VSA-100, Kauf von Gigapixel und Rekordverluste/Pleite
3dfx Interactive gilt als Musterbeispiel für den schnellen Aufstieg und Fall eines Unternehmens in der PC-Industrie. PC Games Hardware skizziert die faszinierende sechsjährige Geschichte des einstigen 3D-Grafik-Pioniers.
Quelle: PC Games Hardware
3dfx - Voodoo5 5500
VSA-100
Mit dem VSA-100 stellte 3dfx im Herbst 1999 erstmals seit 1996 einen stark verbesserten 3D-Kern vor, der mit Stencil Buffering, 32-Bit-Rendering, großen Texturformaten und Texturkompression viele der vermissten Rendering-Fähigkeiten integrierte. Im Doppelchipbetrieb (zwei Chips berechnen abwechslungsweise mehrere Zeilen umfassende Bildsegmente) sollten Voodoo5-Karten die Leistungskrone sichern und mit hochwertigem Anti-Aliasing und Filmeffekten wie Tiefenunschärfe neue Qualitätsmaßstäbe setzen. Letzteres gelingt 3dfx dann auch, allerdings erst mit achtmonatiger Verspätung nach langwierigen manuellen Korrekturen des Chipdesigns. Die zusätzlich eingebauten Fähigkeiten erhöhten die Komplexität des Chipdesigns, was zu Verzögerungen führte: "Das Design war so komplex, dass einige unsere Emulationstools versagten", charakterisiert ein 3dfx-Mitarbeiter das Entwicklungsproblem. Infolge der Verspätung fiel es 3dfx schwer, mit den Leistungen der stets pünktlich erscheinenden Nvidia-Chips mitzuhalten.
3dfx - Als Nvidia den geplanten Riva-TNT-Chip mit „Bump Mapping“ bewirbt, zieht 3dfx nach und demonstriert das Multitexturing-Feature auf dem bereits 6 Monate alten Voodoo2-Chip.
Quelle: PC Games Hardware
3dfx - Cover-Artwork Voodoo 4 4500
Quelle: PC Games Hardware
3dfx - Cover-Artwork Voodoo 5 5500
Kauf von Gigapixel
3dfx, bereits finanziell angeschlagen, gelang es im Frühjahr 2000, sich den bei der Xbox-Ausschreibung leer ausgegangenen 3D-Chipentwickler "Gigapixel" mit einem 190 Millionen Dollar schweren Aktientausch einzuverleiben. Damit wurde die ausgedünnte Entwicklungsabteilung um 40 hochkarätige Ingenieure aufgestockt. Ambitionierte Pläne für die Zukunft (Multichip mit Tile Based Defered Rendering) ließen manche Spielerherzen bereits höher schlagen.
3dfx - „Die Firma lief eine Zeit lang sehr gut, wir konnten für einige Quartale Profite ausweisen, was mehr ist, als manches Dot-com von sich behaupten kann.“ Gary Tarolli nach der Pleite
Rekordverluste und Pleite
Derweil wurden die Quartalszahlen von 3dfx immer roter. 12 Millionen Verlust im ersten Quartal, 100 Millionen im zweiten Quartal, 180 Millionen im dritten Quartal: Die liquiden Mittel von 3dfx und Gigapixel waren im Nu erschöpft. Angesichts der miesen Bilanz war kein Geldgeber zu finden, der das Unternehmen sanieren wollte. Das Management von 3dfx sah keine bessere Lösung, als sämtliche Markenrechte, Chips und Patente zum Schnäppchenpreis von 112 Millionen US-Dollar an den Erzrivalen Nvidia zu verkaufen und die Liquidation der Firma einzuleiten. "Es gab einfach keine andere Wahl", gab Gary Tarolli zu Protokoll.
Bildergalerie
In diesem Artikel
- Seite 1 Einleitung, Eine neue Ära beginnt und Kompromisslose Technik
- Seite 2 Preissturz, Grundsteinlegung und der Sega-Fehlschlag
- Seite 3 Voodoo2 bringt SLI, Voodoo Banshee und Voodoo3
- Seite 4 VSA-100, Kauf von Gigapixel und Rekordverluste/Pleite
- Seite 5 Rampage vor der Vollendung, Meilensteine und denkwürdige Zitate
- Seite 6 Bildergalerie
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