Retro-Schatz in Castrop-Rauxel: 2.000 Computer-Exponate aus altem Lager gerettet

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Retro-Schatz in Castrop-Rauxel: 2.000 Computer-Exponate aus altem Lager gerettet
Quelle: Computer History Museum

Im Jahr 2006 bargen CHM-Kuratoren 2.056 historische Exponate von Lochkarten der 1930er-Jahre bis zu 80er-Jahre-Großrechnern aus einem Ruhrgebiet-Lagerhaus. Eine Unterbrechung gab es dabei durch einen Bombenalarm.

Das Computer History Museum (CHM) im US-kalifornischen Mountain View traf im Jahr 2006 in einem Lagerhaus im Ruhrgebiet auf einen Fund, der die Organisation selbst zwanzig Jahre später noch staunen lässt: 2.056 historische Exponate in einem dreistöckigen Gebäude im nordwestlich von Dortmund gelegenen Castrop-Rauxel. Das Museum hat den "Bergungseinsatz" jetzt in einem Blogbeitrag ausführlich festgehalten.

Auch die Spanne des Fundes macht Eindruck: So lagen dort Lochkarten aus den 1930er-Jahren ebenso wie Hardware aus dem Ostblock des Kalten Krieges und europäische Rechner der 1980er-Jahre. Den Abtransport erledigten dem CHM zufolge rund sieben Sattelzüge.

Ein Blindgänger hielt die Arbeiten auf

Den entscheidenden Hinweis lieferte ein Steuerberater aus dem Raum Dortmund - er schickte dem CHM Aufnahmen des Gebäudes, die offenbar genug Überzeugungskraft hatten, um ein Kuratoren-Team nach Deutschland zu schicken.

Zwischendurch geriet die Bergung allerdings ins Stocken: Nahe dem Gelände tauchte eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg auf. Blindgänger sind im Ruhrgebiet, das während des Krieges zu den meistbombardierten Industrieregionen Deutschlands zählte, bis heute keine Seltenheit.

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Groß wie ein Hangar und vollgestopft mit Geschichte

Die Kuratoren Dag Spicer und Alex Bochannek beschreiben den Anblick als "atemberaubend"; schließlich waren hier drei Stockwerke im "hangargroßen" Ausmaß mit Jahrzehnten an Computergeschichte vollgepackt.

Um den Bestand überhaupt systematisch erfassen zu können, legten die beiden ein Palettenraster auf dem Boden an, das den einzelnen Geräten und Zubehörteilen feste Plätze zuwies. Fertig sortiert belegte das Material fast die gesamte Grundfläche von knapp 1.100 Quadratmetern. Der Abgleich mit dem bestehenden CHM-Bestand in Kalifornien ergab am Ende 2.056 Stücke, die dem Museum noch fehlten.

  • Die Schwerpunkte bildeten historische Großrechner und Minicomputer, Zeilendrucker, Festplattenlaufwerke und Lochkartenmaschinen - Technik, die grob den 1930er- bis 1980er-Jahren entstammt.
  • Dazu gesellten sich eine beachtliche Menge historischer Datenträger, etwa Disk-Packs der Baureihen "Diablo" und "RK05". Auch umfangreicher Quellcode und gedruckte technische Dokumentation schlummerten in dem Lagerhaus.

Ein RWTH-Professor als stiller Sammler

Wer hinter dem Bestand steckte, klärten Nachforschungen des CHM auf: Als ursprünglicher Sammler gilt laut dem Museum ein Hochschullehrer der RWTH Aachen, der dort einen Lehrstuhl für Elektronik und Datenverarbeitungssysteme innehatte. Wie seine Kollektion schon zu seinen Lebzeiten zum vergessenen Schatz in einem verlassenen Lagerhaus werden konnte, beantwortet der Blogbeitrag indes nicht.

Der Castrop-Rauxel-Fund war so umfangreich, dass das CHM eigens ein neues klimatisiertes Depot anmietete, um den Zuwachs unterzubringen. Zahlreiche Stücke aus dem Ruhrgebiet-Fund sind heute unter dem Namen "SAP-Sammlung" im Museum dauerhaft inventarisiert. Ob die Exponate je vollständig digitalisiert und öffentlich zugänglich gemacht werden, hat das CHM bisher nicht kommuniziert.

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Quelle: Computer History Museum via Tom's Hardware

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