Zen 2: AMD zeigt Epyc mit 9 Dies - ca. 1.000 mm² Silizium

AMD hat auf dem Next-Horizon-Event den ersten Zen-2-Prozessor in Form eines Epyc-Ablegers enthüllt. Die Gerüchteküche sollte Recht behalten: Zum Einsatz kommen insgesamt neun Siliziumchips mit einer Gesamtfläche von circa 1.000 mm². Ein großer 14-nm-Die beinhaltet die I/O-Funktionalität, acht Chiplets bis zu 64 Zen-2-Kerne.

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Zen 2: AMD zeigt Epyc mit 9 Dies - ca. 1.000 mm² Silizium
Quelle: AMD

Stellte AMD auf seinem ersten Next-Horizon-Event im Dezember 2016 noch erstmals den Markennamen Ryzen und tiefergehende Details zur CPU -Mikroarchitektur Zen vor, ging es bei der zweiten Iteration gestern um Zen 2 in Form der zweiten Epyc-Generation. Der erste gezeigte Prozessor in 7 nm ist zwar für Server und Datacenter gedacht, aus technischer Sicht ist der Aufbau aber allemal höchstinteressant. Die vorangegangenen Leaks stellen sich nämlich als wahr heraus: Epyc 2 alias Rome führt den Multi-Chip-Ansatz von Epyc 1 (Naples) weiter aus und kommt mit bis zu neun Siliziumchips daher.

Zen 2: Epyc mit insgesamt 9 Dies auf einem Package

AMD trennt die Rechenkerne von der I/O-Funktionalität inklusive Speicher-Controller ab. Das Herzstück bildet ein großer, mittig sitzender I/O-Die, der weiterhin in 14 nm gefertigt wird, also wahrscheinlich bei Globalfoundries. Darin sitzen mindestens das DDR4-Speicher-Interface mit acht 64-Bit-Controllern, die Anbindung über PCI-Express 4.0 mit insgesamt 128 Lanes sowie acht neue Infinity-Fabric-Links, welche mit den separaten CPU-Chiplets verbunden sind. Bis zu acht solcher Chiplets sitzen um den I/O-Die und beherbergen jeweils acht Zen-2-Kerne plus mindestens deren L1- und L2-Cache. AMD zeigt sich zuversichtlich, dort die größten Vorteile aus TSMCs 7-nm-Fertigung ziehen zu können. Die I/O-Komponenten ließen sich auf der anderen Seite schlecht weiter schrumpfen.

Tief ins Detail ging AMD derweil noch nicht. Unbekannt ist daher zum Beispiel, ob ein 8-Kern-Die weiterhin zwei CPU-Complexes (CCX) mit je vier Kernen nutzt oder einen einzigen CCX darstellt. Theoretisch könnten physisch sogar noch mehr Kerne enthalten sein. Insgesamt soll ein 64-Kern-Epyc auf eine Chipfläche von circa 1.000 mm² kommen. Rund die Hälfte davon macht der I/O-Chip in der Mitte aus. In Anbetracht der Größe von geschätzt 400 bis 500 mm² könnte darin der gemeinsame L3-Cache sitzen, der den vorangegangenen Gerüchten zufolge von 128 auf 256 MiByte anwachse. Ansonsten wären Komponenten wie 10-Gigabit-Ethernet für Enterprise denkbar.

Ein Zen-2-Chiplet dürfte derweil auf 70 bis 100 mm² kommen. AMD spricht bisher von einem verbesserten Front-End mit einem intelligenteren Prefetch, optimierten Caches und einer verbesserten Sprungvorhersage. Die vier Floating-Point-Einheiten werden von 128 auf 256 Bit verbreitert. Darüber hinaus ist die Rede von weiteren Hardware-Anpassungen gegen die Spectre-Sicherheitslücken (gegen Meltdown ist Zen 1 bereits sicher).

AMD Next Horizon Epyc 7 Quelle: AMD AMD Next Horizon Epyc 7

Vorteile durch das Chiplet-Design

Die Unterteilung in I/O-Die und CPU-Chiplets ist in vielerlei Hinsicht raffiniert. Der größte Pluspunkt dürfte die Ausbeute sein: Der 7-nm-Prozess ist neu, läuft also noch nicht so rund wie die 14/16-nm-Generation. Mit kleinen Chiplets erzielen AMD und TSMC eine höhere Ausbeute als mit großen, monolithischen Dies, da die Wahrscheinlichkeit eines kritischen Defekts innerhalb eines Siliziumchips sinkt. Darüber hinaus lassen sich viele kleine Dies besser für verschiedene Zieltaktraten selektieren als wenige große. Für Modelle mit weniger als 64 Kernen muss kein Silizium mehr verschwendet werden, da AMD einfach weniger Chiplets verwenden kann. Theoretisch könnte AMD einen einzelnen 8-Kern-Die verwenden und mit dem vollen Octa-Channel-Speicher-Interface ausliefern - teildeaktiviert dann mit zwei Kernen, wenn man denn wollte. Den I/O-Chip kann AMD derweil bei Globalfoundries fertigen lassen, um das Wafer Supply Agreement (WSA) zu erfüllen - darin haben die beiden Unternehmen eine Mindestabnahme von Wafern vereinbart.

Am Ende kommt es darauf an, ob AMD bei dem Konstrukt die Latenzen zwischen den Zen-2-Chiplets und dem I/O-Die in den Griff bekommt. Ein weiterentwickelter Infinity Fabric soll dabei helfen, wobei die Thematik im Server-Segment weniger kritisch ist als zum Beispiel im Gaming-Bereich. AMD stellt im Falle einer Epyc-CPU mit 64 Kernen eine Leistung auf dem Niveau zweier Epyc 7601 (jeweils 32 Kerne) beziehungsweise zweier Xeon Platinum 8180M - Intels Skylake-SP-Topmodell mit je 28 Kernen - in Aussicht, bloß dass die Infrastruktur mit einer einzelnen CPU deutlich simpler ausfällt und der Preis erheblich niedriger.

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    • Kommentare (52)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Rollora Kokü-Junkie (m/w)
        AW: Zen 2: AMD zeigt Epyc mit 9 Dies - ca. 1.000 mm² Silizium

        Völlig irrelevant was damals wirklich das Maximum war. Angesichts dessen, was ich nach wie vor mit meinem Retro System machen kann erstaunlich

        Ich mein: 1999 da hatte ich Win 98SE und das brauchte INSGESAMT 120 MB auf der Festplatte. Browser, Antivir Zonelabs Firewall inklusive (ja selbst mit Office, Acrobat etc blieb ich unter 200 MB). Und mit den verbleibenden 32 MB RAM lief alles flüssig. Insofern sind 128 oder gar 256 MB Cache gigantisch
      • Von Rollora Kokü-Junkie (m/w)
        AW: Zen 2: AMD zeigt Epyc mit 9 Dies - ca. 1.000 mm² Silizium

        Völlig irrelevant was damals wirklich das Maximum war. Angesichts dessen, was ich nach wie vor mit meinem Retro System machen kann erstaunlich

        Ich mein: 1999 da hatte ich Win 98SE und das brauchte INSGESAMT 120 MB auf der Festplatte. Browser, Antivir Zonelabs Firewall inklusive (ja selbst mit Office, Acrobat etc blieb ich unter 200 MB). Und mit den verbleibenden 32 MB RAM lief alles flüssig. Insofern sind 128 oder gar 256 MB Cache gigantisch
      • Von lutari Software-Overclocker(in)
        AW: Zen 2: AMD zeigt Epyc mit 9 Dies - ca. 1.000 mm² Silizium

        Zitat von PCGH_Torsten
        Ich habe deinen Beitrag im Kontext von sterreichs ursprünglicher Aussage "Eigentlich irre wenn man darüber nachdenkt. Cache der größer ist als der RAM vor 20 Jahren." interpretiert, auf die ich geantwortet habe. Die würde ich wahlweise auf das 1998/1999 im Destkop mögliche beziehen (also Pentium-II-/III-Vollausbau von je nach Budget 256 bis in Extremfällen 1.024 MB RAM), dann hat Rome nicht mehr, sondern einen vergleichbar großen Cache.
        Vermutlich hatte er sich auf "normale" Settings bezogen. Bei den damaligen Preisen war es unbezahlbar. Mein erstes CD-ROM-Laufwerk hat inflationsbereinigt mehr gekostet als aktuell eine 2080 Ti. Hardware ist in diesem Zeitraum auch deutlich günstiger und "massenkompatibler" geworden.
        Zitat von PCGH_Torsten
        Oder man bezieht die Aussage auf das Marktsegment von Epyc und das entspricht nicht dem von Pentium-Pro-Systemen, sondern hatte 1998/99 schon mehrere Gigabyte RAM.
        Wenn ich es vergleiche, dann war die Firma damals Zielgruppe für Pentium-Pro/Xeon-Server und heute für Epyc-Server. Die Ansprüche sind in der Zwischenzeit auch gestiegen.

        Zitat von PCGH_Torsten
        Sicherlich waren in vielen Firmen dennoch 1998 Pentium-Pro-Systeme im Einsatz, es werden ja auch bis heute 486 genutzt.
        486 ist nicht gerade die Vorgängergeneration von Epyc Aktuell ist Nehalem aber noch sehr viel im Einsatz.
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        AW: Zen 2: AMD zeigt Epyc mit 9 Dies - ca. 1.000 mm² Silizium

        Ich habe deinen Beitrag im Kontext von sterreichs ursprünglicher Aussage "Eigentlich irre wenn man darüber nachdenkt. Cache der größer ist als der RAM vor 20 Jahren." interpretiert, auf die ich geantwortet habe. Die würde ich wahlweise auf das 1998/1999 im Destkop mögliche beziehen (also Pentium-II-/III-Vollausbau von je nach Budget 256 bis in Extremfällen 1.024 MB RAM), dann hat Rome nicht mehr, sondern einen vergleichbar großen Cache. Oder man bezieht die Aussage auf das Marktsegment von Epyc und das entspricht nicht dem von Pentium-Pro-Systemen, sondern hatte 1998/99 schon mehrere Gigabyte RAM.

        Sicherlich waren in vielen Firmen dennoch 1998 Pentium-Pro-Systeme im Einsatz, es werden ja auch bis heute 486 genutzt. Aber sie waren vor 20 Jahren und erst recht 20 Jahre vor dem Erscheinen von Epyc (2019 => 1999) nicht mehr aktuell und sie spielten bereits zum Erscheinen in einer anderen Leistungsklasse. Es wird zunehmend mehr Rechenleistung in weniger Sockeln zusammengefasst und Rome ist ein wunderbares Beispiel, denn es handelt sich technisch betrachtet um ein Octa-CPU-System in einem Package. Auch von der Leistung her dürfte er da mitspielen, Dual-Epycs und Quad-Xeons haben schon heute die klassischen Mainframes fast komplett vom Markt verdrängt. Dual-Rome wird endgültig in dieser Klasse spielen, die zu Beginn der 0er Jahr noch von oben auf Octa-Sockel-Xeons und -Opterons herabschaute. In dieser ehemaligen Acht-Wege-Klasse würde ich Single-Rome-Systeme ansiedeln. Für die von dir angesprochenen Workstations reicht dagegen heute bequem ein kleiner Threadripper aus; die TR4-32-Kerner sind schon weiter vom Mainstream entfernt als es Dual-Pentium-Pros jemals waren. Die ersten Achtwege-Xeons wären von der Zielgruppe her angemessen. Ich glaube mich aber zu erinnern, dass zumindest Intel selbst diesen aufgemotzten Pentium II nie angemessene externe Schnittstellen und Speicheranbindungen bereitstellen konnte.
      • Von lutari Software-Overclocker(in)
        AW: Zen 2: AMD zeigt Epyc mit 9 Dies - ca. 1.000 mm² Silizium

        Zitat von PCGH_Torsten
        Der Pentium Pro erschien 1995, nicht 1998 und war als Produkt für den High-End-Desktop-, Workstation- und Entry-Level-Server-Markt gedacht. Die heutigen Äquivalente wären Threadripper und Skylake X respektive "20 Jahre später" war es Broadwell E. Auch die 1998er Xeons dienten vor allem als Workstation-Prozessoren, aber da kam kein EDO-RAM mehr zum Einsatz. SD-DIMMs wurden schon 96 bei den letzten Pentium MMX erstmals und seit dem 1997er Pentium II ausschließlich verbaut. Im Herbst 98 hat PC Action dabei schon ein billiges Celeron-300-Komplettsystemen mit 64-MB-Module getestet, 128 MB waren meiner Erinnerung nach Standard in der Oberklasse. Enthusiasten dürften mit 2, 3 oder 4 128er Riegeln unterwegs gewesen sein, der theoretische Vollausbau für Oberklasse-Desktop-Mainboards lag wie erwähnt bei 4× 256 MB (verglichen zu 8× 16 GB heute). Die heutige Epyc-Leistungsklasse, also große Server, wurden damals aber noch gar nicht von Intel oder AMD bedient. Da waren Itanium und Octa-Opteron-800 die ersten Angebote; Rechner für vergleichbare Aufgaben dürften 1998 AlphaServer und die kleineren z900-Mainframes gewesen sein. Deren typischen RAM-Ausstattung kann ich nicht rekonstruieren, aber erstere scheinen mehrheitlich bei 4 bis 16 GB gelegen zu haben und für letztere gab es Erweiterungsmodule zu je 8 GB. Also eher das Niveau heutiger Grafikkarten denn Romes Cache.
        Vielleicht solltest du meinen Beitrag vorher nochmal lesen. Du wirfst gerade vieles durcheinander. Vielleicht bisschen eilig geschrieben. Xeon ist auch heute für Workstation (Xeon W) und Entry-Level-Server gedacht. Die ersten Zeilen würde ich mit meinem Beitrag abgleichen.

        Ich hatte damals noch einen Pentium (ohne MMX) mit EDO-RAM in meinem Desktop-PC. Bin mir auch relativ sicher, dass ich später auch noch EDO-RAM beim AMD K6-III verbaut habe. EDO-RAM war damals noch sehr verbreitet.

        Epyc wildert im Bereich von 1-2 Sockeln, deswegen finde ich den Vergleich zum Pentium Pro sinnvoller. Der Xeon erschien erst relativ spät 1998 (dann auch nur für 4/8-Sockel-Systeme) und war in den Firmen noch kaum im Einsatz. Typische Server in dem Bereich in den Firmen hatten 1998 oft noch maximal 256 MB RAM. Ich kann mich noch erinnern, dass wir erst 1999 die ersten Server mit Xeon in die Testumgebung aufgenommen haben und erst 2000 kamen diese Server in den Produktiveinsatz.
        Irgendwelche Highend-Server mit zig Sockeln, die auch damals noch extrem selten waren, sind als Vergleich eher unpassend.
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        AW: Zen 2: AMD zeigt Epyc mit 9 Dies - ca. 1.000 mm² Silizium

        Zitat von lutari
        1998 kamen die ersten Xeon und waren noch nicht stark verbreitet. Bei den Pentium Pro gab es damals noch einige Server mit maximal 256 MB RAM.
        Persönlich hatte ich damals noch 32 MB EDO-RAM im Desktop-Rechner. Ein Jahr später kam dann der AMD Athlon und ich bin auf SD-RAM umgestiegen.
        Hast du dich vielleicht um 1-2 Jahre geirrt?
        Der Pentium Pro erschien 1995, nicht 1998 und war als Produkt für den High-End-Desktop-, Workstation- und Entry-Level-Server-Markt gedacht. Die heutigen Äquivalente wären Threadripper und Skylake X respektive "20 Jahre später" war es Broadwell E. Auch die 1998er Xeons dienten vor allem als Workstation-Prozessoren, aber da kam kein EDO-RAM mehr zum Einsatz. SD-DIMMs wurden schon 96 bei den letzten Pentium MMX erstmals und seit dem 1997er Pentium II ausschließlich verbaut. Im Herbst 98 hat PC Action dabei schon ein billiges Celeron-300-Komplettsystemen mit 64-MB-Module getestet, 128 MB waren meiner Erinnerung nach Standard in der Oberklasse. Enthusiasten dürften mit 2, 3 oder 4 128er Riegeln unterwegs gewesen sein, der theoretische Vollausbau für Oberklasse-Desktop-Mainboards lag wie erwähnt bei 4× 256 MB (verglichen zu 8× 16 GB heute). Die heutige Epyc-Leistungsklasse, also große Server, wurden damals aber noch gar nicht von Intel oder AMD bedient. Da waren Itanium und Octa-Opteron-800 die ersten Angebote; Rechner für vergleichbare Aufgaben dürften 1998 AlphaServer und die kleineren z900-Mainframes gewesen sein. Deren typischen RAM-Ausstattung kann ich nicht rekonstruieren, aber erstere scheinen mehrheitlich bei 4 bis 16 GB gelegen zu haben und für letztere gab es Erweiterungsmodule zu je 8 GB. Also eher das Niveau heutiger Grafikkarten denn Romes Cache.
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