SEGA Saturn: "TRIP"-Beschleuniger war real - neuer Bericht enthüllt gestrichenes Upgrade

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SEGA Saturn: "TRIP"-Beschleuniger war real - neuer Bericht enthüllt gestrichenes Upgrade
Quelle: Evan-Amos auf der französischen Wikipedia, Gemeinfrei

Ein neu ausgewerteter Entwicklerbericht legt offen, dass SEGAs nie veröffentlichter Saturn-Beschleuniger "TRIP" tatsächlich existierte. Das Projekt setzte demnach auf einen Hitachi-SH-3 und wurde später eingestellt.

Ein lange diskutiertes Kapitel der SEGA-Geschichte hat neuen Treibstoff bekommen: Der angeblich geplante, aber nie veröffentlichte Beschleuniger "TRIP" für den SEGA Saturn soll tatsächlich existiert haben. Auslöser ist ein aktueller Beitrag von Beep21 auf Basis von Interviews mit früheren SEGA- und Hitachi-Beteiligten. Darin wird "TRIP" als internes Projekt beschrieben, das den Saturn technisch aufwerten sollte. Ähnlich wie beim 32X für den Mega Drive hätte das Upgrade als mögliches Bindeglied zwischen Saturn und Dreamcast sein können.

Laut dem Beep21-Bericht geht das Projekt auf Junichi Naoi zurück. Er arbeitete zuvor bei Hitachi an RISC-Prozessoren wie SH-1 und SH-2 und wechselte 1994 zu SEGA. Dort war er zunächst mit kostengünstigeren Revisionen des Saturn befasst. Ab 1996 soll er dann ein Beschleunigerkonzept für die Konsole vorgeschlagen haben. Als technische Basis nennt der Bericht einen Hitachi SH-3. Beep21 beschreibt "TRIP" ausdrücklich als Power-up- beziehungsweise Accelerator-Projekt für den Saturn. Heute würde man das wohl als Midlife-Cycle-Upgrade bezeichnen - etwa die Playstation 5 Pro.

SH-3 statt kompletter neuer Konsole

Grob zusammengefasst soll SEGA den Saturn 1996 als technisch unter Druck stehend wahrgenommen haben: Die Playstation 1 lief sehr erfolgreich, zugleich gewannen 3D-Beschleuniger auf dem PC an Bedeutung. In diesem Umfeld sei "TRIP" als Zusatzmodul mit SH-3-Prozessor entstanden, das Grafik- und Geometrieberechnungen des Saturn deutlich anschieben sollte. Der Bericht verweist außerdem darauf, dass das Projekt intern offenbar weit genug gediehen war, um Titel wie Virtua Fighter 3 und Shenmue damit in Verbindung zu bringen.

Beep21 formuliert den Stand des Projekts recht konkret: Demnach sei die Entwicklung so weit gekommen, dass Shenmue auf dem Saturn mit zusätzlicher Beschleunigung dargestellt worden sei. Zudem ist dort von Spezifikationen, Detailangaben zur Hardware, Fotos einer realen Platine und sogar Bildmaterial die Rede, das mit "TRIP" erstellt worden sei. Weil der Originalbeitrag teilweise kostenpflichtig ist, sind nicht alle technischen Einzelheiten frei einsehbar.

Im Grunde muss man den SH-3 aber als Erweiterung zur ohnehin schon recht einzigartigen Saturn-Architektur sehen, was vermutlich auch ein Problem gewesen sein dürfte, denn auf die musste der Entwickler gut optimieren. Die GPU bestand aus zwei Einheiten: VDP1 für Sprites und Polygone, und VDP2 für Hintergründe. Dazu kamen die beiden CPUs vom Typ SH-2 sowie zwei Sound-Chips vom Typ Motorola 68EC000 und Yamaha FH1. Damals beeindruckend, erwies sich speziell die optimale Auslastung der CPU und GPU als knifflig.

Der SH-3-Kern bietet u. a. ein anderes Interrupt-Konzept, eine Speicherverwaltungseinheit (MMU) und ein modifiziertes Cache-Konzept. Zudem wurde eine (dadurch effizientere) DSP-Erweiterung implementiert. Quelle: Baz1521 auf der japanischen Wikipedia, CC BY-SA 3.0 Der SH-3-Kern bietet u. a. ein anderes Interrupt-Konzept, eine Speicherverwaltungseinheit (MMU) und ein modifiziertes Cache-Konzept. Zudem wurde eine (dadurch effizientere) DSP-Erweiterung implementiert.

Prototyp ja, Veröffentlichung nein

Veröffentlicht wurde der Beschleuniger bekanntlich nie. Die Arbeiten an "TRIP" und den damit verbundenen Titeln seien zwar vorangegangen, das Projekt dann aber abrupt eingestellt worden. Als gesichert wird dort nur genannt, dass ein Prototypen-Board existierte und Shenmue-Material dafür angepasst worden sei. Warum SEGA das Vorhaben stoppte, bleibt dagegen offen. Der SH-3 hätte in jedem Fall zur weiteren Komplexität des Systems beigetragen und SEGA hatte beim Mega Drive schon gelernt, dass Konsolen-Add-ons nur mäßig funktionieren - seien es 32X oder Mega CD. Zusätzlich dürfte SEGA eingeleuchtet sein, dass gegen die Playstation 1 kein Lifecycle-Update hilft. Der Saturn war in der Basis schon teurer als die Playstation 1, die SIE America mit dem legendären "299" ankündigte, während der Saturn 440 US-Dollar kostete.

Interessant ist der zeitliche Rahmen auch mit Blick auf die spätere Dreamcast. "TRIP" wird derweil als fehlendes Bindeglied zwischen Saturn von 1994 und Dreamcast von 1998 bezeichnet. Während der Saturn noch auf eine komplexe Architektur mit zwei SH-2-Prozessoren und mehreren weiteren Einheiten setzte, kam die Dreamcast später mit einer deutlich klareren Struktur aus Hitachis SH-4-CPU und separater Grafiklösung in Form des NEC PowerVR2 auf den Markt. Damit entfernte sich SEGA auch zunehmend von der klassischen Architektur seiner Arcade-Maschinen, die man ab 1998 mit NAOMI dann auf das Design des Dreamcast umstellte. Von da rückten die Arcade-Cabinets immer näher an klassische PC-Architektur heran.

Für Retro-Fans ist die neue Quellenlage vor allem deshalb relevant, weil "TRIP" über Jahre eher als Szene-Erzählung oder unbestätigte Anekdote behandelt wurde. Der nun veröffentlichte Interviewbericht verschiebt den Stand der Diskussion deutlich: Aus einem oft angezweifelten Thema wird ein dokumentiertes, wenn auch nie vollendetes Hardwareprojekt. Bislang weiter ungelöst bleibt die Frage, warum SEGA den Beschleuniger letztlich nicht auf den Markt brachte. Gründe liegen zwar auf der Hand, sind aber nicht bestätigt.

Quelle: Beep21 Magazine auf note.com

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    • Kommentare (6)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von N3xtrem86 Komplett-PC-Käufer(in)
        Zitat von PCGH_Raff
        Diverse Entwickler sagen, dass bereits der normale Staturn ein komplexes Biest war. Daher holten nur wenige Spiele alles aus der Hardware – mittlerweile sogar Raytracing. Ein weiterer Chip im Bunde hätte die Sache völlig wahnsinnig gemacht. So schade ich das Ende dieser wilden Zeit finde, es war besser so, zumal Sega in den Jahren davor einige fragwürdige Add-ons hatte. Ich bleibe unterdessen Fan des SuperFX-Chips für das SNES.

        Die Idee aus den 90ern, für spezielle Aufgaben Zusatz-Prozessoren zu installieren, könnte man aber wiederbeleben. Wie wäre es mit dedizierten AI-Beschleunigerkarten für Consumer-PCs, etwa von Nvidia für DLSS 5? Dann müsste man das Verfahren bis Herbst nicht eindampfen.

        MfG
        Raff
        Der SNES kann mittlerweile auch Raytracing Dank Super FX ähnlicher Erweiterung.

        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]

        Ich möchte an die legendäre SNES Diskettenstation und den Adapter für amerikanische Spiele erinnern^^
        Konsolen waren damals so viel interessanter.

        Schön wäre ja wenn man bei zukünftigen Konsolen N64 like den RAM upgraden könnte.

        DLSS Zusatzkarten wird NVIDIA sicher meiden, wie der Teufel das Weihwasser.
        An einer GTX 1080 Ti mit DLSS5 verdienen die ja nichts
      • Von N3xtrem86 Komplett-PC-Käufer(in)
        Zitat von PCGH_Raff
        Diverse Entwickler sagen, dass bereits der normale Staturn ein komplexes Biest war. Daher holten nur wenige Spiele alles aus der Hardware – mittlerweile sogar Raytracing. Ein weiterer Chip im Bunde hätte die Sache völlig wahnsinnig gemacht. So schade ich das Ende dieser wilden Zeit finde, es war besser so, zumal Sega in den Jahren davor einige fragwürdige Add-ons hatte. Ich bleibe unterdessen Fan des SuperFX-Chips für das SNES.

        Die Idee aus den 90ern, für spezielle Aufgaben Zusatz-Prozessoren zu installieren, könnte man aber wiederbeleben. Wie wäre es mit dedizierten AI-Beschleunigerkarten für Consumer-PCs, etwa von Nvidia für DLSS 5? Dann müsste man das Verfahren bis Herbst nicht eindampfen.

        MfG
        Raff
        Der SNES kann mittlerweile auch Raytracing Dank Super FX ähnlicher Erweiterung.

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        Ich möchte an die legendäre SNES Diskettenstation und den Adapter für amerikanische Spiele erinnern^^
        Konsolen waren damals so viel interessanter.

        Schön wäre ja wenn man bei zukünftigen Konsolen N64 like den RAM upgraden könnte.

        DLSS Zusatzkarten wird NVIDIA sicher meiden, wie der Teufel das Weihwasser.
        An einer GTX 1080 Ti mit DLSS5 verdienen die ja nichts
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        Wo bot das N64 denn Videoausgabe in mehr als RGB-SCART? CD hatte es jedenfalls noch weniger.
        Zu einem "Full-In" hätte natürlich auch gehört, die 32X-Technik nicht nur als Nachrüstmodul für Bestandskunden, sondern auch die angekündigte Veröffentlichung von Neptune alias Mega Drive + 32X in einem Gerät für "oneninetynine". Das wäre zwar auch kein PS1-Killer geworden, hätte aber locker die Verkaufszahlen des Saturn erreichen können und Sega hätte sich nicht nur die Entwicklungskosten für letzteren sparen/in einen früheren oder noch besseren Dreamcast-Release investieren können, sondern auch die Fragmentierung des eigenen Marktes. Das Saturn wurde schließlich on top über Mega Drive verkauft, quasi ganz Lateinamerika ist komplett bei letzterem geblieben. Am Ende Stand Sega mit den Kosten für zwei Konsolen da und die mit besserem 3rd-Party-Support war die ältere von beiden.
      • Von Pu244 Kokü-Junkie (m/w)
        Zitat von PCGH_Torsten
        Ob es Sega als Hardware-Hersteller heute noch geben würde, wenn sie das 32x voll supported und das Saturn auf dem Weg zur Dreamcast einfach ausgelassen hätten?
        Unwahrscheinlich

        Das Problem ist, dass es eine harte Grenze gibt: wer mit dem 32X angesprochen werden sollte, mußte einen Mega Drive besitzen, sonst ergibt das Konzept keinen Sinn. Das begrenzt den Kreis auf gut 30 Mio verkaufte Konsolen, von denen einige auch nicht mehr aktiv genutzt wurden. Dann war das Ding einfach viel zu teuer. Für die 399DM konnte man sich quasi schon eine neue Konsole kaufen, die ihre dann Vorteile ausspielen konnte. Womit wir dann beim größten Schwachpunkt wären: der 32X schleppt alle Nachteile mit sich herum: Videoausgabe, kein CD Laufwerk, Stromversorgung, mangelnde Speicherkarten usw.. Das Ding hätte, gegenüber der PS1 und dem N64 langfristig einfach uralt ausgesehen.

        Es war schon richtig, auf den Saturn zu setzten, dessen Start ja vom 32X massiv sabotiert wurde. Wenn das nicht gewesen wäre und Sega ein glücklicheres Händchen gehabt hätte ("twoninetynine"), wäre es eventuell anders asugegangen.
      • Von MechUnit Software-Overclocker(in)
        Das Material von AM 2/Yu Suzuki dürfte aber auf dem Standard-Saturn laufen (?):

        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]

        Davon sieht man auf der „Project Berkley“-Bonus‑Disc mehr, die ja dem jap. Virtua FIghter 3tb für DC beilag, welches ich noch im Regal stehen habe.
        Zitat von PCGH_Torsten
        Dedizierte KI-Beschleuniger gibt es schon länger. Aber abseits von Videoüberwachung hat mir noch niemand eine Anwendung dafür gezeigt und Nvidia entwickelt lieber Techniken, für die man teure GPUs kaufen muss.

        Leistungs-Add-Ons hatte Sega meinem Wissen nach übrigens nur das 32x und hätten sie das früher gebracht, wäre es eine richtig gute Idee gewesen: Statt jedes einzelne Spiel durch einen Beschleuniger in der Cartridge um 40-50 DM teurer zu machen, hätte man einmalig 200 DM gezahlt und weitaus bessere Beschleunigung als mit SuperFX respektive Segas SVP erhalten. Aber wenn man das Ding natürlich erst veröffentlicht, wenn alle Welt schon auf die Nachfolgegeneration wartet und dann von nur drei Dutzend Spielen die Hälfte wenig mehr als verbesserte Versionen bestehender sind, ohne nennenswert Hoffnung auf künftige 3rd-Party-Releases, dann geht die Rechnung "eine Hardware, viele Spiele" halt nicht auf. Ob es Sega als Hardware-Hersteller heute noch geben würde, wenn sie das 32x voll supported und das Saturn auf dem Weg zur Dreamcast einfach ausgelassen hätten?
        Einen dedizierten KI-Beschleuniger braucht privat kein Mensch. Die kommen da ja sowieso auf die GPU's - reicht.

        Wenn sie die DC besser vermarktet hätten und mehr Model 3-Games, vor allem Datyona USA 2, Scud Race und Star Wars Trilogy Arcade veröffentlicht hätten, denke ich schon, dass Sega noch gut mit Hardware verdienen würde.

        Das Mega-CD war ja auch so ein Flop.

        Wobei das DC-Lineup von der Qualität überwiegend sowieso schon viel besser war als das auf der PS2, wie ich finde. Das Marketing war eben Müll und die PS-Fanboys waren schon von der PSX her angefixt und wollten die PS2 und gleichzeitig einen günstigen DVD-Player.

        Edit: Sega macht ja nach Daytona Championship USA (2017) nach wie vor Arcades:

        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] (und Speed Rider usw.)

        Scheint also immer noch rentabel für Sega zu sein.
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        Dedizierte KI-Beschleuniger gibt es schon länger. Aber abseits von Videoüberwachung hat mir noch niemand eine Anwendung dafür gezeigt und Nvidia entwickelt lieber Techniken, für die man teure GPUs kaufen muss.

        Leistungs-Add-Ons hatte Sega meinem Wissen nach übrigens nur das 32x und hätten sie das früher gebracht, wäre es eine richtig gute Idee gewesen: Statt jedes einzelne Spiel durch einen Beschleuniger in der Cartridge um 40-50 DM teurer zu machen, hätte man einmalig 200 DM gezahlt und weitaus bessere Beschleunigung als mit SuperFX respektive Segas SVP erhalten. Aber wenn man das Ding natürlich erst veröffentlicht, wenn alle Welt schon auf die Nachfolgegeneration wartet und dann von nur drei Dutzend Spielen die Hälfte wenig mehr als verbesserte Versionen bestehender sind, ohne nennenswert Hoffnung auf künftige 3rd-Party-Releases, dann geht die Rechnung "eine Hardware, viele Spiele" halt nicht auf. Ob es Sega als Hardware-Hersteller heute noch geben würde, wenn sie das 32x voll supported und das Saturn auf dem Weg zur Dreamcast einfach ausgelassen hätten?
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