Windows 11: Universal Windows Platform wird beendet

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UWP in Windows 10
Quelle: Microsoft

Microsoft zieht den Schlussstrich und schickt die Universal Windows Platform auf den digitalen Friedhof. Was hat das für Folgen für Entwickler und Nutzer von Windows 10 und Windows 11?

Als Windows 10 im Jahr 2015 veröffentlicht wurde, gab es mit Universal Windows Platform eine Entwicklerumgebung, die es ermöglichte, eine App zu schreiben und diese prinzipiell auf verschiedene Windows-Geräte zu bringen. So sollte es Apps und Spiele geben, die sowohl auf Windows-Smartphones, PCs und der Xbox-Konsole laufen. Bereits zu Zeiten von Windows 8 hatte Microsoft begonnen, die Modern-Apps einzuführen, aus denen dann die UWP-Apps hervorgegangen sind. Nun hat Microsoft offiziell ein Ablaufdatum für UWP bekannt gegeben. Bis Ende 2022 sollen alle bisherigen UWP-Apps von den Entwicklern zu Desktop-Programmen umgewandelt werden, denn dann läuft offiziell der Support für die alten .Net-Frameworks aus.

Warum musste die Idee "eine App für verschiedene Geräte" sterben?

Von Anfang an waren UWP-Apps und UWP-Spiele in ihrem Funktionsumfang im Vergleich zu herkömmlichen .EXE-Dateien beschnitten. So war es beispielsweise nicht möglich, externe Laufwerke mit einer UWP-App anzusteuern. Zahlreiche Spieler monierten, dass es wenig Einstellungsoptionen bei UWP-Spielen gab und beispielsweise keine Zusatztools etwa zum Anzeigen der aktuellen Systemauslastung mit diesen Spielen funktionierte. Generell war und ist der Microsoft Store quälend langsam und instabil bei Downloads. Von Komfort beim digitalen Shoppen kann man auch nicht sprechen, da etwa einmal auf einem PC installierte UWP-Apps sich nicht mehr aus der eigenen Bibliothek löschen lassen, sodass die Neueinrichtung eines Systems mühselig wird.

Zudem zeigte Microsoft Schwächen bei der Kommunikation, wie UWPs eigentlich funktionieren. Schließlich war es nie so, dass App-Entwickler ihre App nur einmal schreiben mussten und diese dann einfach auf PCs, Windows Phones und Xbox One funktionierte, wie es das Marketing gerne vermittelt hat. Vielmehr gibt es nur einen Grundstock an gemeinsamen Funktionen, alles, was darüber hinaus, etwa in Sachen UI geht, müssen Entwickler immer noch separat an die jeweilige Plattform anpassen. Erst, wenn diese Anpassung geschehen ist, kann der Entwickler entscheiden, auf welcher Plattform - Windows-PC, Windows-Smartphone, Microsoft Hololens, Xbox-Konsole - die UWP-App angeboten werden soll. In der öffentlichen Kommunikation hat das Microsoft aber oftmals galant verschwiegen. Die Realität sieht so aus, dass es wohl nur sehr wenige Softwareentwickler gab und gibt, die tatsächlich eine UWP-App oder ein UWP-Spiel programmiert und veröffentlicht haben. Folglich gibt es auch nur wenige UWP-Nutzer.

Was passiert mit UWP-Apps?

Mit Windows 11 führt Microsoft das responsive Mica-Design ein, welches sich automatisch an Displayauflösungen anpassen kann. Falls man noch eine UWP-App besitzt, so kann man das Mica-Design mittels Update auf WinUI 2.7 - teilweise - einführen. Allerdings wird es nicht das bereits in einer Vorschauversion verfügbare WinUI 3 für UWP-Apps geben. Ebenso plant Microsoft, die .Net-Frameworks 5 und 6 nicht mehr für UWP-Apps zu veröffentlichen. De facto läuft damit bald der Support für UWP Ende 2022 aus.

App-Entwickler sollen vielmehr bestehende UWP-Apps zu .EXE-Dateien migrieren und können dazu das Windows App SDK benutzen. Künftig sollen sämtliche Apps für Windows also wieder als herkömmliche Programmtypen daherkommen, die dann mit WinUI 3 angereichert werden können. Der neue Microsoft Store wird als offene Plattform vermarktet, sodass Entwickler beispielsweise .EXE-Dateien in dieses digitale Schaufenster stellen können und dann die Windows-App selbst hosten und mit Updates versorgen. Zugleich fällt keinerlei Provision an, wenn diese Apps über eigene Bezahlmethoden verfügen. Neben Windows 11 soll der offene Microsoft Store auch auf Windows 10 verfügbar werden und die alte Version komplett ersetzen. Die Vision, mit UWP eine Entwicklerplattform zu erschaffen, um für verschiedene Endgeräte möglichst einfach Apps schreiben und dann im Microsoft Store veröffentlichen zu können, ist offiziell gescheitert. Natürlich kann man auf Windows 10 und 11 auch weiterhin UWP-Apps benutzen, zumindest so lange diese im Microsoft Store angeboten werden.

Welche Alternativen für Entwickler gibt es?

Bereits zur Entwicklerkonferenz Build 2020 hatte Microsoft das Project Reunion angekündigt und damit deutlich gemacht, dass die UWP-Apps bald nicht mehr im Fokus stehen, nun ist der Abschied offiziell. Bereits seit 2020 wird der Zugriff auf bestehende Win32- und UWP-APIs vereinheitlicht und diese über Tools wie NuGet vom Betriebssystem entkoppelt. Es soll künftig egal sein, ob man auf C++, React Native (von Facebook entwickelt) oder .NET (inklusive WPF, Windows Forms und UWP) seine Apps entwickelt, die APIs sollen immer die gleichen sein. Die fehlende Unterstützung der .Net-Versionen 5 und 6 bedeutet das baldige Aus für UWP-Apps, die aber immerhin einzelne APIs, etwa für die Benachrichtigungen in das Windows App SDK einbringen dürfen, ehe sie am digitalen Friedhof landen.

Neben Windows-Apps unterstützt Microsoft auch Web-Apps, etwa die Progressive Web Apps, bei denen es sich - vereinfacht gesagt - um Webseiten handelt, die bestimmte Funktionen auch offline zur Verfügung stellen können. Für derartige Web-Apps offeriert Microsoft Webview in Version 2, wobei diese Entwicklerschnittstelle auf der HTML5-Rendering-Engine Chromium vom Google Chrome und vom Microsoft Edge aufbaut. In Webview 2 lässt sich künftig ebenfalls WinUI 3 im Mica-Design nutzen. Webview 2 kommt übrigens auch bei den Widgets in Windows 11 zum Einsatz und soll es künftig ermöglichen, dass auch Entwickler eigene Widgets entwickeln und über den Microsoft Store verteilen.

Was passiert auf der Xbox One & Xbox Series X|S?

Zwar ist klar, dass es auf dem PC fortan .EXE-Dateien im Microsoft Store geben wird, die auch mit WinUI 3 ausgestattet sein können, allerdings ist der UWP-Ansatz ja plattformübergreifend. Auf der Xbox One und der Xbox Series X|S läuft eine speziell angepasste Windows-Version, die jedoch unter anderem die eigene UI namens Xbox-Dashboard besitzt. Fortan können auf den Xbox-Konsolen auch weiterhin UWP-Apps genutzt werden, so diese denn vom Entwickler angepasst wurden und angeboten werden.

Perspektivisch stehen aber Xbox-Spiele im Fokus und diese haben nichts mit der UWP-Entwicklerumgebung zu tun. Für alles, was neben dem Gaming so anfällt, gibt es seit dem September 2021 Update auch auf den aktuellen Xbox-Konsolen den Microsoft Edge auf Chromium-Basis, der sogar die Bedienung via Maus und Tastatur ermöglicht. Künftig könnten eventuell Web-Apps mit WinUI 3 und Webview 2 ihren Weg auf die Xbox-Konsolen finden, auch wenn es dazu noch keine offizielle Ankündigung gibt. Im Bereich der Smartphones gibt es seit dem Jahr 2017 kein Windows-Betriebssystem mehr. Auf der Mixed-Reality-Brille Microsoft Hololens läuft das eigene Betriebssystem Windows Holographic, welches weiterhin die Ausführung von speziell angepassten Apps erlaubt.


Ebenfalls lesenswert: Windows Phone und Windows Mobile: Ehemaliger Nokia-Mitarbeiter erklärt Scheitern

Sammlung zum offiziellen Ende der UWP-Apps in Windows 11 und Windows 10:

  • Microsoft hat offiziell den Abschied von UWP-Apps und UWP-Spielen bekannt gegeben. Entwickler sollen ihre UWP-Apps via Windows App SDK zu herkömmlichen Programmen migrieren.
  • Hintergrund ist, dass Microsoft das kommende WinUI 3 sowie die .Net-Frameworks 5 und 6 nicht mehr für UWP-Apps anbieten wird. Folglich haben die UWP-Apps eine Art Ablaufdatum.
  • Windows 11 setzt bereits auf das Mica-Design und WinUI 3. Neben .EXE-Apps wird WinUI 3 mit Webview 2 auch für Web-Apps nutzbar sein.

Quellen: Github, Microsoft, Drwindows

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    • Kommentare (18)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von nitg Freizeitschrauber(in)
        Zitat von JackTheHero
        Hat die überhaupt irgendwer genutzt?
        Zitat von PCGH_Claus
        Angeblich soll Microsoft auch diese Updates überprüfen, zumindest wenn diese Aktualisierungen dann wieder ihren Weg in den Microsoft Store finden.
        Die Hoffnung von Microsoft ist einfach, mit einem offenen Store deutlich mehr Programme anbieten zu können, als bisher.
        bringt aber nix, weil kein ernsthafter .net entwickler was im mickey-store platzieren will
      • Von nitg Freizeitschrauber(in)
        Zitat von JackTheHero
        Hat die überhaupt irgendwer genutzt?
        Zitat von PCGH_Claus
        Angeblich soll Microsoft auch diese Updates überprüfen, zumindest wenn diese Aktualisierungen dann wieder ihren Weg in den Microsoft Store finden.
        Die Hoffnung von Microsoft ist einfach, mit einem offenen Store deutlich mehr Programme anbieten zu können, als bisher.
        bringt aber nix, weil kein ernsthafter .net entwickler was im mickey-store platzieren will
      • Von PCGH_Claus Freizeitschrauber(in)
        Zitat von Technologie_Texter
        Das bringt aber nichts, wenn das Programm nach der Installation Updates bezieht, die nicht überprüft werden:\
        Angeblich soll Microsoft auch diese Updates überprüfen, zumindest wenn diese Aktualisierungen dann wieder ihren Weg in den Microsoft Store finden.
        Die Hoffnung von Microsoft ist einfach, mit einem offenen Store deutlich mehr Programme anbieten zu können, als bisher.
      • Von Technologie_Texter BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von PCGH_Claus
        Ja, die Programme werden nicht mehr über die Microsoft-Server verteilt. Um dennoch ein gewisses Maß an Sicherheit zu bieten, wird jede .EXE-Datei von Microsoft überprüft, ehe diese im Microsoft Store angeboten wird...
        Das bringt aber nichts, wenn das Programm nach der Installation Updates bezieht, die nicht überprüft werden:\
      • Von taks Volt-Modder(in)
        Ich tippe darauf, dass sie verstärkt auf WebApps gehen (Blazor, etc.) sieht man auch an Office 365, ihrem Cloud PC und den ganzen anderen Kram den sie ins Web ziehen.
      • Von sebbelzsch PC-Selbstbauer(in)
        Zitat von JackTheHero
        Hat die überhaupt irgendwer genutzt?
        1x, ja. Über Windows Update kam eine neuer Treiber für die Geforce Grafikkarte und plötzlich war das Nvidia Control Center weg. Das war jetzt eine UWP App und musste extra installiert werden. Ich frag mich, auf wer auf diese glorreiche Idee kam, Nvidia oder Microsoft ...
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