Intel-Preiskampf gegen AM5: Warum so spät? - Ein Kommentar 20 Jahre nach Athlon 64 und Netburst
Intels Arrow-Lake-Refresh attackiert technisch überlegene AMD-CPUs mit Kampfpreisen - fast so, wie es einst die letzte Pentium-4-/-D-Generation und die ersten Core 2 gegen den Athlon 64 X2 machten. Aber warum dauerte es diesmal so lange?
Erinnern Sie sich an das CPU-Duell der 2000er-Jahre? Dann erst einmal willkommen im Klub der alten Säcke. Für all diejenigen, welche damals noch im Mutterleib gecampt haben, anstatt sich über Hardware zu informieren (auf Totholz, nicht im "Neuland"), hier die Kurzfassung: Nachdem AMD den Sieg im Gigahertzrennen ertrickste und sich Intels erste Netburst-Generation als Notlösung entpuppte, folgte bis Winter 2003/2004 ein Schlagabtausch zwischen Athlon XP und Pentium 4. Letzterer gewann so spät, dass er schon ein halbes Jahr später vom Athlon 64 überrollt wurde. CPU-seitig weit weniger revolutionär, als er oft dargestellt wird, traf dessen zukunftsweisendes Plattformkonzept auf die "Herdplatte" Prescott: Statt erwarteten 5,0 GHz (bei astronomischen 150 W, die kein Endkunde akzeptiert hätte) erreichten Intels 90-nm-Hoffnungsträger gerade einmal 3,8 GHz (bei "gut" 115 W). Spätestens mit den Dual-Core-Ablegern Pentium D 800 und Athlon 64 X2 resultiert 2005 das Undenkbare: Altmeister Intel wird nicht nur herausgefordert, sondern von AMD auf ganzer Linie geschlagen. Selbst IBM und Dell werden zu Ex-Exklusiv-Partnern und bieten ihren (uninteressierten, da uninformierten) Kunden breite Athlon-Portfolios an.
Warum ich das alles erzähle? Weil es so sehr an Intels heutigen Kampf gegen die AM5-Plattform erinnert. Nach hartem Vorgeplänkel hat Ryzen 7000 mit Alder Lake genauso den Boden aufgewischt, wie der Athlon 64 X2 seinerseits mit den Pentiums. Gut, diesmal kam die Watt-Keule i9-14900KS erst als Reaktion und erntete erstaunlich wenig Kritik für über 250 W, während 2004er-Endkunden bei 100 W auf die Barrikaden gingen und so Intels 10-GHz-200+-Watt-Roadmap kippten - seinerzeit durchaus überraschend, denn 2000 ernteten 70-W-Athlons noch ohne Ende Lob gegen 30-W-Pentium-3. Aber 2026 baut AMD mit 16-Kernern und X3D zusätzlichen Druck auf, während Intel nicht nur eine Fertigung misslingt, sondern Intel 4, Intel 3 und Intel 20A für Desktop ganz ausfallen. Ergebnis: Egal welchen Anwendungszweck man betrachtet, die technisch beste CPU kommt heute von AMD. Teils mit deutlichem Vorsprung, genau wie 2006.
Doch für einen Anbieter schlechterer Technik gibt es auch 2026 ein probates Mittel, das attraktivere Angebot zu liefern: billiger sein. So wie Intels Arrow-Lake-Refresh. Core Ultra 7 270K Plus und Ultra 5 250K Plus sind technisch langweilig; erkaufen ihre Leistung mit Übertaktern lange bekannten Tricks. Aber für 230 respektive 340 Euro Straßenpreis (UVP niedriger - Verfügbarkeit auch) müssen sie sich eben nicht gegen Ryzen 9000X3D beweisen, sondern teils nur gegen 6+0-kernige Mitbewerber. Ergebnis: Für die Mehrheit der CPU-Käufer, die eher Anwendungs- denn Spieleleistung nutzen, fassen Kommentatoren das Ergebnis sogar als "unterhalb von 350 Euro führt kein Weg an Intel vorbei" zusammen.
Bam! Ich teile diese Einschätzung zwar nur eingeschränkt (7500X3D anyone?), aber so geht Konkurrenzkampf. Und der kann uns als Endkunden(-Magazin-Redakteur) nur recht sein, sorgt er doch für allgemein niedrigere Preise oder für technischen Fortschritt - je nachdem, ob AMD mit Preissenkungen oder schnelleren Produkten reagiert.
Warum hat Intel diesmal so lange geschlafen?
Es bleiben aber zwei Fragen: Warum erst jetzt? Warum so wenig? AMD war das gesamte Jahr 2025 überlegen, 2024 dominant, 2023 klare Empfehlung und Ende 2022 in Führung. Im professionellen Einsatz feiern Threadripper und Epyc seit 2020 Erfolge, von denen ihre Opteron-Ahnen nur träumen konnten. Das Ergebnis so vieler Jahre Überlegenheit sind knapp 30 Prozent Gesamt-CPU-Marktanteil nach Stückzahlen, über 35 Prozent nach Gewinnerlösen. Ich habe eine traurige Nachricht für die Verantwortlichen bei Intel: Einen so stark gewordenen Gegner bekommt man nicht mit zwei Chips wieder unter Kontrolle. Da braucht es flächendeckend drastische Preissenkungen oder besser gleich eine Einsortierung von 285K, 265K und 245K ins neue Preisgefüge, ergänzt um einen 230K und 220K. Dazu Z860 und Z840, bitte. Nicht weil jeder Kunde übertakten will, sondern um die Produktpalette auf sechs bis sieben durchgängig attraktive Modelle zu entschlacken, von denen keins den Eindruck erweckt, jeden Kunden maximal melken zu wollen.
In den 2000er-Jahren lief das genau so: Während Intel frühere grüne Erfolge ("Rot", also ATI, war noch eigenständig) hochnäsig ignorierte, wurde das Eindringen in Team Blues Kerngeschäft bereits nach weniger als einem Jahr gekontert. Und das hart, bei 17 Prozent AMD-Marktanteil. Die 2006er Pentium-D-900-Generation war zwar technisch langweilig, schloss aber zur AMD-Performance auf, und wurde viel billiger als ihre sieben Monate jungen Vorgänger platziert. Aus 520 Euro für 2× 3,2 GHz in der PCGH 01/2006 wurden 240 Euro in der 07/2026, bei doppeltem Cache und drastisch gesenktem Verbrauch.
Zugegeben: Dass AMD dann für ein Jahrzehnt ganz aus PCGH-relevanten Marktbereichen verschwand, während bei Intel sogenannter "Stillstand" einzog, wünscht man sich aus Endkundensicht nicht zurück. Es ist aber auch nicht zu befürchten. Damals traf Intels Konter einen überschuldeten ATI-Aufkäufer, der sich mit Murks bei der K10-Entwicklung und eigener 65-nm-Fertigung gerade selbst ins Abseits stellte. 2026 ist AMD dagegen nicht nur ein bärenstarker CPU-, sondern auch der zweitbeste KI-Beschleunigeranbieter und hat TSMC als überlegenen Fertigungspartner an seiner Seite.
Quelle: Intel
Kauft gerade Fab-Anteile, die Intel 2024 für 3 Milliarden US-Dollar weniger abstieß: CEO Lip-Bu Tan.
Quelle: AMD
Hat weiterhin allen Grund zu lächeln: AMD-Ceo Lisa Su.
Und Intel wird AMD auch nicht aus Endkundenliebe beim Wachsen zugesehen haben. Stattdessen hat das Management in meinen Augen versagt: Bereits 2017 versauerten Optionen in der damals noch gut gefüllten, berüchtigten "Schublade". Später wurden technisch simple Boni für Aufrüster liegen gelassen und so Vertrauen verspielt - was mittlerweile auch Ex-AMDler Robert Hallock einzusehen scheint. Aber statt einer Wiederbelebung von "Overdrive"-CPUs gibt es weiterhin vier parallele, teils überlappende Produktlinien für den alten Sockel 1700 und drei davon werden Endkunden vorenthalten. Es bleibt also nur die Hoffnung, dass sich Intel nach dem "Core Ultra 200 Plus"-Schlag keine weiteren drei Jahre in Beobachtungsposition zurückzieht.
Vor 20 Jahren war "Mehr fürs Gleiche" nämlich ein Doppelwumms, der Core 2 Duo knockte AMD für ein Jahrzehnt aus dem gehobenen Desktop- sowie Server-CPU-Markt. Heute, gegen einen gefestigten Gegner, könnte ein vergleichbarer Schlag (nennen wir ihn "Nova") gerade genug sein, um den CPU-Markt wieder in Schwung zu bringen. Ich persönlich bin es jedenfalls leid, dass wir zwölf Jahre nach dem Gaming-Massen-Sechskerner i7-5820K (mit 28 CPU-PCIe-Lanes, für 390 USD MSRP) in der gleichen Klasse immer noch bei acht Kernen (und 24 Lanes) festhängen. Zum Vergleich: Es sind die vorangehenden acht Jahre seit den 2006er-Core-2-Duos in der gleichen Preisklasse, die trotz 200 Prozent Kernzuwachs als "Stillstand" bezeichnet werden.

Via dagegen hatte schon mit dem KT333, spätestens KT400 die Kurve gekriegt und war zu Athlon-64-Zeiten locker auf dem Niveau von den SiS-Chipsätzen, die sich in billigen Pentium-Media-Markt-PCs fanden. AMDs Marktchancen wurden noch eine Zeitlang zu Schwächen in Anwendungen und Multi-Thread-Szenarien zurückgehalten, aber nicht mehr durch den Ist-Zustand bei den Plattform-Partnern. Durch die ATI-Übernahme (und damit das Rauskegeln besagter Partner) hat man den Zustand sogar vorerst wieder verschlechtert. Vor allem die Opterons wurden durch die Aufkündigung des Nforce Professional quasi über Nacht unverkäuflich – wer will schon einen Server, dessen CPU-Hersteller einen Knallharten Konkurrenzkampf mit dem einzig aktuellen Chipsatzanbieter angezettelt hat?
Unabhängig davon dauerte es in den Hirnen der Büro-Ausstatter natürlich einige Zeit, bis AMD den Ruf der Super-Sockel-7- und frühen -A-Chipsätze abstreifen könnte. Office-PCs waren halt auch schon damals locker fünf Jahre im Einsatz und entsprechend lange dauerte es, bis jemand alte, schlechte Vorurteile durch neue, brauchbare Erfahrungen kompensiert hatte. Auf gut Glück dagegen hat niemand Athlons bestellt – bei einem Büro-Arbeitsplatz macht der Prozessor weniger als 10 Prozent, vielleicht 50 bis maximal 100 Euro Unterschied am Gesamtpreis der Ausstattung aus. Da wiegt schon die Chance auf einen halben Tag zusätzliche Downtime pro Jahr schwerer.
Aber auch da hast du etwas durcheinander gebracht: Irongate (übrigens AMDs erster Chipsatz überhaupt
Also Sommer 99 für den ganzen K7 als späte 90er zu bezeichen, der bis Sommer 2003 die aktuelle Plattform war, Thorsten mach mich nicht noch älter als ich ohnehin schon bin.
Irongate war so super das manche Mainboardhersteller die USB-Karte gleich dazu lieferten, oder sogar die Via-Southbridge reinlöteten. Und der AGP 1x lief auch wunderbar stabil mit Geforce-Karten.
Und NV gelang der Durchbruch auch erst wirklich mit dem NF2, Sommer 2002.
Aber natürlich kann ich dir nur recht geben, das Via mit dem KT133 und Nachfolgern einen großartigen Beitrag am "guten" Ruf von AMD geleistet hat.
Ironie beim Core 2 ist halt: Nicht nur dass alle Bestandteile, die ihn mit P6 verbinden, komplett durch Weiterentwicklungen ersetzt wurden. Ausgerechnet der kleine Teil, der von Netburst-CPUs übernommen wurde, blieb unverändert (am Quadpumped FSB wurde nur der Takt variiert). Pseudo-genetisch betrachtet ist ein Core 2 Duo also zu 10 Prozent Pentium 4, aber zu 0 Prozent Pentium III. Die 90 Prozent, die seine Stärken ausmachen, haben nur viel mehr mit P6 gemein als mit Netburst, sodass er zu Recht als geistiger Erbe deren Philosophie gelten kann.
(Quelle für alle Zahlen: geraten)
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Ok er hatte also am Ende quasi nichts mehr mit dem P6 gemeinsam außer die genetische Vorvergangenheit. Dann weiß ich nun Bescheid und merke es mir hoffentlich
Ich meine eher auf den Desktop bezogen: wir hatten von 2000 bis 2006 eben Pentium 4 und Weiterentwicklungen und nicht etwa schon, als man bei den ersten Simulationen des P4 bemerkt haben müsste eine effizientere Architektur in der Hinterhand.
Dass der Core vom P6 stammt war mir bewusst
Das letzterer insgesamt so lange überlebt hat, war eben eine Frage des Problembewusstseins: Intel brauchte nicht einmal Simulationen, um die elektrische Ineffizienz des Pentium 4 zu erkennen. Die war quasi Teil des Plans. Es brauchte aber mehrere Jahre Markterfahrung respektive eben eine Konkurrenz, die es anders/besser macht, ehe man bei Intel kapiert hatte, dass der Plan an sich ein Problem ist. Dann haben sie, für Intel-Verhältnisse, rasant reagiert: Smithfield war noch ein Sidestep wegen der 90-nm-Leckstromprobleme, aber keine Abkehr vom Hochtaktziel und garantiert nicht von hohen Verbräuchen. 12 Monate später lief Conroe vom Band und Netburst war Geschichte. (Fun Fact: Das war ziemlich genau der Zeitraum, in dem Ottelini CEO wurde. Das war er bis 2013, also ungefähr bis das Design von Skylake finalisiert wurde.)
Seither ist mir übrigens Effizienz sehr wichtig, das war mir bis zum Zeitpunkt ziemlich egal. Hauptsache "mehr Power".
Der Pentium 4 hat also ein bisschen mitgeholfen mich in dieser Hinsicht etwas reifer oder "erwachsener" zu machen.
*: Ein weiteres Entwicklungsziel der Wenig-Pipelines-hoher-Takt-Designs waren niedrige Produktionskosten relativ zur Leistung. Die Pentium 4 haben das nur teilweise erfüllt, weil überdurchschnittlich großer Caches verwendet/benötigt wurden. Aber bei Bulldozer hat AMD nachträglich die geringe Größe der Ex-10-GHz-Designs zur Primärtugend erklärt..
Da sich bislang keine "typischen" Anwendungen für lokale KI herauskristallisiert haben, kann ich nicht sagen, welcher Hersteller mit seinem Weg gerade am erfolgreichsten ist. Auf Präsentationen listen sie natürlich immer die eigenen Highlights auf und tun so, als gäbe es überhaupt nichts anderes.
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Aber auch da hast du etwas durcheinander gebracht: Irongate (übrigens AMDs erster Chipsatz überhaupt – und bis heute gab es nur drei weitere hauseigene Designs; zwei weitere wenn man die Notlösung Bixby nicht als solchen zählt.) war mit der stabilste Athlon-Chipsatz überhaupt, wurde aber mehr oder minder nur als Launch-Basis produziert; danach das Plattform-Geschäft den Partnern Via, Sis, ALI (später ULI) und, ab Athlon XP, Nvidia, überlassen. Die Partner beim Athlon 64 waren dann Via, Sis, ULI und Nvidia – also null Änderung. Einzig die Qualität war im Schnitt etwas besser. AMDs anhaltend mieser Ruf nach Ende der Sockel-Super-7-Ära hing maßgeblich an den Mainboards und die wurden, passend zum anvisierten Billig-Markt, eher auf Kosten denn auf Zuverlässigkeit optimiert. Verbunden mit Vias KT133, KT133A und KT266 ein Todesurteil in professionellen Kreisen, denn die boten ebenfalls viel Leistung fürs Geld, aber wenig Stabilität und erforderten eigentlich besonders sorgfältige Optimierung. Damals war es vollkommen normal, dass mehrere Testteilnehmer am PCGH-Stabilitätstest ("45 Minuten ein Spiel laufen lassen") scheiterten, während Intels 850/850E neben den nachfolgenden 865/875 wohl die stabilsten Chipsätze ever seit dem legendären i440BX waren.