht für das gute Ergebnis der Branche mitverantwortlich, wird aber künftig dazu beitragen. Gut gelaufen ist es nämlich schon im vergangenen Jahr: Trotz Vorwürfen gegen das Streaming, ist es der Umsatztreiber der Branche, wie der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) mitteilt. Zweistellige prozentuale Zuwächse lassen sich im Digitalgeschäft verzeichnen, und es ist mit 80 Prozent am Gesamtumsatz in Deutschland beteiligt. Allerdings zählt der Verband auch die Digitalverkäufe in dieses Segment. Die sind jedoch im Vergleich zum Streaming mittlerweile überschaubar, wenngleich Apple so den Markt liberalisiert hat.
Musik war meine erste Liebe
Denn wer Musik noch kauft, der will meistens auch etwas Haptisches in der Hand haben und deswegen kann der Tonträger in der Nische sogar wachsen. Während Compact Discs weiter sinken, weil sie auch das dominante Medium vor der Liberalisierung waren, feiert die Schallplatte ihr Comeback. Und in diesem Segment sind Kunden auch bereit, tiefer in die Tasche zu greifen. Der Umsatz am Gesamtmarkt, der vom BVMI statistisch nicht erfasst wird, wird auf das Doppelte dessen geschätzt, was mit der statistisch erfassten Neuware erreicht wird.
Langfristig geht man davon aus, dass Compact Discs unter den Umsatz von Schallplatten sinken werden, bevor dann ein weiterer Wandel entsteht. Der BVMI hat hierzu auch Zahlen: CDs kaufen vor allem Schlager-, Klassik- und Jazzfans, und die ehemalige Feste Rock/Metal muss die Compact Disc zunehmend an die Schallplatte abgeben. Im Gegenzug sind diese Segmente auch die schwächsten im Streaming. Während also Hip-Hop- und Popmusik von der CD in die Richtung Streaming abgewandert ist, wandern Rock- und Metalfans zur Schallplatte ab und stellen mittlerweile 49 Prozent der Käufer. Die anspruchslosesten Vertriebskunden sind übrigens die Pophörer, die ihrer Liebe zur Musik relativ unabhängig vom Medium nachgehen - sie stellen jeweils rund ein Viertel der Kundschaft.
Musikbranche im Wandel
Insgesamt ist der deutsche Musikmarkt aber im Umsatz kleiner als noch zur Jahrtausendwende. Ob allerdings durch digitalisierte Vertriebswege heute mehr Gewinn übrig bleibt, das geben die Statistiken des BVMI nicht her. Sicher ist, dass sich auch die Vergütungen durch die neuen Modelle verändert haben. Der BVMI gibt an, dass heute 32 Prozent mehr an die Künstler ausgeschüttet wird als noch im Jahr 2010 und Musiklabels 17 Prozent mehr Gesamteinnahmen verbuchen können. Das ist unter anderem ein Ergebnis der sich ändernden Vertriebswege von Musik, was bis zum Marketing reicht. Musiklabels geben etwa nur noch 16 % ihrer Aufwendungen für Marketing aus; zu Spitzenzeiten waren es 25 Prozent und meist um ein Viertel, während sich der Wert ab 2021 bei einem Fünftel einpendelt.
Quelle: BVMI
Historischer Blick auf die Umsätze der deutschen Musikbranche.
Hörgewohnheiten auch
Die Hörgewohnheiten der Kunden haben sich auch verändert, und die Statistiken des BVMI liefern hier spannende Details für Zahlenfans. Prozentual wird etwa immer noch viel Zeit am Radio verbracht, was vermutlich in der Natur der Sache liegt, wie Radio genutzt werden kann. Der Wert stieg sogar leicht zum Vorjahr. Darüber hinaus gilt aber der Siegeszug des digitalen Vertriebs, der sich selbst stets wandelt. Shorts etwa verlieren im Moment eher an Relevanz, während Musikvideos wieder zulegen.
Sicher gut zu hören ist, dass es bei Musik keinen "Gender Gap" gibt: Der Musikgeschmack der deutschen Geschlechter ist sehr ähnlich und auch das Nutzungsverhalten gleicht sich immer weiter an. Um das Radio noch einmal aufzugreifen: Je älter die Leute sind, desto mehr Radio wird gehört und desto eher werden Tonträger gekauft. Außerdem hören jüngere Leute erwartungsgemäß "modernere" Musik, doch die Gefälle gleichen sich auch hier zunehmend an und generell gilt, dass jede Altersgruppe eine Schwäche für die Musik hat, mit der sie groß geworden ist. Es gibt dabei nur wenige Ausnahmen wie Klassik, die aber schon vor Jahren eine Sonderstellung hatte. Mainstream-Musikformen wie Rock, Pop, Elektro sind aber überall gefragt und das dürfte sich auch dem Segment der Ältesten (60-69 und über 70) in den kommenden Jahren anpassen.
Statistischer Jahresrückblick
Nette Randnotiz: Die Top-Musikhändler in Deutschland sind heute Amazon vor Apple Music und JPC sowie Spotify und Youtube Music gemessen nach Umsatz. Alte Größen wie die Media-Markt-Saturn-Gruppe mussten sich 2020 aus den Top 5 verabschieden. Das meiste Geld verdient die Branche nach Umsatz mit Pop, gefolgt von Hip-Hop und Rock. Dance schafft es noch auf zweistellige Marktanteile, bevor es dann fragmentiert. In Deutschland ist der Konsum von nationaler und internationaler Musik recht ausgewogen, bei je zur Hälfte.
Wer sich das volle Datenpaket samt Grafiken zu Gemüte führen will, findet das beim BVMI auch als PDF oder sogar als Hardcoverbuch für Sammler. Wie sind ihre Musikgewohnheiten? Nutzen Sie die Kommentarfunktion und teilen Sie uns Ihre Meinung mit. Zum Kommentieren müssten Sie auf PCGH.de oder im Extreme-Forum eingeloggt sein. Sollten Sie noch keinen Account haben, könnten Sie über eine Registrierung nachdenken, die viele Vorteile mit sich bringt. Beachten Sie beim Kommentieren aber bitte die gültigen Forenregeln.

Kauf doch alles was dir als super krasse Leistung angeboten wird, dein Ding.🤷🏼♂️
Das ist der Punkt der mich von einem Abo abhält und mich den Streamingmüll ablehnen lässt.🤷🏼♂️
Gierig sind alle, stimmt, so ist das halt in diesem ekelhaften Kapitalismus der einfach nur noch krank ist.
Dennoch ist es ein Unterschied ob ich mir etwas freiwillig kaufe, oder durch Sackgang zu etwas gebracht werden soll.🤷🏼♂️
Das ist der Punkt der mich von einem Abo abhält und mich den Streamingmüll ablehnen lässt.🤷🏼♂️
Gierig sind alle, stimmt, so ist das halt in diesem ekelhaften Kapitalismus der einfach nur noch krank ist.
Dennoch ist es ein Unterschied ob ich mir etwas freiwillig kaufe, oder durch Sackgang zu etwas gebracht werden soll.🤷🏼♂️
Außerdem ist die Art der Monetarisierung das Problem.
Man könnte die Werbung auch etwas kundenfreundlicher gestalten.🤷🏼♂️
Warum sollte ich die stupide Art und Weise der Monetarisierung noch mit einem Abo belohnen? Da nutze ich lieber Alternativen.