Milliarden-Schlacht um Warner Bros.: Netflix-Offerte wird favorisiert

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Milliarden-Schlacht um Warner Bros.: Netflix-Offerte wird favorisiert
Quelle: Foto von Chase Yi auf Unsplash

Der Kampf um Warner Bros. eskaliert: Netflix und Paramount Skydance liefern sich ein milliardenschweres Bietergefecht, das Hollywood erschüttert und massive kartellrechtliche Folgen haben könnte. Auch die Politik mischt mit.

Netflix vs. Paramount Skydance: Milliarden-Schlacht um Warner Bros. spitzt sich zu

Original-Artikel vom 09.12.2025: Um Warner Bros., eines der verbliebenen Major-Studios in Hollywood, zeichnet sich eine Übernahmeschlacht ab. Nachdem Netflix ein großzügiges Übernahmeangebot von 27,75 US-Dollar pro Aktie gemacht hatte, wirft nun auch die gerade erst entstandene Paramount Skydance Corporation ihren Hut in den Ring. Deren CEO David Ellison, Sohn des Oracle-Gründers Larry Ellison, bietet jetzt 30 US-Dollar pro Papier.

Warner Bros. liegen also zwei Übernahmeangebote vor: das von Netflix mit einem Volumen von 82,7 Milliarden US-Dollar und das von Paramount Skydance für 108,4 Milliarden US-Dollar. Das Management des Major-Studios hat sich zehn Tage Zeit erbeten, um das Angebot "sorgfältig" zu prüfen. Die Aktionäre des Unternehmens werden aber logischerweise darauf drängen, dass das Management das höhere Angebot annimmt, nachdem Netflix bereits den Zuschlag gehabt hat.

Übernahmeschlacht und Kartellrecht

Währenddessen tobt die Schlacht: Netflix' Co-CEO Ted Sarandos betont, dass Warner Bros. nach der Übernahme weiter Content an Dritte lizenzieren wird. Das ist für Netflix untypisch und dürfte ein Versuch sein, potenzielle Kartellbedenken zu zerstreuen. Bei der Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft hatte Sony sich sehr viel Mühe gegeben, den Deal vor Gericht ins Wanken zu bringen, indem es auf die Marktmacht verwies.

"Das Fernsehstudio ... produziert Inhalte und lizenziert diese an Dritte. Wir waren nie in diesem Geschäft tätig. Jetzt sind wir es. Wenn man genauer hinschaut, ist das ein wirklich gesundes Geschäft. Es ist nicht so groß wie unseres, und deshalb haben wir uns bisher nicht so sehr darauf konzentriert. Die Wachstumschancen in unserem Kerngeschäft waren größer. Aber jetzt, nach dieser Transaktion, gehört dieses Geschäft uns, und Channing und seine Gruppe leisten hervorragende Arbeit, die sie fortsetzen sollen." - Ted Sarandos

Aber auch Paramount Skydance wird die Kartellbehörden auf den Plan rufen, denn bei einer Übernahme würde man mit einem Schlag rund 24 Prozent Marktanteil bekommen und damit auf Platz 2 der Liste aufrücken - zwischen Disney und Universal.

Konglomerat Marktanteil NA
Walt Disney Studios 25,5 %
Universal Filmed Entertainment Group (Comcast) 21,7 %
Warner Bros. Entertainment (Warner-Discovery) 13,7 %
Sony Pictures 11,5 %
Paramount Skydance Pictures 10,1 %
Amazon MGM Studios 3,4 %
Lionsgate Studios 2,9 %
A24 2,3 %

*Marktanteile in Nordamerika und Kanada 2024

Die Finanzierung wird ebenfalls ein Thema sein: Netflix hat eine gut gefüllte Kriegskasse und will die Übernahme weitestgehend aus eigenen Mitteln finanzieren. Bei Paramount Skydance hieß es, Ellison habe sich Finanzierungspartner gesucht. Dafür biete er alles in Cash.

Netflix' Angebot gilt wohlgemerkt nur für den Film- und Serienbereich von Warner und nicht für das Kabel-TV mit TNT und CNN sowie nicht für das Publishing-Geschäft bei Spielen. Diese Bereiche würden dann separiert werden. Warner Music wurde bereits vor Jahren aus dem Konzern gelöst und ist heute an der Börse gelistet.

Hier kocht der Chef noch selbst

Theoretisch könnte noch ein weiteres Unternehmen seinen Hut in den Ring werfen und ein Übernahmeangebot machen, das über dem von Paramount Skydance liegt. Es gab einmal Gerüchte, dass Sony interessiert gewesen ist. Der Konzern ist allerdings nicht dafür bekannt, sich impulsgesteuert in Übernahmeschlachten zu werfen. Sicher ist in jedem Fall, dass versucht wird, das eher übernahmefreundliche Klima in den USA zu nutzen - wenngleich US-Präsident Donald Trump bereits angekündigt hat, dass er sich in einen Deal persönlich einmischen wird; Ellison gilt zudem als gut vernetzt.

Denn wenngleich nicht so hoch, wirkt Netflix' Angebot als das freundlichere der beiden Übernahmeangebote. Skydance hatte bei Paramount schnell Entlassungen durchgeführt und Schlüsselpersonal umbesetzt. Das dürfte auch bei einer Warner-Übernahme der Fall sein. Bei einer Übernahme durch Netflix besteht hingegen die Hoffnung, dass Warner mehr Eigenständigkeit wahrt.

Und dann sind da noch die Kartellfragen: Netflix argumentiert, dass man ein Geschäft übernimmt, in dem man bisher nicht tätig ist. Das sei gut für Hollywood, da man mehr Geld ausgebe. Dort hatte man gegen die Übernahme protestiert - doch da war auch noch nicht klar, dass Paramount Skydance ebenfalls in den Ring steigen würde. Ellison hatte erst 8 Milliarden für die Paramount-Übernahme ausgegeben und damit aus dem Redstone-Erbe und Streubesitz herausgekauft. Da spielte auch eine gewichtige Rolle, dass Paramount nicht filetiert wird. Das wäre bei der Warner-Übernahme durch Netflix der Fall.

Ellisons Interview mit CNBC dürfte Hollywood noch mehr aufschrecken: "Wir sind wirklich hier, um das zu Ende zu bringen, was wir begonnen haben." - "Wenn man den führenden Streaming-Anbieter mit dem drittgrößten Streaming-Anbieter zusammenlegt, entsteht ein Unternehmen mit einer beispiellosen Marktmacht und mehr als 400 Millionen Abonnenten", so Ellison. "Der nächstgrößte Konkurrent ist Disney mit knapp 200 Millionen Abonnenten. Das ist schlecht für Hollywood."

Quellen: Deadline, CNBC

Netflix-Angebot laut Berichten favorisiert

Update 1 vom 10.12.2025: Während sich manche auf eine längere Bieterschlacht und Warner Bros. Discovery (WBD) einstellen, vermutet Lucas Shaw von Bloomberg, dass das Management bereits nächste Woche bekannt geben wird, dass man beim Angebot von Netflix bleiben wird. Mögliche Gründe hierfür hatten wir bereits im Original-Artikel erläutert. Paramount/Skydance hätte laut Shaw anschließend mehrere Optionen: am Angebot festhalten und die Aktionäre überzeugen - oder klagen.

Shaw schätzt zudem, dass das Angebot noch einmal erhöht wird. Mit 30 US-Dollar pro Aktie wäre die Übernahme allerdings bereits recht teuer, und eine weitere Erhöhung läge wohl deutlich über dem tatsächlichen Wert, den man WBD beimisst. Zumal es weiterhin primär um Filme, Serien und das Streaminggeschäft geht.

Zukunft des Game-Publishing ungesichert

Netflix hatte bereits klargemacht, dass man am Kabelgeschäft ebenso wenig interessiert ist wie am Games-Publishing. Gregory Peters, Co-CEO von Netflix, erklärte Investoren, dass die Gaming-Sparte von Warner bei dem 83-Milliarden-US-Dollar-Deal nicht einmal berücksichtigt worden sei. Offenbar ist davon ausgegangen worden, dass sie keinen nennenswerten Beitrag zum Gesamtwert des Unternehmens leiste, da sie "im Vergleich zum Gesamtkonzept relativ unbedeutend ist".

In beiden Übernahmefällen dürfte es zu einer Aufspaltung von WBD kommen - in den "wertvollen" Unterhaltungssektor mit Fokus auf Streaming sowie in den Kabel-TV-Bereich mit Discovery Channel, TNT, CNN und dem Games-Publishing. Davon ausgehend wäre anzunehmen, dass das Publishing zum Verkauf angeboten wird, da man den direkten Zugang zu Lizenzen wie Batman oder Harry Potter verlieren würde. Damit stellt sich natürlich die Frage, ob der Sparte ohne diese Lizenzen überhaupt ein relevanter Wert beigemessen werden kann. Betroffen wären Veteranen wie Rocksteady und Monolith, aber auch Studios wie Avalanche, TT Games, Netherrealm, Turbine sowie WB Games Montreal und San Francisco.

Quelle: Lucas Shaw auf X, Pocket Gamer


Warner bestätigt Netflix als Favorit

Update 2 vom 18.12.2025: Wie es Branchenkenner schon geunkt hatten, bestätigte das Management von Warner Bros. nun das niedrigere Netflix-Angebot als den Favoriten um die Schlacht der Übernahme. Paramount Skydance hatte mit 30 US-Dollar pro Aktie deutlich mehr geboten als die 27,75 US-Dollar des Streaming-Giganten. Der Verwaltungsrat von Warner Bros. geht sogar so weit, Paramount habe sie bei Finanzierung der Übernahme "durchweg in die Irre geführt".

Paramount Skydance habe für die Gesamtsumme von 108,4 Milliarden US-Dollar aus dem Übernahmeangebot keine Garantien der Finanziers, die etwas nebulös bleiben, was auch Gerüchte schürte. Neben US-Banken sollen auch Geldgeber aus dem arabischen Raum beteiligt sein. Ob das stimmt, bleibt aber ungewiss.

Am Ende kann der Verwaltungsrat die Aktionäre des Unternehmens aber auch nur beraten. Die werden letztlich über das Schicksal des Hollywood-Studios bestimmen. 94,7 Prozent der Aktien sind in Streubesitz und Großaktionäre mit Stimmgewicht sind vor allem Fonds. Denkbar ist, dass Paramount Skydance sein Angebot noch einmal erhöht, um die Aktionäre zu überzeugen. Dann würde man Warner Bros. aber deutlich über Marktwert zukaufen.

Politisches Tauziehen von Demokraten und Republikanern

Die Reaktion der Politik ist auch noch ungewiss. Neben der Kartellbehörde hatte auch US-Präsident Donald Trump verkündet, er werde sich persönlich in den Deal einbringen, wenn es nötig wird - er hat es vor allem auf CNN abgesehen und "radikale Änderungen" versprochen. Derweil hat Affinity Partners, unter der Leitung von Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, sich aus der Finanzierungszusage der feindlichen Übernahme zurückgezogen.

Bei Netflix zeigt man sich über die jüngste Entwicklung erfreut: "Der Vorstand von Warner Bros. Discovery bekräftigte, dass die Fusionsvereinbarung von Netflix überlegen ist und unsere Übernahme im besten Interesse der Aktionäre liegt", sagte Ted Sarandos, Co-CEO von Netflix. Der Showdown dürfte nun bis 8. Januar vertagt sein - die Frist zur Annahme des Paramount-Skydance-Angebotes. Verstreicht diese, würde Mitte 2026 eine Aktionärsabstimmung über die Netflix-Vereinbarung durchgeführt.

Quelle: CNN, WSJ, Netflix

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    • Kommentare (12)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von xorkru Komplett-PC-Käufer(in)
        Netflix wär hier mein Favorit, allein schon weil das in SKY mit Dolby Atmos integriert ist, was Paramount nicht ist. Manche mögen das als kleinlich betrachten, aber wer Hardware für Dolby Atmos hat will das natürlich auch nutzen.
      • Von xorkru Komplett-PC-Käufer(in)
        Netflix wär hier mein Favorit, allein schon weil das in SKY mit Dolby Atmos integriert ist, was Paramount nicht ist. Manche mögen das als kleinlich betrachten, aber wer Hardware für Dolby Atmos hat will das natürlich auch nutzen.
      • Von masto-don Komplett-PC-Aufrüster(in)
        die wahl zwischen pest und cholera. ich tendiere ja zu paramount, auch wenn das auch nicht optimal ist
        Zitat von Independents
        Das Kino ist schon schwer angeschlagen aber das dürfte den Todesstoß sein. Auch habe ich gelesen, das die OSCAR Verleihung jetzt auf YouTube läuft statt im TV.
        die oscarverleihungen kann ich leider immer weniger ernst nehmen. alles ist viel zu politisch geworden und die neuen diversitätsrichtlinien sind ein kontraproduktiver witz. mit der regelung, hätten viele gute filme, nie den oscar gewonnen....
      • Von VanWayne Freizeitschrauber(in)
        Ich meine, wer jetzt immer noch meint, dass man keine BRDs braucht und da gehörig ript (denn man kann den Medien ja nicht trauen, siehe WiiU Disc Rot), dem ist es halt nicht wichtig.

        Wenn die Netflix-Preise nicht ständig erhöht werden würden, dann würde ich wie damals beim GamePass sagen, dass das rein aus Konsumenten-Sicht ein super Deal wäre. Netflix wird aber so teuer, dass man einfach gar nicht mehr sich das leisten kann. Da können die auch Disney kaufen. Wer geistert denn noch rum? Universal?

        Wir haben halt Disney, Netflix und dazwischen irgendwo Amazon. Der Rest interessiert im Endeffekt nicht. So, selbst wenn Disney jetzt anfangen würde, japanische, koreanische, irgendwelche großen Studios noch zu kaufen - wer abonniert denn jetzt noch, weil "Boah, da läuft ja Harry Potter, wie sonst auch immer!"? Das Geld wird so schnell so eng, dass man sich halt immer mehr einfach nur fragt "Ist das ein guter Deal und kann ich mir das überhaupt leisten?"

        Ich habe Disney+ mit meinem Internetprovider. Ein bisschen bereue ich das, muss aber erst nächstes Jahr minimal mehr insgesamt für viel mehr Geschwindigkeit zahlen. Wozu brauche ich Netflix? Wenn ich irgendwas *unbedingt* von Netflix sehen möchte, gibt es ein Abo, das wird sofort wieder gekündigt, dann schaut man das und das war's. Das sollte man generell machen. Mehr als ein Streamer ständig zu abonnieren ist finanziell vollkommen unvernünftig. Da kann auf dem anderen auch sonst was laufen. Ich würde gerne mal wieder Stranger Things, Dark, Breaking Bad, Better Call Saul oder so schauen. Gibt bestimmt auch vieles bei Universal. Ich habe aber noch nicht alles von Disney gesehen. Wozu?

        Das ist wie mit einem Backlog von > 1k Spielen noch Ubisoft, EA, Microsoft und noch anderen Kram zu abbonieren. Wer macht sowas? Da fehlt auch einfach die Zeit.
      • Von Independents Komplett-PC-Aufrüster(in)
        Zitat

        Netflix' Co-CEO Ted Sarandos betont, dass Warner Bros. nach der Übernahme weiter Content an Dritte lizenzieren wird. Das ist für Netflix untypisch und dürfte ein Versuch sein, potenzielle Kartellbedenken zu zerstreuen.
        Das Kino ist schon schwer angeschlagen aber das dürfte den Todesstoß sein. Auch habe ich gelesen, das die OSCAR Verleihung jetzt auf YouTube läuft statt im TV.
      • Von Krabonq Volt-Modder(in)
        Egal wer es bekommt, es kann nur schlecht ausgehen.
        Entweder wird Netflix zu einem gigantischen Monopol oder das Medienkonglomerat wird bei Paramount komplett durch den erzkonservativen Dreck gezogen.
        Der Zuschauer kann dabei nur verlieren.
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