Unreal Tournament 2016: Technik-Test mit 22 Grafikkarten der Jahrgänge 2009 bis 2015

Unreal Tournament F2P alias UT4 alias UT 2016 befindet sich zwar noch tief in der Entwicklung, hinterlässt aber schon jetzt einen sehr guten Eindruck - sowohl spielerisch als auch technisch. PC Games Hardware wirft mit Ihnen einen Blick auf den Status quo und verrät, welche Hardware Sie für das rasante Shooter-Gameplay benötigen.

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Unreal Tournament maxed & downsampled (82)
Quelle: Epic Games

Im Mai 2014 verkündeten die Unreal-Tournament-Schöpfer von Epic Games feierlich, dass es einen neuen Teil der 1999 gestarteten und mittlerweile legendären Shooter-Serie geben wird. Damit beim vierten Ableger des "unechten Turniers" alles glatt läuft, ist die Community von Anfang an mit im Boot: Jeder, der sich das Unreal Development Kit herunterlädt, kann sich aktiv an der Entwicklung beteiligen und auch konstruktive Kritik im offiziellen Forum ist gern gesehen.

Die Kollaboration zwischen Epic Games und den UT-Fans wird von einem Clou begleitet: Unreal Tournament ist kostenlos und wird auch nach Veröffentlichung der finalen Version für jedermann "free to play" sein. Wer sich nun zu Recht fragt, wie sich ein Projekt dieser Größenordnung stemmen lässt, dem sei verraten, dass UT schon in der aktuellen Pre-Alpha-Version über einen Marktplatz verfügt, in dem jeder Entwickler eigene Maps, Skins oder Mods verkaufen kann. An den Erlösen werden die Entwickler des Multiplayer-Shooters beteiligt. Allerdings soll keine Pflicht vorherrschen, für eigene Inhalte Geld zu verlangen, sodass es auch viele kostenfreie Angebote geben wird. Geldfluss Richtung Epic findet erst statt, wenn aus der Engine-Nutzung ein kommerzielles Produkt wird. Die Summe aller Eckdaten klingt nach einem Gewinn für alle Beteiligten: Die Entwickler locken Nachwuchs an, der sich umfassend mit dem SDK auseinandersetzt, und die Fans fühlen sich ernst genommen.

Unreal Tournament 4: Unreal Engine 4 in Aktion

Tatsächlich gibt es kaum eine bessere Promotion für eine Engine als ein überzeugendes Produkt. Das hat bei Unreal anno 1998 und seinen Nachfolgern bereits sehr gut funktioniert. Nun, zum Jahresende 2015, nimmt das neue Unreal Tournament Form an und auch die auf der Unreal Engine 4 basierenden Spiele werden langsam zahlreicher - höchste Zeit, den Status quo abzuklopfen.

Unreal Tournament maxed & downsampled (3) Quelle: PC Games Hardware Unreal Tournament maxed & downsampled (3) Schon im Februar 2012 zeigte Epic auf der Game Developers Conference (GDC) in San Francisco erstmals die Unreal Engine 4. Das Augenmerk der Engine-Coder liegt auf der Beleuchtung sowie der Darstellung dynamischer und interaktiver Partikel. Wie Epics Grafikguru Tim Sweeney in einem Interview berichtet, soll bei der Unreal Engine 4 ein sehr großer Anteil der von der GPU gestellten Rechenleistung nicht mehr für übliche Aufgaben der Grafikberechnung genutzt, sondern für GPGPU-Aufgaben verwendet werden. Konkret sprach er dabei über die UE4-Elemental-Demo, bei der der Anteil von General-Purpose-Berechnungen (Physik, Partikel usw.) den für die Berechnung der Grafik sogar übersteigen soll.

Zwei Jahre später, im Frühjahr 2014, konnten sich Endanwender erstmals ein Bild von der grafischen Güte erster UE4-Samples aus dem Unreal Development Kit verschaffen. Der neue Spielemotor unterstützt mittlerweile nicht nur die alteingesessene DX11-Schnittstelle, sondern auch die fortschrittliche Low-Level-API Direct X 12. In der aktuellen UT-Version, welche wie erwähnt noch im tiefen Pre-Alpha-Status verweilt, ist von DX12 zwar nichts zu sehen, wohl aber edle Beleuchtung, detaillierte Oberflächen und das mit der UE4 eingeführte, sehr effektive Temporal-AA.

Wie es sich für einen Work-in-Progress-Titel gehört, sind viele Karten noch karg und mit Platzhaltern versehen. Klassiker wie Facing Worlds (grafisch bereits gut) und Deck 16 (grafisch noch sehr "oldschool") wecken Erinnerungen an vergangene Zeiten und - das ist die wichtigste Nachricht - spielen sich schon jetzt sehr gut. Das gilt auch für die meisten anderen Karten, welche bereits die Spielmodi (Team) Deathmatch und Capture the Flag umfassen. Wie die meisten Tester der aktuellen UT-Build waren wir sogar erstaunt, wie gut sich dieser Rohdiamant anfühlt: Das Gameplay ist schnell und direkt, der Surround-Sound liefert eine sehr gute Räumlichkeit und kracht mit dem richtigen Soundsystem angemessen. Sogar die Bots funktionieren schon ordentlich - ab dem mittleren Schwierigkeitsgrad muss man konzentriert und halbwegs treffsicher sein, um zu gewinnen.

Unreal Tournament 4: Grafikkarten-Testszene

Je unfertiger eine Karte, desto anspruchsloser ist sie für den Computer. Wir haben uns für diesen Test ausgiebig durch die verfügbaren Maps geballert, um die forderndste zu entlarven. Der CTF-Spielmodus bietet die derzeit die weitläufigsten Karten: Neben den "Pistola Battlegrounds" fiel unser Augenmerk auf den "Titan Pass". Beide Spielplätze hinterlassen einen geschliffenen Eindruck und spielen teilweise im Freien, doch auch die Innenräume sehen bereits hervorragend aus. Nach einigen Testläufen entschieden wir uns, die ersten UT-Grafikkarten-Benchmarks am Pass der Titanen zu durchzuführen, da hier tendenziell die niedrigsten Bildraten zu verzeichnen sind.

Unreal Tournament maxed & downsampled (5) Quelle: PC Games Hardware Unreal Tournament maxed & downsampled (5) Die Hauptlast liegt eindeutig auf der Grafikkarte, jedes Zusatzpixel reduziert selbst auf starken Modellen die Bildrate. Die Testszene besteht aus einem offline erstellten Custom-Match auf besagter Map. Auch verzichten wir auf Bots, um die Reproduzierbarkeit der Abläufe zu gewährleisten. Damit es trotzdem ordentlich knallt (-> Partikellast), schnappen wir uns für jeden Testlauf einen Raketenwerfer nebst 21 Geschossen und feuern während der 20-sekündigen Messung konstant durch. Den Start markiert die blaue Basis, das Ende die rote Basis. Doch sehen Sie selbst:

Unreal Tournament 4: Grafikkarten-Ergebnisse und Empfehlungen

Obwohl wir mit der grafisch anspruchsvollsten Karte und Raketenfeuer anrücken, handelt es sich nicht um ein Worstcase-Szenario für den PC. Letzterer stellt sich ein, wenn Sie 31 Bots dazuschalten und diese aufeinander losgehen. Das Spiel läuft dann wesentlich schlechter und der Prozessor bekommt zur Abwechslung auch etwas zu tun, wirklich praxisnah ist ein solches Szenario aber nicht. Üblicherweise bewegen Sie sich mit einem bis sieben Mitspielern/Kontrahenten auf den Karten und die Bildraten unterschieden sich nicht nennenswert von unserer Testszene, bei der Reproduzierbarkeit eine große Rolle spielt.

Schlechte Performance kann man Unreal Tournament grundsätzlich nicht vorwerfen, die schnellsten Grafikkarten erzielen dreistellige Bildraten in Full HD/1080p. Das sehr gute Abschneiden der Geforce-Phalanx gegenüber vergleichbaren Radeon-Grafikkarten lässt sich in dieser Auflösung jedoch nicht leugnen. So muss sich AMDs Flaggschiff Radeon R9 Fury X von der übertakteten Geforce GTX 980 geschlagen geben, anstatt sich mit der GTX 980 Ti anzulegen, und die Radeon R9 390 sieht kein Land gegen die sonst oft langsamere Geforce GTX 970. Gute Nachrichten haben wir bezüglich der Speicherbelegung: UT lässt sich in 1080p selbst mit 1-GiByte-Grafikkarten spielen, sofern man diesen mittels Overclocking die Sporen gibt; die Speichermenge genügt in den meisten Szenarien. Somit sind 2-GiB-Modelle in Relation zu ihrer typischen Rechenleistung optimal aufgestellt.

In WQHD alias 1440p schrumpft der Geforce-Vorsprung, die Radeon-Chips brechen in der höheren Auflösung schwächer ein und machen etwas Boden gut - übrigens können Sie die Differenz von unseren Benchmarkbalken anzeigen lassen, wenn Sie den Mauszeiger darauf bewegen. Grafikkarten der Jahrgänge 2009 bis 2011 sehen hier kein Sonnenlicht mehr, UT ruckelt stark. Wer mit dieser Pixelmenge spielen möchte, benötigt für passable 40 Min-Fps eine übertaktete Radeon R9 290 oder Geforce GTX 780; für 60+ Fps muss es gar ein aktuelles High-End-Modell wie die Geforce GTX 980 (OC) oder Radeon R9 Fury (OC) sein.

In Ultra HD wird das eben noch flüssige Spiel doch noch zum Grafikkartenkiller. Nur fünf Modelle knacken die 30-Fps-Marke dauerhaft, die stark übertaktete GTX 980 Ti kann sich sogar als einziges Modell über die 40er-Mauer hieven. Gut spielbar ist UT in Ultra HD erst mit noch stärkerer Grafikkarten-Übertaktung, mit Frequenzen um 1.500/4.000 MHz erzielen die GM200-Grafikkarten GTX 980 Ti und Titan X Bildraten im hohen 40er-Bereich - auf dieser fordernden Karte, wohlgemerkt, viele andere Maps laufen wesentlich flüssiger.

Bildergalerie

Unreal Tournament F2P ist für Windows-PC, Mac OS X und Linux geplant, einen Release-Termin der fertigen Version gibt es bisher nicht. In der Bildergalerie finden Sie indessen zahlreiche Screenshots des Multiplayer-Shooters in maximaler Qualität. Die Originalbilder entstanden in 4.096 × 2.160 Pixeln auf einem LG 31MU97, für die Galerie haben wir sie jedoch auf 2.560 × 1.350 Pixel heruntergerechnet.

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    • Kommentare (68)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Prozessorarchitektur Lötkolbengott/-göttin
        So Wahr
        Gier anders kann nicht sein
      • Von Prozessorarchitektur Lötkolbengott/-göttin
        So Wahr
        Gier anders kann nicht sein
      • Von PCGH_Raff Kokü-Junkie (m/w)
        Wow, wie die Zeit vergeht! Genau fünf Jahre ist unser Techniktest von UT nun schon her ... und Epic lässt diesen Rohdiamanten einfach verstauben, anstatt mit dem ganzen Fortnite-Reichtum etwas Großes/Glitzerndes daraus zu machen.

        MfG
        Raff
      • Von Terracresta BIOS-Overclocker(in)
        AW: Unreal Tournament 2016: Technik-Test mit 22 Grafikkarten der Jahrgänge 2009 bis 2015

        Hm, mit RadeonPro kann man ja GraKa IDs vortäuschen, damit Spiele annehmen, man hätte ne nVidia GPU, was teils bessere Performance bringen soll. Frag mich, ob man das mit neueren GraKas und Spielen auch irgendwie machen könnte, um zu schaun, obs vielleicht garnicht an der GraKa und deren Treibern liegt bzw. nachweisen könnte, dass nVidia doch nicht gemauschelt hat.
        Ich trau Unternehmen (bzw. Menschen) alles zu und die Vergangenheit gibt mir Recht. Schon schlimm, dass man niemanden trauen kann, nichtmal Kommentaren da zuviele Fanboys auf beiden Seiten. Polarisierung scheint in allen Bereichen und Bevölkerungsschichten in Mode zu sein.
      • Von Ampre PC-Selbstbauer(in)
        AW: Unreal Tournament 2016: Technik-Test mit 22 Grafikkarten der Jahrgänge 2009 bis 2015

        Zitat von SirBerserk
        mantle hilft zwar bei schwachen cpu´s, aber die frametimes sind schlechter als mit dx11, deswegen spielen selbst amd karten besitzer oft mit dx11 statt mantle.

        und selbst wenn mantle so toll wäre, sind es nur ein paar spiele die mantle unterstützen und nutzen. daher ist man mit dem nvidia treiber der in dx9 und 11 besser performt besser unterwegs wenn man hohe fps will oder eine schwache cpu hat.
        ??? Unter DX12/Mantle sind die Frametimes schlecht??? Hab ich was verpasst? Gerade die Frametimes waren es doch die Mantle ausgezeichnet haben. Es gab lediglich am Anfang Probleme mit dem Vram bei Mantle der natürlich dann auch die Rucker hervorgerufen hat. Aber Mantle hat deffinitve bessere Frametimes.

        First look: AMD Mantle CPU performance in Battlefield 4 - The Tech Report - Page 2
      • Von SirBerserk Komplett-PC-Aufrüster(in)
        AW: Unreal Tournament 2016: Technik-Test mit 22 Grafikkarten der Jahrgänge 2009 bis 2015

        Zitat von Brainwaver
        Falsch, probiere mal dein Battlefield4 mit einer Middlerange CPU und einer 980GTX und dann nutze mal die gleiche CPU und eine AMD Karte in der gleichen Leistungsklasse, dann wirst du sehen das die AMD Karte davon zieht mit Mantle.
        NVidia hat nämlich mit dem Treiber eher nur im Hight End Bereich Fortschritte gemacht im Bezug auf Mantle, da wo Mantle den wenigsten Vorsprung rausholt weil eine gute leistungsstarke CPU verbaut ist.

        Ich würde dir auch mal empfehlen zu schauen was da in deinen JPEGs verglichen wird.
        Es ist eine 980Ti mit einer normalen Fury nicht mal eine FuryX, schau mal in den üblichen Benchmarks wo eine Fury(ohne X) und wo einee 980TI normalerweise liegt.
        mantle hilft zwar bei schwachen cpu´s, aber die frametimes sind schlechter als mit dx11, deswegen spielen selbst amd karten besitzer oft mit dx11 statt mantle.

        und selbst wenn mantle so toll wäre, sind es nur ein paar spiele die mantle unterstützen und nutzen. daher ist man mit dem nvidia treiber der in dx9 und 11 besser performt besser unterwegs wenn man hohe fps will oder eine schwache cpu hat.
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