Abgesetzte Star-Trek-Serie: Kultfigur aus Deep Space Nine war Vorbild für den Schurken

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Abgesetzte Star-Trek-Serie: Kultfigur aus Deep Space Nine war Vorbild für den Schurken
Quelle: Paramount

Der Darsteller des Schurken in Starfleet Academy, Paul Giamatti, hat sich von Marc Alaimos Darstellung einer legendären Figur aus Deep Space Nine inspirieren lassen.

Gul Dukat kommandierte während der cardassianischen Besatzung Bajors die Erzverarbeitungsstation Terok Nor, die später zu Deep Space Nine werden sollte. Zugleich war er der militärische Präfekt von Bajor, einem Reichsprotektor nicht unähnlich. Im Laufe der Serie brachte er es bis zum Führer Cardassias, womit er zu den mächtigsten Männern im Alpha-Quadranten zählte. In Staffel 7 verbündete er sich schließlich mit den Pah-Geistern. In der bajoranischen Glaubenswelt gelten sie als böse Gegenstücke zu den Propheten. Die Sternenflotte kennt letztere als Wurmlochwesen.

Dukat war einer der ambivalentesten Bösewichte

War Dukat urböse? Satan in Gestalt eines Cardassianers? Eher nicht. War er ein Tyrann? Ja. Ein Narzisst? Ebenfalls. Patriot, Nationalist und Opportunist ... alles richtig. Doch auch diese Begriffe greifen zu kurz. Dukat war vor allem ambivalent.

Obwohl er Grausamkeiten befahl und teils selbst ausführte, konnte er lieben und geliebt werden. Mehrmals zeigte er Zeichen der Besserung. Er verzeihte und ließ Dankbarkeit durchblicken. Gelegentlich revanchierte er sich, wenn auch auf seine eigene, bisweilen bizarre Art. Geläutert war er allerdings nie. Stattdessen wurde er zunehmend fanatisch und selbstgerecht. Bis zum Schluss blieb er Meister der Rechtfertigung. In dem Kontext darf sein Faible für Benjamin Sisko nicht unerwähnt bleiben: Dukat suchte immer wieder dessen Respekt und Bewunderung.

Dukat hatte ein Faible für Benjamin Sisko Quelle: Paramount Dukat hatte ein Faible für Benjamin Sisko

Dukat sah sich vermutlich als Held seiner eigenen Geschichte, nicht als Tyrann, sondern als jemand, der viele Opfer gebracht hat. In gewisser Weise stimmt das. Er verlor seine Geliebte ebenso wie seine Tochter, und scheiterte mitunter kläglich. Zugleich erwies er sich als Stehaufmännchen, das sich nach Rückschlägen immer wieder an die Spitze kämpfte.

Eloquent und kultiviert, das war Dukat auch. Seine Widersacher wussten, dass man ihn nicht leicht hinter die Fichte führt. Zu oft hatte er andere getäuscht und die Seiten gewechselt. In einem anderen Leben hätte er vielleicht einen tugendhafteren Weg eingeschlagen. Doch er war Kind eines Systems, in dem Barmherzigkeit keinen Wert hat. Sein geliebtes Cardassia war totalitär.

Nicht nur der Darsteller macht den Schurken

Menschlich war Gul Dukat sicherlich kein Vorbild. Aber die Figur sollte es für die Autorenwelt sein. Man wundert sich bei modernen Serien und Kinofilmen nämlich häufiger über die eindimensionale Darstellung der Bösewichte. Oftmals agieren sie nur böse, weil es im Drehbuch steht. Da hilft es auch nicht, wenn die Darsteller wild die Zähne fletschen oder genussvoll Verstümmelungs- und Mordfantasien aussprechen. Ohne nachvollziehbares Verhalten nimmt man ihnen die Rolle nicht ab.

Auch Starfleet Academy, die just abgesetzte Star-Trek-Serie, hatte diesbezüglich nicht das meiste zu bieten. Sie erreicht zum Beispiel nur einen IMDB-Score von 4,5 von 10 Sternen, 1,7 von 10 Punkten im User-Score bei Metacritic und 51 von 100 Prozent Zuschauerzustimmung bei Rotten Tomatoes.

Zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass Staffelschurke Nus Braka mit seinen drei Auftritten ohnehin keinen so bleibenden Eindruck hinterlassen kann, wie der kongenial von Marc Alaimo gespielte Gul Dukat es in DS9 konnte. Der brachte es auf 35 Auftritte. Trotzdem ist es erfreulich, wenn sich der vielgelobte Schauspieler hinter Nus Braka, Paul Giamatti, positiv über Gul Dukat und seine Darstellung durch Marc Alaimo äußert.

Starfeet-Academy-Schauspieler lobt Marc Alaimo

Konkret kam Giamatti im mehrstündigen Fan-Format Trek Talks 5 zu Wort. Bezüglich Gul Dukat gab er zu Protokoll: "Ich liebe Gul Dukat, und ich finde, die Figur ist fantastisch, wenn man bedenkt, was alles mit ihm passiert." Viel Lob findet der zweifach mit dem Oscar nominierte Schauspieler für Marc Alaimo. "Und Marc Alaimo, dieser Schauspieler, ist außergewöhnlich ... Es ist also eine wirklich großartige Verschmelzung von Figur und Schauspieler."

Klassische Schurken aus dem Star-Trek-Universum habe man vermutlich viele im Kopf und man sei sich gar nicht so bewusst, ob man davon nicht doch etwas verwendet hat. "Aber ich glaube schon, dass das mit Gul Dukat ... Der Typ mag den Klang seiner eigenen Stimme, denke ich, und er redet gerne, und er hört sich gerne reden, und er glaubt, dass alle anderen wahrscheinlich sehr interessiert an allem sind, was aus seinem Mund kommt." Er sei ein Stück weit ein Angeber.

Alex Kurtzman habe sich diesbezüglich wie folgt geäußert: "'Weißt du, was er da macht? Er spielt den Bösewicht, indem er sich im Grunde selbst als die Hauptfigur sieht.'" Das würde ein Stück weit wohl jeder Bösewicht tun, so Giamatti; zu glauben, gerade der wichtigste Mann zu sein.

Was General Chang und Spock mit seiner Rolle zu tun haben

Paul Giamatti musste man für den vulkanischen Gruß die Finger in Star Trek: Starfleet Academy zusammenbinden. Quelle: Paramount Die Finger musste man dem Schauspieler dafür zusammenbinden.

Giamatti sagte auch, dass er an das Piratige von General Chang aus Star Trek 6: Das unentdeckte Land anknüpft. Angespielt wird dabei wohl auf dessen Augenklappe. Nus Braka sei eine Art Nomade. Ähnlich wie Seeleute im 19. Jahrhundert, die viel umherreisen und etwa Tätowierungen ansammeln als Andenken von Orten, an denen sie waren. "Und dieser Typ hat rituelle Narben im Gesicht, von wer weiß wem, seine Ohren sind leicht gekürzt und in Form gebracht. Und so hat er überall, wo er schon gewesen ist, Spuren hinterlassen. Er ist eine Art Landkarte von überall, wo er gewesen ist."

Zu diesen Zeichen und Mitbringseln gehören offenbar auch die Ringe an den Fingern der Figur: "Das war die Umsetzung meiner Idee durch die Kostümbildner ... sie sind aus Silber und wirklich schwer. " Die Idee dahinter: Man sollte sich als Zuschauer fragen, wo er die herhat. "Als ich sie zum ersten Mal benutzte, mussten sie sie an meine Hände kleben, weil ich übertrieben spielte und wie verrückt gestikulierte." Daraufhin seien die Dinge über die Brückenkulisse geflogen.

Als Braka zum Ende der letzten Folge flieht und seine Hand an die Scheibe drückt, um Caleb den vulkanischen Gruß zu zeigen, konnte er die gewünschte Geste mit den Ringen nicht mal vollführen. "Also banden sie meine Finger mit einem Faden zusammen, einer Art Angelschnur, damit ich es machen konnten." Die Szene wurde demnach von Alex Kurtzman als Anspielung auf Spocks legendäre Sterbeszene in Star Trek 2 erdacht.

Ob es zu einem Wiedersehen der Figur kommt, in welcher Art auch immer, muss sich erweisen. Starfleet Academy wurde zwar nach Ausstrahlung der ersten Staffel gecancelt, die zweite war aber schon vor Ausstrahlung der ersten abgedreht. Aktuell befindet sie sich wie die Staffeln 4 und 5 von Strange New Worlds in der Postproduktion. Mutmaßlich sind es die letzten Serien der Ära Kurtzman, da Alex Kurtzmans Vertrag als Hauptverantwortlicher des Star-Trek-Universums in diesem Jahr abläuft. Skydance hat als neuer Rechtenhaber angeblich andere Pläne mit dem Franchise.

Über das Fan-Format Trek Talks 5 hatten wir derweil schon an anderer Stelle berichtet. Ende vergangener Woche ging es um ehemalige Enterprise-Autoren und ihre Ideen für eine nie gedrehte fünfte Staffel. Thematisiert wurde etwa der Romulanische Krieg. Zuletzt hatten wir auch über die Rückkehr einer Figur berichtet, die nach der Absetzung von Starfleet Academy nun nicht mehr zustandekommt.

Quelle: Trek Talks auf Youtube via Trekmovie

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    • Kommentare (12)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Splatterpope Software-Overclocker(in)
        Möglich, dass da auch ein wenig Sunken Cost Fallacy mit reinspielt.
      • Von Splatterpope Software-Overclocker(in)
        Möglich, dass da auch ein wenig Sunken Cost Fallacy mit reinspielt.
      • Von Benjamin_G Komplett-PC-Aufrüster(in)
        Mich würde es nicht überraschen, wenn da am Ende nur Verträge erfüllt wurden. Kann ja sein, dass die Vertragsstrafe für Paramount an Alex Kurtzmans Produktionsfirma wirtschaftlich schädlicher gewesen wäre, als wenn man den Kram einfach produziert und wenigstens noch eine gewisse Zahl Zuschauer erreicht. Das ist aber rein spekulativ, keiner kennt die Verträge. Aber die werden nicht grundlos in finanzieller Schieflage gewesen sein.
      • Von Vritra Schraubenverwechsler(in)
        Disney? Die haben nichts damit zu tun. Star Trek ist eine Produktion von CBS und das gehört zu den Paramount Media Networks.
      • Von DarkWing13 BIOS-Overclocker(in)
        "Starfleet Academy wurde zwar nach Ausstrahlung der ersten Staffel gecancelt, die zweite war aber schon vor Ausstrahlung der ersten abgedreht."

        Also man muss schon sagen, dass Disney sehr von sich und ihrem Machwerk überzeugt ist, wenn viele Millionen in eine zweite Zweifel verbrannt werden, bevor überhaupt die erste Folge der 1. Staffel gesendet wurde.
        Jedenfalls sind sie sogar mehr von sich überzeugt als Gul Dukat (Marc Alaimo) in seinen besten DS9 Folgen!
        Bestätigt mir aber wieder die Überheblichkeit von Disney vor gegenüber der Fan-Basis und der völligen Ignoranz der Vorgängerserien.
        Die dachten doch nicht wirklich das dieser Academy-Schund erfolgreich ist, oder?
      • Von SFT-GSG BIOS-Overclocker(in)
        Zitat von gfpmatrix
        Bei Cisco muss ich eher an Netzwerke denken Deinen Captain Sisko schreibt man mit 'S' Ändert aber natürlich nichts an der Richtigkeit der Aussage.
        Ja, war sie Macht der Gewohnheit.
      Direkt zum Diskussionsende
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