Project Motor Racing: Fahrzeuge, Physik und Rammbock-KI
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Bei der Auswahl an Karossen gibt es ebenfalls Erfreuliches zu berichten: Die Fahrzeuge decken eine Vielzahl spannender Rennklassen ab, darunter modernere und heutige wie N-GT, GT3 und GT4. Sie können sich allerdings auch in betagteren Rennserien wie der legendären Group C oder der berühmt-berüchtigten GT1 oder der US-amerikanischen GTO versuchen. Zur Auswahl stehen berühmte Rennsemmeln und sagenumwobene Triebwerke: darunter der knurrende, V8-befeuerte und durch Need for Speed: Most Wanted auch bei der spielenden Bevölkerung berühmt gewordene BMW E46 M3 GTR oder der nahezu frei und ungedämmt, hochfrequent melodisch heulende Sechzylinder-Boxer des Porsche 911 RSR.
Des Weiteren können Sie dem tiefstimmig grolligen 5-Liter-Biturbo-Bariton des Sauber Mercedes C9 die Sporen geben, verzückt dem grell kreischenden Vierrotor-Wankelmotor des Mazda 787B lauschen, oder den gewaltig-samtigen 7-Liter-V12 des Jaguar XJR-9 über die Pisten jagen. Weiterhin stehen der ewige Nordschleifenrekordhalter Porsche 962C, der Audi 90 Quattro IMSA GTO, diverse Astons, Camaros, Mustangs und Corvettes und gar LMP-Geschosse mit hybriden sowie konventionellen Antrieben zur Verfügung.
Der Sound der Fahrzeuge ist generell sehr gelungen: Neben den heulenden, direktverzahnten Renngetrieben, dem von Curbs und Bodenunebenheiten hörbar gemarterten Fahrwerk, kreischenden Bremsscheiben und um Gnade winselnden Reifen sind auch die Motorengeräusche hörenswert - zumindest bis zu einem gewissen Grad: Bei dem BMW M3 GTR vermisst man etwas das kurze, charakteristische, knurrige Bellen beim harten Herunterschalten. Der Sauber-Mercedes klingt etwas zu zahm und lässt ein Quäntchen Räudigkeit und Tiefton vermissen, während beim Gaswegnehmen immerhin die beiden Turbolader zwitschern. Letzteres gelingt auch beim Audi 90 Quattro gut, ebenso wie der unverwechselbare Fünfzylinder-Sound. Generell ist der Sound der Fahrzeuge erfreulich gut und selbst für schon-einmal-original-verwöhnte Ohren recht glaubwürdig, wenn auch nicht durchgehend gleichermaßen überzeugend. Es existieren in Project Motor Racing obendrein einige besonders gut klingende Fahrzeuge, der Mazda 787B, etwa. Hier und dort könnte jedoch auch das Audio noch etwas Feinschliff und Abstimmung vertragen.
Quelle: PCGH
Ramm-Alarm: Die KI fährt selbst auf Profi-Settings und höchster "Intelligenz" wie auf der Perlenschnur, kennt keine Regenlinie und ignoriert Sie und Ihr Fahrzeug obendrein nahezu vollständig. Sie sind gerade dabei, einen Überholvorgang abzuschließen, bereits eine halbe Wagenlänge voraus, doch die Strecke macht eine Kurve und Sie kreuzen die Ideallinie der Blechkopf-KI? Pech gehabt.
Entweder Sie werden abgedrängt und in der Botanik versenkt oder bedenken- und rücksichtslos per PIT-Manöver in die Streckenbegrenzung gerammt. Ein vernünftiges oder gar "simulationslastiges, wirklichkeitsgetreues" Fahren ist mit dieser Form von KI-Gegnern nur schwerlich möglich; schade. Wir hoffen auf baldige Verbesserung.
Wenn Sie genau hinsehen, können Sie auf der Nordschleife - gleich bei jeder Witterung - gar einen bekannten Youtuber im Gebüsch erspähen, der prüft, ob bei Ihren Rundenzeiten auch alles im Reinen ist. Dazu gibt es verschiedene Tages- und Jahreszeiten, diverse und optional dynamische Wetterumstände. Gerade die unterschiedlichen Jahreszeiten, die dynamische Witterung und optional wechselnde Tageszeiten und Lichtsituationen sind eine nette Dreingabe - gerade auf der für wechselnde Umstände berühmt-berüchtigten Nordschleife inmitten der wilden Eifel. An dieser Stelle demonstriert der zugrunde liegende Landwirtschaftssimulator-Grafikmotor Stärken.
Quelle: PCGH
Nanu? Wer steckt denn da hinter den Büschen und prüft, ob mit Ihren Rundenzeiten auch alles in Ordnung ist? Zum Glück fahren wir keinen Lamborghini.
Die Entwickler haben ein Abbild des bekannten Youtubers und Nordschleifen-Profis Misha Charoudin am Streckenrand versteckt. Dieser hat nicht nur aufgrund seiner eigenen, beeindruckenden Fahrkünste sowie häufig sehr unterhaltsamen und lehreichen Videos hohe Popularität erlangt, sondern ist außerdem dafür bekannt (und vermutlich bei einigen Herstellern berüchtigt), Schummeleien bei Rekordversuchen aufzudecken. Während der Ahrtalflut hat er obendrein Flutopfer mit kritisch wichtigen Generatoren und durstige Fluthelfer mit Bier versorgt.
Allerdings erinnert Project Motor Racing in gewissen Aspekten an Project Cars. Oder besser: an frühe Early-Access-Versionen von Project Cars. Denn Project Motor Racing erinnert insbesondere in diesem Sinne an den geistigen Vorgänger: Unfertigkeit. Es mangelt Project Motor Racing in vielen Belangen an Feinschliff, Tuning und Rundlauf. Die Fahrzeugphysik, die generell recht umfangreich wirkt und Potenzial erkennen lässt, wirkt unausgegoren. Die Fahrzeuge neigen selbst mit warmgefahrenen Reifen häufig zum Untersteuern, das Bremsgefühl wirkt etwas losgelöst und lässt Feedback der Vorderreifen vermissen, generell wirken die Fahrzeugabstimmungen oft unpassend, wobei einige Fahrzeugklassen auf bestimmten Strecken besser funktionieren als andere. Klar, einiges können Sie mit Fahrzeug- respektive Fahrwerkstuning optimieren, doch wirklich "richtig" fühlen sich die diversen Fahrzeuge selbst nach umfangreichem Handanlegen selten an.
Quelle: PCGH
Die Strecken sind generell ansprechend und recht glaubwürdig gestaltet. Abseits des Asphalts und der Begrenzungen fällt der Detailgrad allerdings schnell ab, es mehren sich grobe, polygonarme Strukturen sowie teils niedrig aufgelöste Texturen. Ebenfalls nervig: Das TAA sorgt bei Elementen wie Maschendrahtzaun sowie einigen Texturen für hässliche Artefakte.
Zudem laufen die Wiederholungen mit gelockten 30 Fps, was die temporalen Umstände nochmals verstärkt und obendrein für eine ruckelige Wiedergabe sorgt. Während Sie die Bildraten in Menüs sowie Gameplay getrennt regeln und auch freischalten können, ist dies bei Replays nicht der Fall; weshalb auch immer. Der Drehzahlmesser ist in der Innenansicht während Replays ebenfalls außer Funktion, nicht jedoch der Schaltblitz. Der ist immer an.
Immerhin: Die laut Entwickler gescannten, doch nicht ausdrücklich mittels LIDAR ("Light Detection and Ranging") digitalisierten Strecken hinterlassen einen prinzipiell guten Eindruck. Unebenheiten, Höhenunterschiede, Kompressionen - diese Umstände werden durch das Strecken- und Fahrzeugmodell von Project Motor Racing gut erfasst - auch wenn nicht jede Unebenheit, jeder Curb 1:1 der Realität entspricht beziehungsweise einige Streckenumstände nicht zu 100 Prozent dem aktuellen Layout der realen Strecken entsprechen. So kann der in der Realität neugestaltete, nun steilere Curb am Ende der Fuchsröhre der Nürburgring-Nordschleife im Spiel noch mitgenommen werden, ohne dass Sie riskieren, Ihre Karosse über die Bande in das dichte Unterholz der Eifel zu katapultieren.
Quelle: PCGH
Bei Regen sammelt sich das Wasser in Vertiefungen und Pfützen, vornewegfahrende Fahrzeuge verdrängen es von der Rennlinie (die KI fährt allerdings keine wirklich überzeugende "Regenlinie").
Je nach Streckenabschnitt und verstrichener Zeit kann das Wetter dynamisch umschwenken, die Trocknungszeiten sind unterschiedlich - gerade auf der für Wechselhaftigkeit berüchtigten Nordschleife sorgt dies für zusätzlichen Realismus. Wäre doch nur das Fahrmodell ein wenig ausgewogener und feingeschliffener und das KI-Verhalten etwas weniger Blechschaden.
Spannend sind auch die dynamischen "True2Track" getauften Umstände, darunter Tag/Nacht und Witterungswechsel. Oder Einflüsse der Windrichtung, Umgebungstemperaturen und Jahreszeiten sowie Regenwasser, das sich in Pfützen und Senken sammelt, während es von den Reifen der Fahrzeuge von der Rennlinie verdrängt wird. Die Streckenabschnitte, die je nach Wetter und Untergrund verschiedene Trocknungszeiten aufweisen.
Project Motor Racing: Impressionen
Zu den kritischsten Punkten zählt allerdings die Gegner-KI, die einen sehr mäßigen Eindruck hinterlässt. Insbesondere der Umstand, dass die Gegner Ihr Fahrzeug nahezu ignorieren und Sie häufig von der Strecke rammen, falls Sie die Ideallinie kreuzen. Obendrein stauen sich die KI-Fahrer mehr noch als in anderen Sim-Racing-Titeln in engen Kurven heftig auf und bremsen häufig unberechenbar. Während die KI-Fahrer Ihnen bei Bremsmanövern Ihrerseits oft das Heck zerbeulen oder Sie wie fahrerflüchtige Verbrecher bei Dashcam-Videos der US-Police unsanft per PIT-Manöver in die Leitplanken rammen.
Es ist kaum möglich, ein Rennen ohne heftige KI-Karambolage anzuschließen, was wiederum den Rennspaß speziell im Karrieremodus trübt. Wie Sie im Übrigen auch dem Test der Kollegen der PC Games entnehmen können, den wir Ihnen hiermit empfehlen, falls Sie mehr zu Gameplay, Stecken, Fahrphysik und Gegner-KI erfahren möchten. Bei uns dreht es sich fortan um Grafik und Performance.


Ich muss zugeben, da hab ich eine gewisse Wissenslücke.
Fixed. Im Text, zumindest. Im Forum lass ich es mal transparent (peinlich) stehen.^^
Gruß,
und schönes WE,
Phil
MfG
Raff
Ich glaube Giant hat sich da einfach übernommen. Das ist kein Landwirtschaftssimulator bei dem man ein Auge zudrückt...
Das Weihnachtsgeschäft hat vermutlich gelockt und eventuell gab es da auch noch andere Faktoren, die den Release so und zu diesem Zeitpunkt gewissermaßen lanciert haben.
Gruß,
Phil
Hatte gehofft das es zumindest ein neues Project Cars wird aber das ist ja meilenweit davon entfernt.
AMS2 und Pcars1-2 haben relativ gut zwischen Forza/ Gran Turismo und den "richtigen" Sims gepasst.
Schade das PMR leider nur in den Mülleimer passt