WSL9x: Entwicklerin bringt modernes Linux auf Windows-95-Systemen

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WSL9x: Entwicklerin bringt modernes Linux auf Windows-95-Systemen
Quelle: @hailey@hails.org

Ein neues Projekt zeigt, dass selbst sehr alte PCs noch aktuelle Software ausführen können. Mit WSL9x soll sich ein moderner Linux-Kernel parallel zu Windows 9x betreiben lassen.

Alte Systeme gelten in der Regel als nicht mehr kompatibel mit moderner Software. Ein neues Projekt stellt diese Annahme zumindest teilweise infrage. Unter dem Namen WSL9x hat eine Entwicklerin ein Werkzeug veröffentlicht, das es ermöglichen soll, aktuelle Linux-Kernel parallel zu klassischen Windows-9x-Systemen auszuführen.

Konkret richtet sich der Ansatz an Rechner mit Windows 95 oder neueren Varianten der 9x-Reihe. Selbst Hardware auf Basis eines Intel 486 soll laut Projektbeschreibung unterstützt werden. Damit adressiert das Tool eine Plattform, die in der Praxis seit Jahrzehnten als technisch überholt gilt.

Technisch unterscheidet sich WSL9x deutlich von modernen Ansätzen wie dem von Microsoft bereitgestellten Linux-Subsystem. Statt Virtualisierung setzt das Projekt auf einen kooperativen Betrieb zweier Kernel im selben privilegierten Modus. Ein aktueller Kernel von Linux läuft dabei parallel zum Windows-9x-Kernel und teilt sich zentrale Funktionen wie Speicherverwaltung und Scheduling.

Die Architektur besteht aus drei Komponenten: einem angepassten Linux-Kernel, einem VxD-Treiber und einem kleinen DOS-Client. Der Kernel basiert auf User-Mode-Linux, wurde jedoch so angepasst, dass er direkt mit Windows-9x-APIs arbeitet und im Ring-0-Modus ausgeführt wird.

Der VxD-Treiber übernimmt die Initialisierung, lädt den Kernel von Datenträger und steuert eine zentrale Ereignisschleife. Diese verarbeitet Interrupts, koordiniert den Wechsel zwischen beiden Systemen und leitet Systemaufrufe weiter. Da Windows 9x keine passende Interrupt-Struktur für Linux-Syscalls bietet, erfolgt die Umsetzung über einen General-Protection-Fault-Handler, der entsprechende Aufrufe erkennt und an den Linux-Kernel übergibt. Die Benutzerinteraktion erfolgt über das Programm "wsl.com". Dabei handelt es sich um eine 16-Bit-DOS-Anwendung, die Konsolenfenster bereitstellt und Ein- sowie Ausgaben zwischen beiden Systemen vermittelt.

Parallel dazu entwickelt sich das Linux-Ökosystem in eine andere Richtung. Die Unterstützung für sehr alte Prozessoren soll schrittweise entfallen. Linus Torvalds hatte bereits angedeutet, dass entsprechende Hardware kaum noch relevant sei. Ein Patch von Ingo Molnar zielt darauf ab, zentrale Optionen für 486-Prozessoren zu entfernen, was künftige Kernel-Versionen betreffen könnte.

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Quelle: Codeberg via Tom's Hardware

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    • Kommentare (5)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        Von Feature-armen auf Feature-reiches Niveau zu gehen, sollte eigentlich kein Problem sein. Ein Win9x-Co-Kernel, dessen Grafikaufrufe über den Linux-Stack nebst RTX-5090-Treiber weitergereicht werden, könnte natürlich weiterhin kein Direct3D 12. Aber wen juckt das, solange der Treiber weiterhin Direct3D 9 kann, also versteht, was das 9x-Subsystem von ihm will?

        Ob sich das lohnt, hängt natürlich stark von der Qualität ab. Es gibt zwar ohne Ende Spiele, die nicht unter DOS laufen, aber unter 9x. Nämlich so ziemlich alles, was zwischen 1996 und schätzungsweise 2010 erschienen ist. (Das letzte Bloß-kein-Windows-Game, dass mir in Erinnerung geblieben ist, war Privateer 2, aber was war der erste XP-only-Titel?) Dazu kommen noch einige Windows-3.x-Spiele aus der ersten Hälfte der 90er, die in der DOSBOX halt eine zweite Ebene erfordern, unter 9x aber in der Regel gar keinen Ärger machen. Aber: Für viele der späteren existieren natürlich schon andere Workarounds. Ein großer Gewinn wäre ein 9x-Subsystem erst, wenn es hundertprozentige Kompatibilität garantieren könnte, inklusive 3D-Beschleunigung und hochwertigem Sound. (Mapping von DirectSound3D-Extensions auf OpenAL wäre z.B. ein Killer-Feature, das Emulationen einfach nicht bieten können.)
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        Von Feature-armen auf Feature-reiches Niveau zu gehen, sollte eigentlich kein Problem sein. Ein Win9x-Co-Kernel, dessen Grafikaufrufe über den Linux-Stack nebst RTX-5090-Treiber weitergereicht werden, könnte natürlich weiterhin kein Direct3D 12. Aber wen juckt das, solange der Treiber weiterhin Direct3D 9 kann, also versteht, was das 9x-Subsystem von ihm will?

        Ob sich das lohnt, hängt natürlich stark von der Qualität ab. Es gibt zwar ohne Ende Spiele, die nicht unter DOS laufen, aber unter 9x. Nämlich so ziemlich alles, was zwischen 1996 und schätzungsweise 2010 erschienen ist. (Das letzte Bloß-kein-Windows-Game, dass mir in Erinnerung geblieben ist, war Privateer 2, aber was war der erste XP-only-Titel?) Dazu kommen noch einige Windows-3.x-Spiele aus der ersten Hälfte der 90er, die in der DOSBOX halt eine zweite Ebene erfordern, unter 9x aber in der Regel gar keinen Ärger machen. Aber: Für viele der späteren existieren natürlich schon andere Workarounds. Ein großer Gewinn wäre ein 9x-Subsystem erst, wenn es hundertprozentige Kompatibilität garantieren könnte, inklusive 3D-Beschleunigung und hochwertigem Sound. (Mapping von DirectSound3D-Extensions auf OpenAL wäre z.B. ein Killer-Feature, das Emulationen einfach nicht bieten können.)
      • Von KevinSimulinski Komplett-PC-Aufrüster(in)
        Zitat von Registrierzwang
        Also sobald GNU C läuft, sind das eine ganz große Anzahl an Anwendungen
        Reden wir über Linux oder Windows 95?

        Zitat von PCGH_Torsten
        Und was für Anwendungen sollen das eigentlich sein, die man auf einem primär mit Win9x laufenden Rechner ausführen möchte?
        Solitaire?
        Ich plädiere eher für Dosbox, denke dabei an den guten alten Raptor, den ich ab und an gern spiele (CD im Keller, .iso auf dem Rechner), inklusive Gravis Ultrasound Emulation.

        Oder, wenn's denn wirklich W9X-Spiele sein müssen (wieviel interessante Games gab es denn, die nicht auch unter DOS gelaufen wären?), das Derivat Dosbox-X, mit dem man anscheinend auch W95 starten kann (müsste noch ne CD im Keller haben).

        Zitat von PCGH_Torsten
        Ohne Hardware-Virtualisierungsschicht dazwischen, die bremsen und für Feature-Einschränkungen sorgen könnte, aber mit der Möglichkeit auf der Hardware-Seite des Konstrukts moderne Hardware über moderne Treiber anzusprechen, wenn es keine für 9x gibt.
        Aber da fehlen in W9x die APIs, ich denke an 32bit-Filesystemlimitierungen, USB-Abhandlung, Sound-Abhandlung.
        Ich sehe das Titelthema eher als interessanten Proof-of-concept.
      • Von Registrierzwang Software-Overclocker(in)
        Welche Anwendungen ? Also sobald GNU C läuft, sind das eine ganz große Anzahl an Anwendungen, zumindest die, die keinen direkten Hardwarezugriff brauchen (oder spezielle Libraries), und auch nicht die, die X oder ähnliches GUI Zeugs brauchen.
        Aber ein Webserver darauf laufen lassen wäre bspw. eine Idee, oder auch noch andere Linux Compiler.
      • Von PCGH_Torsten Kokü-Junkie (m/w)
        Soweit ich die Beschreibung deuten kann, sollte der Leistungsverlust gegenüber einer direkten Linux-only-Ausführung nicht größer sein, als bei modernden Subsystemen nach Vorbild Windows 11 gegenüber modernen Linux-only-Systemen. Vermutlich sogar geringer, weil Windows 9x sich nicht daran stört, wenn jemand anderes in Ring 0 rumrührt, während bei moderneren Betriebssystemen entweder Sicherheitsbarrieren ausgehebelt oder Prozesse aus Ring 0 ausgelagert werden müssen.

        Aber das ändert natürlich nichts daran, dass ein P133 keine gute Grundlage für moderne Linux-Anwendungen ist. Und was für Anwendungen sollen das eigentlich sein, die man auf einem primär mit Win9x laufenden Rechner ausführen möchte?

        Mich würde ehrlich gesagt eher die Gegenrichtung reizen: Ein vollwertiger, software-seitig 100 Prozent kompatibler Win9x-Kernel, der als Subsystem in einem modernen Linux läuft. Ohne Hardware-Virtualisierungsschicht dazwischen, die bremsen und für Feature-Einschränkungen sorgen könnte, aber mit der Möglichkeit auf der Hardware-Seite des Konstrukts moderne Hardware über moderne Treiber anzusprechen, wenn es keine für 9x gibt.
      • Von Registrierzwang Software-Overclocker(in)
        Hört sich technisch sehr interessant an, aber ist das wirklich ein echter Linux Kernel 6.19, der "kooperativ" als vxd-Erweiterung mit Win 9x läuft ? Und läuft dass dann bspw. wirklich auch auf einem Pentium 133 ohne Zeitlupe ?
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