Als 56 kbit/s der Heilige Gral waren
56 kbit/s als Highspeed, 3D-Audio als Zukunft - und der MSN Explorer als Design-Highlight. Willkommen im Technikjahr 2000.
In diesem Artikel
- Seite 1 PCGH 11/2000: Mein erster Blick in die Ur-Ausgabe
- Seite 2 Als 56 kbit/s der Heilige Gral waren
- Seite 3 PCGH Retro-Test: Doom 3, GeForce2 Ultra und der Kupferkult
- Seite 4 PCGH 2000 im Rückblick: Voodoo5, Pentium 4 und 3dfx-Mythen
- Seite 5 PCGH damals und heute: 25 Jahre Hardware-Leidenschaft
- Seite 6 Bildergalerie
Weiter geht es mit Logitech. Das Unternehmen hat damals - laut Heft - seiner Produktpalette eine "Frischzellenkur" verpasst. Der SoundMan S-20 soll für "Aufruhr im Stereobereich" sorgen, mit 20 Watt RMS, zwei Satelliten und einem Subwoofer. Preis: 129 Mark. Ganz ehrlich, die Dinger sehen alles andere als frisch aus. Eher wie die Lautsprecher, die in der Informatik-AG meiner Grundschule standen; dort, wo ich meist Stop-Motion-Filmchen gemacht habe.
Als 56 kbit/s schnell waren
Direkt daneben: Abgesurft. Der Artikel preist den neuen V.92-Modemstandard als echten Fortschritt. "Schneller über die analoge Leitung", steht da, mit bis zu 56 kbit/s. Heute lädt man damit nicht einmal mehr ein Profilbild. Damals war das der Heilige Gral: weniger Rauschen, schnellerer Verbindungsaufbau, endlich telefonieren und surfen gleichzeitig. Zumindest theoretisch. Kaum zu glauben, aber ich rege mich heute schon darüber auf, wenn ich mit Glück 50 Mbit/s erreiche. Ich hatte einmal eine Gigabit-Leitung! Die Trauer ist real, aber immer noch weit entfernt von 56 kbit/s. Kurz habe ich überlegt, wie man mit so einer Leitung überhaupt etwas machen konnte. Dann fällt mir ein: Das Internet war damals einfach kleiner. Weniger Bilder, weniger Werbung, weniger alles. Und dann stellt sich die Frage, ob man die Zeit ohne Spam, Pop-ups und Autoplay-Videos beneiden soll oder einfach froh ist, dass heute alles in Sekunden lädt. Wahrscheinlich beides.
Quelle: PCGH
Modemtechnik anno 2000: Mit V.92 erreichte man bis zu 56 Kbit/s - Highspeed im Zeitalter des Pieptons.
Quelle: PCGH
2.000 DPI galten 2000 als High-End. Microsofts neue IntelliMouse warb mit "33 Prozent schneller!"
Monopole, Mäuse und Missverständnisse
Direkt darüber schreibt Kay Beinroth einen Kommentar. Überschrift: "Kreativ wird's eng." Er berichtet über Creative, Aureal und den damaligen Kampf um 3D-Audio und darüber, wie Marktmonopole Innovation bremsen. Der Satz, der hängen bleibt: "Die Geschichte zeigt, dass Monopole noch nie die Entwicklung gefördert haben." Offen gesagt könnte man den eins zu eins heute abdrucken, nur mit anderen Namen. Statt Soundkarten sind es jetzt GPUs, Prozessoren oder Streamingplattformen. Die Themen ändern sich, der Grundgedanke bleibt: Wenn einer alles bestimmt, wird es für die anderen eng.
Außerdem stolpere ich über eine Überschrift, die klingt, als hätte Microsoft gerade das Perpetuum mobile erfunden: "MS-Mäuse legen zu." Ab November, heißt es, sollen alle neuen IntelliMouse-Modelle mit 2.000 dpi kommen. Eine kleine Kamera schießt 1.500 Bilder pro Sekunde, um Bewegungen zu erkennen. 2.000 dpi, das war damals High-End. Heute erreichen Gaming-Mäuse locker 30.000 dpi, und niemand weiß so recht, wofür. Ich erinnere mich noch an die ersten optischen Mäuse, die man vorsichtig über das Mauspad zog, weil sie sich bei zu schnellen Bewegungen "verlaufen" haben. Und das waren die guten Modelle. Die Vorstellung, dass Microsoft damals ernsthaft mit "33 Prozent schneller!" warb, hat etwas Rührendes. Heute heißen solche Features gern irgendetwas mit "AI Precision" oder "Smart Tracking" und kosten 20 Euro mehr.
Quelle: PCGH
MSN Explorer im Jahr 2000: farbenfrohes Design, integrierte Mediafunktionen und Symbolleisten im Überfluss.
Und dann taucht MSN plötzlich aus heiterem Himmel im Heft auf. Der Artikel lobt das "farbenfrohe Design" des neuen MSN Explorers und beschreibt die Oberfläche als "übersichtlich und optisch sehr ansprechend". Ganz ehrlich, heute liest sich das wie ein Meme. Dieses hellblaue Interface mit Shelby Lynne als Eyecatcher und fünf verschiedenen Symbolleisten wirkt, als hätten Clipart und Windows Media Player eine unheilige Vereinigung eingegangen. Man verstehe mich bitte nicht falsch, ich weiß, wie das Internet um 2005 aussah - auch nicht viel besser. Damals war ich im Internetradio meiner Oma unterwegs und habe "Musik aufgelegt". Etwas, das man heute vermutlich nicht mehr einfach so dürfte. Die Seite selbst war mindestens genauso grell wie der MSN-Explorer. Und da rede ich nicht einmal von meiner ersten eigenen Website, bei der sofort Hedwigs Theme aus Harry Potter losgedudelt ist, sobald man sie geöffnet hat. Ja, das Internet war damals anders.



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Sehr unterhaltsam [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] .
Gruß,
Phil
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