Wegen Netflix' KI-Klausel: Bekannter Synchronsprecher gibt einen seiner Schauspieler ab
Die deutsche Synchronlegende Santiago Ziesmer, unter anderem bekannt als Spongebob, spricht wegen der KI-Trainings-Klausel in den Verträgen von Neflix erstmals seit Jahren einen seiner Schauspieler nicht.
Künstliche Intelligenz wird die Welt umkrempeln wie einst das Internet. Bei der Früherkennung von Krankheiten auf Basis von MRTs oder Röntgenbildern leistet sie schon jetzt Beachtliches. Allerdings wird die KI Arbeitsplätze kosten, und das vermutlich nicht wenige.
Technische Revolution ist als solche nichts Neues. Aber das erste Mal in der Geschichte fallen nicht primär Knochenjobs weg, sondern anspruchsvollere und kreative Berufe. Vielleicht ist es Schwarzmalerei: Aber wenn Kunst im großen Stil aus dem Automaten kommt, geht das, was uns als Menschen auszeichnet, verloren.
Trainiert werden KIs mit Daten. Wer Texte, Musik oder Bilder veröffentlicht, hat keine Wahl. Menschlichen Content werfen Unternehmen ihren KI-Modellen regelrecht zum Fraß vor.
Auch unlautere Geschäftsmodelle greifen um sich. So gibt es selbsternannte Fachmagazine mit Firmensitz auf den Seychellen, die unsere Texte automatisiert umschreiben lassen und in den Google-Feeds ausspielen, sodass dort unsere eigene Arbeit mit uns in Konkurrenz tritt.
Deutsche Synchronbranche wehrt sich gegen KI-Training
Unter Beschuss steht aktuell die Synchronbranche. Fanvideos mit nachgemachten Stimmen, wie sie seit Jahren die Runde machen, erinnern nicht nur vage an die Vorlagen. Reine KI-Synchronfassungen sind vielleicht nur eine Frage der Zeit.
Sprecher müssen sich freilich nicht alles gefallen lassen. Bodo Henkel, die deutsche Stimme des Magiers Xardas in der Gothic-Reihe, verbittet sich das Imitieren seiner Stimme per KI. Zuvor hatte der deutsche Sprecher von Bruce Willis, Manfred Lehmann, eine Gerichtsverhandlung über den KI-Missbrauch seiner Stimme gewonnen. Das Gericht bewertete den Stimmdiebstahl nicht nur als Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht: Der Content-Creator musste dem Schauspieler eine fiktive Gage nachzahlen.
Gegen Imitate kann man sich wehren. Nun möchte aber ausgerechnet Netflix die Arbeit deutscher Synchronsprecher nutzen, um KI-Modelle zu trainieren. Wegen der entsprechenden Vertragsklauseln boykottieren Hunderte Synchronsprecher den Streaming-Riesen seit Wochen. Wie Golem berichtet, beauftragte der Sprecherverband VDS zuletzt die Rechtsanwaltssozietät Spirit Legal mit einer Datenschutzbeschwerde .
Santiago Ziesmer bricht mit seit Jahren bestehender Kontinutät
Auch die deutsche Synchronlegende Santiago Ziesmer ist mit den Klauseln nicht einverstanden. Erstmals seit Jahren wird er daher einen seiner Stammschauspieler nicht sprechen. "Liebe Freunde, die Zeiten ändern sich. Und das ist auch völlig in Ordnung, wenn es dem Menschen dienlich ist und nichts kaputt macht", beginnt Ziesmer in einem Audiobeitrag auf Instagram. "Nun sollte ich allerdings für einige Synchronarbeiten für Produktionen mit dem fantastischen Schauspieler Steve Buscemi, dem ich seit Jahrzehnten immer wieder meine deutsche Stimme leihen darf, einen Vertrag unterschreiben, bei dem ich einem KI-Training zustimmen sollte. Einem KI-Training, das aus meiner künstlerischen Arbeit, aus meiner Stimme, aus meinem Schauspiel Datenfutter machen möchte."
"Ich will aber nicht dafür sorgen, mich als Synchronschauspieler, als Künstler ersetzen oder abschaffen zu lassen. Ohne Erklärung. Ohne Vergütung." Den Netflix-Vertrag habe er nicht unterschrieben. Dabei sei er ein Künstler, der an seinen Schauspielern und Figuren hängt. Die Entscheidung breche ihm das Herz. "Aber ich lasse mir nicht vorschreiben, wie ich mich zu entscheiden habe. Dafür liebe ich meinen Beruf zu sehr und kämpfe auch dafür."
Der Synchronsprecher betont, in diesem Kampf nicht allein zu sein. "Wir sind viele, die die Gefahren der KI-Entwicklung schon seit langer Zeit wachsen und auf uns zukommen sehen." Ziesmer schließt damit, dass man vielleicht zu lange gewartet habe, auf die Gefahren der KI-Entwicklung zu reagieren. "Aber nun ist es an der Zeit, Haltung zu zeigen und ein Zeichen zu setzen." Dabei hoffe er auf Unterstützung.
Gemeinsam geteilt hat Ziesmer den Beitrag mit dem Sprecherverband VDS, der die Interessen von Synchronschauspielern vertritt. Neben Ziesmer begehren aktuell Hunderte Sprecher gegen die KI-Verträge von Netflix auf, darunter Patrick Winczewski, bekannt als deutsche Stimme von Tom Cruise. Winczewski hatte gegenüber dem ZDF im Februar unter anderem erklärt: "Wir wollen dafür erstens vergütet werden und zweitens überhaupt die Wahl haben, ob wir das machen wollen oder nicht."
Um welche Rollen von Steve Buscemi geht es?
Welche Rollen Santiago Ziesmer konkret abgelehnt hat, verrät der Synchronschauspieler in dem Audioclip nicht. Betroffen ist offenbar die Komödie Roommates, die am 17. April auf Netflix erschienen ist. Steve Buscemi ist dort in einer kleineren Rolle zu sehen. Im Deutschen spricht er laut Synchronkartei mit der Stimme von Joachim Kaps, nicht mit der von Santiago Ziesmer.
Wie man der Synchronkartei entnehmen kann, synchronisiert Santiago Ziesmer Steve Buscemi seit Anfang der 90er Jahre. Zunächst wechselte er sich regelmäßig mit anderen Synchronsprechern ab, ist aber längst Steve Buscemis Stammsprecher. Animierte Werke nicht mitgerechnet, da dort so oder so wild besetzt wird, gab es schon zehn Jahre lang keinen Kontinuitätsbruch mehr in einem Film. Ziesmer kennt man unter anderem auch als deutsche Stimme von Steve Urkel (Jaleel White) und Spongebob (im Original Tom Kenny).

Und nun wird es noch krasser: Wenn du das Konzert im Rahmen eines öffentlichen Auftritts nachträllerst, sind auch Abgaben fällig - egal wie schlecht du das Stück wieder gibst oder ob du selbst dafür Geld bekommst. Weihnachtsmärkte müssen für Weihnachtsmusikgedudel pauschal Abgaben zahlen, auch wenn das nur das Hintergrundrauschen beim öffentlichen Glühweinbesäufnis darstellt.
Stellst du so etwas ohne entsprechende Freigabe des Urhebers etwa auf Youtube, geht zumindest die Monetarisierung an den, der gegenüber YT angibt, die Rechte daran zu haben. Wie ich erst kürzlich von einem Content Creator lernen durfte, gilt das sogar fürs öffentliche Testen eines Computerspiels, in dem im Wald ein Vogel zwitschert: Da gibt es findige Leute, die u.a. die Rechte an bestimmten Vogelgezwitscher-Samples sich in ihren "Werken" gesichert haben und dann via YT die Monetarisierung auch für diese Test-Vorstellung eines Spiels, wo das Vogel-Gezwitscher nur Teil der Hintergrund-Spielatmosphäre und gar nicht Gegenstand des Spiele-Tests ist, für sich reklamieren.
Oder wenn z.B. Kindergärtnerinnen mit ihren Kindern Kinderlieder singen wollen, müssen sie für die Nutzung der Noten Lizenzabgaben zahlen.
Also ja: Es gibt eine ganze Menge Bereiche, wo Menschen nach der erstmaligen Erstellung eines "Werkes" noch sehr lange - und meist in Form von Erben oder Rechteverwertern auch über den Tod hinaus - mit ihrem Produkt, Werk o.ä. Geld verdienen.
Oder sieh dir den ganzen Bereich der Patent- und Markenrechte an. Was glaubst du, warum etwa ein Deutscher Zoll so rabbiat gegen Plagiate vorgeht: Da reicht es, wenn etwas nur so aussieht wie eine Rolex und dann kann es meinetwegen Rilox oder PengWeng heißen: Wenn du so ein Marken- oder Design-Plagiat hierzulande importieren willst und der Zoll merkt das, landet das ziemlich unmittelbar und kostenpflichtig im Schredder des Zoll und du zahlst noch ggf. ne saftige Strafe obendrauf.
Und genau in vielen dieser Bereiche wildern derzeit die KI-Konzerne mit ihren Trainingsdaten und darauf basierenden Leistungsangeboten v.a. herum und berufen sich auf das Recht der freien Interpretation, Informationsauswertung o.ä.
Aber Rechte-Inhaber wehren sich gegen dieses Gratis-Ausplünden ihrer Produkte, s. z.B.: https://www.dw.com/de/rol...
den oh wunder, der konzern benutzt seine arbeit nicht einmal weil er sich das von anderen holt. nix mit berechtigungen oder so ein blödsinn. er hat keinen vertrag und arbeitet auch nicht für die und die wollen ihn so auch nicht haben und sagten bereits tschüss ^^
Und nun wird es noch krasser: Wenn du das Konzert im Rahmen eines öffentlichen Auftritts nachträllerst, sind auch Abgaben fällig - egal wie schlecht du das Stück wieder gibst oder ob du selbst dafür Geld bekommst. Weihnachtsmärkte müssen für Weihnachtsmusikgedudel pauschal Abgaben zahlen, auch wenn das nur das Hintergrundrauschen beim öffentlichen Glühweinbesäufnis darstellt.
Stellst du so etwas ohne entsprechende Freigabe des Urhebers etwa auf Youtube, geht zumindest die Monetarisierung an den, der gegenüber YT angibt, die Rechte daran zu haben. Wie ich erst kürzlich von einem Content Creator lernen durfte, gilt das sogar fürs öffentliche Testen eines Computerspiels, in dem im Wald ein Vogel zwitschert: Da gibt es findige Leute, die u.a. die Rechte an bestimmten Vogelgezwitscher-Samples sich in ihren "Werken" gesichert haben und dann via YT die Monetarisierung auch für diese Test-Vorstellung eines Spiels, wo das Vogel-Gezwitscher nur Teil der Hintergrund-Spielatmosphäre und gar nicht Gegenstand des Spiele-Tests ist, für sich reklamieren.
Oder wenn z.B. Kindergärtnerinnen mit ihren Kindern Kinderlieder singen wollen, müssen sie für die Nutzung der Noten Lizenzabgaben zahlen.
Also ja: Es gibt eine ganze Menge Bereiche, wo Menschen nach der erstmaligen Erstellung eines "Werkes" noch sehr lange - und meist in Form von Erben oder Rechteverwertern auch über den Tod hinaus - mit ihrem Produkt, Werk o.ä. Geld verdienen.
Oder sieh dir den ganzen Bereich der Patent- und Markenrechte an. Was glaubst du, warum etwa ein Deutscher Zoll so rabbiat gegen Plagiate vorgeht: Da reicht es, wenn etwas nur so aussieht wie eine Rolex und dann kann es meinetwegen Rilox oder PengWeng heißen: Wenn du so ein Marken- oder Design-Plagiat hierzulande importieren willst und der Zoll merkt das, landet das ziemlich unmittelbar und kostenpflichtig im Schredder des Zoll und du zahlst noch ggf. ne saftige Strafe obendrauf.
Und genau in vielen dieser Bereiche wildern derzeit die KI-Konzerne mit ihren Trainingsdaten und darauf basierenden Leistungsangeboten v.a. herum und berufen sich auf das Recht der freien Interpretation, Informationsauswertung o.ä.
Aber Rechte-Inhaber wehren sich gegen dieses Gratis-Ausplünden ihrer Produkte, s. z.B.: https://www.dw.com/de/rol...
Oder, um bei deinem Mercedes-Beispiel zu bleiben: Wenn du einen Mercedes-Stern auf einem von Dir entwickelten Produkt haben willst, wirst du entweder Mercedes um ne Lizenz fragen müssen, die du garantiert nicht kostenfrei (wenn überhaupt) bekommst oder kannst mit juristischem wie wirtschaftlichem Ärger rechnen. Frag mal Sim-Racing Spiele-Hersteller, was es für ein Tanz sein kann, hier bestimmte Marken zu nutzen. Bei z.B. Rennwagen sind sogar die Farb-Designs und verwendeten Sponsoren-Logos usw. rechtlich geschützt und für eine nicht-lizenzierte Nutzung riskiert ggf. sogar ein Hobby-Modder ne kostenpflichtige Abmahnung.
Analog verstehe ich die Forderung der Synchronsprecher, dass diese für ihre Stimme in jeder Form bezahlt werden wollen und auch über die Nutzung frei bestimmen wollen. Wenn dann statt dessen ggf. nur noch "synthetisch generiertes" KI-Synchron kommt, weil die Medien-Konzerne die Kohle lieber den KI-Konzernen paar "Groschen" zahlen, dann muss das Publikum entscheiden, ob ihm das auch taugt. Wenn die aber z.B. den typischen und dem Publikum vertrauten deutschen Bruce-Willis-Slang sich per KI sichern wollen, dann kostet es halt.
Und diese Debatte wird noch mehr solche Bereiche treffen: Davor sind ggf. weder Super-Models noch Schauspieler gefeit. Ob KI dann typische Charaktere auch gänzlich ohne reale Vorbilder trotzdem hin bekommt, wird sich noch zeigen müssen - aktuell kommt eher KI-Slop dabei raus.
würdest du ein auto von mir kaufen wenn du neben dem kaufpreis mir ein monatliches gehalt zahlen müsstest bis ich tot bin und dann noch hundet jahre meinen erben? egal ob das auto benutzt wird oder nicht? und vorallem, egal ob es überhaupt noch existiert oder nicht? ich weiss jetzt schon das du nein sagst und zwar garantiert weil es einfach utopiosch ist. dummerweise ist es das selbe nur mit einer anderen sache.
und es gibt halt keine pflicht dazu, man kann auch andere mitarbeiter nehem und das mercedes beispiel zieht nicht, den an gta: anstatt das da yamaha auf dem motor steht haben wir den schriftzug dinka oder so. alles easy.
Aber! Realistisch gesehen, lässt sich das nicht aufhalten.
Heute benötigt man vielleicht noch die Original-Stimme von Menschen wie Hr. Ziesmer, aber in (naher) Zukunft wird auch dies egal sein, weil dann einfach Stimmmuster kombiniert und auf eine ähnliche Stimme "moduliert" werden.
Es wäre ja nicht das erste mal, dass ein Schauspieler in einer Sync eine neue Stimme erhält, zumal auch Sync-Sprecher nicht ewig leben und vor dem Schauspieler(n), dem sie ihre Stimme geben, sterben können, oder anderweitig ausscheiden. Das wird sicher ein "schleichender" Prozess werden, wenn auch weitere Schauspieler aus dem Rampenlicht verschwinden und neue "Stars" in den Filmen auftauchen.
In anderen Ländern, wo auf die Sync nicht soviel wert gelegt wird (um nicht zu sagen miserabel ist), wie in Deutschland, wird dies sicher noch schneller Einzug halten.
Oder, um bei deinem Mercedes-Beispiel zu bleiben: Wenn du einen Mercedes-Stern auf einem von Dir entwickelten Produkt haben willst, wirst du entweder Mercedes um ne Lizenz fragen müssen, die du garantiert nicht kostenfrei (wenn überhaupt) bekommst oder kannst mit juristischem wie wirtschaftlichem Ärger rechnen. Frag mal Sim-Racing Spiele-Hersteller, was es für ein Tanz sein kann, hier bestimmte Marken zu nutzen. Bei z.B. Rennwagen sind sogar die Farb-Designs und verwendeten Sponsoren-Logos usw. rechtlich geschützt und für eine nicht-lizenzierte Nutzung riskiert ggf. sogar ein Hobby-Modder ne kostenpflichtige Abmahnung.
Analog verstehe ich die Forderung der Synchronsprecher, dass diese für ihre Stimme in jeder Form bezahlt werden wollen und auch über die Nutzung frei bestimmen wollen. Wenn dann statt dessen ggf. nur noch "synthetisch generiertes" KI-Synchron kommt, weil die Medien-Konzerne die Kohle lieber den KI-Konzernen paar "Groschen" zahlen, dann muss das Publikum entscheiden, ob ihm das auch taugt. Wenn die aber z.B. den typischen und dem Publikum vertrauten deutschen Bruce-Willis-Slang sich per KI sichern wollen, dann kostet es halt.
Und diese Debatte wird noch mehr solche Bereiche treffen: Davor sind ggf. weder Super-Models noch Schauspieler gefeit. Ob KI dann typische Charaktere auch gänzlich ohne reale Vorbilder trotzdem hin bekommt, wird sich noch zeigen müssen - aktuell kommt eher KI-Slop dabei raus.