AMD Ryzen 5 3500 im Test: Der CPU-Geheimtipp für 149 Euro? [Update]
Jetzt aktualisiert: Schon Mitte September gab es Gerüchte um eine abgespeckte Version des AMD Ryzen 5 3600 in Form eines Ryzen 5 3500(X). Die Version ohne "X" ist inzwischen im PCGH-Testlabor eingetroffen. Die Hexacore-CPU ist für den OEM-Markt gedacht, es ist aber nicht auszuschließen, dass auch einzelne CPUs in den Handel kommen. Was die bisher kleinste Zen-2-CPU leistet und was Intel dazu sagt, erfahren Sie in unserem Test.
Update vom 20.01.2020: Wir haben die Zeit genutzt und noch einige weitere Messungen mit dem AMD Ryzen 5 3500 vorgenommen. Zudem haben wir den viel gewünschten Intel Core i5-9400F als Vergleich hinzugefügt. Die zusätzlichen Ergebnisse finden Sie weiter unten, wir haben alle Absätze mit Neuerungen mit einem "Update" versehen. Viel Spaß beim Stöbern.
Inzwischen dürfte jedem bekannt sein, dass Lisa Su AMD in den letzten Jahren in Sachen CPUs komplett zum Positiven verändert hat. Die Zen-2-Prozessoren verkaufen sich wie geschnitten Brot, die Leistung im HEDT-Sektor ist über jeden Zweifel erhaben und die AMD-Aktie ist auf Rekordniveau. AMD punktet mit bis zu 32 Kernen und 64 Threads im High-End-Desktop und 16 Kernen und 32 Threads mit bis zu 4,7 GHz Boost-Takt im Mainstream-Desktop und zuletzt hat man mit einer 12-nm-Version des Ryzen 5 1600 für Aufsehen gesorgt. Doch nicht jeder möchte viele Hundert Euro für einen Vielkernprozessor auf den Tisch legen. Wir widmen uns heute daher mal der kleinsten bisher erhältlichen Zen-2-CPU, namentlich AMD Ryzen 5 3500. Shops führen das Modell für 150 Euro, allerdings maximal als Tray-Version, denn der Ryzen 5 3500 ist als eine reine OEM-CPU nicht für den regulären Markt gedacht. Im PCGH-Preisvergleich ist die CPU zwar gelistet, es gibt aber derzeit keinen einzigen Händler der sie verkauft. Risikofreudige probieren sich über Importe via Aliexpress und Co. Wir hatten das Glück, die CPU über einen Komplett-PC (HP Pavilion TP01-0004ng) zu erhalten und haben sie sogleich in unser PCGH-CPU-Testsystem verfrachtet, was aus dem üblichen Zen-2-Unterbau-Komponenten besteht: Asus TUF Gaming X570-Plus, 16 GiByte DDR4-3200 und einer übertakteten MSI RTX 2080 Ti Lightning Z besteht.
AMD Ryzen 5 3500 im Test: Übersicht
| Modellname | Ryzen 9 3950X | Ryzen 9 3900X | Ryzen 7 3800X | Ryzen 7 3700X | Ryzen 5 3600X | Ryzen 5 3600 | Ryzen 5 3500X | Ryzen 5 3500 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Kerne | 16 | 12 | 8 | 8 | 6 | 6 | 6 | 6 |
| Threads | 32 | 24 | 16 | 16 | 12 | 12 | 6 | 6 |
| Standard-Takt | 3,5 GHz | 3,8 GHz | 3,9 GHz | 3,6 GHz | 3,8 GHz | 3,6 GHz | 3,6 GHz | 3,6 GHz |
| Boost-Takt | 4,7 GHz | 4,6 GHz | 4,5 GHz | 4,4 GHz | 4,4 GHz | 4,2 GHz | 4,1 GHz | 4,1 GHz |
| TDP | 105 Watt | 105 Watt | 105 Watt | 65 Watt | 95 Watt | 65 Watt | 65 Watt | 65 Watt |
| L2-Cache | 16x 512 KiByte | 12x 512 KiByte | 8x 512 KiByte | 8x 512 KiByte | 6x 512 KiByte | 6x 512 KiByte | 6x 512 KiByte | 6x 512 KiByte |
| L3-Cache | 4x 16 MiByte | 4x 16 MiByte | 2x 16 MiByte | 2x 16 MiByte | 2x 16 MiByte | 2x 16 MiByte | 2x 16 MiByte | 2x 8 MiByte |
| Preis | 800 Euro | 500 Euro | 359 Euro | 324 Euro | 215 Euro | 195 Euro | Nur in China | 149 Euro |
Quelle: PC Games Hardware
CPU-Z-Shot des AMD Ryzen 5 3500: Die Unterschiede zum großen Bruder alias Ryzen 5 3600 fallen klein aus: 6 statt 12 Threads und 16 statt 32 MiByte L3-Cache.
AMD Ryzen 5 3500X und 3500 müssen beide auf Simultaneous Multithreading (SMT) verzichten. Das sorgt in Anwendungen für fehlende Performance, während CPUs ohne SMT in Spielen meist eine höhere Leistung in Aussicht stellen. Es sind die einzigen Zen-2-Prozessoren, welche über kein SMT verfügen. Das Non-X-Modell weist darüber hinaus einen größeren Einschnitt beim L3-Cache auf. Der geringere Boost-Takt von 100 MHz bei beiden Modellen dürfte dagegen kaum ins Gewicht fallen. Die Thermal Design Power (TDP) bleibt jeweils, wie beim Ryzen 5 3600, bei 65 Watt. Gleich bleibt auch die offizielle Unterstützung für DDR4-3200. Wie sich der fehlende Takt und der halbierte L3-Cache auf die Leistung der kleinen Hexacore-CPU auswirken, haben wir mit einem Durchlauf durch den PCGH-CPU-Parcours geprüft. Angesichts der kleinen Unterschiede zum nächstgrößeren Modell, sollte die Leistung ähnlich ausfallen, so der logische Gedankengang. AMDs selbsternannter Gegner für den Ryzen 5 3500X ist der Intel Core i5-9400F. Die Spieleleistung der Intel-CPU liegt im oberen Drittel, da viele Spiele sehr gut mit sechs nativen Rechenherzen skalieren, was analog auch für den etwas flotteren AMD Ryzen 5 3600 gilt. Doch nun genug der Vorrede, Vorhang auf für die Benchmarks.
AMD Ryzen 5 3500 im Test: Benchmarks [Update]
Uff, was ist denn da passiert? Der AMD Ryzen 5 3500 ist gerade einmal im Bereich eines Ryzen 5 2600 oder Intel Core i7-5775C. Der große Bruder in Form des Ryzen 5 3600 scheint meilenweit entfernt. Das liegt weder an den fehlenden 100 MHz Boost-Takt, noch an der fehlenden Unterstützung für SMT. Schuld ist tatsächlich der magere L3-Cache. Das offenbart eine Schwäche von Zen 2, hinter der sich all die anderen Modelle verstecken und ist eine mögliche Erklärung dafür, warum sich die CPU hinter dem OEM-Schild verbirgt. Uns liegt leider kein Testmuster des AMD Ryzen 5 3500X vor, um unsere Vermutung zu bestätigen, denn dieser verfügt über die gleiche Menge an L3-Cache wie der Ryzen 5 3600. So jedenfalls ist die CPU quälend langsam im Vergleich zu den anderen Zen-2-CPUs. Der Prozessor wird in einigen Benchmarks gar vom altehrwürdigen Intel Core i7-4790K überholt. Wir vermuteten erst einen Defekt, doch die Benchmarks sprechen die Wahrheit: Ohne mindestens 32 MiByte L3-Cache ist der AMD Ryzen 5 3500 gerade einmal auf dem Leistungsniveau eines Intel Core i7-6700K oder 5775c. Mit dem praktischen AIDA64-Tool haben wir kurzerhand noch einen überraschenden Benchmark durchgeführt, welcher den Unterschied beim L3-Cache aufzeigen soll:
Der Vergleich mit AIDA64 bescheinigt dem Ryzen 5 3500 einen höheren Durchsatz bei der Schreibleistung des L3-Cache gegenüber dem großen Bruder. Das rückt die Suche nach der fehlenden Performance nun endgültig auf die vorhandene Größe. Warum das gerade bei Zen 2 so einen großen Einfluss auf die Performance hat, ist uns schleierhaft.
AMD Ryzen 5 3500 im Test: Leistungsaufnahme und Fazit
Der kleine Hexacore hat es nicht leicht. Nicht nur, dass gut 30 bis 40 Prozent an Leistung zum großen Bruder fehlen, die CPU ist auch noch durchschnittlich um 7 Prozent durstiger. Inzwischen dürfte endgültig klar sein, warum es die CPU nicht in den Retail-Markt geschafft hat. Niemand würde so etwas für 150 Euro kaufen, wenn man die gleiche Leistung auch für rund 95 Euro bekommt (ein Ryzen 5 1600 mit 12 nm ist praktisch ein Ryzen 5 2600). Die Qualitätskontrolle hat bei einer OEM-CPU offensichtlich ganz andere Standards. Unser Urteil fällt vernichtend für den AMD Ryzen 5 3500 aus: Sobald der Prozessor richtig gefordert wird, bricht unter ihm der Boden ein. Die CPU ist langsam, ineffizient und lässt so ziemlich alle Vorteile der anderen Zen-2-CPUs vermissen. Das Leistungsniveau liegt auf dem Level über sechs Jahre alter Desktop-CPUs. Glaubt man allerdings einschlägigen Tests bei Youtube, ist die Leistung ähnlich hoch wie die eines Intel Core i5-9400F. Willi Tiefel geht im Video darauf ein, übertaktet die CPU und stellt sie einem Intel Core i5-9600K gegenüber:
In der nächsten PCGH Print 03/20, welche Sie ab dem 05.02.2020 an jedem Kiosk kaufen können, haben wir noch weitere Tests für Sie vorbereitet. Dort fühlen wir dem AMD Ryzen 5 3500 auch in höheren Auflösungen auf den Zahn. Im aktuellen CPU-Index können Sie allerdings schon jetzt die Rangordnung einsehen. Was halten Sie von der Zen-2-Sparversion? Hinterlassen Sie doch einen Kommentar.
| Prozessor | AMD Ryzen 5 3500 |
|---|---|
| PCGH-Preisvergleich | www.pcgh.de/preis/2136618 |
| Preis/Preis-Leistungs-Verhältnis | ca. 150 €/„gut“ (2) |
| Für Mainboards mit Sockel … | Sockel AM4 |
| Codename | Zen 2 |
| Anzahl Kerne/Module | 6c/6t |
| Basistakt (Turbo für alle und einen Kern) | 3,60 GHz (3,85-4,10 GHz) |
| L1-Cache (Daten/Befehle, je Kern/Modul) | 32 KiByte / 32 KiByte |
| L2-Cache (je Kern/Modul)/LLC (gesamt) | 512 KiByte / 16,00 MiByte |
| Heatspreader, Fertigung | Metall (verlötet), 7 nm |
| Ausstattung (20 % der Endnote) | 2,06 |
| Grafikeinheit | Nicht vorhanden |
| Befehlssätze und Erweiterungen (Auswahl) | SSE bis 4.2, AVX bis 2, AES, FMA3 |
| Integrierte PCI-Express-Lanes | 24× PCI-Express 4.0 |
| Eigenschaften (20 % der Endnote) | 2,73 |
| Offener Multiplikator | Ja |
| Speicherkanäle (u. max. Geschw.) | 2× DDR4-3200 |
| ECC-Support | Unterstützt |
| TDP laut Hersteller | 65 Watt |
| Leistungsaufnahme: CPU Leerlauf | 13 Watt |
| Leistungsaufnahme (AC:Ody/Div2/Youngblood) | 61,74/60,37/62 Watt |
| Leistungsaufnahme Spiele (Durchschnitt) | 60 Watt |
| Leistungsaufnahme Anwendungen (Durchschnitt) | 62 Watt |
| Leistung (60 % der Endnote) | 2,90 |
| Spieleindex (70 % der Leistungsnote) | 64,7 % |
| Anwendungsindex (30 % der Leistungsnote) | 35,6 % |
| Endnote | Wertung: 2,70 |
Oder die 128MByte eDRAM des Core i7-5775C?
Und genau deswegen testet man sowas.
Erinnert sich noch Jemand an die GTX970?
Also ich finde den Test sehr interessant, da die Ergebnisse so nicht unbedingt zu erwarten waren. Ich hätte jedenfalls nicht gedacht das die CPU so abschmiert.