Synchronsprecher gegen Netflix' KI-Klauseln: Russell Crowe erhält neue Stimme

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Synchronsprecher gegen Netflix' KI-Klauseln: Russell Crowe erhält neue Stimme
Quelle: Vertical

Der deutsche Synchronsprecher von Russell Crowe wird den Hollywoodstar erstmals seit Jahren nicht synchronisieren, da er den KI-Klauseln von Netflix nicht zustimmen möchte.

Deutsche Synchronsprecher boykottieren Netflix seit Monaten. Stein des Anstoßes sind KI-Klauseln in den Verträgen, die es dem Streaming-Giganten erlauben, mit den Sprachaufnahmen eine künstliche Intelligenz zu trainieren.

Synchronlegende Santiago Ziesmer sprach daher erstmals seit Jahren Steve Buscemi nicht mehr in einem Film. Ein weiteres prominentes Beispiel ist Matti Klemm, der deutsche Standardsynchronsprecher von Jason Momoa. Weil er den Vertrag nicht unterschrieb, wird er in einem kommenden Netflix-Film nicht mehr auf Momoa zu hören sein.

Nun wehrt sich Martin Umbach, der seit zwei Jahrzehnten Hollywood-Star Russell Crowe seine Stimme leiht, gegen die Netflix-Verträge.

Keine Freigabe für KI-Training

"Seit über 20 Jahren hört das deutsche Publikum, wenn es einen Russell-Crowe-Film sieht, meine Stimme", beginnt Umbach in einem Instagram-Beitrag. "Nun steht die Synchronisation eines neuen Netflix-Films mit Russell Crowe an. Und ich werde diesmal nicht dabei sein." Umbach kritisiert, dass er Netflix die Erlaubnis erteilen soll, mit seiner künstlerischen Arbeit eine künstliche Intelligenz zu trainieren. "Und das mache ich nicht."

"Schauspiel entsteht für mich aus Lebenserfahrung, Intuition, Empfindsamkeit, Empathie, Widersprüchen, Verletzlichkeit, also etwas zutiefst Menschlichem." Die künstliche Intelligenz könne Sprache ziemlich gut imitieren, aber nicht Bewusstsein, nicht die Seele. "Und deshalb werde ich diesmal - schweren Herzens - diesen Film nicht synchronisieren."

Welcher Film gemeint ist, verrät Umbach nicht. Vermutlich geht es um Unabomber. Dabei handelt es sich um einen Thriller, der die Vorgeschichte des späteren Unabombers Ted Kaczynski erzählt. Russell Crowe spielt dort den Harvard-Professor Henry Murray.

Wer Crowe in der deutschen Fassung anstelle Umbachs Leben einhaucht, muss sich erweisen. Kürzlich synchronisierte Umbach den Hollywoodstar noch im Kinofilm Nuremberg.

Petition inzwischen bei über 250.000 Unterzeichnern

Umbach reiht sich in eine breite Phalanx von Synchronschauspielern ein, die ihre Stimme gegen KI-Synchronisation erheben. Viele davon sind im Verband Deutscher Sprecher:innen, kurz VDS, organisiert. Der Verband fordert in seiner Petition unter anderem mehr Transparenz. Sprecher sollen zudem fair vergütet werden und überhaupt die Wahl haben, ob mit ihrer Arbeit die KI trainiert wird oder nicht. Auch von einer Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte ist die Rede.

Alle Details findet man bei Open Petition. Dort hat die Petition inzwischen über 250 000 Unterzeichner.

Erst vor wenigen Wochen sorgte ein Kurzfilm mit Terence Hill für Aufsehen. Darin hört man vermeintlich seinen verstorbenen Synchronsprecher Thomas Danneberg. Er wurde mittels KI zum Leben erweckt, jedoch alles andere als überzeugend. Das Ergebnis ist einer Synchronlegende nicht würdig.

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Quelle: Instagram

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    • Kommentare (29)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von RyzA Flüssigstickstoff-Guru (m/w)
        Zitat von Zanjiin-147
        Ich frage mich, warum es wieder mal "die Deutschen" sind. Spanische/portugiesische Synchros, die erheblich mehr Verbreitung haben, laufen ganz normal weiter, englisch, mandarin und hindi sowieso. Nur "die Deutschen" haben damit wieder ein Problem. Ich verstehe ja die Beweggründe (auf beiden Seiten) aber es wird sein wie immer. "Gute" Synchronsprecher werden weiterhin in dieser Nischenbranche (und das ist sie nun mal einfach wegen der geringen Verbreitung der deutschen Sprache im Vergleich zu Englisch oder Spanisch ) ein Auskommen haben, mittelmäßige werden durch KI ersetzt. War in jedem Beruf der letzen paar tausend Jahre so. Neues ersetzt Altes, wenn es besser ist oder genauso gut und günstiger.
        Es ist doch egal wie weit sie verbreitet sind. Oder wie gut oder schlecht sie sind.
        Der Synchronsprecher ist Eigentümer seiner Stimme. Und kann bestimmen ob die Stimme (kommerziell) weitergenutzt werden darf oder nicht. Wenn andere Länder damit angeblich keine Probleme haben, was ich mir schwer vorstellen kann, ist das denen ihre Sache.

        Nochmal: Ich finde es ganz gut, wenn per KI Synchronstimmen erhalten bleiben. Weil man gewisse Stimmen von bekannten Schauspielern damit verknüpft. Aber es ist auch zu akzeptieren wenn Synchronsprecher das nicht wollen!
      • Von RyzA Flüssigstickstoff-Guru (m/w)
        Zitat von Zanjiin-147
        Ich frage mich, warum es wieder mal "die Deutschen" sind. Spanische/portugiesische Synchros, die erheblich mehr Verbreitung haben, laufen ganz normal weiter, englisch, mandarin und hindi sowieso. Nur "die Deutschen" haben damit wieder ein Problem. Ich verstehe ja die Beweggründe (auf beiden Seiten) aber es wird sein wie immer. "Gute" Synchronsprecher werden weiterhin in dieser Nischenbranche (und das ist sie nun mal einfach wegen der geringen Verbreitung der deutschen Sprache im Vergleich zu Englisch oder Spanisch ) ein Auskommen haben, mittelmäßige werden durch KI ersetzt. War in jedem Beruf der letzen paar tausend Jahre so. Neues ersetzt Altes, wenn es besser ist oder genauso gut und günstiger.
        Es ist doch egal wie weit sie verbreitet sind. Oder wie gut oder schlecht sie sind.
        Der Synchronsprecher ist Eigentümer seiner Stimme. Und kann bestimmen ob die Stimme (kommerziell) weitergenutzt werden darf oder nicht. Wenn andere Länder damit angeblich keine Probleme haben, was ich mir schwer vorstellen kann, ist das denen ihre Sache.

        Nochmal: Ich finde es ganz gut, wenn per KI Synchronstimmen erhalten bleiben. Weil man gewisse Stimmen von bekannten Schauspielern damit verknüpft. Aber es ist auch zu akzeptieren wenn Synchronsprecher das nicht wollen!
      • Von empy Lötkolbengott/-göttin
        Zitat von Zanjiin-147
        Ich frage mich, warum es wieder mal "die Deutschen" sind. Spanische/portugiesische Synchros, die erheblich mehr Verbreitung haben, laufen ganz normal weiter, englisch, mandarin und hindi sowieso.
        Synchronsprecher haben halt ein Recht auf ihre Stimme und solange die Anbieter diese gerne haben wollen, weil sie wissen, dass ein Wechsel beim Publikum schlecht ankommt, wäre es doch doof, dieses auszuverkaufen. Kann sein, dass die Verbreitung den Druck erhöht, aber da spielt halt am ehesten eine Rolle, wie kaufkräftig ein Sprachraum ist und wie empflindlich er auf eine Änderung reagieren würde.
      • Von Homerclon Volt-Modder(in)
        Ich würde andersherum fragen, warum haben die spanischen / portugiesischen Sprecher (scheinbar) kein Problem damit?
      • Von Zanjiin-147 Schraubenverwechsler(in)
        Ich frage mich, warum es wieder mal "die Deutschen" sind. Spanische/portugiesische Synchros, die erheblich mehr Verbreitung haben, laufen ganz normal weiter, englisch, mandarin und hindi sowieso. Nur "die Deutschen" haben damit wieder ein Problem. Ich verstehe ja die Beweggründe (auf beiden Seiten) aber es wird sein wie immer. "Gute" Synchronsprecher werden weiterhin in dieser Nischenbranche (und das ist sie nun mal einfach wegen der geringen Verbreitung der deutschen Sprache im Vergleich zu Englisch oder Spanisch ) ein Auskommen haben, mittelmäßige werden durch KI ersetzt. War in jedem Beruf der letzen paar tausend Jahre so. Neues ersetzt Altes, wenn es besser ist oder genauso gut und günstiger.
      • Von DarkWing13 BIOS-Overclocker(in)
        Diese "Boykotts" werden auf längere Sicht nichts nutzen.
        Andere Synchron-Stimmen werden relativ schnell in der Filmwelt akzeptiert, wenn es heute sogar schon "normal" ist die Schauspieler komplett auszutauschen, wenn sie unangenehm werden/auffallen, oder zu teuer werden.

        Es werden auch in Zukunft keine speziellen Trainingsstimmen mehr benötigt werden, sondern die Stimmmuster von 08/15 Sprechern einfach moduliert und angepasst werden.
      Direkt zum Diskussionsende
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