Coffee Lake-S: Benchmarks häufig durch Auto-OC beeinflusst
Die Benchmarkergebnisse bei Intels aktuellen Coffee-Lake-S-Modellen unterscheiden sich zwischen verschiedenen Reviews teils stark. Ein Grund hierfür sind die automatischen Übertaktungsfunktionen, die bei einigen Mainboards durch die verwendeten BIOS-Versionen standardmäßig aktiviert sind. Dadurch ergibt sich in Extremfällen ein Leistungszuwachs von mehr als 10 Prozent gegenüber den von Intel spezifizierten Taktraten.
Anfang Oktober wurden die ersten Testberichte zu der neuesten Generation der Intel -Core-Prozessoren veröffentlicht. Die Coffee-Lake-S-CPUs schlugen die Ryzen-Konkurrenz von AMD in den meisten Benchmarks, jedoch gab es einige enorme Unterschiede, je nach Quelle der Benchmarkergebnisse. Auch im PCGH-Test zu Coffee Lake wiesen wir bereits auf Ungereimtheiten hin. Unter anderem hat dann die französische Webseite Hardware.fr auf die automatischen Übertaktungsfunktionen der meisten Z370-Mainboards aufmerksam gemacht und sich darüber beklagt. Insbesondere bei Asus-Mainboards - auch schon bei den älteren Hardware-Generationen - wird oftmals durch das BIOS der Prozessor bei maximierten Turbo-Takt betrieben. Der von Intel für den Betrieb eines einzelnen Kerns vorgesehene Maximaltakt wird einfach an alle Kerne angelegt. Auch die Taktung des Level-3-Cache wird bei Mainboards des Herstellers automatisch von 3,7 GHz auf 4,4 GHz angehoben. Alleine durch Letzteres steigt laut Hardware.fr die Leistung in Anwendungen um knapp 4%, während bei Spielen fast 6% höhere Framerates möglich werden. PC Games Hardware hat die aktuellen Coffee-Lake-Prozessoren mit deaktiviertem Auto-OC getestet.
Allerdings ist es nicht nur der Mainboard-Hersteller Asus, der automatisch eine höhere Taktung gestattet. Im Test der Webseite Lab501 arbeitete ein Intel-Prozessor auch bei Verwendung eines Gigabyte-Mainboards außerhalb der eigentlichen Spezifikationen und legte den höchsten Boost-Takt an allen Kernen an. Bei demselben Mainboard war bei Hardware.fr die automatische Übertaktungsfunktionalität aber standardmäßig deaktiviert - dementsprechend lässt sich mutmaßen, dass es eine unterschiedliche (Beta-)Version des BIOS ist, welche für das geänderte Taktverhalten verantwortlich ist. ComputerBase berichtet, dass bei dem dort getesteten Gigabyte Aorus Z370 Ultra Gaming standardmäßig die Option "Enhanced Multi-Core Performance" aktiviert war, wodurch die Taktrate beim All-Core-Turbo um 400 MHz stieg. Für den Test wurde diese Option deaktiviert, ebenso stellt die später von Gigabyte veröffentlichte BIOS-Revision F5c den Schalter automatisch auf aus. Bei Tom's Hardware wurde ein MSI -Mainboard verwendet, welches bei einigen Benchmarks zu kuriosen Ergebnissen führte, wie der Tester auch entsprechend anmerkte. So erreichte der Core i7-8700K zum Teil die 2,5-fache Leistung eines Core-i7-7700K-Prozessors. In anderen Benchmarks hingegen entsprach die Leistung des getesteten Core i7-8700K den Erwartungen. Wahrscheinlich ist ein fehlerhaftes BIOS Schuld, eine Klärung der Ergebnisse mit Intel und MSI war bisher nicht möglich.
Für den Kunden ist die Tatsache ein Problem, dass die meisten Tester nicht explizit auf die Thematik eingehen oder in einigen Fällen anscheinend nicht einmal davon wussten. Einige Webseiten stellen auch explizit nichts im BIOS um, weil sie damit die Situation des Durchschnittskunden besser widerspiegeln wollen. Im Endeffekt wird - je nach Mainboard-Modell und BIOS-Optionen - dadurch möglicherweise die genaue Leistung der Coffee-Lake-S -Prozessoren verschleiert und der Kunde kann sich schlechter über vorhandene Produkte informieren.
Die geschätzten Kollegen von 3D Center haben eine Übersicht von zwanzig Reviews zusammengestellt, wobei die Ergebnisse auf mögliche Beeinflussung durch automatische Übertaktung untersucht wurden. Zwei der Reviews werden als "klar verdächtig" eingestuft, drei weitere als "verdächtigt" und bei einem Review ist man sich noch unsicher. Betrachtet werden aber nur Testberichte mit vielen, umfangreichen Benchmarks, wodurch der Leistungszuwachs nicht so stark ins Gewicht fällt. Werden weniger Benchmarks, die aber gut mit Takt skalieren, getestet, dann ist der Leistungszuwachs durch automatisches Overclocking umso größer. In den drei Extremfällen ist ein Core i7-8700K etwa 15,3 Prozent schneller als ein Ryzen 7 1800X, in den anderen siebzehn Testberichten liegt der Leistungsvorteil des Coffee-Lake-S-Prozessors nur bei 4,6 Prozent. Dies sind gemittelte Werte, bisher fehlen noch genauere Benchmarks darüber, wie viel Leistung durch das unterschiedliche Taktverhalten der verschiedenen Mainboards dazugewonnen wird.
Quelle: 3D Center, ComputerBase.de, Hardware.fr

Ich muss mich einfach mal bedanken, bei der PCGAMES Hardware.
Vorrallem aber der PCGH-Thorsten ist eine echte Bereicherung für die Community.
Seine Beiträge sind immer ausführlich, hilfreich und vorallem verständlich. TOP!
Vielen Dank
Den 7700K und den 8700K habe ich übersprungen, komme direkt von einem 6700K (Asrock Z170 OCF).
"Offen" ist übertrieben, zumindest der i7-8700K, den ich für 1151-Board-Tests nutze, regeln die meisten Hersteller mittlerweile zwischen 130 und 160 W ab. Aber eben nicht auf 95 W. Das hatte ich bislang nur bei einigen B360-/H370-Modellen. Unter den Z-lern waren ältere Gigabyte mit 115-120 W die einäugigsten unter den Blinden.
Kann halt nur von meinem Board ausgehen, da ich nur dessen Verhalten kenne.
Das Board habe ich am 22. November gekauft und nach dem umbauen des Rechners direkt das letzte Update vom 31.10 (0602) drauf gezogen. Mir war zu dem Zeitpunkt gar nicht bekannt das andere Boards bereits schon mit Stock alles offen haben und so ist mir das ganze gar nicht groß aufgefallen. Habe erst später im Forum erfahren das andere Boards hier alles bereits offen haben und es bei meinem Board eine Ausnahme wäre. Deswegen habe ich mich ja auch gewundert das du dazu was anderes berichtet hast was ich so nicht von meinem Board kenne.
Es kann auch sein, dass Asus bei neuen Maximus-UEFIs andere Default-Vorgaben hat. Mein Test war ja noch im Oktober. Das halte ich jedenfalls für wahrscheinlicher als Unterschiede zwischen WiFi und nicht-WiFi. (Leider kann ich es gerade selbst nicht überprüfen, da das Muster extern im Einsatz ist.)
Beim X Hero sind sie damals auch noch während meines Test von 200 auf 170 W runtergegangen.