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  • Nvidia Gameworks: Einfach nur schönere Spiele-Grafik oder doch schädlich für die Spiele-Industrie?

    Nvidia Gameworks - Einfach nur schönere Spiele-Grafik oder schädlich für die Spiele-Industrie? Quelle: PC Games Hardware

    Nvidia Gameworks hat nach den Anschuldigungen seitens AMD in den vergangenen Wochen hohe Wellen in der Fachpresse und der Gaming-Community geschlagen. Neben unserer aktuellen Berichterstattung zum Thema haben wir auch im Hintergrund recherchiert und mit Nvidia, AMD und einem unabhängigen Spieleentwickler gesprochen. Lesen Sie hier unsere Zusammenfassung zum Thema Gameworks.

    Nach der Integration in Batman Arkham Origins, Assassin's Creed Black Flag, Call of Duty: Ghosts und Watch Dogs sowie der Ankündigung einer strategischen Allianz mit Ubisoft tobte eine erbitterte Diskussion um Nvidias Gameworks-Effektpakete. Konkurrent AMD sah sich im Rennen um eine gute Day-1-Performance im Hintertreffen und stellte dubiose Praktiken aufseiten der Konkurrenz im Verbund mit Publishern in den Raum. Nvidia stritt die Vorwürfe ab und konterte seinerseits, AMD habe Nvidia durch Verträge mit Publishern von Pre-Release-Code ausgeschlossen.

    Da keiner der Beteiligten harte Beweise auf den Tisch legt oder legen kann, gestaltete sich die Recherche schwieriger als gedacht und am Ende bleibt es eine Frage, welchem der Beteiligten man Glauben schenken will. Indizien für oder gegen die eine oder andere Position lassen sich tatsächlich finden. Wir haben neben dieser Zusammenfassung auch ein E-Mail-Interview mit dem technischen Leiter von Nvidias Gameworks-Programm und Senior Director of Engineering, Rev Lebaredian, für Sie parat, welches Sie der Übersichtlichkeit halber in einem gesonderten Artikel finden. Aufseiten von AMD waren der für Europa zuständige PR-Manager Iain Bristow, Product Manager Robert Hallock und der zu AMD zurückgekehrte Richard Huddy, inzwischen als Gaming Scientist tätig, zu Auskünften PCGH gegenüber bereit.

    Machen Sie sich bereit für eine "Wall of Text"...

    01:58
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    Gameworks-Kontroverse - Vorgeschichte

          

    Nvidia Gameworks schaden der Spiele-Industrie - das war die Kernbotschaft, welche sich aus den Anschuldigungen AMDs in den vergangenen Tagen bzw. Wochen herauslesen ließ. Konkreter war es in erster Linie AMD, welches sich benachteiligt fühlte und zur Untermauerung Argumente anbrachte, dass Nvidia Entwickler daran hindern würde, vor Veröffentlichung eines Spiels AMD eine Version für die Treiber-Optimierung zur Verfügung zu stellen. Nvidia seinerseits stritt diese Vorwürfe ab. Gameworks sei eine Art von Middleware und werde als solche innerhalb der üblichen Vorgehensweise lizenziert und eingesetzt.

    Bei einem der fraglichen Spiele und augenscheinlich um den Auslöser der Kontroverse handelt es sich um Ubisofts Watch Dogs, da das Thema ausgerechnet zu dessen Veröffentlichung und den allfälligen Launch-Tests (wie dem von PCGH) wieder hochgekocht wurde, nachdem Gameworks bereits im November 2013 angekündigt und gegen Jahresende in Zusammenhang mit Batman Arkham Origins und dessen massive Integration von Nvidia-Technik bereits kontrovers diskutiert worden war. Dass Watch Dogs aber wohl lediglich HBAO+ als Teil von Gameworks auch auf AMD-Karten nutze und dies noch optional, ist wohl nur ein Detail am Rande.

    Da AMD insbesondere darüber geklagt hatte, frühe Spiele-Reviews würden die Radeon-Nachteile durch geblockten Game-Code-Zugriff offenlegen, war es interessant, dass auch nach inzwischen einem Monat seit dem Watch-Dogs-Launch die just veröffentlichten Beta-Catalyst-Treiber lediglich "Frame-Pacing Improvement" in dieser Hinsicht zu bieten haben. Eine diesbezügliche Anfrage bei AMD läuft noch - eine erste Antwort war der Hinweis, dass es üblicherweise so ablaufe, nicht notwendigerweise in diesem Falle, aber in der Vergangenheit schon. Man will uns noch mit weiteren Informaitonen versorgen.

    AMD führt für einen solchen Fall an - man ist bezüglich der Formulierung sehr vorsichtig -, dass Gameworks das Potenzial böte, unlautere Methoden zu verwenden. Die offensichtliche Version, Effekt X läuft auf Hardware Y wesentlich schneller als auf Hardware Z, würde doch schon beim Entwickler auffallen, werfen wir ein, und der will sich ja nicht einen großen Teil seiner Zielgruppe vergrätzen. Die AMD-Vertreter bieten eine alternative Vorgehensweise an: Sogenannter Benchmark-Code wird ausgeliefert. Dabei handelt es sich um sehr wenig optimierte Shader-Routinen, die auf jeder Hardware "nur akzeptabel", aber nicht auffällig unterschiedlich liefen.

    Hintergrund: Gameworks (3) Hintergrund: Gameworks (3) Quelle: PC Games Hardware Über ein von AMD als Black-Box betiteltes System wie Gameworks ließe sich, genug bösen Willen vorausgesetzt, nun direkt zum Launch eines Spiels im Treiber die nötigen Anpassungen vornehmen, der unoptimierte Shader durch einen leistungsfähigeren ersetzen und so ein entscheidender Performance-Vorteil erzielen. Verschwörungstheoretiker werden dank dieser Methode frohlocken, lässt sie sich doch kaum nachweisen und wenn, dann mit allfälligen Verbesserungen im Code durch aktuelle Entwicklungen erklären.

    Spätestens hier geraten wir dann an die Grenze zur Spekulation, über die sich sicherlich seitenweise streiten ließe. Sie merken schon, wie fließend die Grenzen sind. Nvidia behauptet jedenfalls im Interview, nie einen Entwickler daran gehindert zu haben, Pre-Release-Builds eines Spiels herauszugeben, räumt aber gleichzeitig ein, dass Shader-Replacement ein valides Mittel ist, um die Performance von Gameworks-Modulen zu verbessern.

    Gamesworks-Kontroverse, die Fakten

          

    Hintergrund: Gameworks (10) Hintergrund: Gameworks (10) Quelle: PC Games Hardware Gameworks wurde von Nvidia im Herbst letzten Jahres vorgestellt und besteht aus verschiedenen Modulen, die jeweils einen oder eine Gruppe von Special-Effects für Spiele nachrüsten. Das älteste, zwischenzeitlich unter den Gameworks-Mantel geschlüpfte Modul ist Nvidiay Physx. Dieses setzt als eines der wenigen Gameworks-Module auf eine proprietäre Technik und arbeitet lediglich mit Cuda-fähigen GPUs, sprich Nvidias Geforce- und Quadro-Grafikkarten, sowie verschiedensten Hauptprozessortypen zusammen. Faceworks wurde bereits zur Vorstellung der GK110-GPU gezeigt und ist seit über einem Jahr als freier Download erhältlich; das Modul soll für eine optimierte Gesichtsdarstellung sorgen. Eine Reihe weiterer Module wie Wave-, Flame-, Shadow-, Post- oder GI-Works rundet das umfassende Angebot ab. Direkt herunterladbar sind davon allerdings nur die wenigsten - im Gegensatz zu älteren DX11- oder OpenGL-Code-Samples - denn Nvidia gibt diese Programmteile nur heraus, wenn man sich im Vorfeld an den Developer-Support wendet und nach den Licensing-Details fragt.


    Zumindest der erwähnte Source-Code-Zugang wird auf der Nvidia-Developer-Website lediglich für das Turbulence-Modul als Teil von Physx/Apex erwähnt, Hairworks gibt es immerhin über einen "SDK-Acess". Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass die anderen Module nicht auch im Rahmen der normalen Lizenzierung mit Source-Code-Zugang ausgestattet werden (können).

    Uns gegenüber wollte Nvidia keine Aussagen zur Ausgestaltung der LIzenzbestimmungen sowie zur vertraglichen Ausgestaltung mit den Entwicklern machen und auch nicht darauf eingehen, ob es sich um einheitliche Bestimmungen für sämtliche Lizenznehmer handele. Allerdings hat sich Rev Lebaredian, Senior Director of Engineering und bei Nvidia derzeit zuständig für das Gameworks-Programm, mit unseren sonstigen Fragen ausführlich befasst. Das via E-Mail durchgeführte Interview lesen Sie auf Deutsch und auch im englischen Original in einem separaten Artikel auf unserer Webseite. In Sachen Source-Code Zugriff durch einzelne Entwickler, so Lebaredian, handele es sich einfach um eine Frage der Lizenzart. Nvidia böte Entwicklern - und diese Aussage stützt auch Nvidias Webseite - mitnichten nur Black-Box-Module an, sondern durchaus auch Lizenzierungen inklusive Source-Code-Zugriff. Allerdings fand unser Interview In der ersten Juniwoche statt, die Möglichkeit einer Source-Code-Lizenz ist da noch nicht allzu lange vorhanden gewesen, dürfte also auch nicht in den bislang veröffentlichten Spieletiteln mit Gameworks-Nutzung zum Tragen gekommen sein.

    Hintergrund: Gameworks (12) Hintergrund: Gameworks (12) Quelle: PC Games Hardware In den Launch-Reviews vieler Spiele wie Batman Arkham Origins, Assassin's Creed Black Flag, Call of Duty: Ghosts und Watch Dogs, die jeweils Gameworks-Module beinhalten, stehen Nvidias Geforce-Karten besser da als ansonsten vergleichbare AMD-Karten, allerdings zuletzt auch in Grid Autosport, welches mit Forward+ eine von AMD entwickelte Rendertechnik nutzt. Nvidias Geforce-Treiber haben seit Langem den Ruf, ab Launch performanter mit neuen Titeln zusammen zu arbeiten als AMDs Catalyst-Treiber, doch zuletzt hatte dieser Ruf einige Kratzer abbekommen. Dirt Showdown (siehe auch), Tomb Raider und auch Grid 2 liefen zum Launch unerwartet schlecht auf Nvidia-Karten. Das Lara-Croft-Abenteuer, ob mit oder ohne Tress-FX-Support, lief auf einer GTX Titan langsamer als auf einer HD 7970 GE - ein Verhältnis, welches bei Batman auf der anderen Seite für Verdächtigungen sorgte: Hier war eine GTX 760 auf HD-7970-Niveau. Crysis 3 verhielt sich in dieser Hinsicht erfreulich neutral, während sein Vorgänger Crysis 2 respektive Nvidia, zu dessen TWIMTBP-Programm das Spiel gehörte, noch durch unerklärlich hohe Tessellationsstufen an spielunwichtigen Betonblöcken in die Kritik geraten war, die Crytek-Mitarbeiter später als Ressourcen-Verschwendung beklagten.

    03:44
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    Gameworks - AMD schießt weiter gegen Nvidia

          

    Bereits zuvor haben wir über AMDs Klagen hinsichtlich Gameworks berichtet (siehe auch). Bei einem Lokaltermin in München trafen wir auch mit der kürzlich zu AMD zurückgekehrten Branchengröße Richard Huddy zusammen und konnten mit ihm seine Sicht der Dinge - besonders bezüglich Gameworks - besprechen. Auf unsere Fragen hin wiederholte er die Vorwürfe im Wesentlichen, konkretisierte aber auch einige Punkte.

    Inwieweit es denn überhaupt im Interesse der Entwickler sein könne, wenn sie derart ungleichmäßige Performance auf den beiden konkurrierenden Grafikplattformen auslieferten, wollten wir von AMD weiter wissen. Das, so Richard Huddy, sei ein Problem der verschiedenen Business-Units bei größeren Publishern. Die Übereinkünfte zum Co-Marketing und die Bedingungen solcher Vereinbarungen würden meist mit dem Publisher ausgehandelt, der Entwickler gar nicht erst gefragt. Er müsse dann nur noch das bestellte Produkt liefern, habe bei den Rahmenbedingungen aber nicht mehr viel mitzubestimmen.

    AMD ist besorgt, dass, wenn sich das Gameworks-Modell durchsetzt, der Spielemarkt gespalten wird - man also passende Hardware für die jeweiligen Spiele bräuchte. Ganz wie im Konsolenmarkt also, wo einige Titel Playstation-, Xbox- oder Wii-exklusiv sind. Hier steckt AMD-Hardware in sämtlichen aktuellen und den meisten älteren Geräten. Playstation 4 und Xbox One kommen mit derselben Grafikarchitektur wie AMDs aktuelle Radeon-Riege, Optimierungen für den Konsolenbereich kommen also potenziell Radeon-Karten auch zugute. Diesen Vorteil fürchtet AMD offenbar durch Gameworks, speziell wenn es in Lizenz-Engines integriert wird, zu verlieren.

    Laut Huddy gab es interne Überlegungen, ein Konkurrenzprodukt zu Gameworks aufzulegen, welches entsprechende Effekte für Entwickler zu den Bedingungen verfügbar machen soll, die AMD derzeit von Nvidia fordert - eine Art "Open Works". Über den Fortschritt dieser Überlegungen konnte er zum Gesprächszeitpunkt allerdings noch nichts Genaues sagen.

    01:19
    Nvidia Flameworks: Ein Drache spuckt Feuer - Dragon Age lässt grüßen

    Gameworks - Das sagen Entwickler

          

    Es dauerte nicht lange, da waren die ersten Spiele-Entwickler mit Kommentaren für und wider Gameworks bei der Hand. Die meisten blieben dabei allerdings ihrer Linie treu, sprich, Studios, die traditionell mit AMD zusammenarbeiten, hielten dieselben Argumente wie der Hersteller selbst gegen Gameworks bereit, Nvidia-Partner hingegen freuten sich wie bestellt über die Effektbibliotheken.

    Hintergrund: Gameworks (15) Hintergrund: Gameworks (15) Quelle: Twitter Einige Stimmen wollen wir hier jedoch aufgreifen, da sie interessante Aspekte zum Gesamtkomplex Gameworks enthalten. Mantle-Mitschöpfer Johan Andersson twitterte zum Beispiel, Nvidia habe durch die "unbenutzbare Black Box Gameworks" eine Menge Respekt bei Entwicklern verspielt. Unreal-Engine-Mastermind Tim Sweeney äußerte sich bei den Kollegen von extremetech.com. Seine Unreal-Engine war einer der Steine des Anstoßes, da Nvidia in einem Blogeintrag im März die Integration von Gameworks in die Unreal-Engine 4 anpries - wenig beachtet war dabei allerdings, dass es sich hierbei nicht um das komplette Gameworks-Paket, sondern um Physx und das Apex-Modul handelte, welche bereits Teil der letzten Unreal-Engine-3-Builds waren. Im Westen nichts Neues also, bis auf dass spätestens hier aufgrund der enormen Verbreitung der Unreal-Engine bei AMD die Alarmglocken geschrillt haben dürften: "Together with Epic, we've incorporated support for NVIDIA GameWorks directly into Unreal Engine 4 making it easier for UE4 licensees to take advantage of our technology." (Zusammen mit Epic haben wir direkte Unterstützung für Nvidia Gameworks in die Unreal Engine 4 eingebaut, sodass Lizenznehmer der UE4 einfacher von unseren Techniken profitieren können).

    Sweeney hebt hervor, dass es sich bei Gameworks primär um Middleware handele, genau wie Havok Physics, SpeedTree, die UE4 oder Unity. Oft, auch bei Epic, sei es Brauch gewesen, wichtigen Partnern Einblicke in den Source-Code zu gewähren und gemeinsam an Optimierungen zu arbeiten. Nur, so Sweeney weiter, solle man das nicht verallgemeinern und schon gar nicht zur Verpflichtung erheben. Es gäbe gerechtfertigte Gründe dagegen, wie zum Beispiel den Schutz von Betriebsgeheimnissen.

    Darüber hinaus gehörten einige Gaming-Middleware-Pakete schon lange Hardware-Herstellern (IHVs), so zum Beispiel Intels Havok, Nvidias Physx und Gameworks oder AMDs Unterstützung und Finanzierung von Bullet Physics. IHVs investierten Millionen von Dollar, die sie Entwicklern häufig gratis zur Verfügung stellten, es sei jedoch unrealistisch anzunehmen, dies auch den direkten Wettbewerbern im Hardware-Markt zu gewähren, damit diese dann auf ihrer Hardware optimieren könnten.

    Epic habe, wie andere Entwickler auch, den Schritt zur Middleware-Integration mit vollem Bewusstsein dieser Situation getan und sei mit der Unreal Engine 4 ein glücklicher Nutzer von Gameworks inklusive Physx und anderen Componenten.

    Wir haben uns über die Situation noch mit dem Entwickler Ralf Kornmann unterhalten, der beim Nachfolge-Studio von EA Phenomic, dem unabhängigen Studio Envision Entertainment GmbH, arbeitet. In der Vergangenheit war er Engine-Lead beim ersten DirectX-11-Titel Battleforge und hat daher Erfahrung in der Zusammenarbeit mit den Hardware-Herstellern.

    PCGH: Wie wichtig ist für einen Entwickler der Source-Code-Zugriff auf Middleware? Es gibt außer Gameworks ja auch noch andere wie Speedtree & Co.

    Ralf Kornmann (Envision Entertainment GmbH): Das variiert. Solange die Middleware ihre Aufgabe erfüllt, benötigt man den Source-Code auch nicht. Problematisch wird es, wenn man die Funktionalität erweitern möchte oder ein Fehler auftritt. Entsprechend wird man hier im Vorfeld abwägen, welches Risiko fehlender Source-Code im Einzelfall bedeutet. Bei einer Middleware, welche zum Beispiel nur für einen einzelnen Effekt zuständig ist, spielt der Source-Code eine weitaus geringere Rolle als bei einer ganzen Engine.

    PCGH: Hat man üblicherweise nur Einsicht in solchen Source-Code oder kann man auch etwas daran ändern?

    Ralf Kornmann (Envision Entertainment GmbH ): Das hängt natürlich von der Lizenz ab. In der Regel beinhaltet eine Source-Code-Lizenz das Recht, auch Anpassungen vorzunehmen. Dies kann aber durchaus auch Einschränkungen unterliegen wie zum Beispiel bei Portierungen auf andere Plattformen.

    PCGH: Wenn man nur Source-Code-Einsicht hat – wie groß sind dann überhaupt die Optimierungsmöglichkeiten für den Spiele-Entwickler in seinem eigenen Code "drumherum"?

    Ralf Kornmann (Envision Entertainment GmbH ): Die Möglichkeiten bewegen sich in solchen Fällen dann in dem Rahmen, welcher von den Entwicklern der Middleware durch Konfiguration vorgesehen wurde.

    PCGH: Sind solche sogenannten "Black-Box-Module" wirklich so undurchsichtig oder kann man da auch von außen ein wenig reinspechten?

    Ralf Kornmann (Envision Entertainment GmbH ): Im Zweifel kann sich ein geübter Entwickler natürlich immer den erzeugten Assemblercode anschauen. Da Middleware tendenziell ja eingesetzt wird, um das eigene Team zu entlasten, wird man das aber eher nicht tun. Solange das Modul das tut, was man erwartet gibt es dafür auch keinen Grund.

    PCGH: Wie kann ich als Treiberentwickler bei solchen Black-Boxen trotzdem noch optimieren – wenn beispielsweise eine Ambient-Occlusion-Routine auf meiner Hardware "anders" schneller laufen würde?

    Ralf Kornmann (Envision Entertainment GmbH ): Da ein Treiber für die Transformation von API-Anweisungen in Hardware-Anweisungen zuständig ist, kann er im Prinzip alles verändern. Das Problem dabei ist allerdings Folgendes: Je weiter man dabei vom direktem Pfad abweicht, desto komplexer wird der Treiber. Das führt dann in der Regel zu einem höheren Treiberoverhead.

    PCGH: Wie stark sind die potenziellen Nachteile, wenn man über den Treiber etwas "fixen" muss, anstatt einen alternativen Shader vorschlagen zu können?

    Ralf Kornmann (Envision Entertainment GmbH ): Einfach nur einen Shader auszutauschen, gehört zu den einfacheren Übungen. Muss man dagegen ein komplexeres Verfahren ersetzen, wird es deutlich aufwändiger. Am Ende wird sich aber jede solche Treiberoptimierung durch einen höheren Treiberoverhead bemerkbar machen.

    PCGH: Wie schätzt du die Möglichkeit ein, dass Nvidia AMD aktiv/absichtlich in den sogenannten "Black-Box"-Modulen benachteiligt? Würde sowas überhaupt möglich sein, ohne das man es von außen durch Profiling oder Reverse Engineering bemerkt und Alarm schlagen könnte?

    Ralf Kornmann (Envision Entertainment GmbH ): Welche Renderanweisungen ein solches Modul erzeugt, ist kein Geheimnis. Entsprechend würde es sofort auffallen, wenn bei unterschiedlicher Hardware unterschiedliche Anweisungen erzeugt werden. Entsprechend kann man auch das Laufzeitverhalten dieser Anweisungen auf unterschiedlicher Hardware untersuchen. Sollten diese nun auf der Hardware des Herstellers der Komponente besser laufen, kann man trotzdem noch nicht von einer absichtlichen Benachteiligung sprechen. Dafür müsste der Hersteller zum Beispiel auf eine Implementierung verzichtet haben, die auch auf seiner Hardware bessere Ergebnisse bringt, aber ebenso auf einem Konkurrenzprodukt wesentlich besser läuft.

    01:58
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    The Witcher 3

    Gameworks - Was bleibt

          

    Was bleibt? Eine unglaubliche Menge an oft nur allzu vager Information und die Schwierigkeit, diese richtig zu interpretieren; oben haben Sie selbst gemerkt, wie schnell man von angeblichen Fakten in den ungesicherten Spekulationsbereich abrutscht.

    Wir können Ihnen leider auch keine einzig wahre Version anbieten. Fakt ist, dass Gameworks-Module das Potenzial böten, unlauter zu arbeiten. Fakt ist aber auch, dass jeder Spieleentwickler für sein Produkt verantwortlich ist und allein schon aus Selbstschutzgründen genau prüfen wird, ob nicht ein substanzieller Teil seiner Kundschaft unangemessen benachteiligt wird. Fakt ist, dass Nvidia gern eigene Standards umsetzt - man kann darüber streiten, ob nun darum, andere auszuschließen oder um neuen Techniken möglichst schnell ein Einsatzgebiet zu verschaffen. Jedenfalls steht die Firma dazu, Geschäftsgeheimnisse nicht und schon gar nicht kostenlos herauszugeben

    Dass Source-Code und Algorithmen frei verfügbar sein sollen, ist eine nette Wunschvorstellung, de facto aber kaum umsetzbar - die Firmen stehen leider in der wirtschaftlichen Verantwortung ihren Aktionären gegenüber. Selbst AMD als lautstarkem Verfechter dieser Herangehensweise war es nicht möglich, seine Tress-FX-Haarsimulation vor der Veröffentlichung des entsprechenden Spiels offen zugänglich zu machen und auch Mantle, als offener Standard angelegt, ist derzeit laut Huddy ein "Closed Standard" - erst mit der noch für 2014 geplanten Veröffentlichung des SDK soll sich das ändern. Zurzeit liegt Mantle in den AMD-Treibern noch als DLL vor - dieselbe Black-Box wie Gameworks.

    Nvidia auf der anderen Seite steht dazu, aus Firmengeheimnissen und Techniken, in die viel Geld investiert worden ist, auch entsprechenden Nutzen ziehen zu wollen - solange damit kein absichtlicher Schindluder getrieben wird, ist dagegen auch nichts zu sagen. Doch allein die Möglichkeit, dass so etwas passiert reicht, in Verbindung mit alten Anschuldigungen gegen den Hersteller, reichen offenbar aus, um reichlich Mißtrauen zu stiften. Ob das ein Klima ist, in dem Konkurrenz und PC-Spiele optimal gedeihen, sei auch dahingestellt.

    Unsere Launch-Benchmarks sowohl von Nvidia-nahen wie auch von AMD-nahen Spielen zeigen, dass die Performance der jeweiligen Konkurrenz-Modelle nicht immer die erwartete Höhe erreicht. Meta-Verschwörungstheoretiker könnten nun den Treiberabteilungen Absicht unterstellen... das Karussell dreht sich weiter.

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    Es gibt 278 Kommentare zum Artikel
    Von SFVogt
    Ich kenne 'Stefans Art' nicht und beurteile einfach nur das, was ich in diesem Thema wahrnehme.Wie du selbst nachlesen…
    Von jasper1138
    Deshalb habe ich mich auch aus den Thread verabschiedet und werde auch nicht mehr antworten,auch weil ich merkte ,das…
    Von Cook2211
    Enden wird das nie. Ich habe eher den Eindruck, dass die Grabenkämpfe in Zeiten von Gamworks und Mantle sogar noch…
    Von Rodolfos
    wann sind wir mit diesem amd vs nivida gehate endlich am ende ? wird das überhaupt jemals enden?
    Von IluBabe
    Mein Freund, der ganze Thread hier dreht sich um eine Unterstellung, die von AMD kommt gegenüber einem Konkurrenten.…
      • Von SFVogt PC-Selbstbauer(in)
        Zitat von Cleriker
        Deine Schuppen sind hier nicht relevant.
        Rethorktricks sind auch nicht Stefans Art. Er lässt sich halt gern hinreißen und dann kommen im Eifer des Gefechts solche Vergleiche zustande.
        Ich kenne 'Stefans Art' nicht und beurteile einfach nur das, was ich in diesem Thema wahrnehme.

        Zitat
        Was hier viel eher auffällt, jedenfalls mir, ist die Tatsache, dass du auf nicht eine seiner Fragen antwortest! Das in einem Beitrag, der bei anderen rethorische Techniken vermutet... seltsam!
        Wie du selbst nachlesen kannst, war der Fragenkatalog nicht an mich gerichtet. Außerdem erregt die angesprochene Diskussionsweise - zumindest bei mir - den Anschein das andere Zwecke verfolgt werden, als den (meiner Meinung nach) sachlich plausibel nachvollziehbaren Erläuterungen vom Mod 'ruyven_macaran' zu lauschen und würde mich deswegen nicht drauf einlassen. Das sollte ja eigentlich auch eine Diskussion miteinander sein und kein 'Interview' des Gegenübers mit 'einseitigem contra-nVidia Fragen'.

        Zitat von Cleriker
        Verlieren kann man nur dann, wenn man im unrecht ist. Hat man triftige Gründe, kann man sich auch verteidigen. [...]
        Trifft das ebenso auf die 'Fragen' zu? Oder eher mehr auf die geäußerten 'Aussagen/Antworten'?!

        Zitat
        PS:
        Usern hier dauernd Unterstellungen an den Kopf zu werfen, aber nicht auf Fragen der Diskussion zu antworten ist übrigens nicht gerade die feine Art.
        Ich für meinen Teil habe überhaupt keine Ahnung von Rhetorik und denke, dass wer so etwas hier überhaupt beachtet, eher falsch spielt.
        Wo ich "dauernd Unterstellungen" äußere, weiß ich nicht so genau?! Ich finde es normal, nicht nur zu lesen 'was' Jemand schreibt, sondern auch zu beobachten 'wie' er es schreibt, ich bin der Meinung das hilft einfach seinen Gegenüber besser einschätzen zu können. Ebenso merkt man relativ schnell wer z.B. sachlich schreibt, öfters andere beleidigt oder zu Fäkalsprache neigt.

        Zitat
        Hier pflegt man einen lockeren und fairen Umgang miteinander, ohne Tricks und Spielchen.
        Erstaunliche Auffassung des 'Umgangs miteinander' ... und das in einem Thema das bereits einmal geschlossen war und und zweimal 'gesäubert' wurde.

        MfG
      • Von jasper1138
        Zitat von Cook2211
        Enden wird das nie. Ich habe eher den Eindruck, dass die Grabenkämpfe in Zeiten von Gamworks und Mantle sogar noch schlimmer werden.
        Deswegen, und weil in solchen Threads mittlerweile User auftreten, die regelrechte Propaganda für "ihren" Hersteller betreiben, bleibe ich Diskussuionsthreads über Grafikkarten mittlerweile weitestgehend fern. Schade, denn "früher" habe ich hier gerne stundenlang über Grakas diskutiert. Aber das, was mittlerweile abgeht bzw. was von einzelnen Usern in diesem Zusammenhang initiiert wird, tue ich mir nicht mehr an....
        Deshalb habe ich mich auch aus den Thread verabschiedet und werde auch nicht mehr antworten,auch weil ich merkte ,das ich evtl nicht mehr objektiv antworten kann, da in meinen Antworten viel Enttäuschung meinerseitens zu AMD drin steckt und daraus versucht habe eine Erklärung für die jetzigen! Dinge abzuleiten, warum AMD, Nvidia Vorwürfe macht und Publisher Gameworks bevorzugen.Leider ist es bei vielen so, das man um so mehr Antworten man bekommt,immer emotionaler schreibt,als sachlich. Ob ich mit meinen Niederschriften Recht habe steht auf einem ganz andren Blatt, da ich auch nur aus meiner Erfahrung heraus vermuten kann.Trotzdem bleibe ich bei meinen Aussagen, obwohl ich ein AMD System mit Nvidia Grafikkarte habe.
        Aber so ists auch mit den PS4 und den Xbone Jüngern, viele regen sich auf und verteidigen Firmen bis aufs Messer, bloß weil sie die Firma im System haben,als ob man sie persönlich beleidigen würde. Ich habe damals auf der Cebit gesehen,wie Creative Werbung bei Jugendlichen gemacht hat, das glich schon einer Sekte. Denn Vorteile gegenüber andren Soundsystemen wurden nur unzureichend erklärt und man hämmerte bei jedem Satz nur den Namen Creative in den Köpfen der Leute. Aus dieser Sachlage heraus sind Threads keine Diskussionen mehr,warum bestimmte Dinge so sind oder sein könnten,sondern nur noch hässliche Hahnenkämpfe, um den andren herabzuwürdigen oder weil man um jeden Preis Recht haben will.
        Letzlich kaufe ich nach P/L und voriger Zufriedenheit und meine 650TI Boost war vor einem Jahr ein Schnäppchen und weil ich mit der 7790 unter Win 8.1 Probleme hatte(2x umgetauscht,unter Win7 astrein), die vorige Radeon 3850 hatte ich mir gekauft,weil die für 55€ unschlagbar anno 2008 war.
        Ich kann euch auch nicht sagen was ich mir demnächst kaufen werde,da der Markt zu schnelllebig ist,werde mir aber auch keine Panik machen wegen einem popligen Spiel,zwecks spez. Features mir ne neue Karte zu kaufen,sondern dann, wenn die Alte wirklich ihr Geld abgespielt hat. Bei manchen Leuten kann ich da die Panikmache und Resourcen/Geldverschwendung nicht ganz verstehen: "Dann brauchen wir 2 Karten oder ich muss schon wieder wechseln!" Als obs keine Grafikoptionen zum Anspassen gibt!(-.-) Passt auf in Grid 2 braucht ihr zwingend ne Intel HD ,um die Effekte,wie Rauchschatten und erw. Blending von Intel einzuschalten,also schmeißt ma schön eure Karten aus den Fenster! Merkt ihr auf welchen Unsinn ich hinaus will? Was solls der Industrie wirds freuen. Schließlich möchte ich spielen und keinen Eiertanz aufführen! Für mich ist nur der Ist Zustand wichtig(wieviel Spiele hab ich in der Sammlung und wieviele profitieren von welchen Hersteller und welche Erfahrung habe ich bisher gemacht,hat dieser nachgebessert,das bessre P/L oder bessere Zusätze?) und nicht,ob in Zukunft evtl. 500 Spiele mit Gameworks oder 500 Spiele mit Mantle raus kommen. Daher ist der Thread auch für den Popo,weil wir nur spekulieren können, aber keine harten Fakten haben und sollte deshalb geschlossen werden..
      • Von Cook2211 Kokü-Junkie (m/w)
        Zitat von Rodolfos
        wann sind wir mit diesem amd vs nivida gehate endlich am ende ? wird das überhaupt jemals enden?


        Enden wird das nie. Ich habe eher den Eindruck, dass die Grabenkämpfe in Zeiten von Gamworks und Mantle sogar noch schlimmer werden.
        Deswegen, und weil in solchen Threads mittlerweile User auftreten, die regelrechte Propaganda für "ihren" Hersteller betreiben, bleibe ich Diskussuionsthreads über Grafikkarten mittlerweile weitestgehend fern. Schade, denn "früher" habe ich hier gerne stundenlang über Grakas diskutiert. Aber das, was mittlerweile abgeht bzw. was von einzelnen Usern in diesem Zusammenhang initiiert wird, tue ich mir nicht mehr an....
      • Von Rodolfos Gesperrt
        wann sind wir mit diesem amd vs nivida gehate endlich am ende ? wird das überhaupt jemals enden?
      • Von IluBabe Volt-Modder(in)
        Zitat von Cleriker
        Usern hier dauernd Unterstellungen an den Kopf zu werfen, aber nicht auf Fragen der Diskussion zu antworten ist übrigens nicht gerade die feine Art.
        Mein Freund, der ganze Thread hier dreht sich um eine Unterstellung, die von AMD kommt gegenüber einem Konkurrenten. Die Fakten welche beweisen würden, dass die Unterstellung sich bewahrheitet sind nicht öffentlich verfügbar. Weil man also in einer Spekulation keine Fakten bringen kann, die der Wirklichkeit entsprechen, ohne bedingt durch den Ausgangspunkt selbst eine Vermutung aufzustellen, ist es vollkommen sinnfrei sich darüber zu ereifern das einem Unterstellungen an den Kopf geworfen werden. Und nochmal die Fragen sind nicht beantwortbar, ich werd das auch nicht weiter ausführen, erkundige dich bei SFVogt, warum das der Fall ist, ihm hab ich auch schon etwas zu seinem Diskussionstil geschrieben, der da nicht viel besser weg kommt als der des Gegenredners. - Ich denk mal weil wir hier gerade im Offtopic rumkaspern, sollten wir es dabei belassen.
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Nvidia Geforce
Nvidia Gameworks: Einfach nur schönere Spiele-Grafik oder doch schädlich für die Spiele-Industrie?
Nvidia Gameworks hat nach den Anschuldigungen seitens AMD in den vergangenen Wochen hohe Wellen in der Fachpresse und der Gaming-Community geschlagen. Neben unserer aktuellen Berichterstattung zum Thema haben wir auch im Hintergrund recherchiert und mit Nvidia, AMD und einem unabhängigen Spieleentwickler gesprochen. Lesen Sie hier unsere Zusammenfassung zum Thema Gameworks.
http://www.pcgameshardware.de/Nvidia-Geforce-Grafikkarte-255598/Specials/Nvidia-Gameworks-Special-1126441/
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