Deutsche Synchronisation für Gothic Remake: "Wir wollen mit Menschen arbeiten"
Gothic Remake ist ein Beispiel dafür, wie aufwendig eine deutsche Lokalisierung und vor allem Synchronisation sein kann. PC Games hat exklusive Informationen beschafft.
Wie aufwendig sind die deutschen Synchronfassungen von Spielen? In einem aktuellen und lesenswerten Report von PC Games werden unter anderem die Arbeiten an Gothic Remake thematisiert.
Mehr als nur Untertitel: Synchro-Aufwand für Gothic Remake
Im Artikel spricht PC Games mit Publishern, Lokalisierungsfirmen, Übersetzern und Synchronschauspielern, um herauszufinden, wie "Spiele ins Deutsche übersetzt werden, warum sich manche Übersetzungen etwas komisch anhören und wie die Zukunft der Lokalisierung in Zeiten von künstlicher Intelligenz aussieht". Deutschland als Synchro-Land ist auch Thema eines begleitenden Videos, das wir PCGH-Lesern wärmstens ans Herz legen.
Im Report wird Gothic Remake mehrfach als Beispiel dafür genutzt, wie aufwendig eine deutsche Lokalisierung sein kann. THQ Nordic definiert Deutsch zum Beispiel als "obligatorische Zielsprache" und hat die Lokalisierung des Spiels bereits weit vor Release eingeplant. Producer Andreas Schmiedecker erklärt, dass man normalerweise dann in die Übersetzung geht, wenn ein Spiel ungefähr den Alpha-Status erreicht hat, also grob ein bis anderthalb Jahre vor Release. Im Fall von Gothic Remake haben die deutschen Sprachaufnahmen rund 1,5 Monate gedauert. Diese Aufnahmen müssen nicht zwingend am Stück erfolgen; eine gestückelte Produktion könne aber komplizierter werden, weil Sprecher "verfügbar sein müssen und Inhalte sich in der Entwicklung noch ändern können".
Spannend: Bei Gothic Remake wurden die Dialoge für die deutsche Version nicht einfach nur übersetzt, sondern komplett neu geschrieben. Es gab in diesem Fall keinen klassischen Originalton, an dem man sich einfach entlanghangeln konnte. Deshalb war mit Mattias Filler, dem Hauptschreiber der deutschen Dialoge, auch jemand bei fast allen Sessions anwesend, um Hinweise zur Aussprache und zur gewünschten Wirkung einzelner Zeilen zu geben.
Quelle: THQ Nordic
Auf die Abwechslung kommt es an. Nicht jeder Charakter darf gleich klingen, aber für jeden Charakter einen neuen Synchronsprecher zu engagieren, würde wieder die Kosten sprengen.
Die Synchronisation des originalen Gothic-Spiels von 2001 genießt gewissermaßen Legendenstatus, weshalb es für das Remake wichtig war, die Community bei nötigen Neubesetzungen einzubinden. Immerhin ist Lesters Sprecher Peter Heusch bereits 2014 verstorben. So ließ THQ Nordic die Community über die neuen Stimmen der vier Freunde des namenlosen Helden abstimmen. Schmiedecker erwähnt, das sei im Nachhinein "eine ziemlich coole Entscheidung gewesen", auch wenn sie mehr Zeit und Kopfzerbrechen gekostet habe. Trotz vieler Neubesetzungen gibt es auch ein Wiedersehen mit alten Stimmen. Mit Aart Veeder und Bodo Henkel kehren zwei der Originalstimmen für ihre Charaktere zurück. Außerdem wird ausdrücklich erwähnt, dass auch der namenlose Held erneut von Christian Wewerka gesprochen wird.
Im Umfeld aktueller KI-Debatten wichtig: THQ Nordic arbeitet beim Gothic Remake aktuell bewusst mit menschlichen Sprechern, KI war für dieses Projekt nach eigener Aussage nicht relevant.
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Wenn dann deutsche Studios nicht mal eine deutsche oder nur eine schlechte deutsche Version rausbringen, kaufe ich die für gewöhnlich nicht.