V5 6000: Von Revisionen und Instabilitäten
3dfx' Voodoo5 6000 ist den meisten Lesern vermutlich ein Begriff. Doch wieviel wissen Sie wirklich über diese 3D-Legende? PC Games Hardware beleuchtet die vermutlich außergewöhnlichste Grafikkarte der Geschichte.
V5 6000: Von Revisionen, Problemen und Instabilitäten
Die Voodoo5 6000 stellte die 3dfx-Ingenieure kontinuierlich vor Probleme. Nachdem man anfangs feststellte, dass das platzsparende Stapel-Design nicht zu realisieren ist, sattelte man auf die "Reihenschaltung" der GPUs um. Der Nachteil ist offensichtlich: Die Platine bricht alle Längenrekorde und braucht mehr Material. Doch es ging voran. Bis zum Ende von 3dfx durchlief die Grafikkartenlegende fünf Revisionen; erkennbar an Zahlen, die wir vorab erläutern möchten.
Wann immer es um die Revisionen der V5 6000 geht, fällt eine vierstellige Zahl. Dies ist jedoch nicht ganz korrekt. Nehmen wir unseren Prototypen: Die Rückseite zieren nicht nur die bekannten "Not for resale"-Aufkleber, sondern auch ein weißer Kasten, in dem groß "3700" steht. Bei dieser Zahl handelt es sich nicht um die Revision der Karte, sondern um das Herstellungsdatum des PCBs (der Platine). In unserem Fall ist dies die 37. Kalenderwoche des Jahres 2000. Die "echte" Revision wird von einem längeren Code verkörpert, bei dem Kenner stets die letzte Ziffer angeben. Die V56k aus unserem Testlabor offenbart hier ein "A". Vollständig identifizieren lässt sich diese Karte demnach als "A-3700" oder "3700-A". Hierbei handelt es sich bereits um ein Modell der "Final Revision" - doch dazu später mehr.
Quelle: www.thedodgegarage.com/3dfx
Chronologie der V5 6000: A1-1500, A2-2600, A3-3400 und A-3700
V5 6000: Revision 1 (1000-1900): Intel-Brückenchip
Prototypen der Revision 1 verkörpern erstes lauffähiges Silizium. Markenzeichen sind 128 MiByte SDR-SDRAM mit einer Zugriffszeit von 5,4 Nanosekunden, ein Intel-Brückenchip, die erste Version des Stromanschlusses und die niedrige Taktung von nur 143 MHz. Obgleich diese Karten lauffähig waren, leidet die Revision 1 noch unter gravierenden Designmängeln. Einer davon betrifft den verwendeten SLI-Brückenchip, welcher seinerzeit von Intel kam. Der Baustein ist nötig, um die vier GPUs zu einer Einheit zu verschmelzen. Ärgerlicherweise war das genutzte Exemplar alles andere als perfekt, weshalb die Karten ironischerweise nicht in Intel-Hauptplatinen liefen. Auch das 4-Wege-SLI kämpfte noch mit Unregelmäßigkeiten, von Instabilitäten bei mehr als 143 MHz GPU-Takt nicht zu sprechen. Prominenteste Karte dieser Revision: die V5 6000 Intel 1500-A1:
Quelle: www.thedodgegarage.com/3dfx
Voodoo5 6000 Revision 1: A1-1500
V5 6000: Revision 2 (2600-2700): HiNT-Brückenchip
Die zweite Revision der Voodoo5 6000 machte schon eine deutlich bessere Figur. Den gröbsten Kompatibilitätsproblemen ging 3dfx durch die Nutzung eines SLI-Brückenchips der HiNT-Corporation aus dem Weg. Dennoch harmonierten auch diese Exemplare mit Mainboards des Herstellers Via am besten. Weitere Merkmale der zweiten Revision sind die (optionale) interne Stromversorgung, der 5,5-ns-Speicher und ein Werkstakt von 183 Megahertz. Diese Geschwindigkeit wurde für die Retail-Karten auserkoren, was für die damals beachtliche Bandbreite von 11,7 GB/s und 1,46 Gigapixel/s Füllrate gesorgt hätte. Doch fehlerfrei waren diese Prototypen noch lange nicht: Die Abstürze bei aktivem FSAA und Mainboard-Probleme sollten 3dfx noch lange Kopfschmerzen bereiten.
Quelle: www.thedodgegarage.com/3dfx
Voodoo5 6000 Revision 2: A2-2600
V5 6000: Revision 3 (3400-3500); Kalenderwoche 34 & 35 des Jahres 2000
Der nächsten Revision spendierte man viel Bugfixing und einen neuen Stromanschluss für das "Voodoo Volts"-Netzteil. Diese externe Stromversorgung wurde damals für nötig befunden, da der durchschnittliche Spieler-PC anno 2000 nicht über ein 300-Watt-Netzteil verfügte. Das intern angelötete "Power Hookup" zum Anschluss an das Netzteil findet sich aber auch hier. Je nach Revision beläuft sich die Taktung auf 166 bis 183 MHz, der Speicher variiert zwischen 5,4 und 6 Nanosekunden. Die Inkonsistenz spricht klar dafür, dass 3dfx experimentierte.
Quelle: sirta87
Voodoo5 6000 Revision 3: A3-3400
V5 6000: Revision 4 (3600-3700); Kalenderwoche 36 & 37 des Jahres 2000
Prototypen der sogenannten "Final Revision" gelten als die fortschrittlichsten Voodoo5-6000-Karten, denn die meisten Inkompatibilitäten und Stabilitätsprobleme konnten hier beseitigt werden. Ausnahmslos alle Exemplare dieser Revision arbeiten mit 166 MHz und 6-Nanosekunden-Speicher. Sicher fragen Sie sich jetzt, warum die 3dfx-Ingenieure im Laufe der Entwicklung den Takt reduzierten. Dies ist nicht etwa schlechten Yields bei der Fertigung der VSA-100-Prozessoren, sondern den hartnäckigen Instabilitäten geschuldet. Alle V5-6000-Prototypen stürzten bei hoher Füllratenlast (hohen Auflösungen, 32 Bit Farbtiefe und vor allem 4x und 8x SGSSAA) ab. Man nahm an, dass die Schuld bei den GPUs lag und taktete sie herunter – vergeblich.
Quelle: PC Games Hardware
Voodoo5 6000 Revision 4: A-3700 (im Bild: die Karte von PCGH-Redakteur Raffael Vötter).
V5 6000: Revision 5 (3900), Kalenderwoche 39 des Jahres 2000
Am 25. Oktober 2000, exakt 45 Tage vor dem Aus des 3D-Pioniers, liefen einige Exemplare der fünften Revision vom Band. Über diesen Karten liegt ein Schleier des Schweigens, Sinn und Zweck unterliegen Spekulationen. Man munkelt, die 3900-er seien der metaphorische "Holzhammer", der verzweifelte Versuch, mit aller Kraft zum Ziel zu kommen. Dieses lautete Stabilität. Zu diesem Zweck stattete man die letzte Revision mit einem 12-Layer-PCB aus, welches das Signalrauschen und damit auch die Instabilität beseitigen sollte. Die Geschichte lehrt, dass auch diese Maßnahme fehlschlug. Drei Wochen später, am 13. November 2000, verkauft 3dfx alle 4-Way-SLI-Patente an die Tochterfirma Quantum 3D; am 15. Dezember findet die Übernahme durch Nvidia statt. Die Voodoo5 6000 wurde vor dem Abgang 3dfx' nicht vollendet.
Quelle: www.thedodgegarage.com/3dfx
Voodoo5 6000 A-3900 (Revision 5). Mit im Bild: die neueste Version des Voodoo Volts

Gab es damals eigentlich mit Multi-GPU-Systemen ebenfalls Mikrorukler?