DLSS 5: Grafikdesigner versteht Kritik der Spieler nicht
Nvidia hat nach der Vorstellung von DLSS 5 einen Shitstorm über sich ergehen lassen müssen, doch es gibt auch ganz andere Stimmen. Wir haben uns mit einem freien Künstler, Grafikdesigner und Artdirektor unterhalten, der DLSS 5 feiert.
Das hatten sich das wertvollste Unternehmen der Welt und dessen CEO sicherlich ganz anders vorgestellt, denn nachdem Nvidia-CEO Jensen Huang im Rahmen der GTC 2026 bekanntgegeben hatte, dass das neue DLSS 5 mit Neural Rendering im Herbst dieses Jahres veröffentlicht werde, brach ein riesiger Shitstorm aus. Die bekannten Plattformen wie YouTube, Reddit und X sind "voll" von negativen Kommentaren, dennoch es gibt auch ganz anderslautende Meinungen.
Wir haben uns mit Frank Wise alias Wise76, einem Grafikdesigner, freien Künstler und Artdirektor, der über Jahre in der Textilindustrie tätig war, über DLSS 5 und die generative KI im Allgemeinen unterhalten. Um es direkt vorweg zu nehmen, der Designer feiert DLSS 5 und kann die Kritik der Spieler nicht nachvollziehen.
Die Vergleichsbilder mit DLSS 5 sehen in jeder Hinsicht besser und viel realistischer aus. Man kann vielleicht sagen, dass einem das schlechtere Originalbild vom Stil her besser gefällt, aber zu argumentieren, dass das Bild mit DLSS 5 schlechter oder sogar weniger realisitisch aussehen würde, ist absoluter Blödsinn. — Frank Wise, Grafikdesigner
Auf die Frage, ob der Künstler den Vorwurf vieler Spieler verstehen könne, dass man insbesondere bei den Gesichtern sofort sehen würde, dass es sich um das Werk generativer KI handelt, reagierte Frank Wise mit großem Unverständnis.
In beiden Fällen sieht man (Gott sei Dank), dass das Bild künstlich erstellt wurde. Die Vergleichsbilder mit DLSS 5 sehen aber einfach absolut in jeder Hinsicht deutlich realistischer aus. Sie haben deutlich mehr Tiefe in Form von Schattierungen und auch das Licht und die Schatten fallen dort einfach viel natürlicher aus. — Frank Wise, Grafikdesigner
Am Beispiel der Vergleichsbilder von Resident Evil Requiem sagte der Designer, dass auch die Farbreflexe in den Haaren und die dunklen Strähnen mittels Neural Rendering deutlich realitätsnäher generiert werden als beim Original. Auch an der Hand und dem Haar, welches im Original fast schon leuchtet, würde man sehen, wie übertrieben die Lichteffekte ohne DLSS 5 eingesetzt wurden. Er wirft die Frage auf: Warum ist die hintere Pfütze im Original so stark beleuchtet und spiegelt so stark?
Weil die Entwickler hier möglicherweise zeigen wollen, wie gut sie mit Lichtreflexen umgehen können. Für Kunst und Illustration ist das sicherlich ein berechtigtes Stilmittel, das Bild mit DLSS 5 kommt der Realität dennoch deutlich näher. — Frank Wise, Grafikdesigner
Er ergänzt, man sehe in beiden Fällen, dass es kein Foto sondern eine Spielgrafik ist, aber mit DLSS 5 sei man schon "näher dran" am Fotorealismus.
Besonders im Kontext der Wetterverhältnisse, die in dieser Szene herrschen, wirken sowohl der Charakter als auch die Details mit DLSS 5 und Neural Rendering "deutlich" realistischer. Weshalb das Haar auf beiden Bildern nicht nass wirkt, verwundert den Designer. Denn in der Szene scheint ja offensichtlich Starkregen zu herrschen.
Zwischen beiden Bildern liegen Welten. — Frank Wise, Grafikdesigner
Auch wenn man es anhand der Aufnahmen nicht mit Gewissheit sagen kann, sieht das Bild mit DLSS 5 so aus, als hätte die KI berücksichtigt, dass das T-Shirt im Bereich des Dekolletés nass sein muss, weil dem Charakter in dieser Szene wohl ganz offensichtlich der Regen den Hals hinablaufen würde.
Angesprochen auf die Vorwürfe vieler Spieler, dass die Charakter mit DLSS 5 so aussehen würden, als hätte Nvidia ihnen lediglich eine Instagram- oder Beauty-Filter übergestülpt, zeigte der Designer sein absolutes Unverständnis:
Völlig unverständlich! Das Original mit seinem weichgezeichneten Stil sieht viel mehr danach aus, als sei hier ein "Instagram-Filter" eingesetzt worden. Auch sind die Proportionen durch die KI nicht verändert, sondern lediglich mit Licht und Schatten lebendiger ausgearbeitet worden. Die Person ist erkennbar dieselbe. — Frank Wise, Grafikdesigner
Der Designer bezieht sich bei seiner Kritik insbesondere auf einen Direktvergleich der Protagonistin in Resident Evil Requiem.
Auch bei der analysierten Szene in Starfield fällt das Votum des Designers ganz klar pro DLSS 5 aus. Wie gut das Neural Rendering hier arbeiten würde, zeige sich dabei insbesondere an den Details im Gesicht, wie den Pigmentflecken, den Augen, den kleinen Strähnchen und an den Oberflächen und Texturen der Kleidung.
Wenn man etwas kritisieren möchte, dann dass mit DLSS 5 das Licht fast schon zu perfekt scheint. — Frank Wise, Grafikdesigner
Die Haare fallen deutlich realistischer und der im Original völlig übertriebene Schatten des Kopfes auf der Kleidung, welcher so aussehe, als als hätte jemand "in Photoshop" mit einem Korrekturpinsel gearbeitet, werde mit DLSS 5 perfekt korrigiert. Ansonsten seien hier ähnlich positive Aspekte hervorzuheben, wie in Resident Evil Requiem.
Besonders positiv fallen mir hier auch die aufgesetzten Details der Kleidung auf. Während die Streifen im Original wie ein Print aussehen, wirken sie mit DLSS 5 wie eine eingearbeitete Struktur und auch das Logo ist wirklich erhaben. — Frank Wise, Grafikdesigner
Mit DLSS 5 wirke der Anzug wirklich "als wäre er aus einer Hightech-Textilie gefertigt", wie man sie heutzutage beispielsweise für Sportkleidung einsetzt. Beim Hintergrund seien die Verbesserungen durch DLSS 5 aufgrund der sehr sterilen Umgebung der Raumstation deutlich subtiler und fielen nicht so sehr ins Gewicht.
Die KI geht allgemein mit Licht, Schatten, Tiefe und Details realitätsnäher um und das zeigt sich in allen Bildern. — Frank Wise, Grafikdesigner
Angesprochen darauf, was er glaube, warum die Spieler das mit DLSS 5 erzeugte Bild teilweise so sehr ablehnen, sagte der Grafikdesigner, dass Spieler das generierte Bild möglicherweise als "zu realistisch" empfinden. Gegebenenfalls liege es auch daran, dass unterbewusst abgelehnt werde, dass eine KI in kürzester Zeit bessere und realistischere Grafiken macht als der beste Grafikdesigner. Dies sei nur ein Erklärungsversuch auf eine sehr schwierige Frage, so Wise76.
Man muss sich nur allein mal den Fußballspieler ansehen, bei dem man fast schon denken könnte, dass es sich beim Charakter um ein Foto handelt.— Frank Wise, Grafikdesigner
Beim Original sieht es so aus, als hätte ein Designer unzählige Stunden am Trikot gearbeitet und beim Gesicht war dann technologisch nicht mehr möglich. Beim Bild mit DLSS 5 ist einfach alles besser: Licht, Schatten, Kontraste, Reflexe, einfach alles.
Dass die Gefahr besteht, dass generative KI den Designer ersetzen wird, glaubt Frank Wise nicht. "Nein! Auf absehbare Zeit auf keinen Fall!", so der Grafikdesigner. Eine KI werde auch weiterhin nur das Werkzeug z.B. für das Art-Deparment sein. Die KI sei nicht kreativ und könne aktuell auch noch nicht nicht kreativ sein. Sie greife das Erlerntes auf und kombiniert das Erlente gegebenenfalls neu, sie erfinde aber weiterhin nichts wirklich Neues. Die Kreativprozesse und die Kunst würden entsprechend auch weiterhin "aus den Köpfen" der Entwickler kommen.
Die Vision und die Kreativität bleiben sicher noch einige Zeit beim Menschen. — Frank Wise, Grafikdesigner
Mit einem Blick in die Zukunft sagt der Künstler, dass er sich auf die Möglichkeiten freut, die generative KI bei der Unterstützung von Kreativprozessen bietet. Den aktuellen Stand der Entwicklung finde er "absolut beeindruckend".
Wie schnell lassen sich damit Ideen umsetzen und visualisieren? Auch im Bereich der Architektur und beim Produktdesign möchte ich gerne sehen, was eine solche generative KI zu leisten imstande ist. Wie wirken die Räume? Wie sehen Textilien und Oberflächen damit aus?
Visuell ein gewaltiger Schritt in die Zukunft. — Frank Wise, Grafikdesigner
Auch abseits seiner eigenen Tätigkeitsbereiche ist er davon überzeugt, dass sich die Spieler darauf freuen können, wenn die besten Entwicklerstudios ihre Spiele mit einer solchen Technologie entwickeln. Das wird dann ein echter "Augenschmaus", sagte Frank Wise zum Abschluss unseres ausführlichen Gesprächs.
Und wer keinen Bock darauf hat, nicht motzen, einfach nicht benutzen! Das grenzt ja schon an Grafik-Mobbing! — Frank Wise, Grafikdesigner
Ein Teil der Diskussion um DLSS 5 könnte auf grundlegenden Missverständnissen beruhen. In diesem Zusammenhang verweist er auf Mechanismen, wie sie durch den Dunning-Kruger-Effekt beschrieben werden, also auf eine mögliche Überschätzung des eigenen Verständnisses bei gleichzeitig begrenzter Sachkenntnis. Diese Expertenmeinung vertritt auch der 3D-Artist Georgian Avasilcutei.
Weitere spannende Informationen zu DLSS 5 liefert die ausführliche offizielle FAQ im Support-Forum von Nvidia.
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Aber egal. Ich kann und werde es nicht nutzen. Spiele die darauf setzen, brauche ich mir also erst gar nicht zu kaufen, da sie wahrscheinlich aussehen wie aus dem vorletzten Jahrzehnt, wenn nicht der Nvidia-Filter drüber liegt. Sie können trotzdem gut sein, aber ich habe da so meine Zweifel. Kann mich natürlich täuschen.
wäre die bessere jobbeschreibung. DLSS5 wird dafür sorgen, dass man weniger grafikdesigner braucht