Grafikkarten-Rückblick 2019: Ein Übergangsjahr voll effizienten Stillstands

Das Jahr 2019 neigt sich seinem Ende zu. Ein guter Zeitpunkt, um die vergangenen zwölf Monate Revue passieren zu lassen - Vorhang auf für den PCGH-Grafikkarten-Rückblick 2019! Vorsicht: Der folgende Text kann Spuren von Humor, Zynismus und Verzweiflung enthalten.

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Grafikkarten-Rückblick 2019: Ein Übergangsjahr voll effizienten Stillstands
Quelle: PC Games Hardware

Neben der Leserwahl, bei der wir zusammen mit Ihnen die Produkte und Firmen des Jahres küren, haben auch die Jahresrückblicke Tradition bei der PC Games Hardware. Wie Sie der Überschrift entnommen haben, dreht sich an dieser Stelle alles um Grafikkarten. Da wir zum Zeitpunkt des Artikelschreibens in Feiertagslaune sind und das neue Jahr 2020 erwartet haben, herrscht an dieser Stelle ein lockerer, teils gar zynischer Ton. Nehmen Sie's mit Humor, denn so ist's gemeint - wobei man sagt, dass jede Kritik ein Fünkchen Wahrheit enthält ...

Das Jahr 2019 in der Zusammenfassung

Blickt man als "alter Hase" - so nennen sich gewöhnlich nur Menschen jenseits der 30 - auf das Jahr 2019 zurück, kann man sich ein Gähnen nicht verkneifen. Schaut man ganz genau hin, erschreckt man sogar - oder können Sie sich an irgendein Vorjahr erinnern, in dem die Grafikleistung vollständig stagnierte? 2019 ist genau das passiert und steht damit im harten Kontrast zu den Prozessoren, bei denen eine kernige Superlative die nächste jagte (CPU-Rückblick 2019). Doch selbst das, wissen die ergrauten Klopfer zu berichten, ist im Vergleich zur Jahrtausendwende eher ein laues Lüftchen denn ein ausgewachsener Sturm. Die Produktzyklen sind gegenüber damals wesentlich länger geworden, das Feld der Hersteller wurde dramatisch ausgedünnt und fühlbare Leistungssteigerungen schlagen heftig ins finanzielle Kontor.

Die Physik gewinnt am Ende immer. So kommt es, dass Ingenieure und Wissenschaftler härter denn je nach Mitteln forschen, um sie zumindest zeitweise abzuschütteln. Als wäre das nicht problematisch genug, müssen dabei auch noch die Finanzen, der Zeitplan und die Mitbewerber im Auge behalten werden. Wer jahrelang im stillen Kämmerlein forscht und dann wieder ins Licht tritt, wird feststellen, dass sich die Erde weitergedreht hat. Wer beim Tüfteln hingegen festgestellt hat, dass sich viele Probleme durch den Einsatz seltener Erden, reichlich Gold sowie Diamantkühlung umschiffen lassen, wird an den Fertigungskosten scheitern. Mit diesen extremen Beispielen lässt sich 2019 bildhaft erklären, wenngleich die Realität etwas ... realistischer ablief. Die Grafikspezialisten aus Santa Clara (Nvidia) und Markham (AMD) sind gezwungen, bei ihrem Tun einer machbaren Roadmap zu folgen. Und diese sah 2019, von außen betrachtet, als Übergangsjahr.

Verstehen Sie uns bitte nicht falsch, 2019 war nicht langweilig - es war sogar sterbenslangweilig. Zumindest für PC-Enthusiasten, denen Grafikkarten niemals schnell genug sein können. Und von denen gibt es in der PCGH-Community einige, wie die regelmäßigen UmfragenWas macht der Enthusiast, wenn er in den giftgrünen Apfel gebissen und eine vierstellige Eurosumme investiert hat?belegen. Doch was macht der Enthusiast von heute, wenn er bereits in den giftgrünen Apfel gebissen und eine vierstellige Eurosumme investiert hat? Warten. Auf AMDs Radeon Technologies Group, welche 2019 zwar aus dem Tiefschlaf erwacht ist und mit RDNA eine äußerst vielversprechende Architektur veröffentlicht hat. Bedauerlicherweise sah die AMD-Roadmap 2019 nur Einsteiger- und Mittelklasse-GPUs vor, Enthusiasten wurden nicht bedient - das heißt... doch; allerdings erfüllte die im Februar veröffentlichte Radeon VII nicht die hohen an sie geknüpften Erwartungen. Und all das, obwohl AMD bereits auf die erste Iteration der 7-Nanometer-Fertigung setzt und somit aus dem Vollen schöpfen könnte.

Nvidia verweilte 2019 unterdessen mit einer 16-nm-Fertigung, welche aufgrund einiger Optimierungen "12FFN" genannt wird. Auf Basis dieses risikofreien, aber vergleichsweise antiken Prozesses füllten die Kalifornier ihr Portfolio im Laufe des Jahres auf. Egal ob Geforce RTX 2060, RTX 2080 Super oder GTX 1660 Ti: Nicht ein Modell verschob die abrufbare Leistung nennenswert. Die Ende 2018 (!) veröffentlichten Topmodelle Geforce RTX 2080 Ti und Titan RTX blieben das Höchste der Gefühle (und Preise), ein Nachfolger ist selbst Ende Dezember 2019 nicht spruchreif. Stattdessen kredenzten uns beide Chip-Schmieden wieder und wieder Grafikkarten, welche das Leistungsniveau der Vorjahre bei etwas geringerer Leistungsaufnahme erreichen. Dafür applaudiert nicht einmal die weltbekannte Klima-Aktivistin Greta Thunberg, denn der Neukauf einer aufwendig produzierten Grafikkarte rettet den Planeten gewiss nicht. Undervolting bereits vorhandenen Altsiliziums schon eher. Oder, noch besser: Verzicht. Der würde außerdem Wunder auf die anhaltend hohen Preise wirken.

Nun sind alle Augen auf das kommende Jahr gerichtet, in dem Nvidia seine neuen Geschütze mit dem Architekturnamen "Ampere" auspacken wird. Natürlich auf Basis fortgeschrittener 7-nm-Fertigung. Puff, weg ist er, AMDs derzeitiger Fertigungsvorteil, und damit die Chance, weit vor Nvidia einen neuen High-End-Grafikchip zu veröffentlichen, um Enthusiasten zu beglücken. Man gewinnt den Eindruck, dass AMD kein Herz für PCGH-Leser (und so manchen -Schreiber) hat. Wie der spannende GPU-Schlagabtausch 2020 ausgegangen sein wird, erfahren Sie in circa 365 Tagen an dieser Stelle.

In der Bildergalerie lassen wir das Jahr nochmal chronologisch und kommentiert Revue passieren, selbstverständlich mit weiterführenden Links zu allen Ereignissen. Welche Grafikkarte fanden Sie im Jahr 2019 am spannendsten, welche am kuriosesten - und welche haben Sie (nicht) gekauft? Haben Sie einen Aha-Effekt erlebt oder dümpelte das Jahr bloß vor sich hin? Diskutieren Sie im Kommentarbereich mit!

Bildergalerie

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    • Kommentare (36)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von BlackyRay Freizeitschrauber(in)
        AW: Grafikkarten-Rückblick 2019: Ein Übergangsjahr voll effizienten Stillstands

        Ich weiß nicht was dich an einer vega64 für gerade.mal 200€ stört.

        Tolle Grafikleistung ausreichend für wqhd max Grafik oder fullhd144 FPS
      • Von BlackyRay Freizeitschrauber(in)
        AW: Grafikkarten-Rückblick 2019: Ein Übergangsjahr voll effizienten Stillstands

        Ich weiß nicht was dich an einer vega64 für gerade.mal 200€ stört.

        Tolle Grafikleistung ausreichend für wqhd max Grafik oder fullhd144 FPS
      • Von BlackyRay Freizeitschrauber(in)
        AW: Grafikkarten-Rückblick 2019: Ein Übergangsjahr voll effizienten Stillstands

        Und nochmal deine Hardware verschlechtert sich ja in keinster Weise....
        Irgendwann musst du sowieso erneuern und wenn du zu dem Zeitpunkt statt 2 Kernen 8 Kerne bekommst mit Hyperthreating eine Grafikkarte mit 10% der Leistung deiner jetzigen Generation ist das doch gut.

        Mein i5-2400 war damals schon keine Rennsemmel und hat trotzdem 7 Jahre problemlos seinen Job getan.... Aber ich bin froh nach 1 Jahr ohne PC wegen eines Defekts von 4c4t auf 8c16t aufgestiegen zu sein statt mit immer auf der Stelle zu bewegen...
      • Von cryon1c Lötkolbengott/-göttin
        AW: Grafikkarten-Rückblick 2019: Ein Übergangsjahr voll effizienten Stillstands

        Zitat von ChrisMK72
        Naja ... das war ne Mischung aus mehreren Themen, damals, warum ich keine 2080, oder besser gekauft hab.
        Zum einen war zuvor schon die "Mining-Krise", welche die Preise eh schon ordentlich durcheinander gewirbelt hatte, zum anderen kam dann Turing, wo man mit RT-Werbung bombardiert wurde und man konnte schlecht abschätzen, wie schnell man großflächig von RT profitieren würde. Dazu kam, dass der Leistungsprung glaube ich vielen zumindest ein Tick zu wenig war, gerade im Hinblick auf die Preise und viel Hardwareeinsatz für fraglich nutzbares Raytracing. Dafür wollten viele halt nicht so viel Geld ausgeben und lieber abwarten, wie sich die allgemeine Lage entwickelt.

        Was Nvidia nun über die kommende Gen aussagt, kann man getrost als Marketing abhaken, auch Thema "massiv gestiegene RT-Leistung" und doch lieber ausführliche, Tests abwarten und auch bis die nächsten Karten richtig im Markt sind, in wie weit sich da was getan hat, bei RT und Leistung allgemein.
        Aber bis dahin fließt noch so einiges Wasser den Rhein runter. Bisher gibt es auch noch nicht den großen Raytracing-Zug, wo alle Spiele aufgesprungen sind und man kann entspannt, mit immer noch ordentlich Leistung abwarten, wohin die Reise geht.
        Naja da die Sprünge im Highend-Bereich so schmal ausfallen und die Preise steigen, lohnt es sich aktuell eine Generation zu überspringen, auch wenn man 4K nutzt usw.
        Deswegen warte ich eigentlich auf die nächste Generation.
        Raytracing ist meh (viele Spiele die man zockt werden das nie bekommen, schon gar nicht während dieser GPU-Generation), aber das neue NVENC ist schon praktisch. Klar das erreicht nicht die Qualität von CPU-encoding, aber es ist sehr sehr nah dran und es ist halt "4free" dabei bei der RTX Das ist aber auch das einzige wirkliche Argument.
        Die 2080 und 2080 Super sind uninteressant, die 2080Ti Super gibt's nicht.
      • Von ChrisMK72 Lötkolbengott/-göttin
        AW: Grafikkarten-Rückblick 2019: Ein Übergangsjahr voll effizienten Stillstands

        Zitat von Dragon AMD
        Ich konnte ein günstiges Angebot auf dem gebraucht Markt machen für eine RTX2080 und hab nur 150€ drauf gezahlt auf meine alte Grafikkarte.
        Das kann man natürlich immer machen, wenn sich was anbietet.
        Bin von meinem "Gebrauchtkauf" bisher auch nicht enttäuscht worden.
        Is natürlich auch immer ein wenig Glückssache.
      • Von Dragon AMD Volt-Modder(in)
        AW: Grafikkarten-Rückblick 2019: Ein Übergangsjahr voll effizienten Stillstands

        Ich konnte ein günstiges Angebot auf dem gebraucht Markt machen für eine RTX2080 und hab nur 150€ drauf gezahlt auf meine alte Grafikkarte.

        Habe aber auch etwas gewartet auf die Leistung der Rtx usw.

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