Grafikkarten-Dauertest Teil 2: Radeon R9 290X und GTX 1060 im Leistungsvergleich
Im Grafikkarten-Dauertest, der in PCGH 11/2016 lief, haben sich vier Redakteure vier Grafikkarten aus der neuen Generation von AMD und Nvidia ausgesucht und diese über mehrere Wochen hinweg Dienst in ihren Privatsystemen verrichten lassen. Im zweiten Teil berichtet Spieleonkel Frank Stöwer darüber, wie er seine stromhungrige Asus Radeon R9 290X Matrix Platinum gegen die Asus ROG Strix GTX1060 6G Gaming ausgetauscht hat.
Benchmark-Parcours können zwar die Leistung von Produkten sehr genau abbilden, jedoch beziehen sich diese Angaben nur auf eine standardisierte Hardware-Umgebung. In der Praxis - und das ist ja auch ein Vorteil der PC-Plattform - unterscheiden sich die eingesetzten Konfigurationen erheblich. Ein Grund mehr für das Dauertest-Format, das wir nun auch auf der Webseite ausspielen.
Spieleonkel Frank Stöwer benutzt privat einen kleinen, auf dem In Win 904 basierenden Midi-Tower, der von einer Radeon R9 290X angetrieben wurde. Für dieses Special ersetzt er sie durch eine Geforce GTX 1060, von der er sich durch die niedrigere TDP eine einfachere Kühlbarkeit und damit vor allem einen leiseren Betrieb verspricht.
Seit ungefähr zwei Jahren bin ich ein Fan des virtuellen Rennsports und habe mir zu diesem Zweck im Schlaf-Arbeitszimmer neben meine Fanatec-Peripherie (Clubsport Wheelbase V2 und Pedals V3) einen Rennspielrechner gestellt. Um an meinem UHD-Monitor nicht die Auflösung herunterskalieren zu müssen, schaffte ich mir damals mit der Asus Radeon R9 290X ROG Matrix Platinum eine potente Grafikkarte an. Die deutlich übertaktete R9 290X von Asus garantierte im Zusammenspiel mit dem FX-8350 und 16 GiByte RAM bei Assetto Corsa Zeitrennen auf der Nordschleife mit einer Auflösung von 3.840 × 2.160 Pixeln bei durchschnittlich 80 Fps in reduzierten Details (Custom Details). Bis zum Anfang dieses Sommers war ich mit dieser Hardware-Kombi voll zufrieden. Bei der sommerlichen Hitze jedoch kam es verstärkt zu Grafikfehlern, zum spürbaren Heruntertakten der GPU oder gar zu Abstürzen, weil der hochgezüchtete Chip der Asus-Variante auf der R9 290X einfach zu warm wurde. Hier musste ein deutlich weniger hitzköpfiger 3D-Beschleuniger her.
Geforce GTX 1060 oder Radeon RX 480?
Quelle: In Win
Mit seinen Rahmen aus Aluminium sowie den aus gehärtetem Glas bestehenden Seitenteilen ist das In Win 904 ein Hingucker. Da das Gehäuse nur über einen 140-mm-Front- und 92-mm-Hecklüfter verfügt, wird es im Inneren schnell heiß.
Die Tatsache, dass AMD mit der Radeon RX 480 und Nvidia mit der Geforce GTX 1060 vor Kurzem ihre neue Mittelklasse auf den Markt brachten, kam mir natürlich gelegen. Gerade die für rund 300 Euro erhältlichen Herstellerdesigns der RX 480 und GTX 1060 versprachen eine für Assetto Corsa in UHD völlig ausreichende Leistung, kombiniert mit einer guten, aber auch leisen Kühlung. Bei der Asus Radeon R9 290X ROG Matrix Platinum schafften es die Lüfter nämlich kaum, den Chip so zu kühlen, dass er seinen Takt nicht senkte, und die Betriebslautstärke der Propeller war mit 4,9/5,6 Sone (frontal/45-Grad-Winkel) auch viel zu hoch. Nach reichlicher Überlegung, was die Vor- und Nachteile von GTX 1060 und RX 480 anging - zukunftssicher sind beide dank 6 GiByte (GTX 1060) respektive 8 GiByte (RX 480) Grafikspeicher -, entschied ich mich für die Asus GTX 1060 Strix OC, die in der Marktübersicht der Ausgabe 10/2016 vom Kollegen Vötter mit einem Top-Produkt-Award sowie einer Note von 2,28 prämiert wurde. Wie Sie im Folgenden lesen können, war diese Entscheidung genau richtig.
Geforce GTX 1060: Ein kühler Kamerad
Quelle: PC Games Hardware
Die RGB-Beleuchtung der Asus GTX 1060 wird in der Aurora-Software festgelegt. Im Falle des gläsernen In Win 904 ist beispielsweise die Anzeige der GPU-Temperatur sinvoll.
Bevor es an den Einbau der Asus GTX 1060 Strix OC in den Rennspiel-PC ging, wurden noch ein letztes Mal die Temperaturen, die Lautheit und auch der Stromverbrauch des Systems mit der Asus Radeon R9 290X ROG Matrix Platinum ermittelt. Wie Sie in der Tabelle unten rechts sehen können, ist die Rechenzentrale der R9 290X bereits im 2D-Betrieb mit 43 °C recht warm. Nachdem ich mithilfe eines Assetto-Corsa-UHD-Replays und alternativ mit dem PCGH-Witcher-3-Benchmark "Skellige Forest" für ausreichend Renderlast gesorgt hatte, schnellte die GPU-Temperatur auf 94 °C hoch. Dabei zeigten die GPU-Z-Aufzeichnungen, dass die R9 290X schon nach zwei Minuten des insgesamt 8 Minuten und 48 Sekunden langen Assetto-Replays anfing, den GPU-Takt von anfänglich manuell eingestellten 960 MHz auf bis zu 880 MHz zu verringern, weil die Maximaltemperatur erreicht war. Erschwerend kommt hinzu, dass das In-Win-904-Gehäuse nur über einen 140-mm-Lüfter zum Einsaugen von Frischluft und einen 92-mm-Propeller im Heck verfügt, der die aufgeheizte Luft wieder aus dem Gehäuse befördert. Diese schwache Kühlkonstruktion trägt auf jeden Fall noch dazu bei, dass es zu Hitzeproblemen kommt.
Nach dem Einbau der Asus GTX 1060 Strix OC sind genau diese Temperaturprobleme komplett verschwunden. Im 2D-Betrieb wird der Chip der Karte trotz der Tatsache, dass die Lüfter nicht drehen, gerade einmal 34 °C warm. Unter Last bescheinigt die GPU-Z-Langzeitmessung eine Maximaltemperatur von 62 °C ohne Senkung des GPU-Takts von 2.012 MHz. In puncto Temperatur war das Aufrüsten schon einmal ein voller Erfolg.
Geräuschkulisse halbiert
Die zweite Überraschung und Bestätigung, mit der Wahl der Geforce GTX 1060 alles richtig gemacht zu haben, lieferten die Lautheitsmesswerte. Bereits im 2D-Betrieb ist die GXT 1060 mit 1,6/1,7 Sone deutlich leiser als die hochgezüchtete Radeon R9 290X von Asus (Messwerte siehe Tabelle unten). Unter Spielelast dringen dann nur noch 2,5 Sone aus dem Gehäuse. War die R9 290X mit einer Lautheit von 4,9/5,6 Sone noch der Krachmacher im In Win 904, so hat sich das mit der GTX 1060 grundlegend geändert. Der temperaturgesteuerte Lüfter des CPU-Kühlers und der 92-mm-Heckpropeller drehen aufgrund der geringeren Hitzeentwicklung auch nicht mehr so hoch und tragen so zu der angenehmen Arbeitslautstärke der Asus GTX 1060 Strix OC bei.
Investiert und Strom gespart
Doch nicht nur die niedrigen Temperaturen im Gehäuse sowie die hörbar gesenkte Geräuschkulisse haben mich überzeugt. Ein weiterer Vorteil, mit dem ich mich vor dem Kartenwechsel kaum beschäftigt hatte, war der Stromverbrauch des Systems, an dem die Grafikkarte einen großen Anteil hat, gerade wenn sie wie im Fall der R9 290X von Asus sehr warm wird. Wie in der Tabelle mit den Messwerten zu sehen ist, reduzierte sich die Leistungsaufnahme durch das Aufrüsten auf die GTX 1060 von 472 auf 318 Watt. Diese Stromersparnis von rund 150 Watt bedeutet bares Geld, wie folgende Beispielrechnung belegt: Bei zwei Stunden Spielzeit an 365 Tagen sowie einem Durchschnittsstrompreis von 27,49 Cent inkl. Steuern pro Kilowattstunde beträgt die Einsparung bei 150 Watt 30,10 Euro jährlich. Beim Wechsel von einer älteren auf eine neue, stromsparende Chiparchitektur (Hawaii auf GP106-400-A1) bekommt man so einen Teil der Investition für das Aufrüsten zurück und ist sogar energiebewusst.
| Asus Radeon R9 290X ROG Matrix Platinum | Asus ROG Strix GTX 1060 O6G GAMING | |
|---|---|---|
| Temperatur | 43° C Dektop/94° C 3D-Last | 34° C Dektop/62° C 3D-Last |
| Stromverbrauch | 152 Watt Desktop/472 Watt 3D-Last | 121 Watt Desktop/318 Watt 3D-Last |
| Lautheit (frontal und 45-Grad-Winkel) | 2,3/2,4 Sone (Desktop) und 4,9/5,6 Sone (3D-Last) | 1,6/1,7 Sone (Desktop) und 2,5/2,5 Sone (3D-Last) |
| *Testsystem: FX-8350, 16 GiByte DDR3-1600 RAM, GF372.70 WHQL/Radeon Software 16.9.1 |
Flüssiger und schneller Spielen
Quelle: PC Games Hardware
Bei Verzicht auf grafische Schmankerl läuft The Witcher 3 auch in UHD noch mit rund 30 Fps. Im Vergleichstest fällt die Entscheidung jedoch für 1.440p mit allen Details.
Mein erster Gedanke beim Wechsel von der Radeon R9 290X auf die Geforce GTX 1060 galt natürlich der Spiele-Performance und auch hier hat mich die Asus GTX 1060 Strix OC nicht enttäuscht. Bei The Witcher 3 liegt der Leistungsgewinn, wie im Benchmark unten zu sehen ist, zwar nur bei 9 Prozent. Beim Abspielen des Assetto-Corsa-Replays dagegen erhöhte sich nicht nur die durchschnittliche Framerate um 31 Prozent von 85 Fps auf 111 Fps, auch das Phänomen des Mikroruckelns, welches mich bei Rennrunden mit der R9 290X veranlasste, die Framerate für eine vollkommen verzögerungsfreie Performance auf 60 Fps zu limitieren, war verschwunden. Alternativ zur offenen Fps-Rate ermöglicht die GTX 1060 es auch, den Detailgrad bei fixierten 60 Fps sichtbar zu erhöhen.
Assetto Corsa in 3.840 x 2.160: Mehr Frames und Bildruhe in der Rennsimulation
Quelle: PC Games Hardware
Assetto Corsa: Der Wechsel von der R9 290X auf die GTX 1060/6G bringt nicht nur mehr Fps sondern auch konstante Frametimes.
Bei der Rennsimulation zählt nicht nur eine hohe Fps-Rate. Auch konstant niedrige Frametimes sind für ein realistisches Fahrgefühl unverzichtbar. Wenn man wie ich bei Assetto Corsa die Rennboliden, beispielsweise den AMG Mercedes GT3 im Bild, ohne Fahrhilfen über die Piste pilotiert, sollte die Fps-Rate hoch und konstant ausfallen. Mikroruckler kann man dabei überhaupt nicht gebrauchen. Das stört nicht nur das Geschwindigkeitsgefühl, sondern wirkt sich bei hochwertiger Peripherie auch auf deren Ansprechverhalten aus. Wie das Frametime-Diagramm zeigt, tritt Microstuttering mit der R9 290X häufig auf, obwohl die Fps-Rate über den ganzen Zeitraum des 520 Sekunden langen Replays nie unter 65 Fps fällt. Kommt dagegen die neue GTX 1060 zum Einsatz, sieht die Sache ganz anders aus. Es gibt so gut wie keine Mikroruckler und der niedrigste Fps-Wert liegt bei über 90 Fps. Der Wechsel von der R9 290X zur GTX 1060 hat also nicht nur die Performance deutlich verbessert, sondern auch dem Microstuttering den Garaus gemacht.
Die Dauertest-Roadmap:
Teil 1: Asus GTX 1070 Strix OC versus GTX 980
Teil 2: Asus GTX 1060 Strix OC versus R9 290X (dieser Artikel)
Teil 3: Asus RX 470 Strix OC versus GTX 960
Teil 4: Asus RX 480 Strix OC versus GTX 980

B2T: Ist denn irgendwas hieran problematisch, abgesehen von der Überschrift? Was meinst du?
Und was bei 3DC teilweise abgeht (ich hab von Beleidigungen gegenüber Igor gelesen) da mag man manchmal sich an den Kopf fassen.
PS: Ein Komma hier und da lockert den Lesefluss auch ungemein auf.
Achja For the Emperor
@Raff:
Naja WoW ist nunmal kein Grafikbenchmark... Das Ding lief gefühlt auf meiner 7900GT besser als auf einer 4850.. Wo ist da die Logik? Sonst finde ich es schön dass deine Verlobte einen neuen leisen Pixelshubser hat ^^
Somit sollte man mit dem (vorzeitigen?) Grafikkarten-Wechsel langfristig günstiger fahren als mit einem Custom-Kühler (der auch etwas kostet) an den Symptomen/Problemen der Asus-Karte herumzudoktorn, um sie noch weitere ein bis zwei Jahre zu nutzen.