Unbesiegbare Voyager: Warum verschwinden Transphasentorpedos und Hüllenpanzer?
Im Finale von Star Trek: Voyager machten die Transphasentorpedos und die über Ablativgeneratoren erzeugte Panzerung das Schiff fast unbesiegbar. Danach verschwinden die Technologien spurlos.
Star Trek: Picard spielt zwei Jahrzehnte nach den Ereignissen aus Star Trek: Voyager. Trotzdem setzen Raumschiffe der Sternenflotte noch immer auf Schilde und Photonentorpedos. Selbst im 32. Jahrhundert, in dem die späteren Staffeln von Star Trek Discovery sowie Star Trek: Starfleet Academy ansiedeln, ändert sich wenig an den offensiven und defensiven Fähigkeiten.
Dabei stattete Admiral Janeway die U.S.S. Voyager NCC-74656 bereits 2378 mit Transphasentorpedos und einem Ablativgenerator aus. Mitgebracht hatte sie die Technologie aus dem Jahr 2404, 26 Jahre aus der Zukunft.
Ein einzelner dieser Torpedos genügt, um einen Borgkubus zu zerstören. 2373, während der Ereignisse von Star Trek: Der erste Kontakt, warf man dazu noch eine Flotte in die Waagschale. Dem Namen nach befinden sich die Torpedos außer Phase, durchdringen Schilde und Hülle, damit sie im Inneren des Ziels explodieren.
Die Ablativgeneratoren beeindruckten nicht weniger. Mittels Generatoren wird eine Panzerung auf die Hülle materialisiert, die dem Beschuss durch Borgwaffen erstaunlich lange standhält.
Trotz ihrer Durchschlagskraft tauchten beide Technologien nie wieder innerhalb des Kanons auf. Nicht einmal eine Erwähnung waren sie den Produzenten wert. Doch warum verschwanden die futuristischen Torpedos und Schilde nach dem Voyager-Finale Endgame spurlos? Mehrere Erklärungen erscheinen plausibel.
Die Oberste Temporale Direktive und ein anderer Lauf der Ereignisse
Quelle: Paramount
Die Panzerung wird einfach materialisiert.
Zurück im Alpha-Quadranten könnte die Zukunftstechnologie wegen der Obersten Temporalen Direktive unter Verschluss gehalten werden, bis die Sternenflotte sie regulär entwickelt.
Und womöglich wurden Panzer und Torpedos erst kurz vor oder genau in dem Jahr, aus dem Admiral Janeway anreist, erfunden. Das war 2404. Star Trek: Picard spielt zwischen 2399 und 2402, sodass sich die Technologien dort theoretisch immer noch in der Entwicklung befunden haben könnten.
Möglicherweise brauchen sie nun sogar länger bis zur Serienreife. Die Voyager hatte den Borg nämlich einen schweren Schlag versetzt, sie beinahe ausgelöscht. Entsprechend gering der Druck, neue Waffen- und Verteidigungssysteme zu entwickeln. In der alternativen Zeitlinie, die wegen des Eingreifens der alten Janeway verhindert wurde, waren die Borg vermutlich noch längere Zeit eine Bedrohung.
Wurden der Panzer und die Torpedos also nie erfunden? In Admiral Janeways alternativer Zukunft schützt der Ablativgenerator ein einfaches Shuttle vor einem klingonischen Schlachtschiff der Negh'Var-Klasse. Heißt: Der Panzer ist keine reine Antiborgtechnik. Er könnte demnach auch ohne das Damoklesschwert einer Borg-Invasion eines Tages erfunden werden. Vielleicht wurde er das zwischen 2402 und 3188 auch, ist aber bis zu den Ereignissen aus Discovery wieder veraltet bzw. modernen Schilden unterlegen.
Die Romane bieten eine inoffizielle Erklärung
Quelle: Paramount
Was zuvor eine Flotte erforderte, erledigen maximal zwei Torpedos.
Romane, Comics und Games zählen nicht zum Star-Trek-Kanon, auch wenn manche Webseiten das immer wieder behaupten. In diesen Quellen finden sich aber spannende Überlegungen.
So tauchen in mehreren Romanen die Transphasentorpedos als Waffe gegen die Borg auf, nur wenige Jahre nach den Ereignissen von Voyager. Sie kommen unter anderem in der beliebten Destiny-Trilogie zum Einsatz. Dieser Einsatz ist während des Krieges streng reguliert, aus Angst, die Borg könnten sich schnell anpassen. Letztlich gelingt ihnen diese Anpassung auch.
Im Roman forscht die Sternenflotte auch am Ablativgenerator. Sie gibt diese Technologie auf, weil die Borg-Königin Admiral Janeways Shuttle assimiliert hatte und daher die Schwachstellen der Technologie kennt.
Tatsächlich wurde Janeways Shuttle im kanonischen Voyager-Finale assimiliert. Ob dabei nur das Wissen um die Panzerung oder auch um die Transphasentorpedos an die Borg ging, ist ungewiss. Bis Star Trek: Picard stand nicht mal fest, dass die Borg überlebt hatten.
Übrigens setzen in Star Trek Online ab 2409 verschiedene Spezies wie die Hirogen auf Transphasentorpedos. Die sind nicht ansatzweise so effektiv wie die aus Voyager. Star Trek: Picard hat zwar mehrere Raumschiffmodelle aus dem Spiel aufgegriffen, es gehört aber trotzdem nicht zum offiziellen Kanon.
Erzählerisch kann das weg
Das Problem aus erzählerischer Sicht: Beide Technologien waren so übermächtig, dass sie spätere Konflikte völlig trivialisiert hätten. Wenn jedes Föderationsraumschiff Borg-Waffen locker wegsteckt, funktionieren viele klassische Bedrohungen im Star-Trek-Universum nicht mehr. Darum hat man die Torpedos und den Panzer naheliegenderweise unter den Teppich gekehrt.
Dass sich Technologien überleben, sobald ihre Schwachstellen die Runde machen, ist keine unwahrscheinliche Entwicklung. Möglicherweise sind die Schwachstellen sogar eklatant. Die Borg hatten zumindest den Panzer schon assimiliiert. Als Erklärungsansatz ist das ausreichend, wenn auch nicht elegant gelöst. Man hätte dem Zuschauer das Verschwinden wenigstens beiläufig erklären können.
Nemesis, das nur ein gutes Jahr nach Voyager spielt, musste das nicht. Technologien verbreiten sich nicht so schnell. Enterprise wiederum war als Prequel raus. Die Erklärung hätten also nicht mehr Rick Berman und Brannon Braga liefern müssen, die bis 2005 am Werk waren, sondern Alex Kurtzman. Er verantwortet alle Star-Trek-Serien seit 2017. So auch Star Trek: Picard sowie die Animationsserien Lower Decks und Prodigy, die nur wenige Jahre bis Jahrzehnte nach Voyager spielen.
Am Ende sind Fans gefragt
Prodigy hätte vielleicht eine Erklärung geliefert, da die Serie verschiedene Ereignisse und Personen aus Voyager aufgreift, wäre sie nicht nach der zweiten Staffel beendet worden. Sogar der von Spezies 116 adaptierte Quantenslipstreamantrieb kommt dort zum Einsatz. Diese Technologie wird ihrerseits in Discovery und Starfleet Academy - zusammen mit anderen Antriebskonzepten wie dem Protostar-Drive - wieder unter den Teppich gekehrt. Dort existieren Alternativen zum Warptantieb beziehungsweise Dilithium nicht mehr, sodass der Brand der Zivilisation überhaupt erst das Genick brechen konnte.
Vielleicht liegt darin ja eine Konstante von Star Trek: Nicht jede Idee wird bis in die letzte Konsequenz durchdekliniert, sondern dient vor allem dazu, einen bestimmten Moment spektakulär zu machen. Manchmal überschreiben neue Ideen alte auch dann, wenn sie durchdacht waren. Das spurlose Verschwinden solcher Technologien müssen sich Fans anschließend zusammenreimen. Das kann gut funktionieren, muss es aber nicht. Mit Blick auf die Transphasentorpedos und den Ablativgenerator gibt es unserer Meinung nach jedoch plausible Theorien.
Ihre Meinung ist gefragt!
Wie stehen Sie zu diesem Thema? Die PCGH-Redaktion freut sich über Ihre fundierte Meinung in den Kommentaren zu dieser Meldung. Um zu kommentieren, müssen Sie auf PCGH.de oder im Extreme-Forum eingeloggt sein. Sollten Sie bisher noch keinen Account haben, könnten Sie sich hier unverbindlich registrieren. Beachten Sie beim Kommentieren aber bitte die geltenden Forenregeln.


Im Spiegeluniversum gibt es das Borg Kingdom. Dort ist die bevorzugte Farbe rot. Dann wären da noch die Control Borg, mit der Farbe blau.
Die Borg sind erst wieder ein Thema geworden als die Aetherianer aufgetaucht sind. Diese sind eine Fusion zwischen Borg und Iconianer.
Gene Roddenberry war ein großer Visionär.
Dankbar in alle Ewigkeit für die Serien die nach ihm weiter entstanden...