Fast 250.000 Unterzeichner: Petition gegen unregulierte KI-Synchronisation kurz vor dem Ziel

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Fast 250.000 Unterzeichner: Petition gegen unregulierte KI-Synchronisation kurz vor dem Ziel
Quelle: Renateko bei Pixabay

Eine Petition, die klare Regeln für künstliche Stimmen im Bereich Film, Fernsehen und anderer audiovisueller Medien fordert, steht kurz vor der Zielmarke. Initiiert wurde sie von einem Synchronsprecherverband.

Der "Verband Deutscher Sprecher:innen", kurz VDS, hatte vor einiger Zeit eine Petition für strengere Regeln beim Einsatz künstlicher Stimmen und generativer KI in Film, Fernsehen und Medien gestartet. Das Sammelziel ist nun in greifbare Nähe gerückt. Knapp 241.000 Menschen haben bei Open Petition unterzeichnet. Angepeilt sind 255.000 Unterstützer.

Kein Verbot, aber klare Regeln

Im Fokus der Kritik steht der unregulierte Einsatz generativer KI-Systeme. Man habe Anlass zu vermuten, dass bestehende Werke und personenbezogene Daten häufig ohne ausdrückliche Zustimmung zum Training von KI-Modellen genutzt werden.

Mit Blick auf den Wert von Kunst heißt es: "Künstler reflektieren und kommentieren seit jeher die Gesellschaft, in der sie leben, schaffen Empathie und Aufmerksamkeit. Sie sind somit integraler Bestandteil einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft."

Zudem warnen die Unterzeichner vor dem Missbrauchspotenzial von Deepfakes und synthetischen Stimmen. "Die Möglichkeiten reichen von krimineller Nutzung bis hin zu gezielter politisch motivierter Desinformation."

Insofern enthält die Petition auch einige Forderungen wie eine klare Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte. So müsse für Verbraucher jederzeit erkennbar sein, ob Texte, Stimmen, Bilder oder Videos von Menschen oder Maschinen erstellt wurden. Die aktuell von der EU vorgesehenen Regeln reichen den Initiatoren nicht aus. "Deutschland, das Land der Dichter und Denker, muss hier vorangehen. Werke müssen klar, sichtbar und hörbar gekennzeichnet werden, damit die Öffentlichkeit über die 'synthetische Natur' der Programme, die sie sieht, informiert wird. Es muss klar erkennbar sein, was durch KI erstellt wurde."

Adressiert ist die Petition unter anderem an den Bundeskanzler, an das Kulturstaatsministerium und an deutsche Vertreter in der EU.

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Gewinne landen bei Techkonzernen

Auch den Verlust von Arbeitsplätzen durch den unregulierten Einsatz der KI greifen die Initiatoren auf, sei es nun in der Synchronisations-, Übersetzungs- oder Medienbranche. "Das bedeutet einerseits fehlende Steuereinnahmen, aber andererseits auch den Zusammenbruch eines wesentlichen Wirtschaftszweigs Deutschlands."

Wirtschaftliche Vorteile sieht man vor allem bei großen Technologieunternehmen außerhalb Europas, obwohl ihnen kreative Inhalte aus Europa als Trainingsgrundlage dienen.

Naheliegenderweise möchten Sprecher, Autoren und andere Kreativschaffende von diesem Kuchen etwas abhaben. In der Petition ist daher auch von einer angemessenen Vergütung die Rede. Man sei nicht länger bereit, ohne explizite Einwilligung und angemessene Vergütung generative KI zu unterstützen.

Unterzeichner setzen sich laut Petitionsseite dafür ein, "audiovisuelle und schriftliche Werke aus aller Welt in hochwertigen Synchronisationen und Übersetzungen zu würdigen und zu erhalten." Es geht um Werke, die von Menschen für Menschen geschaffen werden.

Die Petition einsehen und unterzeichnen kann man hier.

Sprecher wehren sich bereits seit Monaten

Die Synchronbranche umtreibt das Thema KI schon seit einiger Zeit. So hatte sich Bodo Henkel, die deutsche Stimme des Magiers Xardas in der Gothic-Reihe, schon im Herbst an die Community gewandt. Wer seine Stimme nutzen möchte, soll ihn anfragen, und sie nicht einfach per KI imitieren. Ansonsten verstoße man gegen sein Persönlichkeitsrecht.

Zuvor war der deutsche Sprecher von Bruce Willis, Manfred Lehmann, wegen der unerlaubten Nutzung seiner Stimme vor Gericht gezogen. Dieses bewertete den Stimmdiebstahl durch einen Influencer, der per KI politische Videos mit Lehmans Stimme untermalt hatte, als Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht.

Im April wurde bekannt, dass die Synchronlegende Santiago Ziesmer erstmals seit Jahren nicht mehr seinen Stammschauspieler Steve Buscemi spricht. Hintergrund ist eine KI-Klausel in den Verträgen des Streaming-Riesen Netflix. Diese erlaubt es Netflix, mit den Sprachaufnahmen eine KI zu trainieren. Gemeinsam geteilt hatte Ziesmer den Beitrag mit dem Sprecherverband VDS.

Neben Ziesmer begehren aktuell Hunderte Sprecher gegen die KI-Verträge von Netflix auf, darunter Patrick Winczewski, bekannt als deutsche Stimme von Tom Cruise. Winczewski hatte gegenüber dem ZDF im Februar unter anderem erklärt: "Wir wollen dafür erstens vergütet werden und zweitens überhaupt die Wahl haben, ob wir das machen wollen oder nicht."

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Quelle: Open Petition

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    • Kommentare (5)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von XXTREME Lötkolbengott/-göttin
        Zitat von V3K1
        Mir wäre es Wurscht.
        Tja du bist ja auch wohl nicht direkt betroffen nehme ich mal an...typisch deutsch die "mir doch egal Mentalität" aber nur solange man nicht selbst betroffen ist 😣.
      • Von XXTREME Lötkolbengott/-göttin
        Zitat von V3K1
        Mir wäre es Wurscht.
        Tja du bist ja auch wohl nicht direkt betroffen nehme ich mal an...typisch deutsch die "mir doch egal Mentalität" aber nur solange man nicht selbst betroffen ist 😣.
      • Von V3K1 Kabelverknoter(in)
        Mir wäre es Wurscht.
      • Von RyzA Flüssigstickstoff-Guru (m/w)
        Wenn man jahrelang eine Stimme mit einen bestimmten Schauspieler verbindet und der Synchronsprecher krank wird oder schlimmstenfalls stirbt, ist das erstmal gewöhnungsbedürftig sich an eine andere Stimme zu gewöhnen.
        Deswegen ist es gut wenn man die Möglichkeit hat Stimmen zu "konservieren".
        Allerdings nur mit Zustimmung der jeweiligen Synchronsprecher.
      • Von ShyBell Komplett-PC-Aufrüster(in)
        Haben die Kutscher damals auch eine Petition gegen Autos eingereicht?
        Niemand hat die Klangfarbe seiner Stimme für sich gebucht. Wie weit muss oder darf dann eine Stimme anders klingen, um keine Persönlichkeitsrechte zu verletzen? Wenn ich den Helden von Gothic 1 und dem Remake höre, denke ich auch, dass es zwei verschiedene Menschen sind.
        Der Beruf wird einfach sterben und egal ob die EU oder DE sich nun selbst einen Stock in die Speichen steckt. Die Welt interessiert das nicht und alle anderen Länder werden durch weniger Regulation Wettbewerbsvorteile haben. Dann wird wieder rumgeheult, warum alles in Deutschland so teuer und schlecht ist.
        Und versteht mich nicht falsch, ich finde Kutschen auch schön
      • Von EM_EN Software-Overclocker(in)
        Es ist ein Kampf gegen Windmühlen und gegen das Kapital. Dennoch haben sie meine Stimme, denn es ist der laute Protest gegen den Diebstahl von Persönlichkeitsrechte und Eigentum.
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